Seite 1 von 1

Nyames Geburt

Verfasst: 18. Mai 2004, 10:18
von Maximillian Sato
Das klare Licht des Mondes spiegelt sich im Wasser und erhellt die kalten
Gemäuer der alten Residenz des Königsgeschlechts der Senarer. Alles liegt
still dar, nur selten hört man einen Tropfen der auf das Gestein prallt und
so die schreiende Stille bricht. Die Wachsoldaten in ihren prunkvollen
Rüstungen stehen eher schläfrig auf ihren Posten. Alles scheint in einem
süßen Schlummer zu liegen, der die ganze Burg einzuschläfern scheint. Doch
dann durchbricht ein knarren einer aufgehenden Tür die Stille, schnelle
Schritte eines auf und ab gehenden Mannes erklingen in der Burg und werden
durch den Widerhall der Wände bis nach draußen in die Nacht getragen. Schreie
einer Frau erhallen in den schlecht beleuchteten Gängen der Burg. Immer
nervöser und schneller werden die Schritte des Mannes. ?DONG" ?DONG" wie
Donner erklingen die Schläge des Mannes, als er gegen die Eisentür mit seinen
Fäusten hämmert. ?Wie lange dauert das noch", ruft der Mann in einem
besorgten Ton gegen die schwere Eisentür. Unterbrochen von dem Geschrei ist
nur ein die Stimme einer Frau zu hören ?nur Geduld, nur Geduld mein König".
Wieder geht der Mann immer wieder den dunklen Flur auf und ab. Etwa 2 Stunden
später verstummt alles und der so schwer von der Ungewissheit gebeutelte Mann
schaut nun hoffnungsvoll zur Tür. Nach einigen Minuten öffnet sich die Tür
und eine ältere, etwas runde Frau tritt in die Schwelle ?Die Götter haben euch
eine Tochter geschenkt", sagt sie in einem etwas verängstigtem Ton der durch
ein Stottern noch mehr betont wird. ?Verflucht!" schreit der Mann auf und
schlägt mit der geballten Faust gegen die graue Mauer. Eine Zeit lang steht
er regungslos dar, als würde er gerade von sehr vielen Gedanken heimgesucht.
Dann plötzlich wendet er sich von der Frau ab und geht mit schnellen
Schritten den Flur hinab, bis er schließlich hinter Einer Ecke verschwindet.

?Herold!" erklingt es im Gemach des königlichen Beraters. ?Herold!" wieder
erhebt sich die fast bedrohlich klingende Stimme im Gemach. Schnell stürmt
ein Mann aus seinem Bett und zieht sich in aller Eile Hose und Hemd an. Mit
schief sitzender Hose und einem zerknittertem Hemd eilt er zur Tür. ?Mein
König, welch erfreuliche Überraschung zu so später Stunde" sagt der Mann als
er die Tür öffnet. ?Spart euch eure Worte, mir wurde eine Tochter geboren,
ein verfluchtes nichtsnützes Wesen" prallen dem Mann die Worte seines Königs
entgegen. ?Ihr wisst was dies bedeutet! Verdammt! Hätte ich doch nur eine
brauchbare Frau geehelicht, stattdessen kriege ich eine die mich mit einer
solchen Brut beschenkt." ?Aber, mein König, ihr wisst doch, dass die
königlichen Wahrsager nicht immer Recht behalten.", erwidert der immer noch
leicht verschlafen wirkende Mann. ?Vielleicht liegen sie auch dieses mal
falsch und eure Tochter wird euch in Wirklichkeit Freude und Wohlstand
bringen." ?Hört auf!", schreit ihm der König ins Gesicht, ?Ich will kein
Risiko eingehen, ihr kennt doch die Weissagung.", für einen kurzen Moment
verstummt der König, doch dann erhebt sich wieder seine Stimme. ?So soll es
sein, dass dieses Land verflucht sei, so lange wie des Königs rechtes Weib
ihm keinen Sohn gebären kann. Ferner werden die Töchter des Königs diesem
Unheil bringen und sein Reich ins Verderben treiben. So steht es geschrieben
und so soll es sein.". Mit einer plötzlichen Bewegung greift der König seinem
Diener an dessen Schulter ?Wir müssen etwas tun! Herold, lasst euch etwas
einfallen wie wir das Unglück von uns abwenden.". ?Aber mein König ich denke
es wird nichts Derartiges geschehen, es ist sicher nur ein dummer Scherz, den
sich die Narren für euch ausgedacht haben.", erwidert der Mann. ?Erzürne
nicht deinen König" spricht der nun auf dem Gang auf und ab gehende König,
?Du!", der König deutet mit seinem Zeigefinger auf den Mann und verengt seine
Augen, ?Du Herold, Du wirst dieses Balg für mich loswerden.". ?Ich?",
erwidert der Mann fragend, ?Aber mein König?", noch bevor er ausreden kann
erhebt sich wieder die mittlerweile etwas besänftigte Stimme des Königs ?Du
wirst dieses Teufelswerk mit dir nehmen und es für immer aus meinem Leben
verschwinden lassen.". ?Aber?", wieder wird der Mann vom König unterbrochen
?Kein aber, du wirst dieses Balg loswerden und das noch heute Nacht!". Mit
diesen Worten macht sich der König mit schnellen Schritten davon.



Eine Weile steht der Mann noch nachdenklich in der Türschwelle bis er
schließlich die schwere Tür zuknallt und sich anzieht. ?Wachen!", schreit er
dann als er aus seinem Gemach auf den Flur hinaustritt. Nach wenigen
Augenblicken hört man schweres Gepolter das den Gang herauf läuft, bis
schließlich zwei in leichten Rüstungen und mit Lanzen bewaffnete Soldaten vor
ihm stehen. ?Ihr beide werdet mit mir kommen, sattelt mein Ross wir werden im
Auftrag des Königs ausreiten", spricht der Herold zu den Wachen, diese nicken
kurz und verschwinden dann wieder mit lautem Gepolter hinter einer Ecke. Als
sie verschwunden waren dreht sich der Herold und geht den Gang in die andere
Richtung herunter, bis er zu einem Raum kommt in dem sich nur eine alte,
schlafende Frau und eine Wiege befinden. Langsam schleicht der Mann an der
Frau vorbei und greift in die Wiege wo ein schlafendes Kind drin liegt.
Hastig und grob zieht er es aus der Wiege und wickelt es in ein Leinentuch,
dann verschwindet er wieder im Gang und geht hinaus zu den Stallungen, wo
schon die zwei Soldaten auf ihren Pferden auf ihn warten. Still, beinahe
lautlos Reiten sie dann los. Der leise Regen fällt auf sie herab und schon
nach wenigen Minuten sind sie vollkommen durchnässt. Der Herold, das
Leinenbündel in den Armen haltend, blickt immer wieder besorgt zurück, zu den
in der Dunkelheit, fast schon nicht mehr sichtbaren Gemäuern. Nach einigen
Stunden des Reitens in strömenden Regen hält der Herold inne und hebt dann
die rechte Hand ohne sich zu den beiden Anderen umzudrehen. Stille liegt über
den vor ihnen liegenden Wald. ?Hört ihr das?", die klare und laute Stimme des
Herolds durchbricht dann die Stille. ?Nein, Herr", erwidert einer der hintern
ihm stehenden Soldaten. ?Ihr müsst es doch hören. Wölfe!", mit diesen Worten
dreht sich der Herold zu den beiden Soldaten um und schaut sie scharf an.
Beide Soldaten nicken dann beinahe gleichzeitig ?Oh ja Herr, jetzt können wir
sie auch hören". Der Herold steigt von seinem Pferd ab und geht zu einem der
Bäume am Waldrand. Vorsichtig öffnet er noch einmal das Leinentuch und schaut
noch einmal in das Gesicht des Kindes. Dann legt er es sanft in das Moos,
welches die dicken Wurzeln des Baumes belagert. Still dreht er sich wieder um
und steigt auf sein Ross. ?Hü!" mit einem kräftigen Tritt seiner Hacken in
die Seiten des Pferdes macht er sich dann mit seinen Gefolgsleuten davon, bis
er schließlich in der Dunkelheit verschwindet.

ürsprüchlich aus der FL Daten Bank zur Amazone

*Edit Sahera: Auszug aus dem Buch der Amazonen (c) Sahera, erstmals auf der Amazonen Homepage der FL Amazonen erschienen. (Aber nett, dass es jemand aufgreift :).)*