Warum zuviel Auswahl depressiv macht
Früher war alles besser? Stimmt, sagt die Psychologie, und sie weiss auch, warum: Weil früher alles schlechter war. Anhand diverser Studien wies der amerikanische Psychologe Barry Schwartz nach, dass ein Zuwachs an Wohlstand die Menschen nicht froh, sondern eher depressiv macht. In den USA sagen 14 Millionen Bürger - trotz verdoppeltem Bruttosozialprodukt in den letzten 30 Jahren - sie seien weit weniger glücklich als früher. Ein Grund, so Schwartz, wäre die enorm gestiegene Wahlfreiheit in allen Lebensbereichen. Wer zwischen einer kaum zu übersehenden Zahl von Fernsehkanälen oder Joghurtmarken wählen muss, dessen Stresspegel steigt und gewinnt somit auch nicht an Freiheit, sondern an Zwang. Denn je grösser die Auswahl, desto schwerer die Entscheidung und umso höher die Opportunitätskosten - so nennt man die Auswirkung des Verzichts auf alle anderen Alternativen bei der letztlichen Auswahl. Kaum ist die neue Digicam gekauft, findet man ein noch besseres und noch günstigeres Angebot. Und da aufgrund einer Fehlkonstruktion der menschlichen Natur Verluste mehr schmerzen als Gewinne, ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Aber was tun? Mister Schwartz empfiehlt mehr Genügsamkeit. Schade nur, dass sich diese alte Weisheit immer so schlecht vermarkten lässt.