Fernab der Heimat
Im Alten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit, wurde er geboren und lebte als Gerald van Bonheur.
Gerald war ein Lunuxianer und hatte schon einige Jahre auf den Buckel, sagte aber zu allen er wäre erst 63 Jahre jung, auch wenn ihm das nie jemand wirklich abnahm.
Unter Eldoras, dem Goldenen (Ur)Drachen der aus einem langen Drachenschlaf aufwachte, stieg Gerald als dessen Legat und Stellvertreter auf, gegen Ende des Goldenen Zeitalters, wie einige diese Zeit nannten, wurden die Dragon Lords gegründet.
Zahlreiche Kriege überzogen wieder einmal die bekannte Welt.
Heute schreiben wir das Jahr des Friedens und Eldoras regte zu einem gefährlichen Umfangen an.
Man sollte sich in einer kleinen Schiffsarmada aufmachen und nach neuen Ländern im Süden suchen.
Gerald war so fasziniert von diesem Vorschlag, dass er sich bereit erklärte diese Mission zu leiten.
Als die Schiff starteten waren es 16.
Nach vielen Stürmen und Unwettern und 200 Tage später nur noch 2 Schiffe.
An den letzten Sturm kann sich Gerald nicht mehr erinnern, nur noch dass ihm gesagt wurde ein kleines Hanselsschiff, das fern ab vom Kurs war, eine Gestalt im Wasser treiben sah, an einen Holzbalken geklammert.
Gutmütig wie der Kapitän dieses kleinen Handelsschoners war, nahm der den Mann auf.
Leicht schwang Gerald hin und her. Ihm war übel, seine Haut fühlte sich an als ob tausend Bienen sie stechen würden. Zudem war seine Kehle trocken.
Langsam kamen ihm Erinnerungen der letzten Tage ein.
Seine verbliebenen Männer waren desertiert und in die Wüste geflüchtet, er hatte sich alleine weitergeschlagen nur mit einigen Wasserschläuchen bewaffnet, alles andere hatte er abgelegt.
Schmerzen traten ihm in den Kopf als er vorsichtig ein Auge zu öffnen versuchte.
Müdigkeit übermannte ihn und er fiel wieder in einen langen Schlaf.
Wie viele Stunden oder Tage vergangen waren, wusste Gerald nicht. Nur dass seine Schmerzen aufgehört hatten und irgendjemand zu ihm sprach.
Gerald öffnete seine Augen. Fahles Licht strahlte von irgendwo her und schmerzte in seinen Augen. Langsam richtete er sich auf.
Vor ihm standen zwei Männer in schäbiger Kleidung, einer von ihnen rief etwas, der andere bat ihm Gerald etwas zu trinken an.
Nickend nahm er das Wasser und spülte es den Rachen hinunter. Es schmeckte etwas fad, wie abgestanden, erfrischte ihn aber enorm.
Während die Männer in einer ihm irgendwo her bekannten Sprache einredeten, sah sich Gerald um. Dem Schwanken nach zu urteilen befand er sich auf einem Schiff, in einem kleinem schlichten hölzernen Raum auf einer Pritsche. Das fahle Licht linste durch die Ränder einer Holztür die sich direkt hinter den beiden, wahrscheinlich, Matrosen befand.
Sie wurde geöffnet. Ein kleiner hagerer Mann, jedoch mit einem dicken Bauch und grauen Vollbart, trat durch sie hindurch und schob die Matrosen beiseite. Er trug einen komischen, vom Wind und Wasser zerrupften Hut auf seinem Kopf.
„Eldoras Gruk ta, wa nemma hab dik whon ma?“ fragte Gerald guten Gewissens und mit voller Höflichkeit.
Jedoch starrten ihn nur drei verwirrte Augenpaare an.
„Ähm,“ sprach er Kapitän- so schien es Gerald dass er es sein musste, mit rauer Stimme „was habt ihr in der Wüste gemacht und wie ist euer Name, Herr?“
Jetzt kam es Gerald wieder in den Sinn, woher er diese Sprache kannte, sie erinnerte ihn an Lunuxianisch, eine Sprache die er schon seit mehr als einigen Ewigkeiten niemanden mehr hat sprechen hören.
Gerald rutschte etwas zurück um aufrecht zu sitzen und versuchte in, anfänglichst, stotteriger Sprache mit dem Kapitän zu reden.
Als er einigermaßen wieder seine alte Sprache über die Lippen brachte, fragte er:
„Und wo, guter Mann, bin ich jetzt gelandet? Ich bin nicht mehr im Großen Tal, oder?“
Verwirrt sah ihn der ältere Mann an.
„Nein, Herr, das seid ihr sicherlich nicht mehr. Ihr müsst die weite Wüste durchquert haben, ruht euch doch noch etwas aus, dann könnt ihr mit mir zu Abend essen und ich erzähle euch wo ihr euch befindet.“
Gerald nickte und fand dies für die beste Möglichkeit.
Der Kapitän und seine Matrosen verließen Gerald und als er alleine war suchte er zuerst den Raum ab.
Von seinen alten Sachen fand er nur noch seine zerfetzte Hose, die er noch trug.
Er entdeckte einen kleinen gesprungenen Spiegel, der am Boden lag, und betrachtete sich darin.
Ihm war niemals aufgefallen dass er so alt geworden war. Der Zahn der Zeit hatte ziemlich an ihm genagt.
Von seinem einstigen schwarzen Haar, sind nur noch einige wenige, weiße, Reste geblieben die ihm in einem kurzen Schnitt müde und alt wie er selbst durch den Spiegel ansahen. Sein sonst normaler kleiner Vollbart sah etwas Barbier-bedüftig aus.
Tiefe Falten und Furchen durchzogen sein Gesicht, er könnte schwören seine blasse Hautfarbe wäre durch die lange Sonne etwas dunkler geworden.
Um seinen Hals, über seiner hellen Brustbehaarung hing immer noch seine goldene Kette die ihn als Mitglied und Ältesten seiner Familie auswies, auch der goldene Ring des Legaten von Eldoras war noch an seinem Finger.
Gerald stieß einen leisen Dank aus das ihm keiner der Matrosen diese Sachen abgenommen hatte.
Mit breitem Grinsen lächelte Gerald sein zersplittertes Spiegelbild an. Mit seiner gespaltenen Zunge, eine lange Geschichte- man sollte Kinder niemals mit einem Messer spielen lassen, fuhr er über sein Drachenzahngebiss. Fühlte sich zwar sehr Rau an, aber immer noch scharf.
Insgeheim hoffte er keiner der Matrosen hat diese Dinge bemerkt, Gerald würde gar nicht wissen wollen was sie mit ihm anstellen.
Sie hatten ihm auch sein zerfetztes Hemd gelassen, das halb offen an ihm herunterhing.
Gerald kratzte sich etwas an der Brust, er bräuchte mal wieder ein Bad. Schabend fuhren seine schon viel zu langen und gerissenen Fingernägel über die Drachenschuppe welche sein Herz überdeckte und ihn einst beinahe sein Leben gekostet hätte.
Etwas trostlos schüttelte Gerald seinen Kopf und dachte daran was ihm schon alles wiederfahren war in seinem viel zu langen Leben. Durch den zerfetzten rechten Ärmel blitzte ihn die schwarze Tätowierung eines schwarzen Drachen an.
Müdigkeit übermannte Gerald erneut und er beschloss sich wieder hin zu legen. Er nahm noch einen großen Schluck aus einem ihm da gelassenen Wasserschlauch, klatschte auf sein kleines Bäuchlein, setzte sich auf die Pritsche und ließ sich ins Bett fallen.
Leider saß er etwas zu weit auf dem Bett so dass er mit einem lauten Klong-Geräusch mit seinem Hinterkopf an die Holzfand stieß.
Brummelnd rutschte sich Gerald auf dem schmalen Bett zurecht, Schmerzen am Hinterkopf spürte er keine, schließlich war dort eine Titanplatte die man ihm einsetzte nachdem er beinahe skalpiert worden war. Aber das war schon lange her, eigentlich beachtete er diese und viele andere kleine und große Narben nicht mehr.
Gerald murmelte noch etwas selbst für ihn unverständliches und träumte dann davon welchen Ruhm und Ehre er erhalten würde wenn er wieder in seine Heimat zurückkehren würde, als erster der die Wüste im Süden durchquert hat.
Sollte sein kleiner Botendrache Draco wieder auftauchen, würde er zuerst eine Nachricht schreiben.
Noch einige Wochen sollten vergehen, in denen sich Gerald, seines äußeren Alters sei Dank, nicht an allgemeinen Arbeiten auf dem Schiff beteiligen musste.
Der Kapitän gab ihm noch einige Kleider sowie einen kleinen Beutel Geld mit auf den Weg, nachdem er mit Gerald einen Vertrag geschlossen hatte der den Kapitän die Handelsrechte mit dem Großen Tal zusicherte.
Unterschrieben hatte er dieses Dokument noch mit seinem vollen Namen.
Graf Gerald Remiba van Bonheur, Legat von Eldoras.
Als man ihn in einem Hafen des, wie er hörte, Ashkantra genannten Landes absetzte und noch alles Gute wünschte, legte Gerald seine Titel ab, er wollte nicht noch von irgendeinem eifersüchtigen oder Machtgierigen Adeligen ins dunkelste Verließ geworden werden, der in Gerald eine Gefahr für seinen Rang sah.
Neues Land, neues Glück. Gerald wusste zwar immer noch nicht wo er eigentlich war und was er hier sollte, aber er wusste was er zu tun hatte.
Insgeheim wollte er zuerst Anhänger für die Dragon Lords finden, im geheimen, dann die Macht übernehmen und Verbindung herstellen. Dieses Ashkantra würde eine weitere, glorreiche Kolonie für die Dragon Lords und den König seines Landes hergeben und ihm, Gerald Remiba van Bonheur, weiteren Ruhm einbringen.
Das Leben geht weiter, und Draco wird ihn schon noch finden, schliesslich kann er ja fliegen.
Als Gerald die ersten Schritt im vielbesuchten Hafen tat, war ihm jetzt aber schon klar, er würde sich eine kleine Picke besorgen und sich sein Gold wieder da her holen wo es herkam: aus dem Berg.
Fernab der Heimat [Charstory]
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In Gedenken an PO Sarh Donse. 1965-2003
"Don't think - make a decision, man!"
-Hot Dog Man aus NYC
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