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Neumond

Verfasst: 26. Jul 2005, 09:42
von Onkel Geri
Höret her, höret her.
Nach langer Zeit habe ich es mir erlaubt, meine Geschichten aus fernen Tagen hier zu veröffentlichen.
Ich hoffe es sei mir Erlaubt, diese als Tribut an vergangene Tage und Abenteuer ans Brett zu schlagen.
Wundert euch nicht über Abweichungen eurer Erinnerungen, ihr seid genauso alt wie ich und würdet es nicht merken wenn euch eure Phantasie einen Streich gespielt hat.
Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen,
Euer Graf Gerald Remiba van Bonheur.

*Klopft eine ganze Reihe von Zetteln an die Wand*

Neumond (Neumond -21-)


Kapitel Eins (I)

Mit einem lauten Knarren öffnete sich, wie von Geisterhand, die schwere
metallbeschlagene Eichentür.
Vier Augenpaare richteten sich auf den Eingang und suchten mit hektischen
Bewegungen nach demjenigen der ihre Ruhe störte.
Kalter Nachtnebel wehte in das spärlich mit Fackeln beleuchtete Wirtshaus
und setzte sich zwischen den Hirschkopf Trophäen über dem Eingang fest.
Die vier Augenpaare gehörten drei Gästen die an der Theke saßen und dem
Wirt dahinter welche allesamt einen nervösen Eindruck
erweckten. Wie eine unsichtbare Hand fuhr mit einem lauten rauschen Wind
durch die offene Tür die den Menschen trotz ihrer fast einheitlichen Fellbekleidung eine Gänsehaut bekommen ließ. Mehrmals flackerten die Pechfackeln. Als der Wind sich legte kam Unruhe in die Gruppe.
Der stämmige Wirt zog ein rostiges Fleischerbeil unter seiner befleckten
Schürze hervor, einer der Gäste hielt eine riesige doppelschneidige Axt in der Hand die ihn beinahe überragte.
"Was willst Du?!" sprach mit rauer Stimme der Wirt.
Sano strich sich mit seinen abgefranzten dunkelroten Salamanderleder
Handschuhen durch sein brustlanges blondes Haar. Mit etwas mehr als einem Fuß siebzig überragten ihn die anderen Gäste um ein leichtes. Der jugendhaft aussehende Elf klopfte sich gegen seine dunkelgrüne Kutte und
sprach mit sanfter aber durchdringender Stimme die fast einem Singen glich:
"Werte Menschen, ich suche Bertram da Fouchais. Und ich denke ich habe ihn
gefunden. Denkt ihr nicht?"
Ratlos blickten sich die drei Gäste an, dann schauten sie zum Wirt der
nervös mit seinem rechten Auge zuckte. "Verdammtes Langohr. Wer hat mich verraten- sag es du Hund! Ihr werdet mich nie in die Hände bekommen. Nie werdet Ihr es erfahren" brüllte der Wirt mit zittriger Stimme und
hob das Fleischerbeil an seinen Hals, bereit sich die Kehle durchzusäbeln.
Mit einem lauten Schrei ließ der Wirt das Beil fallen. Ungläubig starrte er
auf den buchenfarbigen Pfeil der aus seinem Handballen ragte und dessen blutige Spitze ihn geradezu anlächelte.
In Sekundenbruchteilen hatte der Elf seinen golden glänzenden Bogen gezückt
und zielsicher einen Pfeil abgeschossen.
Vollends verwirrte blickten die drei Gäste zwischen Wirt und Elf hin und
her, unsicher auf welche Seite sie sich schlagen sollten. Diese Entscheidung nahm ihnen der Wirt ab indem er mit heiserer Stimme 500 Vesperianische Golddublonen für den Kopf des Elfenschützen bot. Sano schüttelte leicht seinen Kopf und winkte wie ein Lehrer ermahnend mit
seinem Zeigefinger, doch die drei Weggefährten waren bereit für das Gold
alles zu tun.
Jemand der nicht aus der Gegend der Mystischen Inseln kommt, muss wissen das 500 Vesperianische Golddublonen
als Gegenwert im ganzen Britainischen Königreich 40 Pferde haben. Vesper ist die nördlichste Stadt des Landes und zugleich die reichste. Ihren Prunk erhält die Stadt durch den großen Hafen der die Inseln mit der Hauptinsel verbindet.
500 Golddublonen sind also ein Vermögen für arme Habenichtse. Doch oft ist
die Gier nicht der beste Wegbegleiter.
Noch ehe zwei von den Wirtshausgästen unter ihre dunklen Felle greifen
konnten um ihre Waffen zu ergreifen, gingen sie bereits,
von mehreren Pfeilen in der Brust getroffen, stöhnend zu Boden.
Der Axtschwinger erkannte die Gefahr die von einem Elfen ausgehen konnte und stürzte sich rechtzeitig hinter einen Mauervorsprung
und hörte mit Entsetzen wie mehrere Pfeile in das Mauerwerk einschlugen.
Sano stand immer noch an exakt der gleichen Stelle wie vor dem kurzen Kampf, scheinbar unbewegt. Seine bronzefarbenen Augen wanderten aufmerksam durch den düsteren Raum. Ein lautes Klirren ertönte als das Bleiglas eines Fensters zersprang.
Nun waren nur noch zwei Personen im Raum.
Zitternd wie Espenlaub flehte der Wirt Sano an. "Bitte, geh, bitte, sie
werden kommen, sie werden uns finden, wir werden
alle grausam sterben. Grausam. Selbst du! Frage mich nicht, frage mich nicht nach ihrem Führer. Ich darf es nicht sagen ich kann es nicht sagen, frag mich nicht frag mi-"
Mitten im Wort erstarrte der Wirt in seinem Gewinsel und blickte zur Decke
hoch. Er tat als ob er lauschte, doch konnte er nichts hören, wie auch Sano keinen ungewöhnlichen Laut vernahm. Wohl aber ein tiefes Rumoren der Erde.
Wie auf Befehl erloschen alle Fackeln im Wirtshaus auf einen Streich. Aber
es wurde nicht finster- es war heller als zuvor.
Der laut kreischende Wirt brannte. Er brannte. Nach kurzer Zeit verstummte
das Geschrei und der verkohlte Leichnam ging zu Boden. Doch er brannte immer noch. Von rot wechselte die Farbe des Feuers in tiefes Grün. Leise seufzte Sano. Auch ohne seine begabten Augen erkannte er das Magie mit im Spiel war. Es war an der Zeit dem ganzen auf den Grund zu gehen.
Schnellen Schrittes verließ der Elf das Wirtshaus, dessen Dachstuhl
mittlerweile fast vollständig von der dunkelgrünen Flamme umhüllt war. Durch Sanos Lippen glitt ein hoher, kaum hörbarer Pfiff und
kein Augenzwinkern später trabte leicht wiehernd, aus dem tiefen Wald der das Wirtshaus umgab, ein glänzend weißer Drugjaner Hengst. Ohne Anlauf zu nehmen sprang Sano über drei Fuß lang auf das Pferd und hüllte sein Antlitz, während er sich galoppierend von der baldigen Ruine entfernte, in die Kapuze der Kutte. Sano wusste wohin sein Weg führte. Dass der Wirt 500 Golddublonen aus Vesper besaß war kein Zufall. Nur eine einzige
Sorge plagte ihn, seit er von der Allianz des Lichtes entsandt wurde Licht in den Schatten zu bringen, dass er zu spät kommen
würde und die bekannte Welt für ein weiteres mal brennen würde.
Dank seiner auch bei Dunkelheit bestens funktionierenden Augen erkannte er
das Schild am Wegrand.
-Vesper, Ein Tagesmarsch entfernt.
Langsam begann die Sonne sich von ihrer Nachtruhe zu erheben und ließ den
steinigen Weg wie einen Weiser durch die Baumschneise
hindurch aufglänzen.

Verfasst: 26. Jul 2005, 13:54
von Onkel Geri
Kapitel Zwei (II)

Auftritt der Dame

Nebel legte sich über den düsteren Wald, als Sano durch ihn hindurch ritt.
Der Hengst, auf dem Sano ritt, beschleunigte das Tempo in der Hoffnung so schnell wie möglich aus diesem dunklen, unheimlichen Wald wieder heraus zu kommen. Der steinige Weg schien aber kein Ende zu finden und zu allem Übel überkam Sano ein mörderisches Hungergefühl.
Die Augen des Mannes wanderten von Baum zu Baum, in der Hoffnung etwas Essbares zu finden. Doch statt eines Hasen oder Rehs, erblickte er plötzlich Rauchschwaden, die am Himmel aufstiegen.
Dem Rauch folgend gelangte er eine Lichtung, dort auf dieser friedlich hellen Lichtung stand ein kleines aus Holz gefertigtes Haus.
Dieser Ort schien so friedlich und warm zu sein, dass Sano keine Angst verspürte an die alte, durch Holzwürmer zerlöcherte Holztür zu klopfen.
Es dauerte ein Weile bis Jemand die Tür öffnete, ein älterer Menschenmann mit langem weißen Bart und nicht ganz so langem weißen Haar stand in der Tür. „Was willst du hier Fremder, wir geben und kaufen nichts und wenn du es wagen solltest mich überfallen zuwollen, muss ich dich warnen, ich bin stärker als ich aussehe“ pöbelte der alte Mann los ohne Sano anzuhören.
Sano war so überrascht von der Forschheit des alten Mannes, dass es einige Sekunden dauerte bis er ihm eine gescheite Antwort geben konnte.
„Es tut mir leid eure Ruhe gestört zu haben verehrter Herr, mich schmachtet es nach etwas Essbaren und dursten tut es mich auch. Wenn ihr mir ein Mahl bescheren würdet könnte ich euch reichlich dafür belohnen“ sprach er mit offener Hand in der 15 Golddublonen lagen.
Die Augen des alten Mannes waren gebannt auf die Golddublonen gerichtet, „Natürlich werdet ihr ein Mahl und etwas Wein von mir erhalten, kommt doch herein“ stammelte der Alte mit hektischer Stimme.
Bevor der Elf und der alte Mann das Haus betraten bemerkte Sano, dass kein Rauch mehr diesen Ort verließ.
Die Einrichtung dieser kleinen Holzhütte war sehr spärlich, ein kleiner Kamin, ein ebenso kleiner Tisch aus Buchenholz und zwei größere Betten gestalteten dieses Haus.
„Bitte setzen sie sich doch an den Tisch mein Herr, leider kann ich ihnen keinen Stuhl anbieten, den letzten den wir hatten hat meine Tochter zerstört“ sagte der Mann.
Sano dachte sofort an ein kleines, wildes Mädchen, das mit Stühlen und anderen Gegenständen um sich wirft und so ihrer Zerstörungswut freien Lauf lässt.
Es dauerte nicht lange, bis vor Sano auf dem Tisch ein köstlich aussehender Rehbraten und eine Flasche Wein standen. Nicht lange auf sich wartend verschlang der Elf den Braten und leerte die Flasche Wein.
Als Sano sich erheben und dem Alten sein Geld zukommen lassen wollte, bebte das kleine Haus plötzlich fürchterlich, einige Tassen und Becher vielen mit einem lautem Klong auf den Boden und das Feuer im Kamin loderte so als würde es gleich explodieren. Sano rannte sofort raus um zu erkunden was dieses Beben auslöste.
„Mia, wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du das lassen sollst“ schrie der alte Mann in Richtung Hinterhof.
Sano folgte dem Alten hinter das Haus, dort traf er die Tochter des Mannes.
Hier stand aber kein kleines Gör sondern eine Frau in einem langen blauen Kapuzenmantel gehüllt, die Kapuze verhüllte ihr Gesicht welches Sano gerne deutlicher gesehen hätte.
Erst als ihr Vater und der Elf näher kamen verschränkte die Frau ihre vorher auf ein Stück Stein gerichteten Hände hinter dem Kopf, wobei sie sich die Kapuze vom Kopf strich und sie leicht auf den Rücken gleiten lies, ihr Gesicht war das einer Dame, lange rotbraune Haare, türkis schimmernde Augen und eine kleine Stupsnase. Mias Augen fixierten den Elfen, „Entschuldigung Papa, ich wusste nicht das wir Gäste haben!“ sagte sie mit ruhiger, leiser Stimme.
„Du sollst auch nicht Zaubern, wenn wir keine Gäste haben Mia!“ Schimpfte der alte Mann mit seiner Tochter. „Bitte mein Herr lassen sie sich nicht durch die spielerrein meiner Tochter stören“ fügte er noch in Richtung Sano hinzu.
„Ich war schon fertig mit dem Mahl, Danke!“ sagte der Elf und reichte dem Alten die 15 Golddublonen. Mias Augen weiteten sich, 15 Golddublonen waren auch für sie ein Haufen Schotter.
„Ich werde dann weiter reisen, Danke für die Gastfreundschaft“ sagte Sano vornehm wobei seine Stimme wieder den gesanglichen Klang hatte.
„Wohin geht deine Reise Elf“ fragte Mia plötzlich und ganz überraschend.
„Ich werde nach Vesper reisen“ antwortete Sano.
Mia war hin und weg, in Vesper war sie noch nie und eine Herzenswunsch würde in Erfühlung gehen wenn sie mit dem Elf dorthin gehen könnte.
„Nimmst du mich mit?“ fragte die Frau den verblüfften Sano.
„Das geht nicht, ich bin in einer wichtigen Mission unterwegs!“ erwiderte der Elf. „Bitte, Bitte nimm mich mit“, bei Mias flehen erlag Sano dann doch dem treuen Hundeblick der Frau.
„Ok, ich werde dich mitnehmen aber nur bis nach Vesper und du wirst mir nicht im Wege stehen, hörst du!“ ermannte Sano die immer noch treublickende Mia.
Diese klebte an seinen Lippen bei dessen Worte und plötzlich als er seine letzten Worte aussprach sprang sie ihm an den Hals, „DANKE, DANKE“ hauchte sie ihm ins Ohr.
„Vater ich werde Baltasar nehmen, er wird mich sicher bis nach Vesper bringen“ sagte Mia und küsste den alten Mann zum Abschied auf die Wange.
Sano ging derweilen zur Vorderseite des Hauses, dort wo noch sein Pferd angebunden war, er löste es von der Balustrade und sprang auf.
Kaum hatte Sano aufgesetzt, ritt auch schon Mia auf einem schwarzen Schimmel um die Ecke und sofort gab sie ihrem Pferd die Sporen.
Mia konnte es nicht abwarten nach Vesper zu kommen, dort wo das Leben tobt und sie endlich ihre Zauberfertigkeiten verbessern könnte.
So ritten die beiden Weggefährten in die heiße Mittagssonne, immer in Richtung Norden, immer in Richtung Vesper.

Verfasst: 26. Jul 2005, 15:31
von Onkel Geri
Kapitel Drei (III)

Glück auf in Vesper

Sanft umwehte eine leichte Briese aus salziger Luft Mias feine Nase.
Die beiden Reiter standen mit ihren braven Rössern auf einer kleinen Anhöhe
des Cove Gebirges und sahen auf ein Gebiet voll mit weiß grauem Nebel.
Mia quengelte leicht zu Sano. "Worauf warten wir? Warum reiten wir nicht
weiter? Sollten wir nicht schon längst in Vesper sein?"
Mit sanfter Stimme gebot Sano sie zur Ruhe und noch einige Augenblicke zu
warten.
Leicht eingeschnappt drehte Mia ihren Kopf wieder von dem Elfen ab und
blickte hinunter auf die Nebelbänke.
Sie langweilte sich. Wie oft hatte sie wilde Kämpfe in ihren Träumen vor
sich gehabt auf dem Weg nach Vesper.
Doch kein Traum schien sich erfüllt zu haben und nun saß sie zu allem
Überfluß auf ihrem Pferd und glotzte kalten Nebel an.
Von irgendwo her kam ein markerschütternder Schrei und kurz darauf kam ein kräftiger Wind auf dessen salziger Geruch in Mias Nase kribbelte dass sie niesen musste. Aus den Augenwinkeln konnte sie gerade noch
ein kurzes Grinsen des Elf erhaschen ehe die Tränen sich über die Augen
ergossen. Mia wischte kurz mit ihrer Hand durch ihr Gesicht und war so verblüfft als sie wieder sehen konnte dass sie ganz vergaß ihren Mund wieder zu schließen.
Fast beiläufig hörte sie die singende Stimme Sanos. "Das Glühende Herz des
Nördlichen Fürstentums um Rodherga dem dritten.
Vesper." Vor den Augen der zwei Gefährten spalteten sich wie von einer
unsichtbaren hand geführt die Nebel und lösten sich auf. Dahinter gaben sie den Blick auf eine riesige Stadt frei, auf dessen blauen und roten Dächern das Sonnenlicht reflektiere. Vesper war die größte Stadt die Mia je gesehen hatte. Viel größer als die Handwerkerstadt Minoc am Mount Kandall.
"Das Glühende Herz des Nordens" war im eigentlichen Sinn gar keine richtige
Stadt. Unzählige Inseln waren durch etliche Brücken miteinander verbunden und bildeten das Fundament der Stadt.
Lediglich einige Ausläufer der Stadt an den Rändern des Festlandes brachen das Bild der Stadt. Vesper war wunderschön. Zwischen den Eilanden blitzerte das Wasser wie tausend reine Safire. Die ettlichen riesigen Schiffe im Hafen veranlassten Mias Nackenhaare sich aufzustellen und ein leichtes kribbeln durchfuhr ihren athletischen Körper. Ihr Blick schweifte gegen Westen als sie mehrere dunkle Wolken erspähte aus denen
wilde Blitze grellend gen Boden zuckten. "Was ist denn das dort?" fragte sie erstaunt.
Sano warf ihr einen mahnenden Blick zu als ob sie die falsche Frage gestellt hätte. "Nur der Friedhof der Stadt.
Vielleicht erzählt dir später ein alter Freund von mir die Geschichte vom
Vesperra Friedhof. Komm wir wollen reiten."
Mit diesen Worten packte Sano die Zügel und begann die Anhöhe hinunter zu
reiten ohne groß auf Mia zu warten.
Nach kurzem Ritt durch dichte Wälder und vorbei an endlosen Händlerkarawanen gelangten sie zum Südeingang der Stadt.
Vorbei an mehreren stabilen grauen Steinbauten mit einem flachen Dach auf
dem sich reges Handeln abspielte, kamen sie in die Sichtweite
der Stadtmauern die sich mehrere Fuß hoch auftürmten. Zur linken Flanke von
Sano ertönte das laute Dröhnen von mehreren
Fanfahren. Der Elf stoppte sein Pferd und sah mit einem leichten Lächeln auf seinen Lippen dem ihm bekannten Schausspiel zu. Mia hingegen war überrascht von dem Spektakel. Knapp vor den Stadtmauern aus massiven großen Steinblöcken war ein scheinbar riesiges Areal das an einen Sandstrand zum Meer angrenzte. Umgeben von sandsteinfarbenen Mauern die sogar noch um einiges höher in den Himmel ragten als die Stadtmauern. Kurz unter den Mauerenden waren die Steine mit seltsamen braunen Zeichen verziert
worden. Mias Blick schwengte zu einem riesigen Tor aus Schenkelbreitem
Bronze, dessen beiden Hälften sich gerade öffneten und den Blick hinter die Mauern freigaben. Vor einem großen dreistöckigem
Fachwerkhaus befand sich ein riesiger Sandplatz, umgeben
von einem Meer aus Sträuchern und Blumen. Auf dem Platz zählte Mia mehr als
fünfzig Mann die in goldenen Rüstungen aufmarschierten
und in ihrer Mitte eine Gasse bildeten. Mias Frage für wen diese Gasse sei
wurde noch beantwortet ehe sie durchdacht war.
Eine große dunkle Holzkutsche mit einem Schildförmigen Wappen an beiden
Seiten aus Elfenbein auf dem ein sitzender
Drache aus scheinbar purem Gold prangte. Begleitet von zehn Reitern auf
strahlend weißen Pferden. Noch nie hatte Mia
solche Pferde gesehen, selbst das Pferd ihres Elfenbegleiters glänzte nicht
in solch einer Pracht wie es die Pferde taten.
Mia wünschte sich nur zu gern zu wissen wer in dieser Kutsche gefahren wurde.
Es musste eine hohe Persönlichkeit sein, denn
als die Kutsche das Tor passierte konnte Mias noch erhaschen wie alle
Soldaten salutierten, ehe sich die Tore schlossen.
Kaum mehr als einige Augenblicke hatte dieser Empfang gedauert und doch kam
es Mia wie eine kleine Ewigkeit vor.
Sie war für diese Sekunden so stark abgelenkt dass sie erst jetzt den Mann
an Sanos Seite bemerkte. Etwa einen Fuß achzig
groß, braunes Schulterlanges Haar, einen stoppeligen Drei-Tage-Bart und
gekleidet in ein weißes Hemd mit einer goldenen Weste und
einem passenden Umhang. Besonders starrte Mia die goldene Kettenhose an,
anscheinend einen Atemzug zu lange denn der Mann sprach sie
an. "Willkommen in Vesper werte Maid. Schönes Kind, sagt wie ist der Eure
Name, lasset Ihr mich an ihm teilhaben?" sprach der
Unbekannte mit einem leichten Südländer Akzent und verbeugte sich dabei
tief. Leicht rot werdend antworte Mia geschmeichelt und
überrumpelt fühlend kühl "Wie ist denn der Eure, Sire?" Ein tiefes Lächeln,
welches seine gelben
Zähne herausschauen ließ, machte sich auf dem Gesicht des Mannes breit und
er antwortete mit einem wärmenden Unterton
"Radoc van Fuerth meine Dame, Krieger des Goldenen Drachen und Führer des
vierten Reiter Trupps, zu Euren Diensten."
Ehe Mia etwas erwidern konnte, trabte Sano mit seinem Gaul zwischen die
Beiden und forderte van Fuerth auf sie ohne
weitere Umschweife zu ihrer Herberge zu führen, da sie einen langen Ritt
hinter sich hätten.
Ohne Probleme kamen die drei an den Wachposten am Stadttor vorbei, die in
ihren lila-roten Uniformröcken über ihren
Kettenhemden fast wie Hofnarren aussahen.
Während sie durch enge Gassen Radoc folgten, vorbei an hohen Fachwerkhäusern
und vereinzelten Mauerbauten die beidergleich
die Sicht auf den Himmel größtenteils verdeckten, sah sich Mia genau in
Vesper um und versuchte sich den Weg einzuprägen.
Besonders fiel ihr die Sauberkeit der Stadt auf. Kein Unrat oder stinkende
Lachen bedeckten den Kopfsteinpflaster Weg. Hier und da
kamen sie an kleinen Lichtungen vor reich verzierten Brücken vorbei die
mamorne Sitzbänke zwischen Arkadien Bäumen hatten.
Arkadien Bäume erklärte Sano ihr auf Nachfragen, seien die spitz zulaufenden
Laubbäume auf den Stadtlichtungen.
Nach einiger Zeit hielt der kleine Tross vor einem zweistöckigen
Fachwerkhaus von enormer Größe an. Vom Dachschlot des Kamines
quoll dicker grauer Rauch und aus den Türritzen drang lauter Lärm.
Die Gruppe stieg von ihren Pferden ab und wie aus dem Nichts kamen mehrere
in zerschlissene Kleider gehüllte Burschen
welche sich den Reittiren annahmen und sie in den angrenzenden Stall
führten. Ohne weitere Worte zu verschwenden stoß Radoc die
Eichentür des Hauses auf und eine süffige Briese kam ihm
entgegengeschwollen, froh wieder Tageslicht zu sehen.
"Däs bäste Wirtshäus in gänz Väsper meine Fräunde. He- Rugor, ein Zämmer mät zwä Bätten fä mänä Frände und än Hümpn
Mülch für mänä Kähle, altä Fränd!" brüllte Radoc durch den Lärm zu einer
großen Gestalt die fast mit ihrer
struppigen roten Mähne an der Decke schrubberte. Doch trotz des muskulösen
schokoladenbraunen Oberkörpers der wegen
der Hitze, die in dem einigermaßen hell beleuchteten fensterlosen Raum
herrschte, von einem glänzenden Schweißfilm überzogen
war, strahle ein sanft geschnittenes Gesicht die Freundlichkeit des Hühnen
aus. Kaum ein Gast drehte sich von seinem
Platz auf den grob getischlerten Holzbänken nach den Fremden um die an ihnen vorbeigingen und die Gerüche von
kaltem Schweiß, gebratenen Schweine und Rinderfleisch sowie einem gehörigen
süßlichem Biergeruch aufsogen.
Nach einer knappen aber herzlichen Begrüßung reichte der Wirt Sano einen
Schlüssel und deutete auf die Treppe hinter dem Tresen.
Mia und der blondhaarige Elf ließen Radoc bei seinem Krug "Mülch" zurück und gingen die Treppe hinauf.
Hinter sich hörten sie den Lärm einer aufbrausenden Schlägerei die nach zwei kurzen, dumpen Geräuschen wieder aufhörte, so schnell
wie sie aufgeklommen war und der normale Lärm von Gerede und Lauten Musik
wieder anschwoll.
Kurz bevor die beiden neuen Gäste an ihrer Kammertür angelangten, sprang
eine alte, buckelige Frau mit einer großen
Warze auf der Nase auf sie zu. "Habt a ein wenig Münzen für die alte Fine?
Ich habe schon so lange nichts ma gegessen. Nu a
kleines wenig bisschen Gold oder Silber." bettelte die alte mit heiserer
Stimme. Sano öffnete schon seinen Mund um
die alte Zeter zurecht zuweisen, doch bevor die vermeintlich bösen Worte
seine Kehle verließen, drückte Mia der Frau mit den grauen Zottelhaaren einige Kupfermünzen in die Hand.
Überglücklich nahm die Bettlerin mit einem Lächeln die Gabe an und drückte
Mia etwas in ihre Hand. Bevor sie sich umdrehte
und hinter einer Ecke verschwand warf sie Sano einen bitteren Blick zu und
sprach kalt "Dich wird noch der Fluch des
grünen Waldes treffen, eingebildetes Langohr."
Mia konnte es dem Elfen an den pulsierenden spitzen Ohren ansehen dass er
sich nur mit Mühe zurückhalten konnte. Insgeheim
würde sie gerne mehr über ihren Wortkargen Elfen erfahren, doch dazu kam sie nicht da er unerwartet weiterging und um die nächste Ecke
bog als ob ihr Zimmer noch einen zweiten Eingang besaß. Mia seufzte und sah
sich an was ihr die Frau in die hand gedrückt hatte.
Auf ihrer zarten Haut lag ein gelblich schimmernder Stein in einer
Bronzefassung. Verwundert über die Schenkfreudigkeit der
alten Bettlerin drehte und wendete Mia das Amulett und begutachtete es. Wenn sie es näher an ihre Brust brachte kribbelte
ihre Haut dort warm. Also beschloß sie kurzerhand ein Lederbändchen aus
ihrer Robe zu ziehen und das Amulett daran festzubringen
und schob es unter ihre hellblaue Tunika. Vielleicht war ja etwas magisches
an dem Schmuckstück dachte sie noch ehe sie von
einem lauten Grollen aus den Gedanken gerissen wurde und sich schnellen
Schrittes dem nächsten Fenster näherte und die hölzernen
Laden aufstoß.

Verfasst: 26. Jul 2005, 16:54
von Onkel Geri
Kapitel Vier (IV)

Schatten in Vesper

Die alten morschen, hölzernen Laden sprangen mit einem lauten Knirschen auf, von der plötzlichen Helligkeit geblendet rieb sich Mia ihre Augen. Nach einer kurzen Gewöhnungszeit erblickten ihre Augen, dass sich draußen auf der Straße, vor dem Wirtshaus jede menge Menschen tummelten.
Aus dem Kreis der Menschenmaße kamen so laute Schreie und Seufzer, dass es Uhrtiere hätte wecken können. Mia schaute diesem Treiben eine Weile lang zu bevor sie sich entschloss runter zu gehen um sich etwas umzusehen.
Mia ging schnellen Schrittes die Treppe des Hauses hinunter, an den wie leer gefegten Tischen und Stühlen des Wirtshauses vorbei nach draußen.
Mit starren, angsterfühlten Blicken auf den westlichen Horizont, waren sie wie Besessene, bleiche Gesichter und starre Körper standen vor dem verlassenen Wirtshaus.
Mia versuchte einige Personen anzusprechen, um zu erfahren was hier vor sich geht jedoch wurde sie stets mit einer eindeutigen Handgeste abgewiesen.
„Es ist der Friedhof, sie sind zurück“ ein kalter Schauer lief Mias Rücken hinunter, als sie die verändert kalte, schaurige Stimme Radocs hinter sich vernahm.
„Wer ist zurück?“ fragte Mia, die sich sogleich zu Radoc hin umdrehte.
„Die Schatten, der Friedhof spuckt sie wieder aus“ antwortete er wieder mit einer mysteriös klingend, schaurigen Stimme.
„Du redest zuviel Radoc, sie braucht nicht wissen was hier vor sich geht!!“
Sano war plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht, ihm schien diese Situation nicht im geringsten zu beunruhigen.
„Sano, was soll diese Geheimniskremerrei, ich möchte wissen was hier vor sich geht!“ bedrängte Mia den immer noch relaxt aussehenden Elfen.
Der Elf zeigte keine Regung auf Mias Bedrängungen. „Du solltest deine schöne Nase nicht in Sachen stecken, in der sie verbrennen könnte“ sagte der Elf mit ruhiger, abgeklärter Stimme.
Noch bevor Mia antworten konnte, kehrte ihr Sano den Rücken und verschwand in Richtung Westen in den tiefen Häuserschluchten der prunkvollen Stadt.
Aufgebracht und empört von der Sturheit des Elfen, beschloss Mia dem Elfen zu folgen und somit auf eigene Faust heraus zu bekommen was die Leute hier in Vesper so in Angst versetzte.

Sano hatte sich auf den Weg zum Friedhof gemacht, ihm war klar, dass jetzt die Zeit gekommen war, mehr über die Schatten zu erfahren.
Er war zu tief in eigenen Gedanken versunken um die Verfolgerin Mia zu bemerken.
Ein dicker, schwarzer Nebel hatte sich über den Friedhof gelegt, als Sano dort ankam.
Blitze durchzuckten den Nebel, der dunkle Boden war aufgeweicht und in der Luft lag der Geruch vermoderter Leichnamen.
Sano riss sich ein Stück Stoff aus seiner Kutte und band es sich um Nase und Mund, der stechende Geruch in der Luft war zuviel für die feine Nase des Elfen.
Mia, die dem Elfen langsam in den dicken, dunklen Nebel folgte, war überhaupt nicht wohl in ihrer Haut als sie in diesen unheimlichen Nebel eintauchte.
Sie konnte kaum sehen wohin sie ihre Beine trugen, andauernd trat sie gegen Steine und andere unerkennbare Gegenstände. Von ihrer Neugier getrieben drang sie tiefer und tiefer in den dunklen Nebel ein.
Ein hell gleißender Blitz schlug plötzlich mit einem lauten Krachen direkt neben Mia in einen kleinen blätterlosen Baum ein. Die Wucht des Einschlages lies Mia taumeln, sie hatte keinen Halt in diesem weichen Boden, sie landete mit dem Po im matschigen Boden des Friedhofs.
Im schummrigen Licht, welches der kleine, leicht brennende Baum verbreitete, erkannte Mia die schreckliche Wahrheit....
Ein Haufen körperloser Gestalten näherten sich der gestürzten Frau.
Leises Röcheln und Schnaufen ging von den Gestalten aus, sie bewegten sich langsam und schleppend auf die vor Angst erstarte Mia zu.
Mia wurde von einem kalten Windhauch berührt als sich die Gestalten weiter näherten, sie zitterte vor Kälte und Angst.
Es waren nur noch zwei Schritte die, die Gestalten von Mia trennten, es würde nicht mehr lange dauern bis sie dem Tod ins Auge sehen würde dachte sie immer und immer wieder.

Verfasst: 27. Jul 2005, 01:43
von Onkel Geri
Kapitel Fünf (V)

Leben und Sterben

Kalter Schweiß rann Mia in Sturzbächen die Stirn hinunter und behinderten
zusätzlich ihre Sicht.
Sie konnte die knöchige Hand des Sensen Mannes schon auf ihrer Schulter
spüren und versuchte bereits
mit ihrem kurzen Leben Schluß zu machen. Sie dachte an ihren Vater der
sicherlich nie erfahren würde was aus
seiner Tochter geworden ist. Mia schloß ihre Augen. Zum letzten Mal. Dann
wurde alles um sie herum dunkel und
ihre Gedanken waren klar. Wie im Traum erschien ihr ein leuchtendes Licht in der Dunkelheit. Mias Füße fühlten
sich leicht wie Federn an als sie dem Schein entgegen schwebte.

Sano kniete auf dem feuchten braunen Boden des Friedhofes zwischen zwei von
Efeu überwachsenen Steinpavillonen welche
die Grüfte von längst verstorbenen Adelsleuten darstellten. Ein leichter
Nebelschleier hielt sich zwischen Moosparzellen
und Baumwurzeln die zwischen der verpestete Erde wie Felsen im Meer
hervorlugten.
Langsam erhob sich der Elf aus der Hocke und winkte zweimal mit der Hand in
die dunklen Rauchwolken die einen kaum mehr
als eine Körperlänge sehen lassen konnten. Vereinzelt zuckten immer noch
Blitze aus den Pechschwarzen Wolken über dem
Himmel hernieder und hinterließen kleine Krater in der Erde. Aus dem Rauch
traten zwei vermummte Gestalten in Braunen
Roben hervor. An den nicht verdeckten Ohren konnte man sie als Elfen
ausmachen.
Sano nickte seinen Elfen Freunden kurz zu und sagte auf Isidra "Der Graf hat das Menschenmädchen. Wir werden sie zurückholen,
ich habe einen Eid geschworen." Die beiden vermumten Gestalten nickten knapp und signalisierten ihre Zustimmung.
Ein lautes krachen von splitternden Knochen erhallte irgendwo im dicken
Rauch und kurz darauf rollte ein abgetrennter
Knochenschädel vor die Füße der drei Elfen. Dem Schädel folgten flinken
Schrittes fünf Kindergestalten die sich
bei näherer Betrachtung als Zwerge in rost-roten Plattenrüstungen
darstellten. Alle hatten eine silberne Spitzhacke die sich
mit einer silbernen Axt kreuzte auf dem Brustpanzer- das Stadtwappen von
Batok- Gadaz, der größten Zwergenenklave im nördlichen
Königreich. Einer der Zwerge ging einen Schritt auf die Elfen zu und nahm
seinen eckigen Helm mit Nasenschutz ab und
ließ einen grauen ziervoll geflochtenen Bart und langes Haar erkennen.
Scheinbar der Anführer der kleinen Zwergenschaar.
"Saa´Yo yo´r La´Oras! Wasra`z macht Yo´r tara? Ha! La´Oras wollra batra lar
Goloz!" Keiner der Elfen schien
den Dialekt des Zwerges zu verstehen und gaben in der menschensprache
einstimmig "Geht lieber Eures Weges Zwerg, wenn Ihr
nicht so enden wollt wie der Graf." zurück. Langsam verzogen sich die
Stirnfalten des Zwerges zu einer grimmigen Grimasse
ehe er ausspie und wild brüllend ettliche Beschimpfungen in seiner Sprache
von sich gab, seinen Helm aufstülpte und mit seinen
Gefährten ohne ein weiteres Wort im tiefen Rauch wieder verschwand.
Sano schüttelte seinen Kopf über soviel Kindheit der noch jungen Rasse. Mit
seinem Zeigefinger deutete er auf einen Grufteingang
und setzte sich mit seinen Gefährten in Bewegung.

Laut brüllend und mit beiden Händen artikulierend versuchte Radoc den
aufgebrachten Mob vor dem Friedhof davon abzuhalten
diesen zu betreten. Unter der zusammengewürfelten Masse waren neben bestens
ausgerüsteten Kriegern und Abenteurern auch
einfache Leute teils nur mit einem alten rostigen und zugleich abgebrochenen
Schwert anbei die hofften sich von den
reichen Grabbeigaben bereichern zu können.
Vereinzelt versuchtem es sogar besonders Mutige Radoc einfach beiseite zu
schlagen, doch der erfahrene Krieger schickte sie auf schnellstem Wege
in den kleinen See neben dem Friedhofstor wo sie wütend über ihre Niederlage herumfluchten. Ohne ersehbaren Grund verstummte die aufgebrachte Menge und hinterließ einen überraschten Blick auf seinem Gesicht.
Erst als die Menschenmasse vor ihm eine Gasse bildete und zwei seltsame
Gestalten hindurchließ, der eine über zwei Fuß groß und
spindeldürr und leichenblass nur mit einem leichten schwarzen Tuch um die
Lenden bekleidet sowie einem kleinen
untersetzen Zwerg mit einer Hackenbesetzten Rüstung, wurde Radoc bewusst
weshalb die Menge verstummte.
"Ranjar der Nekromant und Brug Caradasch der verstoßene Zwerg. Was treibt
Euch hierher?"
Das ungleiche Paar stoppte knapp vor Radoc und sah ihm in die Augen. Ranjar
antwortete mit einer klaren hohen Stimme
"Oh Brug sieh- ein toter Drachenlord." Radoc begriff was das bedeutete doch
ehe er sein Schwert zücken konnte
traf ihn auch schon der schwarz-orangene Strahl aus Ranjars Hand schwer auf
der Brust das ihm die Sinne taumelten während er mehrere
Meter nach hinten gegen das Gußeisengitter des Friedhofes geschleudert wurde und bewusstlos zu Boden sackte. Keiner der
Anwesenden wagte auch nur einen Gedanken von Widerstand aufkeimen zu lassen.
Jedoch jubelten sie laut und stürmten brüllend
mit ihren fackeln wedelnd auf den Friedhofsgrund nachdem der Zwerg die Tore
weit aufgestoßen hatte so dass sie aus ihren Angeln
gedrückt wurden.
Auf einer hohen Tanne nicht weit weg saß Sirenja die Falknerin und
beobachtete mit Unbehagen die Ereignisse am Tor.
Kurzerhand schickte sie Krog ihren Falken los um Nachricht zu erstatten. Ab
dem Augenblick als das gefürchtete Mörder
Gespann sich in die Geschehnisse einmischte war es nicht mehr ein einfaches
Problem. Nun wurde es interessant und gefährlich.
Wenn böse und böse zusammentrifft wird selten etwas Gutes dabei
herauskommen.

"Wo bin ich?" fragte eine Stimme hallend.
"Was glaubst du denn wo du bist mein Kind?" antwortete eine andere Stimme
hallend.
In der Mitte der Finsternis schimmerte ein kleines Licht das mal mehr mal
weniger intensiv schimmerte.
"Ich weiß es nicht. Kannst du es mir nicht sagen?" fragte die erste Stimme
ängstlich.
"Ich würde gerne mein Kind, aber du wirst mir wieder entrissen, anscheinend
ist deine Zeit noch nicht gekommen." antwortete
wehmütig die zweite Stimme.
Mit einem steigenden Angstgefühl die harmonische Umgebung verlassen zu
müssen rief die erste Stimme zittrig:
"Aber wieso? Wieso muss ich gehen? Ich möchte bei dir bleiben! Lass mich
nicht gehen!!"
"Keine Angst mein Kind, habe Geduld, wir werden uns wiedersehen. Lebe Wohl."
erwiderte die zweite Stimme ruhig.
Mia schlug ihre Augen auf und spürte wie sich die Welt um sie drehte und ihr
die Galle hochkam. Sie erbrach stöhnend
in weitem Bogen und hörte wie das Erbrochene auf steinigem Untergrund
plätschernd auftrat. Sie fühlte sich hundeelend, genauer
gesagt fühlte sie sich als ob sie gestorben war. Schlagartig kamen ihr die
Geschehnisse der letzten Sekunden vor. Oder war
schon mehr Zeit vergangen? Hatten die wandernden Skellette nicht mit ihren
Krallenbesetzten Knochenhänden Mias Bauch
aufgeschlitzt? Ruckartig griff sie nach ihrem Bauch und bemerkte jetzt erst
dass sie keine Kleider mehr besaß.
Vor Schreck und Scharm begannen ihre Wangen rötlich zu leuchten. Allmählich
erblickte sie erst ihre Umgebung. Sie lag auf einer
hölzernen Pritsche in der Mitte eines ovalen Raumes aus einem ehemals
moosfreien weißen Marmorsteins. Über ihr an der Decke waren merkwürdige
Bilder deren Farbe bereits in Fetzten von der Decke baumelte. In der Mitte
der Decke war eine kleiner Riss aus dem
dumpfes Licht schimmerte und Wasser Tropfen für Tropfen auf eine Stelle
neben ihrem Gesicht pitschte. Genau vor ihr konnte sie
einen recht gut erhaltenen Wandteppich mit einem Löwenkopfwappen erkennen
der an einer Kupferstange baumelte.
Mia versuchte sich aufzurichten und brauchte zwei weitere Versuche ehe sie
es schaffte ohne beinahe Ohnmächtig zu werden.
Der Raum in dem sie sich befand schien keinen Eingang zu besitzen.
Wahrscheinlich war irgendwo ein Geheimgang schlußfolgerte sie.
Mit zittrigen Beinen stellte sie sich auf feuchten Steinboden der kalt an
ihren nackten Füßen kribbelte. Mias Augen
suchten zuerst nach Kleidung. Als sie keine fand, riss sie den Wandteppich
von der Stange und verdeckte notdürftig ihren Körper
der bereits wegen der leichten Kälte eine Gänsehaut bekommen hatte.
Einen Ausgang suchend kloppte Mia gegen die Wände, jedoch ohne Erfolg. Als
sie es nach einiger Weile aufgegeben hatte und sich
wieder auf die Pritsche gesetzt hatte, bewegte sich ein Stück des Bodens und gab einen geheimen Tunnel nach unten frei aus dem
Licht hervor schimmerte.
Kurzerhand setzte Mia sich in Bewegung und ging die kalten
Wendeltreppenstufen hinunter, dem Licht folgend.

Verfasst: 27. Jul 2005, 16:03
von Onkel Geri
Kapitel Sechs (VI)

Halbtote leben länger

Das leise Plätschern von Wassertropfen erfühlte die dunkle, feuchte Gruft als die drei Elfen sich ihren Weg bahnten. Abscheu und Ekel standen den drei Gefährten ins Gesicht geschrieben, beim Anblick der knöchrigen Gebeine längst Verstorbener.
Sano war es, der die anderen beiden Elfen immer wieder drängte, denn mit moosbesetzten, langen Steinfaden weiterhin zu folgen.
Es dauerte nicht lange, da gelangten sie in die Hauptgrabkammer, dort wo sie erhofften den Grafen und die Menschenfrau zu finden.
Doch war die große, dunkle Halle leer, keine Mia und kein Graf, ohnehin schien es schon verwunderlich, dass sie ohne Wiederstand soweit in die Gruft hätten eindringen können.
Enttäuschung machte sich in der Runde der Elfen breit, kein Wort wurde mehr gesprochen als sich die drei wieder auf den Rückweg machten.


Ein langer, körperbreiter Weg offenbarte sich vor Mia, die Steinwände dieses Ganges waren nicht wie in der ovalen Kammer von dem Moos befallen, so schien es als würde er vor nicht all zu langer Zeit entfernt worden.
Ihr Gefühl war zeitlos, sie hätte nicht sagen können wie lange sie diesem Gang folgte.
Aufgeschreckt in ihren umher schweifenden Gedanken, stieß Mia plötzlich mit ihrer Schulter an einen Felsvorsprung, welcher sich sofort nach dem Kontakt in die Wand schob. Es war nicht mehr als ein Wimpernschlag der verging bis sich an selber Stelle, wo sich noch vor kurzen der Felsvorsprung befand ein weiter Gang offenbarte. Dieser Gang unterschied sich völlig von deren Vorgängern, dieser Gang war wie ein Stollen aufgebaut, viele ,sehr stabil aussehende Holzbalken stützte den ,aus fester Erde bestehenden, Gang.
Dieser stollenartige Gang, war nicht sehr lang und so durchquerte Mia ihn rasch, was sie aber am Ende dieses Ganges erwarten sollte, kam einer Totenmesse gleich. Der Gang aus dem Mia kam, mündete in einer großen Halle, eine Halle, die überseht war mit Knochen und Eingeweiden, ein leichtes von Fackeln erzeugtes Licht offenbarte das abscheuliche Szenario. Noch nie hatte Mia so einen Anblick ertragen müssen, aus den steinernen Wänden ragten lange spitze Knochen hervor, der Boden war überseht mit den Resten gerade verwesender Leichen.
Mia war dem Erbrechen sehr nah, hätte sie sich ihren Mageninhalt nicht schon vorkurzen entledigt, sie hätte es jetzt getan. Ihr war kalt und warm, so genau konnte sie nicht mehr unterscheiden, ihr Körper streikte gänzlich, keine Bewegung konnte sie vor Eckel und Entsetzen machen.
Allein die kalte, dumpfe Stimme die plötzlich den Raum hallend durchquerte, lies sie noch mehr schaudern.
„Du bist erwacht Königin der Nacht, alle Schatten dieser Welt erwachen mit dir. Nun lasset uns feiern, dieses besondere Ereignis!“.
Mia, die immer noch in ihrem starren, festen Körper ausharrte, konnte nicht realisieren was soeben diesen Saal erfühlte. Wie als würde gerade der Saal ein Eigenleben entwickeln, schossen aus den Fackel kleine Feuerbälle, die den ganzen Saal in ein schwaches, rotgrünes Licht tauchten. Von allen Seiten her kamen monströse, untote Gestalten in den Saal und hinter Mia schraubte sich ein, aus Knochen gefertigter großer Thron aus der Erde. Wie von Geisterhand, glitt Mia in diesen Thron, ein warmes, wohltuendes Gefühl durchströmte ihren Körper als der Thron sie zu umarmen schien.
Zusammen mit dem Auftauchen der Untoten, fühlte ein hell grüner Nebelschleier die Halle, wieder lag der Geruch des Todes in der Luft.
Wie durch einen klaren Windhauch teilte sich der Nebelschleier vor Mia, die jetzt tief versunken in diesem knöchrigen Thron saß.
Dort wo der hellgrüne Schleier verflog erschien der Graf, seine Erscheinung jedoch war nicht die eines Untoten, eher schien es so als würde er noch leben. Ein stattlicher Mann mit muskulösem Oberkörper und grazilem Gang erschien vor der verblüfften Mia. Der Mann war in ein schwarzes Leingewand gehüllt, welches den Oberkörper freigab und erst am Hals wieder als Kragen zusammenführte. Ihre ängstliche Starre verflog als sie in die tiefen blauen Augen des Mannes sah, solche Augen erblickte sie nie zuvor. Fast schien sie entzückt zu sein, als sich der Graf ihrer näherte, ein sehr wohltuendes, warmes Gefühl fuhr ihren Körper hinauf.
Mia vergaß ihre Umgebung, vergaß Raum und Zeit, der Anblick des Grafen war alles was sie begierte, alles was jetzt wichtig war!


„Untotes geht vor in tieferen Gefilden, Stein und Moos jammern, getrampelt und erdrückt von untoten Beinen“
„Ja, Tanon, ich vernehme auch die Stimmen Geächteter jedoch sind Wege nicht offenbart, die uns führen in tiefere Gefilde“ redete Sano ruhig auf einen seiner Elfenbegleiter ein.
Noch immer wanderten die drei Elfen in den dunklen, nassen Gängen der Gruft, Sano steht’s vorweg, auf der Suche nach der Dame.
Erst die Erscheinung des Nekromant Ranjar und des Zwergen Brug Caradasch stoppten je die Wege beider Seiten.
„Ranjar und Brug Caradasch, fügt ihr uns Leid zu, so werdet ihr Leid erfahren, seit dem Gewiss“ sprach Sano mit kühler, selbstsicherer Stimme.
Das Bild dreier Elfen und zweier Ausgestoßener harte aus, keiner wagte es zu tun was später rückwirken könnte.
„Sano, stolzer Elf, seit gewiss, Schaden wird heute keiner nehmen, wenn unsere Wege sich trennen jedoch wagt keinen zweiten Anlauf“ ertönte es die leise aber zugleich durchdringende Stimme des Nekromant.
Ruhig und besonnen trennten sich die Wege beider Seiten, die Elfen wieder auf Suche nach Dem was nicht gefunden werden wollte.

Die beiden Körper näherten sich zunehmend, Mia war ihrer Sinne beraubt, betört von des Grafen Antlitz.
Feiernde Stimmen Untoter hallten durch den mit grünen Nebel durchfluteten Saal, ihre Königin war erwacht und bereit zu regieren.
„Was mache ich hier und bin ich nicht die für dich ich mich halte?“ erklang die leise gehauchte Stimme ihrer Königin.
„Du bist bei mir, dass sollte dir genügen, meine Königin“ wie eine schöne Harfenmelodie klang die Stimme des Grafen in den Ohren der Frau.
„Ich bin die Königin?!, aber wie können wir als Lebende herrschen über Untote, mein Geliebter“ ohne zu denken sprach Mia diese Worte aus, das Denken viel ihr schwer beim Anblick solcher Schönheit.
„Wir leben nicht Teuerste, halbtot sind wir jetzt, vom Leben du genommen wurdest von den Meinen, ich lebe nicht mehr seitdem ein törichter Elf das meine auslöschte“ als der Graf seine letzten Worte aussprach, erklang die Stimme eines zornigen Mannes.
„Ich war Tot?, nein ich lebe doch, ich fühle dich, ich spüre deine Anwesenheit“ ihre Hand strich zärtlich über den Oberkörper des Mannes.
„Wie auch ich, hat dich der große Schattenmeister vor dem Tot bewart und als halbtot wieder erweckt... und nicht nur ein neues Leben schenkte er dir, die Macht des Zauberns ist in dich, mit dunkler Energie gefühlt, zurück gekehrt“ sagte der Graf mit dämonischem Unterton.
Schauriges Lachen erfühlte den feiernden Saal, als der Graf seine Königin zum Tanz forderte. Ohne die geringste Gegenwehr erhob sich Mia von ihrem Thron und lies sich in die Arme des schwarzen Mannes fallen.
Unbemerkt, hatte sich Mias Kleidung gewechselt, eine Pech schwarze Robe verzierte jetzt den schlanken Körper der Zauberin.
Von irgendwoher erklang eine feierliche Musik, einige Trommeln wurden im Takt geschlagen um den Tanz zu untermalen.
Fest umschlungen drehten, die beiden dunklen Geschöpfe ihre Kreise durch den Saal, ein tosender Applaus erfühlte den Saal als der Tanz zuende war.
Sich tief in die Augen blickend, lösten sich beide voneinander, eine elektrisierende Spannung lag in der hell grünen Luft.
Werden beide ihren Bund durch einen Kuss schließen... wieder näherten sich beide Körper aneinander, war es ein Kopf oder war es nur ein halber der die beiden Lippen voneinander trennte? Keiner vermochte es zu sagen, denn was geschah lies den Saal beben: Mit einem leisen Zischen durchbohrte ein langer, silberner Pfeil den Rumpf des Grafen, in ihre Arme taumelnd sank der Graf zu Boden.
Mia legte den leblosen Körper des Grafen langsam und behutsam zur Seite, ihre zuvor türkisfarbenen Augen färbten sich wie ihr Kleid Pech schwarz.
Ihre jetzt völlig dunklen Augen fixierten den Angreifer, wie durch einen Donnerschlag, bebte die Halle als Mia ihre Arme in die Höhe gleiten ließ.
Wie durch etwas gestochen, harte die Zauberin plötzlich in ihrer Bewegung aus, als sie den gelblich schimmernder Stein in der Bronzefassung an dem Lederbändchen hin und her baumeln sah.

Verfasst: 28. Jul 2005, 17:34
von Onkel Geri
Kapitel Sieben (VII)

...und es ward Licht im Dunkeln...

Mia erblickte ihr verloren geglaubtes Amulett in einer leichenblassen Hand
die einem großen dünnen Schatten gehörte zu dem sich ein zweiter, kleinerer
Schatten hinzugesellt hatte.
Eine hämische Stimme hallte durch den Saal und er kam zweifelsohne aus der
Richtung der Schatten.
"Oh kleine Mia, ist dein Geliebter doch nicht etwa durch Brugs geschicktes
Händchen gestorben? Ich habe ihm schon oft gesagt er müsse vorsichtiger mit
einer Armbrust umgehen, sehr sehr gefährlich solch Instrument des Todes. Wie bedauerlich. Ja sehr sehr bedauerlich. Aber sieh doch, Mia, kleine
verletzliche Mia, sieh dieses Amulett. Kor sei dank, ohne deines Amulettes
Wegweisung hätten wir dich nicht so schnell gefunden. Aber mein Kind,
trauere nicht, ich habe schon einen Verwendungszweck für dich ersannt." Mia
war noch keine sehr erfahrene Magierin. Sie wusste nichts von hohen Tempeln
der Magie wo sie gelehrt und gehütet wurde. Ihre Mutter verstarb zu früh als dass sie es Mia hätte sagen können. Doch schlummern in allen magisch
begabten Wesen bereits alle Kräfte die sie erlernen können, nur wissen sie
meistens nichts von ihren versteckten Fähigkeiten. Manchmal aber schwindet
das Bewusste und gibt den Thron ab an das Unbewusste. Diese Momente geschehen nur unter besonderen Umständen und auch nur dann wenn das eigene
Leben in Gefahr ist und feindliche magische Energie sich bereits aufgebaut
hat. So wusste auch Mia nicht was mit ihr geschah als der blau-schwarze Mana Strahl auf sie zuschoss. Instinktiv hob sie ihre beiden Hände, spürte ein starkes durchdringendes kribbeln auf ihren Handballen und bemerkte noch
laute kreischende Schreie während sie zu Boden sank und eine beruhigende
Schwärze ihren Geist umschloss.

Ranjar beendete seinen Satz, konzentrierte sich für einen kurzen Augenblick
und sammelte etwas Mana.
Er sah mit seinen kalten Augen aus dem Dunkeln heraus zu Mia hinüber,
bewunderte für die Zeit eines Augenliedschlages ihren wohlgeformten Körper
und murmelte die magischen Worte "In Vas Corp", worauf aus seiner Hand ein bläulich-schwarzer Strahl aus reiner, todbringenden Energie auf Mia zu raste. Zum ersten mal mit seinen 78 Lebensjahren widerfuhr dem Nekromanten ein Gefühl der Überraschung. Anstatt dass sich die junge Menschenfrau in Staub und Asche auflöste, schlug sie ihm den Zauberspruch als vielfaches zurück so dass keine Zeit für einen Gegenzauber gegeben war.
Ranjars Begleiter, der Zwerg Brugs, sah mit einem Blick der entsetzten
Gleichgültigkeit zu wie sein Gefährte binnen weniger Sekunden bis auf das
Amulett in seiner Hand zu einem kleinen Häufchen Staub verglühte.

Die modrige Luft der Katakomben lag schwer auf dem feinen Geruchssinn der
drei Elfen, aber trotzdem kämpften sie sich allen Gegebenheiten zum Trotz
weiter vorwärts.
Wie auf ein unsichtbares Kommando verharrten sie alle drei gleichzeitig,
lauschten kurz und sprangen in einige Nischen an der Gangseite. Zwei
Atemzüge später konnte man klar und deutlich ein Schnaufen und hallende
Fußschritte auf dem dreckigen Steinboden hören. Ohne die Elfen zu bemerken
lief der kleine Zwerg Brugs an den versteckten Elfen vorbei. Ihm folgte mit
jedem Schritt ein Blutfleck auf dem Boden. Der anscheinend angeschlagene
Krieger sah sich über seine Schulter um was ihm zum Verhängnis wurde, da er
nicht den am Boden liegenden Schädel sehen konnte. Nach einem dumpfen
Aufprall auf dem harten Stein, vernahmen die Elfen ein bisher nicht da
gewesenes Schlurfen. Aus dem Gang kamen mit der Geschwindigkeit eines Adlers
fünf verwesende Oberkörper mit einem skeletttierten Kopf an dem noch einige, beinahe noch saftige, Fleischreste in Fetzen hinabhingen. Ein unsagbar widerlicher Gestank breitete sich in dem gerade vier Fuß breiten Gang aus.
Sano und die anderen beiden Elfen hielten unweigerlich die Luft an, auch um
sich nicht zu verraten. Die Spectre, wie sich Sano erinnerte, waren magisch
wiedererweckt worden, denn wohl kaum konnte sich ein Wesen von alleiniger
Kraft auf dem Rest seiner Wirbelsäule fortbewegen.
Je näher die Kreaturen dem noch am Boden liegenden Zwerg kamen um so lauter
wurde sein Gekreische. Mit flinken Bewegungen umkreisten die Spectres ihr
Opfer und ließen einen Augenblick später ihre Krallenbesetzten Hände
niederfahren. Erst hörte man kreischende Geräusche von zerreisendem Metal,
dann leisere Töne wie beim Umrühren einer angedickten Suppe und dann das
laute Krachen von trockenem Holz und ein gieriges Schmatzen. Wiedereinmal
waren sich die Elfen ihrer Gabe auch bei Dunkelheit sehen zu können dankbar.
Leisen Schrittes entfernten sie sich von dem Schlachtfest bis auch das Kauen und Röcheln in der Dunkelheit versiegte.
Nach einer unsagbar lange vorkommenden Zeit in der Dunkelheit der Katakomben kamen die drei Elfen zu einer Öffnung aus der ein grünliches Licht schimmerte. Mit größter Vorsicht und gezückten Krummschwertern betraten sie, Sano voran, die hohe Halle dessen Decke man wegen einer Undurchsehbahren Nebelschicht nicht erkennen konnte. Anstatt aus Stein bestanden die Wände der Halle bei näherem Hinsehen aus den Gebeinen Verstorbener. Bei noch genauerem Hinsehen konnten die Elfen erkennen dass die ganzen Leichen und Leichenteile erst seit kurzem hier verstreut worden sind. Alles deutete auf einen Kampf hin. Nachdem Tanon eine zwergische Axt ausgemacht hatte waren sich die drei einig nun zu wissen was mit Brugs Caradasch geschehen war.
Vorsichtig und bis zur nervlichen Grenze angespannt durchschritten die
Gefährten in geringem Abstand das Schlachtfeld, doch kein Widerstand regte
sich. Tanon entdeckte den toten Graf, der mit einem zur Grimasse erstarrten
Gesicht seltsam verbogen auf knöchernen Treppen vor einem Thron lag. In ihm
steckte ein silberner Pfeil an dessen Austrittsstelle eine dunkelgrüne
Flüssigkeit auf die Stufen tropfte. In einer Ecke entdeckte Sano endlich
dass nach dem er gesucht hatte. Wie auf einem Podest aus Asche lag
schimmernd Mias Amulett und wartete nur darauf dass es gefunden wird. Sano
streckte bereits seine Hand nach dem Schmuckstück aus als ohne Vorwarnung
der Saal zu beben begann. Knochen und Erdbrocken fielen von der Decke durch
die Nebelwand herab und zerbrachen auf dem Boden. Das grüne Licht der
Fackeln begann zu flackern und entfachte sich nach jedem Erlischen aufs
neue. Nach einem besonders starkem Zittern des Saals erschien ein blutroter
Lichkegel über dem Knochenthron der sich ausbreitete und erst den Thron,
dann den ihm zu Boden liegenden Grafen und zu guter letzt den Untergrund
zerfraß. Sano brüllte gegen das laute Grollen seinen Freunden zu sofort die
Katakomben zu verlassen. Er selbst zögerte noch einen Moment und ergriff das Amulett. Leider konnte er nicht sagen ob es eine glückliche Fügung war oder sein Verderben. Durch sein Zögern war er einige Schritte hinter seinen
Freunden die vor ihm im Gang liefen und durch das Herabstürzen der Decke
unter Erde und den Gebeinen Verstorbener begraben wurden.
Ohne weitere Zeit zu verlieren lief Sano hastig in den Saal zurück und
musste sich nahe der Wand halten, da der Lichtstrahl bereits ein riesiges
klaffendes Loch in den Boden gefressen hatte.
Kurz vor ihm entdeckte der Elf ein großes hölzernes Tor dessen Pforten
leicht geöffnet waren. Mit einem geschickten Sprung glitt er durch die
Öffnung und fand sich in einem schmalen Gang wieder der aus Holz bestand.
Seltsame Pilze an den Deckenkanten gaben ein leichtes silbriges Licht von
sich. Es bestand keine Zeit abzuwägen ob dieser Gang sicher war. Der Raum
hinter ihm war es nicht. Schnellen Schrittes lief der flinke Elf den Gang
entlang. Nach einer Weile, der Gang hatte die ganze Zeit weitergebebt und
gezittert, konnte man das Ende erkennen und eine Person die vor einem
Fallgitter am Boden lag. Sofort erkannte Sano dass es Mia war und
beschleunigte seinen Lauf noch einmal so das er nur zwei Atemzüge später bei ihr angelangt war und schon auf den Knien zu ihr rutschte ohne vorher zu stoppen. Mit zwei Fingern tastete er an Mias Hals nach ihrem Puls, doch
konnte er keinen spüren. Mia war tot und er war zu spät gekommen. Enttäuscht ließ Sano seinen Kopf fallen und blickte auf Mia herab. Schon dachte er daran sie zu Grabe zu legen da fiel ihm auf dass sich ihr Körper in unregelmäßigen Abständen hob und senkte. "Wie kann dass möglich sein? Sie lebt und ist doch tot?" sprach Sano mit trockener Kehle zu sich selbst. Erst jetzt bemerkte der Elf dass das Beben verstummt war. Überrascht lauschte er in den Gang hinein. Alles war still. Nur das silberne Licht der Pilze glomm leicht auf und ab. Doch Sano dachte zu früh an einen Sieg. Ein lauter Ton erklang, so als ob jemand eine Trommel betätigte. Der Ton schwoll an und Sanos Ohren begannen zu schmerzen. Ohne nachklingen verstummte der Ton und kam als lautes Gehtrommel zurück. Ein Ryhtmus. Ein Schlachtryhtmus. Tatsächlich, jemand trommelt zum Kampf. Was hat das zu bedeuten? Schoß es dem Elfen durch den Geist. Seine Arme ergriffen Mia und hoben sie hoch.
Sano stand auf, trat mit einem kräftigen Stoß das verrostete Fallgitter aus der morschen Holzfassung heraus und eilte die steile Treppe hinauf. Hinter ihm folgten die Trommelschläge, schnell näherkommend. Keuchend erreichte Sano das Ende der Treppe und fand sich in einem viereckigen Raum wieder der von zwei Fackeln spärlich ausgeleuchtet wurde. Die Marmortafeln an den Wänden verrieten ihm dass er sich in einer Gruft befand. Bevor er sich noch der Tür umblicken konnte flog diese aus ihren Angeln und kam hart auf dem Boden auf.
Auf der Tür lag ein zwei Fuß großer Untoter, der aus zahlreichen Wunden am
Körper grün blutete. Sano musste seine empfindlichen Augen zusammenkneifen
als das, zwar auch nicht viel hellere, Tageslicht durch die Öffnung in den
Raum floß. Mit dem Licht kam ein Zwerg in rost-roter Rüstung, hieb seine
große Axt und durchtrennte mit einem Hieb Körper und Kopf des Untoten der
darauf hin in sich zusammensackte. Leise plätscherten Wogen von grüner
Flüssigkeit aus dem Körper des Untoten auf den Boden und verteilten sich
rasch zu einem alles bedeckenden Teppich. Der Zwerg drehte sich Sano zu und
gab das goldene Wappen auf seiner Brust frei. Es war einer der Zwerge denen
Sano mit seinen Kameraden zu Anfang dieser Himmelfahrt begegnet war. Mit
einem breiten Grinsen sagte der Zwerg mit einer kehligen Stimme zu Sano:
"Harr, das Spitzohr hat gefunden was es hatte gesucht. Findet ihr Feen nun
schon Gefallen an den Langbeinern? Ha! Lasset die Finger von unseren
Zwerginnen oder ich rotte ganz alleine Eure Rasse aus!" mit diesen Worten
spuckte der Zwerg vor Sanos Füße und ging wieder ins Freie. Der Elf fühlte
sich zu erschöpft um dem Zwerg für diese Beleidigungen den Bart abzusengen.
Durch die Öffnung drang nun ganz klar Kampfesgeräusche. Scheppern von
Schwertern und Rüstungen, Schreie von Verwundeten und vereinzelt seltsame
blubbernde Geräusche von Zaubersprüchen. Und ein lautes durchdringendes
Trommeln, welches allerdings vom Treppenaufgang her hallte. Schnellen Fußes
schritt Sano mit Mia im Arm aus dem Häuschen hinaus und fand sich auf einem
wahren Schlachtfeld wieder. Überall waren tote Untote verteilt, an den
Gemäuern klebte rotes wie grünes Blut und lagen menschliche wie ehemals
menschliche Gliedmaßen dicht an dicht. Hier und dort ragten zitternde Hände
aus den Bergen von Körpern und hier und dort standen berüstete Abenteurer
auf den Leichenbergen und stießen ihre Schwerter, Lanzen hinein oder nahmen
Gegenstände an sich die von ihrem ehemaligen Besitzer nicht mehr benötigt
wurden.
Der Elf hatte bereits einige Schritte hinter sich gebracht als ihn ein
lauter Knall umblicken ließ. Wo eben noch die Gruft aus der er gekommen war
gestanden hatte, lag dort nun eine riesige Rauchwolke die sich gen Himmel
hob und haufenweise Skelette mit Rundschildern und Krummschwertern
ausspuckte.
Einige Krieger drehten sich noch verwundert um und erstarrten für einige
Atemzüge was der Boden an Kreaturen hinausließ. Ohne zu warten, kalt und
emotionslos fielen Dutzende, Hunderte vielleicht gar Tausende dieser
Skelette über die ohnehin erschöpften Kämpfer und ließen sie wie Blätter im
Herbst auf den Boden fallen. Mit Mia im Arm begann Sano zu laufen. Ihm
entgegen strömten gut hundert gepanzerte Krieger die dem Ansturm der
feindlichen Mächte Einhalt gebieten wollten. Als Sano die Friedhofspforte
erreicht hatte sah er etliche Verletzte auf dem schlammigen Boden liegen die von Wundärzten versorgt wurden. Ohne weiter auf sie zu achten rannte er so schnell wie ihn seine Beine trugen zu seinem Pferd, schwang erst das
Mädchen, dann sich selbst hinauf und ritt in Richtung Vesper davon, hinter
sich bereits das aufkommende Geschrei der Verletzten hörend, die von der
Armee der Untoten überrannt wurden.

Es wehte ein lauer Wind über den Platz des Ewigen Lichtes und Hauptmann
Liandos saß auf einem Holzschemel an Ninos Bar und genoss seinen Apfel
Cidré. Seine kurze braune Stoppelfrisur wehte leicht in der Briese und er
war froh dass sein neuer Waffenrock diesen Tag noch keinen Schmutz
abbekommen hatte. "Ralph! Ralph!" schallte es quer über den Platz. Romman,
Liandos rechte Hand, lief trotz seines dicken Bauches in aller Eile über den Platz und brüllte dabei Liandos Vornamen. Dieser hob seine Hand und wollte seinen Freund erst einmal beruhigen, doch dieser kam sofort, keuchend, zur Sache. "Schnell kch du musst sofort kchkch zum Nordtor- eine Invasion kch kch kch ahrha Schnell Schnell!"
Ralphs Herz begann stark zu pochen und seine Brust schnürte sich zusammen.
Er konnte sich nicht entsinnen dass einer der Späher etwas von einer
herannahenden Armee berichtet hatte. Ihm war bewusst dass die Orken des
Kukrarch Stammes zwar einen Feldzug gegen Roda führten aber er konnte sich
nicht vorstellen weshalb sie sich hier so weit im Norden aufhalten sollten.
Geschickt schnippte er Nino eine Silbermünze zu, nahm seinen rot gefärbten
stählernen Offiziershelm mit dem Lila Federbüschel und eilte mit Romman zum
Nordtor.
Einen kurzen Sprint später erreichten sie das Tor und sahen etwas verwundert einen Elfen geschwind durch das Tor reiten. Der Hauptmann rannte sofort zum Turm und fand sich einige zweihundert Stufen darauf auf dem Wehrgang und was er über die Zinnen erblickte gefiel ihm ganz und gar nicht. Er fühlte sich plötzlich gar nicht mehr wohl und konnte spüren wie der Schweiß nass auf seinem Rücken lag.
Unzählig viele weiße Knochengestalten bahnten sich ihren weg durch den
dichten Wald und über den gepflasterten Weg und brachen durch das Unterholz
auf die breite Lichtung vor dem nördlichen Stadteingang. "Läutet die Glocke!
Blast in die Posaunen! Benachrichtigt den Stadtrat! Sofort!!" brüllte
Liandos seinen Untergebenen zu. "Und schließt alle Tore, sperrt alle
Brücken, lasst alle Ein und Ausgänge nach Norden, Süden und Westen
verbarrikadieren!" setzte er ein wenig heiser noch dazu.
Mit einem lautet Rattern schoss das Fallgitter hinab und versperrte
zusätzlich zum schweren Tor den Nordeingang. Zufrieden blickte sich der
Hauptmann um und sah dass hinter ihrem Vortor das Haupttor ebenfalls alle
Öffnungen schloss. Lautes Getöse erklang und spielte sich mehrmals wieder
als an jedem Tor die Posaunenbläser ihre Pflicht taten. Kurz darauf kam ein
dunkles aber lautes Läuten der Glocke hinauf und die Wachen konnten sehen
wie sich alle Bürger in ihre Häuser zurückzogen und Hals über Kopf die
Straßen sich leerten. Immer mehr Köpfe erschienen auf dem inneren
Verteidigungsring der Stadt. Vereinzelt waren noch die Helme der Stadtwachen und Soldaten zu erkennen, aber immer mehr Freiwillige mischten sich unter die Verteidiger. Bald glänzte es zwischen den Zinnen in allen erdenklichen Farben und Metalltönen. Und immer wieder schwoll der Schlag der großen Glocke an und überdeckte sogar die Posaunen. Bis auf eine kleine Hängebrücke waren die Vorposten nun vom Hauptverteidigungsring abgeschnitten. Im Herzschlag kamen und gingen Boten die Nachrichten übermittelten, wurde in schweren Titankübeln flüssiges Blei an die Ausgüsse über den Toren gebracht.
Vom Turm des Wachpostens konnte man sehen wie die fürstliche Garde in ihren
Silber-Grünen Uniformen rings um den Ratstempel der Stadt Aufstellung nahm.
Mit allen Kräften stießen die Soldaten die bereits an der Mauer
hinaufkletternden Skelettkrieger hinab, wo sie krachend zersplitterten oder
zuvor von flüssigem Blei zerschmolzen wurden.
Mehrere laute Knalle die wie tausend Gewitter klangen, drangen dem Hauptmann aus Süden in die Ohren. Er griff sich eines der Kristall-Augen, eine Art Gerät mit dem man fernes nah heran holen konnte, und sah hindurch. Liandos erkannte dass von der Feste der Dragon Lords, oder auch Drachen Lords, aus seltsamen silbrig glänzenden Rohren von den Zinnen mit Feuer und Rauch runde Kugeln verschossen wurden und aus merkwürdigen Katapulten blaues Feuer geschleudert wurde. Scheinbar mit großem Erfolg, da sich die Skeletthorden bereits auf dem Rückzug befanden, falls man das Wort "Horden" noch dafür gebrauchen durfte. Anscheinend verfügten die Verteidiger dort auch über Magier die Blitze und Feuerkugeln hinabschossen. Ein heißer Schmerz an seiner linken Flanke ließ den Hauptmann den Seh- Kristall fallen und in tausend Stücke zerbrechen. Ralph sah an sich hinab und erkannte dass sein neuer Waffenrock Feuer gefangen hatte. Wild in Panik riss er ihn von sich und sah mit einem kalten Grauen dass sein eiserner Beinschützer leicht angeschmolzen war. Rings um ihn herum begannen gleichzeitig die meisten zu schreien und gen Himmel zu deuten. Auch Ralph sah nach oben. Auf einem knöchernen Streitwagen flog, gezogen von einem geflügelten Knochenpferd, eine Gestalt die es nicht hätte geben dürfen. No'Sfer'lagato der einst mächtigste Totenbeschwörer des Dunklen Zeitalters vor mehr als zehn tausend Jahren war auferstanden. Einst hatte er versucht das junge Fürstentum unter seine Herrschaft zu bringen, war damals jedoch von den Paladinen des Mondes in die Knie gezwungen worden und auf ewig in die dunkle Seite verbannt worden. Etliche Fresken und Wandmeißelein erzählten noch heute davon. In seinem grün flammenden Gewand aus schwarzem mit roten Zeichen verzierten Umhang und dem dazugehörigen rötlichen Feuerdrachenleder Wamses sah er genauso aus wie er war: Todbringend und ohne Gnade. Der Totenbeschwörer schwenkte sein leuchtendes Zepter und ließ Feuer auf Vesper nieder regnen.

Keine halbe Stunde Fußmarsch entfernt, saßen auf ihren Braunen Rössern zwei
in hellblaue Roben gewickelte Reiter. Einer männlich und einer weiblich,
beide hatten sie dunkelblaues Haar, der männliche noch einen spitz
zulaufenden blauen Kinnbart. Ihre Pferde waren mit hellblau leuchtenden
Platten geschützt dessen Metall nicht klar einzuordnen war.
Von der kleinen Anhöhe aus konnten sie die Stadt Vesper vor ihnen
überblicken. Ein vom Himmel herabfallender Feuerregen hatte zahlreiche
Gebäude entzündet und ließ die Bewohner in unterirdische Gewölbe flüchten.
Die Reiter sahen sich an und nickten einander zu. Der männliche Reiter ritt
in Richtung des nördlichen Haupttores geradezu auf die Heerscharen der
Skelette und der weibliche Reiter auf das Südtor zu.

Vesper Mitte, unter der Stadt...
Sano legte verschiedene Verbände auf Mias verbrannten Hände auf die mit
Kräutertinkturen benetzt waren und sprach dabei in Hoch-Isdira
Beschwörungsformeln. Kalter Schweiß stand Mia im Gesicht und Radoc stand mit einem dicken Verband um die Brust neben ihr und tupfte mit einem Leinentuch den Schweiß auf. Der Elf hatte seine Robe abgelegt und saß mit überkreuzten Beinen nur mit einem grünen Tuch um das Becken neben Mia. Seine Haare hatte er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und sich mit dem Flussschlamm des Isch-dra, ein heiliger Fluss der Yewer Waldelfen, elfische Zeichen auf Brust und Gesicht gemalt. Die drei befanden sich in einem Raum der in den schroffen Fels unter der Stadt gehauen wurde und als einzigen Luxus einige Abstützen aus Holz besaß sowie einen zerschlissenen grauen Vorhang. Die Beleuchtung bestand einzig aus einer kleinen Pechfackel die trotzig gegen die modrige Luft ankämpfte. Über ihren Köpfen war ein Kampf entbrannt der die massive Steindecke manchmal erzittern ließ. Sano wusste er hatte nur eine Chance Mias rebellierenden Körper zu retten. Es gab nur zwei Wege. Der eine hieß leben und der andere hieß untot.

Vesper Mitte, in der Stadt...
"Verflucht bei allen Göttern noch mal! Was soll das heißen Minoc muss erst
noch über unseren Hilfe Ersuch beraten? Zu Morgoth mit ihnen! Was bildet
sich der Fürst dort ein wer er ist einfach die Bitte unseres Fürsten noch zu
beraten??!!" mit einem lauten Knall schlug der Oberste Stadtrat de Franpo
seine geballte Faust auf den Steintisch im Ratstempel der Stadt. Der vor ihm
versammelte Stadtrat befand sich zwölf Stockwerke über der Stadt in einem
fensterlosen Raum der von magischen Kristallen in ein gelbliches Licht
gefärbt wurde. An den massiven grauen Steinwänden hingen dicht an dicht
Wandteppiche und Banner sowie auf kleinen Mauervorsprüngen die marmornen
Büsten vergangener Fürsten.
De Franpo war wie die übrigen zehn Stadträte in eine lila Toga gewickelt mit
der Ausnahme dass er eine silberne Haarspange trug.
Alle schienen sehr aufgeregt und nervös zu sein, doch keiner wusste recht
welches Mittel gegen diese Plage helfen würde. Einer schlug vor man könne
sich ergeben und musste diesen Vorschlag unter lautstarkem Protest der
übrigen Stadträte schleunigst wieder zurücknehmen.
Man entschied sich schlussendlich dafür die Kristallwaffe wieder in Betrieb
zu nehmen und sich über die königliche Anordnung des Verbots hinwegzusetzen.

Vesper Süd, am Südtor...
Marschal Maekris war verzweifelt. Zwar waren dank der nahen ansässigen
Drachen Lords die Skeletthorden vom Südtor abgerückt, doch stand dort nun
eine Frau auf ihrem Pferd und verlangte Einlass. Natürlich hatte er ihn ihr
verwehrt. Doch sie war einfach mit ihrem Pferd auf das Tor zugelaufen, über
die fünfzehn Fuß hohen Mauern gesprungen, über den Fluss und nach mehr als
einem halben Weg hinter dem inneren Verteidigungsring aufgekommen und in der
Stadt verschwunden. Maekris wischte sich über seine Glatze und fragte sich
wie er dass seinem Vorgesetzten erklären sollte.

Vesper Ost, Stadterweiterung...

Mehrere duzend Männer hatten unter strenger Bewachung der königlichen Garde
ein riesiges Loch gegraben und einen steinernen Eingang freigelegt aus dem
sie in schnellen Schritten stählernes Gerät herausholten und eine zweite
Gruppe unter Anleitung einiger Stadträte die Teile zu einem Ganzen
zusammenfügte. Vor etwa zweihundert Jahren war es den Alchemisten und
Tinkeranern, welche so genannt werden- im Grunde aber einfache Tüftler sind,
gelungen für die große Schlacht um Vesper, gegen ein Heer von Goblins, eine
verheerende Waffe zu erfinden. Mittels magischer Energie die in Kristallen
gespeichert ist können mächtige Lichtstrahlen entsandt werden die selbst die
härtesten Steine in porösen Staub verwandeln zu mögen.
Nachdem bei der Schlacht nicht nur die feindliche Armee vollkommen
aufgerieben worden ist sondern auch noch das Vesperaner Gebirge zu einem
kleinen Häufchen Steinklumpen zusammengeschmolzen wurde, erließ der damalige
König Havanez ein Dekret zum Verbot der Kristallwaffe.
Wie aus geheimen Schriften entnommen werden konnte, ließ der König unter
Anleitung seines damaligen Kanzlers, Remiba dem Zweiten, die Erbauer der
Waffe in das entfernte Shame- Gebirge bringen, von wo aus nie mehr etwas von
ihnen gesehen ward.

Vesper Nord, Lichtung vor dem Haupttor...

Ohne Zweifel war die Situation ausweglos, trotzdem hielten sich der
Hauptmann und seine Männer standhaft, auch wenn sie nur noch wenige waren.
Zwischen den von Feuerregen zerklüfteten Zinnen kämpften die Männer und
Frauen dicht an dicht gegen den nicht abreißenden Strom von Feinden.
Erst das Wiehern eines Pferdes ließ den Hauptmann kurz einen Blick über die
Zinnen auf den Vorplatz werfen. Dort stand ein Krieger mit einem hellblauen
Helm mit Visir mit einem gleichfarbigen Federbüschel und Umhang der die
hellblau strahlende Rüstung umwehte. Ein riesiges grellweißes Ankh prangte
auf dem Brustpanzer. Laut Jauchzend rief der Hauptmann aus "Falkur de Light!
Falkur de Light! Der Paladin Arazels ist gekommen der Palad..." in diesem
Moment trat eine große Lanze durch den Brustpanzer des Hauptmannes und er
wusste dass es sein Blut war was an der Klinge klebte. Die Lanze wurde
ruckartig wieder herausgezogen und Ralph kippte nach vorn auf seine Knie,
konnte sein Schwert nicht mehr halten und kurz darauf auch nicht mehr sich
selbst. Er kippte zur Seite hin um und fiel den Wehrgang hinab in den Fluß
wo ihn seine schwere Rüstung zu Boden gleiten ließ. Doch das alles bekam er
schon längst nicht mehr mit.
Die meisten der Skelette wichen dem Paladin des Lichts bereits wegen des
grellen Scheins aus, doch erwischte Falkur de Light jeden Einzelnen von
ihnen. Er ritt durch ein Meer aus zersplitternden und in sich
zusammenbrechenden Knochen. Wo sein Breitschwert hinschlug hinterließ es
eine Schneise aus weißem Knochenstaub. Kein Schild, kein Schwert vermochte
das Schwert aufzuhalten. Und keine Kralle, keine Waffe schien auch nur einen
Kratzer in die schwere Rüstung des heiligen Kriegers zu schneiden.
Falkur schritt nicht durch die Feindesmenge, er schob sie vor sich her. Doch
er wusste dass er alleine nicht Herr der Lage werden konnte. Er konnte nur
hoffen das Sarah de Light, die Paladiness und seine Gefährtin, das Mädchen
aus ihrer Vision finden würde, das Mädchen das weder lebt noch tot ist. Nur
mit ihrer magischen Hilfe können sie dem Totenbeschwörer Einhalt gebieten.
Zwar schwand die Masse der Feinde mit jedem Schlag, doch kamen noch genügen
aus den Katakomben des Jahrtausende alten Friedhofes nach. Im Namen Arazels
jedoch brachte Falkur Licht in die Dunkelheit.

Verfasst: 28. Jul 2005, 23:36
von Onkel Geri
Kapitel Acht (IIX)

Zwiespalt in der Gruppe des Lichtes

Ein dunkler Schleier der Verwüstung stand über der einst prunkvollen Stadt Vesper.
Brennende Häuser, schreiende Menschen und barbarische Untote, die kein Halt machten vor Frauen, Kindern und Verletzten, wie gerne hätte Sano sich seiner Gedanken beraubt als er diese schrecklichen Bilder erblickte.
Wie Starr stand der Elf auf der Veranda, des Hauses in dem jetzt Mia schlummerte und Radoc über sie wachte, erschöpft von der kurzfristigen, hastigen Flucht aus den Katakomben der Stadtmitte, suchte Sano ruhe in diesem abgelegenen, kleinen, verlassenen Haus am Stadtrand.
Wie lange kämpfte er doch um die Genesung der Frau, doch wird ungewiss sein, wenn sie erwacht, was ihre Gesinnung offenbart, schaurige Gedanken erfühlten des Elfen Gedankenwelt.
„Ich muss sie töten wenn untotes in ihr ruht, tue ich es nicht wird das Böse noch stärker als es ohnehin schon zu sein vermag“ ein leises Schluchzen offenbarte die Gefühlslage des Elfenmannes.

Sarah de Light suchte noch immer nach der Zauberin die alles ins Gute wenden sollte, doch schien es so als würde ein Schutzbann um sie liegen.
Ein Bann, der eine genaue Ortung nicht ermöglichte, der nur des Lichtes Magie enthält. Nur ein Bote des Lichtes war es möglich so einen Bann zu sprechen.
So suchte Sarah, mit Hilfe ihres geistigen Auge Denjenigen, der diesen Bann sprach. Was sie aber erblickte ließ sie zögern, „kann es denn sein, dass ER es ist der sie Beschütz!“ leise und unentschlossen sprach sie diese Worte vor sich her.
Ihr Pferd wieherte laut auf, als sie es herumriss und lauthals, durch den mit brennenden Holzbalken und Trümmern verengten Weg heraus aus der Stadt trieb.

Schwarz oder Weiß, Dunkel oder Hell, wie Feuer brannte die Entscheidung in Mias schwachen Körper, wie gerne würde sie des Grafen Anblick wiedersehen und sich erfreuen an der schwarzen, warmen Magie. Doch Sano war nicht zu vertreiben, wie hell und schmerzend war das Licht welches ihr der Elf einflösste. Die Entscheidung zerriss sie, Hell oder Dunkel, Sano oder Graf.

Sein Bogen spannte sich schnell mit einem Pfeil, als er eine ankommende Gestalt ausmachte. Eine in hellblau gekleidete Frau mit blauem Haar, galoppierte auf einem braunen Ross die kleine Anhöhe hinauf.
Das Gesicht des Elfen verzog sich, Anspannung und Unsicherheit zeichnete das sonst so ruhige und selbstsichere Gesicht.
„Wie, wie kann SIE es sein? Ist es denn möglich das ich SIE Wiedersehe!“
unsicher und hin und her gerissen senkte Sano seinen Bogen.
Wie ein dunkler, schwerer Schleier lag die Vergangenheit auf den beiden Kämpfern des Lichtes. Einst zu eng verbunden, trennten sich ihre Wege in Trauer und Bitterkeit.

Die Reiterin näherte sich schnellen Schrittes, auch sie wurde zunehmend unsicherer, fast verlor sie ihren Halt als sie abrupt vor dem kleinen Haus halt machte.
„Sei gegrüßt Elf, ich denke du weißt wenn ich suche, bitte verlier keine Zeit, es eilt sehr“ wie Blei lagen Sarahs Worte in des Elfen Magen.
„Wieso so förmlich Sarah, bin ich jetzt schon nicht mehr als ein einfacher Diener für dich?“ erwiderte Sano schroff.
„Sei nicht albern Sano, du solltest wissen wann es Zeit ist die Gefühle endlich ruhen zu lassen“ ein hauch von Zorn lag in ihrer Stimme.
Ein Schwertstreich hätte es nicht leicht gehabt, die geballte Spannung zu trennen die, die Beiden umhüllte.
Mit gespielter Selbstsicherheit und verlogenem Desinteresse, verließen Beide die Veranda und gingen ins Haus.

Der Wunsch des Erblinden kochte in Mia hoch wie heißes Wasser, so hell war die Erscheinung, die sich ihr näherte.
Sie vermochte zu spüren was in dem Raum, in dem sie lag, vor sich ging. Abscheu und Zorn gegen die zu helle Gestalt erfühlte sie.

„Das ist sie also, SIE, die Helfen soll alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen!“ sehr skeptisch und mit Argwohn blickte die Paladiness auf die schlafende Mia runter.
„Ich verstehe nicht, Sarah, warum ausgerechnet sie? Mia ist keine Kämpferin, sie ist nur ein einfaches Bauernmädchen mit dem Wunsch des Zauberns“ Unverständnis fühlte die Stimme des Elfen.
„Nein Sano, sie ist vielmehr als DAS, als sie starb wurden Kräfte in ihr frei, welches das ALLES hier beenden könnte“ noch immer war sich Sarah nicht sicher ob es richtig ist einer halbdunklen Zauberin zu trauen.
Sano wurde das Gefühl nicht los, ihm würde gerade alles wofür er kämpfte entrissen.
Aus seinen Gedanken gerissen, hörte er plötzlich die Stimme von Radoc, er hatte sich aus der Unterhaltung zwischen Sano und Sarah heraus gehalten, zu gebannt hatte er auf die schlafende Mia geschaut.
„Sie erwacht, schaut doch, Mia erwacht, sie hat’s tatsächlich geschafft!!“.

Durch Krämpfe und stechende Schmerzen geplagt zuckte Mia zusammen, die zusammengerollte Frau bot ein Bild des Leidens. Falten der Anstrengung bildeten sich auf ihrem Gesicht, unzählige Tränen rollten über ihre weinroten Lippen in den weit geöffneten Mund. Unbeschreibbare Qualen überkamen denn immer noch schwachen Körper, jedoch verließ kein Schrei, kein Klaggen, kein Stöhnen den noch immer weit geöffneten Mund.
Der tosende Sturm der in Mia tobte Flaute nur langsam ab, ihr Körper löste den verkrampften Zustand und die Höllen Qualen wurden zunehmend erträglicher.
„Das müssen die Nachwirkungen meiner Behandlung sein“ hallte es eine angenehm tiefe und ruhige Stimme.
Ein heller, weißer Schleier fühlte ihren Blick, sie konnte nur blinzeln als sie langsam ihre Augen öffnete.
Wie gebannt schauten drei Personen auf sie nieder, die eine Person strahlte so hell, dass Mia Schwierigkeiten hatte ihre Augen weiter offen zuhalten.
Von der lichterfühlten Person abwendend, schaute Mia in zwei Gesichter welche sie als vertraut wahrnahm. Doch war die Anstrengung des klaren Denkens zu stark um sich ein klares Bild der Situation zu machen.
Schwindel und drückende Kopfschmerzen plagten jetzt die junge Zauberin, erst als sie wieder ihre Augen schloss und zur Ruhe kam ließen die Beschwerden nach.

Sarah de Light wollte sich Mia nähern und sie wachrütteln doch Sano stellte sich schnellen, leisen Schrittes zwischen die beiden Frauen.
„Nein Sarah, lass ihr etwas Ruhe, es war nicht leicht für sie, wieder ins Leben zu finden“ sagte Sano mit ruhiger, vorwurfsvoller Stimme.
„Sano, sie muss jetzt aufstehen, die Zeit eilt sehr, wenn wir nicht schnell handeln überrennen die Untoten die Stadt um dann anschließend den Rest der Welt in Dunkelheit zu hüllen“. Der Elf verstand nur zu gut was die Paladiness meinte jedoch konnte er nicht zulassen das dies auf Kosten seiner Mia geschah.
„Bitte Sarah gib ihr noch etwas Zeit, sie ist noch nicht so weit“ fast flehend klang die Stimme des Elfen.
„Ich brauche keine Zeit mehr, ich bin fit“ wie durch einen Donnerschlag zuckten alle Personen nach Mias Worten zusammen.
Kerzengerade saß Mia in den Bett, ihre Augen zeigten noch deutliche Zeichen der Erschöpfung. Das Türkis erfühlte ihre Augen wieder doch war es kaum zu sehen, so eng waren ihre Augen zusammen gekniffen und von einem dunklen Schatten umrundet.
„Was schaut ihr mich alles so an? Ich bin bereit für...was auch immer!“
nie zuvor schien ihr Stimme so voller Kraft zu sein.
Sarah war die Erste, die wieder ihren Mund schloss um ihn dann aber gleich wieder zu öffnen: „Ok...wenn du bereit bist den Kampf gegen die Untoten zu führen, dann soll es so sein!“.
Mia, die den Blickkontakt mit der Frau scheute, zu hell war noch ihre Erscheinung, stand auf und griff sich aus dem kleinen Kleidungsschrank eine neue Robe.
„Bin gleich zurück!“ wieder versetzte die junge Zauberin die Drei ins Staunen, als sie an ihnen vorbei in ein Nebenzimmer ging.
„Da stimmt doch was nicht! Wie hätte sie wissen können, dass in diesem Schrank Kleidung verstaut ist?“ fragte Radoc in die noch immer verblüffte Runde.
„Frage nicht wie! frage lieber warum, zu entschlossen scheint sie mir zu sein!“ eine lang vermisste Stimme fühlte wieder den Raum, Sano war aus seiner Scheintrance erwacht.
„Umso besser, je entschlossener sie ist umso eher ist ein Sieg anzunehmen“
„Sarah, dein Egoismus ist fehl am platzt, ich kann nicht zulassen, dass SIE geht, dass kann ich nicht!!“ erwiderte Sano der Paladiness mit scharfen, wuterfühlten Ton.
„Dann musst du uns aufhalten!“. Herausfordernd und zu Allem bereit war ihre Körpersprache.

Verfasst: 30. Jul 2005, 00:12
von Onkel Geri
Kapitel Neun (IX)

Land unter – Glück auf!

Halgjars struppiger Bart wehte im Takt mit den starken Winden die ihm in sein zernarbtes und zerfurchtes Gesicht blähten. Der stämmige Hüne von mehr als zwei Fuß Körperlänge rückte sich seinen weißen Bärenfellumhang zurecht und hauchte kurz auf die rundlichen mit zahlreichen Ornamenten verzierten Halter an seiner braunen nietenbeschlagenen Lederbrustpanzerung.
Mit seinem großen Breitschwert in der Hand tippte der Nordmann kurz an seinen mit Tierhörnern verzierten Stahlhelm und sah dabei Svenson seinen Steuermann an der zurücknickte und in ein großes Horn blies.
Das Nordmännerschiff war schmal, dreißig Männer lang, hatte in der Mitte einen Masten mit einem Rot-Gelb gestreiften Segel und einem Ausguck, zur Linken und Rechten Seite jede Menge hölzerne Rundschilder in den verschiedensten Farben, am Heck ein großes Ruder bedient von zwei Mannen und vorne am Bug eine Galionsfigur in Form eines Seeschlangenkopfes. Neben dem Segel ruderten noch gut sechzig Mann das tief im Wasser liegende Schiff. Um das Boot herum herrschte dichter Nebel, doch man konnte mutmaßen, nachdem unzählige Hornbläser auf Svensons Ruf reagierten, dass es eine riesige Armada sein musste, welche sich von Norden her dem Festland näherte.


Knochen splitterten und legten sich wie eine weiße Schicht auf die überall
verstreut liegenden Leichen der gefallenen Soldaten als sich Falkur de Light seinen Weg zum Zentrum Vespers bahnte. Sein treues Ross vor den verwüsteten Toren Vespers gelassen, schritt der Paladin Arazels wie ein unaufhaltsamer Gesteinsbrocken durch die Armee von Skeletten.
Als sich die Reihen der Feinden lichtete konnte Falkur den Ratstempel der Stadt sehen, schwer bewacht und gut bewehrt von der Königlichen Garde in ihren Gold-Blauen Rüstungen und der Fürstlichen Garde von Vesper in ihren Silber-Grünen Rüstungen. Die Verteidiger hatten sich soviel Respekt verschafft, dass ein breiter vier Fuß Gürtel um sie von den Skeletten eingehalten wurde der nur manchmal durchbrochen wurde um Angriffe von kurzer Dauer zu führen.
Mit seiner strahlenden Rüstung und dem weißen Ankh auf der Brust, wurde der
Paladin von den Soldaten auf den ersten Blick erkannt und ohne Umschweife in das bewachte Gemäuer eingelassen.

Radoc lehnte sich gerade an das verrammelte Fenster in dem kleinen Versteck an und lauschte dem andauerndem Streit des Elfen und der Paladiness als ein lautes, tiefes Grollen erhallte und wieder verstummte, genau wie der Streit, denn alle lauschten aufmerksam. Spannung lag in der Luft.
Ein zweites Mal erschien das Grollen und verstummte wieder. Draußen, vor dem Haus, konnte man das Scheppern der Skelettkrieger hören die seit kurzer Zeit versuchten sich Zugang zu dem Haus zu verschaffen. Mit einem schnellen Griff zog Radoc mit einem klirren sein Schwert und war bereit um sein Leben zu kämpfen.
Das Grollen erschien wieder und wurde sogar von einem leisen Summen begleitet. Ohne Vorwarnung schob sich ein Rubinroter Lichtstrahl durch das Haus, schmolz Radocs Schwert kurz hinter dem Handschutz zusammen, verschwand gleichzeitig mit dem Summen und hinterließ einen zwanzig Fuß breiten und tiefen Graben, der einen Großteil des Hauses gefressen hatte und auch die Straße mit den Skeletten vor dem Haus. Der Graben begann kurz darauf sich mit Grundwasser zu füllen.
Wütend warf der Drachenkrieger seinen Stummel von einem Schwert in den Wassergraben und suchte in dem Haus nach einem vergleichbaren Ersatz.
Erst als er eine große Hellebarde aus dem fast golden glänzenden Verite Metall gefunden hatte, bemerkte er dass Sarah und Mia nicht mehr im Raum waren. Auch nach mehrmaligem Rufen ließen sie sich nicht entdecken. Sano der Elf hingegen war aufzufinden. Bewusstlos lag er unter einem umgefallenen Tisch am Rande des neuentstandenen Sees. Sein linker Arm fehlte bis zur Schulter. Der Abschnitt war so glatt und sauber vollführt worden, dass kein einziger Tropfen Blut den Körper verlassen hatte.
Radoc seufzte und begann sich zuerst um den verwundeten Elfen zu kümmern.

„Sire Bohamier, Sire Bohamier. Der Vesper Rat hat gegen den Befehl des Königs und des Fürsten gehandelt und die Kristall Waffe neu errichtet. Unsere Spione berichten zudem dass der Erste Ratsherr den Fürsten im Unwissen des Stadtrates geputscht hat und einkerkern hat lassen. Lady Fürstin hat sich mit ihrer Leibgarde in die Burg vor den Toren der Stadt zurückgezogen und erbittet euch um Hilfe gegen die Aufständischen und die Belagerer der Stadt.“ Sprach mit flinker Zunge Sir Perry, der Berater des Fürsten von Minoc. Bohamier, der alte und weise Fürst von Minoc, saß in seinem goldenen Thron, in seinen purpurnen Umhang gewickelt und gab stumm ein Nicken von sich. Sir Perry bestätigte den Befehl seines Herrschers, kniete nieder, küsste die Juwelen- und Goldbesetzte fürstliche Hand und eilte aus dem Thronsaal, der mit seinen prunkvollen Wandteppichen welche die Wände verdeckten, etwas majestätisches an sich hatte.

Mit einem leisen surren zog Hugo seine Angel ein und warf den am Hacken
zappelnden, goldbraun glänzenden, Fisch in einen Korb neben sich und warf die Rute wiederum zurück aufs Wasser.
„Orion?“ „Hm?“ „Ich habe heute schon über vierzig Fische gefangen und du?“ „Ich auch Hugo.“ „Findest du das nicht seltsam Orion?“ „Nein?“ „Ich schon.“ „Aha.“ „Als ob die Fische aus Vesper flüchten würden.“ „Hm.“ „Vielleicht mögen sie den Rauch von dem Fest ja nicht, Orion?“ „Ach, da ist ein Fest im Gange?“ „Ja- hast du denn nicht die Rauchwolken von den Lagerfeuern gesehen?“ „Nein, ich habe heute noch nicht nach Vesper gesehen. Ist auch sehr viel Nebel heute.“ Die beiden Brüder, in den besten Jahren, stupsten ihre Strohhüte an und holten ihre Angeln ein um sich auf den Marsch nach Vesper zu machen. Denn keiner lässt sich ein großes Fest entgehen. Nach einem kurzen Marsch zu ihrer Behausung, einem Zelt mit blau-grünen Wänden die stark im Meerwind flatterten, traten sie wieder vor ihre „Tür“ auf den feinen Sandstrand und hatten sich dunkelblaue Festtagsgewänder übergezogen. Sie machten sich gerade auf den Weg als ein dumpfes Dröhnen aus dem Nebel ertönte. Beide starrten gebannt auf die See, konnten aber wegen des dichten Nebels nur einige Meter weit hinaussehen. Ein weiteres mal ertönte das dröhnen, dieses mal sehr viel näher. Ängstlich begannen die beiden fast gleichzeitig zu zittern. Man erzählt sich immer wieder die Gesichte von Neragos der Seeschlange, die unachtsame Fischer ins Meer zieht und
dort auf schlimmste Weise foltert, für die schlimmen Taten die ihr die Menschenfrüher angetan hatten.
„Da!“ Orion schrie aus und zeigte auf einen dunklen Schatten der sich im Nebel abzeichnete. Je näher das Wesen kam, umso deutlicher wurde sichtbar was auf den Strand zuschwamm. Als die Brüder einen Seeschlangenkopf erkennen konnten der sich durch den dichten Nebel zwang kannten sie kein Halten mehr und liefen schreiend in den Wald hinein.

Sarah und Mia erreichten nach einem langen und gefährlichen Fußmarsch den
Friedhof von Vesper. Ein Großteil der Gitterzäune war zerstört und lagen überall zerstreut herum. Die Luft roch süß nach Blut und Verwesung. In der Mitte des ehemals heiligen Ortes flackerte in allen verschiedenen Farben ein riesiges Portal, dass immer größer wurde. Der Strom der Skelette aus den Grüften war jedoch ungebunden. Sobald die Untoten die beiden Frauen entdeckt hatten gingen sie mit einem knirschen und seltsamen Krächzen auf sie los. Sarah hatte keine große Mühe die Krieger zurückzuhalten. Sie fuhr die junge Magierin an. „Siehst du dieses Portal, Mia? Daraus zieht der Totenbeschwörer seine Macht. Nutze dein Amulett und deine Kräfte um es zu zerstören- aber beeile dich, es bleibt nicht mehr lange Zeit dann wird das Portal groß genug sein um Untote einer ganz anderen Gefährlichkeit hervorzubringen!“
Mia war noch erschöpft und zitterte am ganzen Leib. Sie hatte so etwas noch nie vorher gemacht, aber sie wusste trotz alledem was sie zu tun hatte. Wie in alter Routine hob sie ihre beiden Hände über ihren Kopf und sprach ihr unbekannte Zauberformeln in den, zu ihrer Verwunderung, aufkommenden Wind. In ihren Fingerspitzen begann erst ein leichtes Kribbeln welches sich zu einem stechenden brennenden Schmerz entwickelte. Der Wind hatte jetzt bereits die Züge eines ausgewachsenen Orkans erreicht und entwurzelte einige Bäume in der Nähe. Mia schlug ihre Augen auf und blickte auf ihr Amulett, das in hellem Schein unter ihrem schwarzen Kleid hindurchstrahlte. Wie in Trance schlug die Farbe von Mias Augen auf einen feurig flackernden Ton über. Ohne zu wissen was sie tat, streckte sie ihre Finger von sich auf das Portal zu. Das angesammelte Mana floss wie ein herabstürzender Bach durch den gazellenartigen Körper der jungen Magierin und strömte in zehn blitzenden und Hacken schlagenden Feuerstrahlen auf
das Portal zu. Zuerst geschah nichts. Dann legte sich der Wind so schnell wie er aufgekommen war. Wie verdampfendes Feuer legten sich die Strahlen aus Mias Fingern. Wackelig stand sie auf beiden Beinen und starrte ungläubig das noch stehende Portal an.
Plötzlich begann das Portal zu flackern und vibrieren. In einem glühenden weißen Lichtblitz zersprang das magische Bauwerk und ließ im Umkreis von mehreren hundert Fuß alles was nicht fest in den Boden verwurzelt war umknicken wie einen jungen Grashalm im Sturm.

Falkur lachte und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er hatte sich einen stundenlangen Kampf mit dem Totenbeschwörer geliefert und war doch nicht in der Lage ihn zu vernichten. Zu groß war seine Macht. In einem großen Feuerball waren die toten Übereste des Magiers ein zweites mal gestorben. Dieses mal hoffentlich für immer.
Nach dem Tot des Beschwörers, verloren auch die Skelette ihre Kraft und sanken mit lautem Getöse und Geschepper dort in sich zusammen wo sie sich gerade befanden.
Über Falkur tat sich ein grässlicher Lärm auf. Als er nach oben blickte erkannte er eine der fliegenden Dampfmaschinen (Holzvögel genannt) vom VI. Minocer Holzvögel Regiment.
Was der Paladin noch an dem Rauch und Feuer spuckendem Ungetüm erkennen konnte ließ ihm einen kalten Schauer über den Rücken laufen.
Er versuchte mit lautem Brüllen und Winken die Besatzung des Fliegers auf sich aufmerksam zu machen.
Vor Stunden schon hatte er den aufständischen Rat inhaftieren lassen und den Fürsten aus den Kerkern holen lassen. Dieser hatte sofort den Feuerstopp der Kristallwaffe angeordnet, und so war es auch geschehen. Vermutlich war der berittene Bote nach Minoc nicht schnell genug gewesen.
Der Holzvogel entfernte sich schnell und warf seine Fracht ab, als er sich über dem Hafen der Stadt befand. Kurz darauf schoss eine gigantische Wasserwand in den Himmel und begrub den Hafen sowie die auf dem nahen Festland stationierte Kristallwaffe unter sich.
Falkur seufzte Enttäuscht. „Wer immer auch für diese Ereignisse verantwortlich gewesen ist, er hat erreicht was er wollte. Ich höre bereits die aufkommenden Kriegstrommeln. Ich muss richten was noch zu richten ist und herausfinden wer hinter allem steckt.“ Der Paladin streckte seine gepanzerte Hand aus und ließ ein magisches Portal erscheinen durch das er schritt. Einige Augenschläge später verschwand das Portal mit einem leisen „Plupp“, dass sich wie das zerplatzen einer Luftblase anhörte.

Verfasst: 30. Jul 2005, 11:56
von Onkel Geri
Kapitel 10 (X)

Die Lightless

Eine riesige Flutwelle erfaste das Schiff aus dem Norden, der Schlangenkopf am Buck des Schiffes wippte stark im Einklang mit dem Schiff hin und her.
Die Verwunderung über das gerade Geschehene stand den Seemännern ins Gesicht geschrieben, der Hafen, in den das Schiff in betracht war einzulaufen, wurde vor ihren Augen dem Erdboden gleichgemacht.
Wieder erklang das Horn des Schiffes, es waren nicht viele Antworten, die zurück kamen, mit dem Hafen hatte es auch die halbe Flotte erwischt!
„Sir, es sind noch 14 Schiffe übrig, die uns an Land folgen könnten“ sprach Svenson mit ruhiger, trauriger Stimme den Captain an.
„Egal wie viele Männer oder Schiffe wir noch haben, ich würde es auch alleine machen wenn dies erfolg haben würde. Diese Mission ist wichtiger als wir ALLE, solange der letzte Mann nicht gefallen ist, wird weiter gemacht!!“ die Stimme ihres Captains war stark und durchdringend wie eh und je.


Eine karge, dunkel gefärbte Ebene erstreckte sich vor dem Paladin als er durch das Portal schritt.
verwundert starrte Falkur in die Ebene, der Ort war nicht des Paladin Wunsch gewesen. Das Portal blieb hinter dem Paladin offen, zu dessen Verwunderung.
Je intensiver sich der Diener des Lichtes umschaute je unglaubwürdiger kam ihm diese Ebene vor. Kein Baum und kein Haus, nur dunkle, kleine Steine, soweit das Auge reichte, waren zusehen.
Der Paladin wollte sich schon umdrehen und diesen Ort wieder auf gleicher Weise verlassen wie er kam jedoch vernahm er zuvor ein leises Zischen, welches ihn zögern ließ.
Wie aus dem Nichts standen plötzlich drei ganz in schwarze Rüstungen gehüllte Krieger vor ihm.
Die Rüstungen der drei Krieger lenkten sofort die Aufmerksamkeit des Paladin auf sich. Die Rüstungen schienen maßgefertigt zu sein, sie saßen den Kriegern perfekt. Das Einzige was sich von der schwarzen Ganzkörperpanzerung abgrenzte war der Kopfschutz, es war kein Helm oder Desgleichen, die Köpfe der Krieger wurden durch schwarze Masken geschützt.
Die Masken schnitten hässliche Fratzen und Grimassen, fast schien es so als würden die Masken den Paladin durch ihre Fratzen und Grimassen auslachen.
Spät bemerkte der Paladin das Zeichen auf den Rüstungen. Auf der Brust jedes einzelnen Kriegers bildeten drei kleine Dreiecke ein großes Dreieck. Die kleinen Dreiecke waren so angelegt, dass sie in ihrer Mitte ein viertes, ebenso kleines Dreieck bildeten, welches auf dem Kopf stand. Dieses vierte Dreieck unterschied sich aber farblich von seinen drei Nachbarn.
Der Paladin erkannte das Zeichen wieder, schon einmal sah er dieses Zeichen, es war das Zeichen Triforce. Nur waren die drei kleinen Dreiecke gelb gewesen und nicht, wie bei den in schwarz gekleideten Kriegern weiß.
Eine dumpfe, tiefe Stimme riss den Paladin plötzlich aus seinen Gedanken:
„Du bist der Paladin, den man Falkur de Light nennt?“
Falkur nickte einem der Krieger zu, der zu sprechen begonnen hatte.
„Wir die Lightless haben ein Nachricht für dich, deine Welt wird durch unsere Hand untergehen, nicht durch irgendeine schmierige Hand eines Untoten. Kehre in deine Welt zurück und bereite deine Gehvolksleute auf ihren Untergang vor“.
Der Paladin konnte dem Nichts entgegenbringen, schon hatten sich hundert dieser Schwarzen- Krieger um ihre drei Kumpanen versammelt.
Es reichte aber schon Einer um den Paladin zu überwältigen und in das Portal zurück zu schicken.
Ein schwarzer Krieger hatte sich aus der Gruppe gelöst und sich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit auf den Paladin zu bewegt. Drei präzise Schlage des Kriegers mit der Handkante, die so schnell waren wie das Licht, reichten aus um den Lichtkrieger außer Gefecht zu setzen.


Erschöpft rang Mia um Luft, es hatte ihr viel Kraft gekostet das dunkle Portal zu schließen.
Die Zauberin kniete auf dem schlammigen Boden des Friedhofs, als sie sich langsam umsah. Sie suchte ihre Gefährtin Sarah de Light, von ihr war jedoch keine Spur zu sehen.
Und wieder verspürte Sie dieses Angstgefühl des Alleinsein, sie war allein, keine untote oder menschliche Seele war zu sehen.
Mia beschloss sich wieder in die Stadt zu begeben und dort zu helfen wo Hilfe benötigt würde.
Eine trügerische Ruhe lag auf dem Weg hinein in die einst so prunkvolle Stadt, was zuvor hier glänzte und sauber war, war nun dreckig und zerstört.
Mia viel es nicht leicht sich zu orientieren, überall lagen Trümmer die, die Wege versperrten und ganze Häuserblöcke waren verschwunden, die einst zur Orientierung hätten beitragen können.
All die Kriegsgeschreie und das Kampfgetöse war verschwunden, wie als hätte ein Fluch die Stadt Vesper heimgesucht waren alle Straßen wie leergefegt.


Radoc hatte vergeblich nach medizinischer Hilfe gesucht, bis die Paladiness Sarah de Light plötzlich auftauchte und ihm den verletzten Sano abnahm.
Sie verschwand so schnell wie sie gekommen war, ohne ein Wort über ihre Absichten.
Vergeblich hatte der Drachenkämpfer versucht ihr in den Wald zufolgen, zu schnell ritt ihr Pferd außer Sichtweite.
Radocs Erscheinung war mir dem der Stadt Vesper gleichzusetzen, einst in Gold geschlagen und mit prunkvollen Antlitz war jetzt nur noch ein Schatten seiner Selbst auszumachen.
Die goldglänzende Rüstung des Kriegers war mit Blut und anderen Stoffen verfärbt und sah so recht schäbig aus, sein Haar, welches einst gestriegelt und glänzend war, war nun zerzaust und teilweiße angesenkt.
Tatenlos und in Gedanken versunken stand Radoc an der Waldgrenze und schaute ins Nichts. Nicht zu unrecht konnte sich das Gefühl des Sieges in Radoc nicht aufbauen, zu trügerisch schien die Ruhe über Vesper zu liegen.

Verfasst: 30. Jul 2005, 14:46
von Onkel Geri
Kapitel Elf (XI)

Licht und Schatten

Mit schnellem Schritt raste eine leuchtende Gestalt durch die dunklen Wälder und rieb den Nebel auf der sich knapp über dem Laubbedeckten Boden zwischen Geäst gefangen hatte. Falkur trieb sein Pferd ohne Rast an in Richtung der ältesten Bibliothek des ganzen Landes, tief und versteckt in den Wäldern von Yew. Er hatte bereits schon mal in früherer Zeit von den Lightless gehört, doch wusste er nicht mehr was genau. Ein Funken Hoffnung bestand noch. Noch.

So weit sein Blick reichte, bis zum Horizont und noch weiter. Vom höchsten
Berg des Covetus Gebirges blickte ein blasses Gesicht mit gelblichen Augen
und fahlen langen Haaren durch ein in Holz Gerahmtes Fenster. Seine beiden
alten Augen sahen wie der Wald vor ihm durch und durch mit blitzenden und
funkelnden Lichtpunkten durchsäht war. Nicht nur daran, sondern vor allem an
den vielen Bannern die hier und dort durch Lichtungen in den Himmel starrten
verrieten Dakar dass Minoc zum Krieg geblasen haben muss. Dakars blasse
Finger glitten über ein in Stahl gebundenes Buch und seine langen
Fingernägel hinterließen ein schmerzendes Geräusch in der Luft als sie das
Metall streiften. Langsam schlug er das Buch auf und wählte eine der letzten
Seiten aus. Auf den vergilbten Seiten waren viele bunte Bilder. Sie zeigten
eine brennende Stadt, glühende Felsen aus dem Himmel fallen und einen
Lichtpunkt umgeben von Dunkelheit. Wenn man einige Zeit genauer auf die
Bilder sah konnte man sehen wie sie sich bewegten und ihre eigene Geschichte
erzählten.
Zum ersten mal seit mehr als siebentausend Jahren sprach Dakar wieder. Seine
raue und trockene Stimme brachte nur folgende krächzende Brocken hervor:
"Die Prophezeiung wird sich erfüllen."

Als die Nacht über dem gebeutelten Landstreifen hereinbrach sah man drei Gestalten im trüben Schein eines Lagerfeuers sitzen, ganz in der Nähe einer alten eingefallenen Windmühle deren zerfetzten Windblätter leise knirschend im flauen Wind sich drehten.
Eine der Gestalten war hoch gewachsen, trug langes blaues Haar und war eine Paladiness des Licht Gottes Arazels. Die andere Gestalt schien sehr erschöpft zu sein und dem Einschlafen nahe. Auch sie schien weiblich zu sein. Mit Spitzen Ohren deren Schatten sich im Feuerschein lang zog gehörte die dritte Gestalt eindeutig einem Elfen.
Sano sprach mit leiser Stimme, denn der Verlust seines Armes hatte ihm viel an Kräften abverlangt.
„Du wirst dich also um das Mädchen sorgen, Sarah? Ich werde zurück in meine Heimat reiten und dem Hohen Rat des Waldes von den Ereignissen hier erzählen. Es wäre zu gefährlich wenn ich Mia mitnehmen würde.“ Sarah nickte und erwiderte: „Mia hat erstaunliche Kräfte, die durch ihren Beinahe Tod freigeworden sind. Aber sie kann sie noch nicht einsetzten. Ich werde sie nach Hildesia bringen um von dort aus mit einer Kutsche nach Trinsic zu gelangen. Ich habe eine gute Freundin dort die mir noch einen Gefallen schuldig ist. Sie wird unsere junge Zauberin sicher nach Maginica bringen. Dort in der Stadt der Zauberkünste wird man sich ihrer annehmen.“ Die beiden alten Freunde nickten sich zu, und vergessen waren die alten Streiterein. Unbemerkt von beiden hingegen war die dritte Person am Lagerfeuer, Mia, eingenickt und rollte nervös mit ihren geschlossenen Augen. Was sie sah kannte sie noch nicht.
In dunklem lila flackerte das Feuer hin und her. Die Umgebung war nicht dunkel sondern in neutrales Grau-Braun gefasst. Sano war von einem leichten roten Glanz umgeben. Die Paladiness hingegen blendete Mia beinahe mit ihrem Hellem Scheinen das scheinbar von überall aus ging und in der Mitte, dort wo ihr Herz saß, am hellsten glomm. Irgendwie fühlte Mia sich an als ob sie schwebte. Nachtfalter, Vögel, Rehe im Wald, ja selbst Bäume- alle hoben sich in unterschiedlichen Farben von dem Grau-Braunen Hintergrund ab. Anstatt im tiefen Schlaf versunken, war Mia vor Erschöpfung in einen Trance artigen Zustand gefallen und in die Astralwelt geglitten, ohne es zu wissen. Die Astral Welt oder auch Astral Sicht genannt, ist nur rein magisch begabten Wesen gestattet. Es ist eine Welt die sich auf der normalen Welt auflagert, aber nur wenigen zugänglich ist. Man kann die Auras von lebenden Geschöpfen erkennen und oftmals sehen was sich wirklich hinter dem Schein verbirgt. Schrift und Zeichen sind auf unerklärliche Weise nicht zu erkennen in diesem Zustand der Körperlosigkeit. Man kann weder Gutes noch Schaden auf Dinge anrichten die sich nicht in dem selben Zustand befinden. Wohl aber können Magier Gefechte gegeneinander und gegen Geister, Elementare und andere Geschöpfe austragen, wenn sie sich ebenfalls in der Astral Sicht befinden. In einem solchen Kampf kann man auch sein Leben verlieren. Der Körper des Magiers lebt noch weiter, ist aber ohne eine Seele und unfähig zu Taten. Neugierig versuchte Mia sich fortzubewegen und flog in einer Geschwindigkeit wie sie noch kein Pferd hat reiten sehen. Sie stoppte als sie zu einem Wirrwarr aus bunten Lichtkegeln kam. Unzählige Auren von Menschen befanden sich nicht allzu weit weg von ihrem Lagerfeuer und schritten auf Vesper zu. Diese Anzahl von Sichtungen überlastete Mias Geist und mit einem Husten kehrte ihre Seele zurück in ihren Körper wo sie auf der Stelle vor Erschöpfung vom Astralraum in einen tiefen Schlaf sank.
Früh am Morgen wurde Mia von Sarah geweckt und auf den Stand der Dinge gebracht. Als sie nach dem Elfen fragte erhielt sie als Antwort nur dass er schon fort sei. Die beiden ritten los, noch bevor sich der Morgen Tau niedergelegt hatte.
Zwei Tage später erreichten zu tiefer Nacht zwei berittene Späher der Minocer Armee das verlassene Lager und beschlossen ebenfalls das Heer für den bevorstehenden Angriff an dieser Stelle rasten zu lassen

Früh am Morgen kam Hektik in den leicht verwüsteten Sitz des Fürsten von
Vesper. Mehrere Boten standen nervös vor dem hoch gewachsenen, schlanken
Mann in seinen Lila Hosen und Weste mit dem roten Umhang. Zornig richteten
sich sein Stirnfalten auf und er richtete sich seinen Schlapp Hut mit den
bunten Federn zurecht.
"Eure Herrlichkeit, die Orks vom Osten!" "Fürst, Fürst! Aus Süden nähert
sich eine Nordmännerflotte!!" "Sir, das Fürstentum Minoc hat seine Truppen
entsand. Sie haben bereits unsere Nordgrenzen durchschritten und nähern
sich, Sir." "Aus Westen nähert sich eine Garnison des Orden des Morgoth,
Herr." Wild durcheinander wurde gebrüllt und der Fürst konnte nur einige
Wortfetzen hören. Seine Lungen füllten sich mit Luft um für Ruhe zu sorgen.
Doch anstatt eines Wortes krabbelten wie aus dem Nichts Hunderte von kleinen
schwarzen Käfern aus dem offenen Mund des Fürsten. Sofort verstummte das
Gebrüll und Entsetzen machte sich auf den Gesichtern der Boten, Berater und
Schönredner breit. Alle wichen vor dem sich um den würgenden Fürsten
ausbreitenden Käferteppich zurück. Die seltsamen Käfer fraßen sich ihren Weg
aus dem menschlichen Körper hinaus und kurz darauf lag nur noch ein kleines
Häufchen Knochen mit Kleidungsfetzen auf dem Boden. Doch der Strom der Käfer
versiegte nicht.
Diejenigen welche nicht schnell genug waren, lagen bereits zuckend am Boden
und wurden in rasender Schnelle von den Käfern bis auf die Knochen abgenagt.
Angsterfüllte Schreie traten kurz darauf überall aus dem Fürstenpalast.
Einige Wachen schafften es noch das gemauerte Gebäude zu verlassen, verfolgt
von einem schwarzen Strom. Aus allen Fenstern, Türen und Toren strömten,
fielen und krabbelte die pechschwarze Flut und fraß auf wer nicht schnell
genug flüchten konnte. Danach ertönte ein knacken und krachen, kurz darauf
stürzten die umliegen Häuser zusammen und verschwanden knurpsend unter dem
Käferstrom. Die Käferwelle floss ungehindert weiter und überwand auch die
höchsten Mauern. Als der Strom im Fürstenpalast versiegte, traten durch die
Tore in Zweierreihen Soldaten in pechschwarzen Rüstungen die matt waren und
kein Licht reflektierten. Auf den Brustpanzern befanden sich goldene
Triforce Dreiecke, die Gesichter der Krieger waren mit Öffnungslosen,
flachen Masken verdeckt. Die Krieger verteilten sich genau wie der Strom von
Käfern und folgte diesem in einiger Entfernung.
Das kleine Ork Heer war nach kurzem Kampf tiefste Geschichte. Nur
fleischlose Gerippe und augenlose Schädel die auf metallenen Äxten und
Schwertern lagen blieben zurück.
Keiner der massigen Krieger konnte etwas gegen die Unzahlen von kleinen
Käfern unternehmen. Machtlos mussten sie mit ansehen wie sich die Insekten
schmerzvoll durch ihre Füße, Lederpanzer fraßen und schmatzend durch die
Haut. Viele lebten noch und spürten kurz vor ihrem Tode wie ihre Eingeweide
verschwanden. Nachdem die orkische Streitmacht aufgerieben wurde, zogen sich
alle Käfer an den vorrückenden Schwarzberüsteten Soldaten in den
Fürstenpalast zurück. Dem einzigen Gebäude im Umkreis von viertausend Fuß.
Das ohnehin verwüstete Vesper sah aus wie gekehrt: nur noch einige wenige
Gebäude und Mauerreste standen noch.
Im Norden von Vesper traten als die Sonne bereits im Zenit stand, die
Minocer Truppen auf die Schwarzen Soldaten. Nachdem die Krieger weder von
schwerem Katapult- und Pfeilbeschuß aufgehalten wurden und bereits, ohne
Verluste auf den Seiten des Feindes, mehrere Reihen der rot-grau karierten
Soldaten aus Minoc gefallen waren, zog sich die Armee ungeordnet und panisch
in den Wald zurück und war nach kurzer Zeit in alle Himmelsrichtungen
zerstreut.
Dem Nordmänner Heer unter Haligar erging es nicht viel besser. Ein Großteil
des Restes der Krieger war bereits gefallen. Blutrot hatte sich das Wasser
um die Reste der Hafenanlagen von Vesper bereits gefärbt und ausblutende,
zerhackte Nordmännerleichen säumten die Planken der Docks. Die schwarzen
Langschwerter der Krieger schnitten durch die Schwerter, Schilder und Körper
der tapferen Seefahrer wie durch weichen Käse. Diejenigen der Krieger die
auf die Boote zu fliehen versuchten, fanden ihren Tod auf dem Grunde des
Hafenbeckens. Ohne Gefühle zu zeigen zerstörten die Schwarzrüstungen die
Boote.
Einzig und allein im Westen taten sich seltsame Dinge.
Die Garnison des Orden des Morgoth in ihren schwarz-schwarzlilanen Rüstungen
hatte die verwüsteten Stadtgrenzen erreicht. An der Spitze der Armee saß in
einer schwarz leuchtenden Rüstung Sean van Horg, der Paladin des dunklen
Gottes Morgoth. Quietschend klappte er sein Helm Visier hoch. Im leichten
Wind wehte der schwarzlilane Federbusch des Helmes und das gleichfarbige
Gewand des Pferdes gleichmäßig und ruhig. Klirrend zog der Paladin sein
schwarz glänzendes Schwert und hob sein ebenfalls schwarzes Rundschild mit
dem Zeichen Morgoths in schwarzlila in die Höhe. Mit dumpfer, grollender
Stimme sprach Sean: "Jünger Morgoths. Unser Gott verlangt nach dieser Stadt.
Die Horden des Triforce werden keinen Pflock vor unser Ziel schlagen.
Kraiamaros wird fallen wie diese Stadt von Schwächlingen. Für die
Finsternis- Für Morgoth!" Bei seinem letzten Satz hob er sein Schwert in die
Höhe. Laut jubelnd und grölend hoben die Krieger, Schützen und Magier ihre
Lanzen, Bögen und Zauberstäbe in die Höhe und stürmten an ihrem Anführer,
der wie ein großer Stein im Fluss wirkte, vorbei auf die Triforce Soldaten
zu. Direkt über dem Schlachtfeld hatte sich eine riesige schwarze Wolke
gebildet, aus der grelle Blitze hinunterschnellten und mit jedem Treffer
einen der unverwundbar geltenden Krieger in eine schwarze, blubbernde
Schlammmasse zusammenschmolzen.
Um Sean van Horg hatte sich ein enger Kreis von berittenen Kriegern in
schwärzlichen Roben gebildet. Auf den Brüsten der Roben prangte eine
silberne Anstecknadel mit dem Symbol des Ordens der Verdammnis, dem der
Paladin angehörte. Den Orden des Morgoth hatte er sich nur "geliehen". Ein
Mittel zum Zweck. Mit Aussicht auf Segnung hatte er Dean McGrath dazu bewegt
seine Krieger gegen Vesper ziehen zu lassen. Kalt Lächelnd saß er neben Sean
auf seinem schwarzen Ross und murmelte leise: "Vorzüglich."
Kein Schreien, nur das klirren von Metall auf Metall tönte vom Schlachtfeld
her. Wie in Trance hieben die Morgoth Krieger mit ihren Gesegneten Waffen
auf die Feinde ein und kümmerten sich nicht im geringsten darum wenn
Gliedmaßen von ihnen abgehoben wurden oder sei blutüberströmt am Boden lagen
und dem Todesmann die Hand schüttelten. Mit, wenn auch mit mäßigem, Erfolg
fielen nach und nach viele der Triforce Krieger, aber dennoch waren es mehr
als genug.
Erst nachdem die Priester Moroths einige Todesritter beschwörten, die durch
Portale aus den Tiefen der Unterwelt ritten, wand sich die Schlacht.
Mit sehr hohen Verlusten schafften es die Reste der Armee bis vor den Kern
des Feindes vorzudringen: dem Fürstentempel. Zuerst geschah nichts. Dann
leuchteten die Fensteröffnungen rot. Und dann herrschte uwahrscheinliche
Stille.

Fern ab, nahe des Nördlichen Walles, wie der kilometerlange Befestigungswall
in der Mitte des Königreiches von Britannien genannt wird, durchquerten Mia
und die Paladiness den Sumpf des Nördlichen Territoriums um den Wall zu
passieren und zur Handelsstadt Hildesia zu kommen.
Nach einem langen Ritt der mehrere Tage andauerte waren die beiden Frauen so
ziemlich am Ende ihrer Kräfte. Die Befestigungsanlagen konnten bereits durch
die vom Sumpf aufsteigenden Gaswolken hindurch gesehen werden. Massig und
trotzig ragten die Steinblöcke aus dem Boden und versperrten einem die
Sicht. Dahinter konnte man am Horizont bereits die ersten Rauchwölkchen aus
Kaminen erkennen die zweifelsohne zu Hildesia gehörten.
Erstaunlich ruhig und ohne große Zwischenfälle war der gefährliche Marsch
durch den Sumpf erfolgt.
Nur einmal kurz tauchten hinter einer alten Ruine mehrere Echsenmänner auf,
die nach Sichten von Sarah de Light jedoch rasch das Feld räumten und wütend
zischend, um eine Mahlzeit weniger, im Nebel des Sumpfes spurlos
verschwanden. In der Nacht wenn die beiden Gefährtinnen in alten Ruinen Rast
machten, konnte Mia manchmal leuchtende Augen und Punkte in der Finsternis
erkennen. Sarah erzählte ihr dass des Nachts Irrlichter und Echsenmenschen
durch die Sümpfe ziehen um rastlose Wanderer in die Irre zu locken.
Mit einem lauten Knarren öffneten sich die vier Fuß hohen Stahltüre nach
Innen. Gerade passierten sie das Tor und wurden freundlich von einem
Wachmann mit einem sehr langen Speer begrüßt, da begann die Erde zu beben
und zu zittern.
Morsche Bäume die auf morastigem Boden standen kippten zur Seite um, Gas und
heißes Wasser spritze in hohem Bogen aus einigen Stellen im Sumpf und am
Blauen Firmament zogen schwarze bedrohliche Wolken zusammen, verdeckten die
noch eben hell strahlende Sonne und ließ die Welt in ein Diffuses Licht
fallen, weder dunkel wie die Nacht noch hell wie der Tag und schon gar nicht
angenehm. Das Beben verebbte, doch die Aufregung blieb. Irgendjemand schrie
panisch von den Befestigungsanlagen der Weltuntergang wäre gekommen und sie
würden alle sterben. Ängstlich blickte Mia Sarah an, doch auch sie wusste
anscheinend keinen Rat.
Von irgendwoher erschient ein helles, wärmendes Rot. Kurz darauf ging eine
zweite Sonne im Osten des Landes auf, in der Richtung aus der die beiden
gekommen waren.
Wie ein gigantisches halbes Ei legte sich die rote Sonne auf den Horizont
und verweilte dort mehrere Augenblicke. Als die Sonne sich wieder senkte
wurde dies begleitet von einer Reihe greller Blitze die in schnellem Tempo
nacheinander aufglommen. Nachdem sich die Augen aller die dieses Spektakel
mit angesehen hatten wieder einigermaßen klar waren, stand eine riesige
schwarz rote Rauchsäule am Himmel, dort wo eben noch die zweite Sonne
gewesen war. Große, weit erkennbare Blitze zuckten überall aus der Säule
nieder. Alle wussten das dies nichts Gutes zu bedeuten hatte. Einer der
Wachmänner drückte Mia ein Buch in die Hand und sagte ihr sie solle die
Prophezeiung lesen, wenn sie könne.
Von den Ereignissen der letzten Zeit verwirrt schlug Mia das Buch auf, wurde
dabei fast von einem ausgerissenen Pferd erfasst, dass nervös an seinen
Zügeln gerissen hatte, und begann zu lesen.
Das in rotes Leder gefasste Buch hatte schon sehr vergilbte Seiten.
"Randal Morn.
Den alten Schriften in den Tempeln des Hythloth und Covetus ist zu entnehmen
dass begleitet von einer kurz auf und wieder untergehenden Sonne die im
Osten des Landes erscheinen wird, die letzten Tage dieser Welt anbrechen
werden.
Meinen Studien ist zu entnehmen dass es nur eine Möglichkeit gibt dieses
Unheil abzuwenden,"

"...dazu müsste ich allerdings noch weiter in die Verbotene Stadt jenseits
dieser Landes ziehen um in der Bibliothek des Vergessens nach Rat zu suchen.
" Sprach Falkur leise vor sich hin.
Er klappte das alte Buch in den schlecht beleuchteten Hallen der Yewer
Bibliothek zu und war bereit den Weg anzutreten. Allerdings benötigte er
dazu Hilfe. Sehr viel Hilfe. Doch er wusste bereits wo er sie finden würde.

Verfasst: 31. Jul 2005, 12:48
von Onkel Geri
Kapitel Zwölf (XII)

Wiederkehr eines Mythos

Das Flackern der Kerzen warf ein unförmiges Schattengebilde an die Wand des nur spärlich beleuchteten Raumes.
Der kleine Raum hatte gerade mal platz für Stuhl und Tisch, die Bücherregale an den Wänden des kleinen Raumes verengten ihn sehr.
Unruhig blätterte eine Gestalt in den Seiten eines alten, schon fast vermoderten Buches, seine Seiten waren Gelb vergilbt und schon sehr zerfledert.
Falkur de Light war auf der Suche nach den Legenden von Caivallon, hier hoffte er dir Rätsel zu lösen, die um die Triforce lag.
Unzufrieden klappte er das Buch zusammen und legte es behutsam auf den wachsenden Bücherstapel neben ihm. Zögernd schob der Paladin den Stuhl, auf dem er gesessen, zurück und erhob sich, wieder ging er zu dem Bücherregal um seine Suche fortzusetzen.
Ein Buch nach dem Anderen klappte in dem Bücherregal zurück, plötzlich stockend, griff der Mann nach einem Buch.
>Niedergang eines Königreiches< war auf dem Buch zu lesen, dieser Titel schien den Paladin zu erfreuen, ein leises Schmunzeln glitt über seine Lippen.
Leise und behutsam klappte er das alt aussehende Buch auf als er sich wieder auf den Holzstuhl setzte und zu lesen begann:
>Dies sind die Legenden des Königreichs Caivallon, wendest du weiter deine Blicke in dieses Buch so sollst du erfahren wie sich Licht in Schatten wandelte.
Einst prunkvoll und wunderschön, Caivallon, ein Königreich des Lichtes und der Liebe. Regiert von König Ellende und seiner wunderschönen Gemahlin Ceraile.
Niemand und nichts vermochte anzugreifen, was nicht anzugreifen war, die Mächte der Drei waren dem Reich des Lichtes wohlgesonnen und so schickte einst das Licht die Drei Kämpfer, die Triforce<
Das Herz des Paladin raste, so mit Erregtheit erfühlte es ihn, bei den letzten gelesenen Zeilen, seine schwitzige Hand schlug die Seite um und er lass gebannt weiter:
>Drei Kämpfer, dessen Namen nicht verfasst werden durften, verteidigten das Königreich mit einer unglaublichen Kraft, die mächtigsten Männer anderer Reiche vielen unter der Macht der Triforce.
Doch warte der lichterne Schein nicht lange, die Macht der Triforce brachte sogleich sein Untergang mit sich. Wie Yin und Yang prophezeit, dort wo Licht, auch Schatten!
Die Triforce brachte sein Gegenpart hervor, die schrecklichen und mit böser Macht gesegneten Lightless.
Die Mächte der Drei zerstritten sich in der Erkenntnis, Böses mit sich gebracht zu haben und so viel das glorreiche und lichterfühlte Königreich.
Die Lightless hatten wenig Mühe, die Mächte der Drei zu vertreiben und das Königreich auszulöschen. Und so trennte sich das Triforce und was nie hätte in Vergessenheit geraten dürfen, zerfiel, wie die Mauern von Caivallon.<
Die Erkenntnis des Mythos traf den Paladin wie ein Blitz, „Wenn die Lightless noch existieren, trifft dies auch auf die Helden der Triforce zu“.

„Meister, wie befohlen sind unsere Truppen in Vesper eingefallen und haben den Schatten mit sich gebracht.
Und wie von ihnen vorbestimmt sind unsere Truppen sofort unter der Streitmacht von Morgoth zerfallen und haben sich ihnen unterworfen“.
Ein breites Grinsen erfühlte das Gesicht des Mannes, der unerkennbar in schwarzen Stoffen verhüllt war, als er die Nachricht von seinem Diener vernahm.
„Sehr gut, alles nimmt seinen Lauf, nicht mehr lange und Phase Zetta wird diese Welt heimkehren“.
Wie aus einer Kehle grollte das Lachen der Beiden Personen hallend und diabolisch.

Ein kleines Dorf offenbarte sich den beiden weiblichen Reisenden, Trinsic lag vor ihnen.
Es ein Stadttor zunennen wäre wohl nicht ganz sachgemäß gewesen, ein aus Holz gefertigtes kleines Gatter versperrte den Weg in das Dorf.
Ein schwerbewaffneter Krieger hielt die Kutsche mit einer Geste auf, schnell wurde ihm aber klar wenn er da gerade angehalten hatte und er verschwand so schnell wie er gekommen war.
Die kleine Stadt war schnell überblickt, vereinzelt standen verschieden große Bauernhäuser an der mit Steinen gepflasterten Straße.
Die Straße führte die Kutsche direkt auf einen runden Platz, der Platz schien so etwas wie das Zentrum der kleinen Stadt zu sein. Hier war die Bauweiße besonders dicht, die eine Hälfte des Platzes war mit einem Markt belegt und auf der anderen Hälfte tummelten sich besonders viele Leute.
Die Kutsche kam auf dem Platz zum stehen und die beiden Frauen stiegen, etwas schwerfällig, aus der schlecht gefederten Kutsche.
„Was erhoffen wir uns von dieser Stadt“ fragte Mia die Paladiness.
„Ich werde hier eine alte Bekannte treffen, die dich nach Maginica bringen soll“ erwiderte die Licht erfühlte Frau kühl.
„Ich soll nach Maginica, aber warum, sollten wir nicht lieber nach Vesper zurück und die Bösen Mächte dort vertreiben?“ uneinsichtig und erbost über die Kühlheit der Paladiness sprach Mia diese Worte.
„Nein, was geschehen ist kann nicht mehr geändert werden, die Stadt und vor allem die Welt kann jetzt nur noch mit anderen Mittel gerettet werden. Und dazu ist es wichtig, dass du nach Maginica gehst“ die Paladiness sprach jetzt nicht mehr so kühl und voller Einsicht nahm die junge Zauberin ihre Worte mit einem Nicken hin.
Es dauerte nicht lange bis plötzlich eine ältere Dame vor den Beiden wartenden Frauen auftauchte.
Die Dame war in eine hellblauen Kutte gekleidet, die fast ihren ganzen Körper bedeckte. Mias Aufmerksamkeit richtete sich sofort auf das Gesicht der Frau.
Entspannte Gesichtszüge, lange graue Haare und kleine, dunkelblaue Augen erblickte sie, der Anblick dieser Frau erweckte in Mia das Gefühl der Geborgenheit und des Vertrauens.
Sarah hatte ohne weiteres schnell einige Worte mit der Frau gewechselt als Mia noch gebannt auf die Dame schaute.
„Du bist also Mia, nett dich kennen zu lernen. Ich habe schon viel von dir gehört!“ die Stimme der älteren Frau war so wie ihr Anblick, warm und zart.
Mia hatte keine Scheu ihr zu antworten, zu vertraut war sie ihr:
„Ja richtig, ich bin Mia und sie sind die Bekannte von Sarah, die mich nach Maginica bringen soll?“.
„Bitte nenn mich doch Irisa. Ja Mia, ich werde dich nach Maginica bringen, es wird dir dort an nichts Fehlen und ich gehe auch fest davon aus es wird dir dort gefallen“ erwiderte Irisa.
Sarah, die sich zuerst noch vornehm zurückgehalten hatte, drängte jetzt zum Aufbruch: „Bitte meine Damen, es wird Zeit aufzubrechen, Unterhaltungen können auch während der Reise geführt werden“.
Ohne weitere Worte, gingen die drei Frauen in Richtung Stadtrand, dort sollte eine Karawane warten, die Mia und Irisa in die Zauberstadt Maginica bringen sollte.
An der Karawane angekommen, verabschiedeten sich die drei Frauen von einander und Mia und Irisa stiegen jeweils auf ein Kamel.
Schnell ritten die Kamele in der Karawane und sogleich verschwand die kleine Stadt Trinsic am Horizont.

Verfasst: 1. Aug 2005, 09:26
von Onkel Geri
Kapitel Dreizehn (XIII)

Remiba

„Oh. Ohoh. Das sieht aber gar nicht gut aus. Kchkch! Da müssen wir wohl etwas unternehmen. Hm. HM!
Das sollte aber NICHT sein. Hmhmhm. Ähm, Durac? Was hältst Du davon wenn wir einmal diesen roten Hebel dort ziehen? Immerhin ist Remiba nicht hier... . Oh. Ohohohoh! Kchkch. Ich glaube das war der falsche Hebel. Was bei allen Götter Namen ist denn das für ein ..... AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHH- kch.“

Nach dem Fall der Stadt Vesper herrschte das blanke Chaos auf der Welt. Rasant brach die Flut des Terrors und der Gewalt über die Ländereien hinüber. Die beiden Gottvaterbrüder, Arazel Gott des Lichtes und Morgoth Gott der Dunkelheit, hatten einen Krieg begonnen. Die Gründe hierfür lagen in dem Zorn Morgoths, der mit jedem verstrichenen Jahrtausend angestiegen ist, über die Geschöpfe die sein Bruder geschaffen hatte. Nun wollte er sie vernichten da Arazel in den Weiten der Sterne verschollen blieb und nun die Zeit der Geschöpfe Morgoths anbrechen solle. In den ersten Wochen nach der Zerstörung Vespers wurde die Stadt wieder aufgebaut, zu einer gigantischen Festung aus schwarzem Basalt und von wo aus der Terror seinen Anfang nahm. Gegen Ende des ersten Jahres hatten die Dämonen und Armeen des finsteren Gottes die Rasse der Orks beinahe ausgerottet. Einst erschuf Morgoth die Gottheiten der Orks und auch so das Volk der Orks. Als ihm die Rasse nicht die nötige Verehrung zukommen ließ schwor er Rache. So wie die Forts und Dörfer der Orks zu schwarzer Asche verbrannten, fiel im zweiten Jahr die Hochkultur der Dunkelelfen der sich ausbreitenden Hand Morgoths zu Boden. In einer mehreren Wochen lang andauernden Schlacht um die letzte Stadt der Drow, Wind die glänzende Stadt in der Mitte des Despiese Gebirges welche aus reinem Mamor erbaut worden ist- lange bevor die Menschen das Licht der Welt erblickten, ließ der Gott das Land erzittern und brachte einen großen Teil der riesigen Höhlendecke zum Einsturz, so dass seine geflügelten Dämonen in die Stadt hinein konnten und durch ein Meer von Blut wateten. Gerüchten nach sind die Schreie der Gefallenen noch immer in den verwinkelten Gängen und Fluren der Bergstadt zu hören und die Seelen der Getöteten finden keine Ruhe und suchen rastlos nach ihren Verbliebenen.
Im sechsten Jahr waren die meisten Völker und Rassen bis auf wenige Überlebende die als Nomaden durch die Lande zogen, immer mit der Angst dem Feind zu begegnen, von der Erdoberfläche und Unterfläche verschwunden. Die einst blühenden Handelsstädte der Zwerge, berühmt für ihre Schmiedewaren, waren zu riesigen Leichensärgen geworden, begraben unter meilendicken Gesteinsschichten der Gebirge. Inseln wie Arktica versanken tosend im Meer und waren nie wieder gesehen. Mehr und mehr zogen die Überlebenden gen Westen. Entlang des Sumpfes zu Hildesia wurden riesige Gräben gehoben und Wallanlagen errichtet um den Ansturm der Truppen Morgoths Einhalt zu gebieten. Zwar stellte die Menschheit nun das größte Reich dar, doch auch auf ihrer Seite gab es schwere Verluste.
Nur die Hauptstadt Britain ist neben Hildesia dem Königreich der Menschen geblieben. Alle anderen Städte, Dörfer und Reiche östlich des Sumpfes sind gefallen und liegen in Trümmern.
Mehrere Tagesmärsche südlich von Britain verläuft der Grenzfluss Sonahir. Auf der anderen Seite beginnt das Königreich Südland. Einige Monate nach dem fall Vespers breitete sich in Trinsic eine seltsame Seuche aus die ihre Einwohner verstümmelte. Nach weniger als einem Jahr war bereits das gesamte Reich befallen und lag im Sterben. Als sich die Vorfälle von Erkrankungen auch in den Dörfern entlang des Sonahir ausbreiteten, ließ der König von Britannien alle Brücken über den Fluss kappen, um das Überschlagen zu verhindern. Kein Heiler, Alchemist und Magier konnte sich die Krankheit erklären, geschweige denn ein Heilmittel entwickeln. Es schien als ob diese Seuche nicht von dieser Welt war.
Einzig die tiefen Wälder von Yew schienen von alledem was außerhalb geschah keinen Anteil zu nehmen. Zwar ließen die Elfen ihr Reich gegen alle versperren, doch hielten sie sich von allen Angelegenheiten fern und blieben abgekapselt mehrere Jahre unter sich, geschützt und behütet von den Bäumen.

Jahr Sieben nach dem Fall Vespers.
Als der Winter ging und der Frühling kam und die Schneedecke das Land wieder freigab, wurde auch wieder das Leid und der Tod freigedeckt. Wie der Frost ging so verschwanden auch auf seltsamen Wegen die Anhänger des Goldenen Urdrachen Eldoras, die Dragon Lords, aus ihren Festungen.
Den Berichten von Hildesianern nach, versammelte sich das gewaltige Heer, man sprach von mehreren Hunderdtausend, auf dem Platz vor ihrem Tempel der Grenzfestung zum Sumpf und folgten mit wehenden Flaggen ihrem Drachen durch ein blaues schimmerndes Portal. Es schien als sei mit dem Wegfall der Dragon Lords die letzte Hoffnung gefallen. Zurück blieben ihre Prunkvollen Festungen, Tempel und Burgen, leergeräumt bis auf Türen und Fackeln.
In einer lauen Herbstnacht, der Mond tauchte die Umgebung in einen leichten Schleier, lag Mia auf ihren Bett. Das einstige Mädchen hatte sich zu einer wahrhaften Frau gemustert. In den wenigen Jahren der arkanen Studien hatte sie alle Erwartungen bei weitem übertroffen und befand sich nun bereits, als jüngstes Mitglied, im Hohen Rat von Moonglow. Trotz des angebrochenen Herbstes war es sehr warm auf der Insel. Hier und dort wuchsen Farne, statt Kiefern standen hohe Palmen mit seltsamen bunten Vögeln und gebogenen Schnäbeln darauf. Zart untermalte das hellblaue Tüllkleid Mias Figur und der Wind, welcher durch das offene Fenster in das Zimmer glitt, streichelte ihren Körper und umfuhr ihr rotbraunes Haar das ausgebreitet auf einem großen Kissen ruhte. Es wurde draußen bereits hell als das Amulett, welches sie damals in Vesper geschenkt bekommen hatte, seine Farbe veränderte. Mia verspürte erst nur ein aufkommen von Wärme auf ihrem Busen welches nicht lange andauerte, aber sie dazu brachte aufzuwachen und ihre türkisfarbenen Augen zu öffnen. Noch verschlafen rieb sie sich die Nacht aus dem Gesicht und tapste barfüßig über die von der Nacht lauwarmen verzierten Fliesen nach draußen.
Auf den Straßen war noch alles ruhig, jeder schlief und die Sonne hatte nicht einmal ihre volle morgendliche Röte erreicht. Mia hatte sich in einen leichten Fellumhang geworfen, nicht um gegen etwaige Kälte sich zu schützen sondern gegen die Blicke von einigen jungen Novizen die zufällig ihren Weg zum Wasserfall kreuzen konnten.
Ohne es eilig zu haben schlenderte die Zauberin durch die offenen Straßen der Magierstadt, vorbei an den aus gelben Sandstein errichteten Häusern und bog dann auf einen kleinen Grasweg ab um nach einigen Minuten an einem kleinen See mit einer Quelle anzukommen, umgeben von einem Ring aus dichten Palmen. Mia ließ den Fellumhang zu Boden gleiten und streifte sich während sie auf den See mit dem kristallklaren Wasser zuging ihr Nachtkleid ab. Kurz vor dem Rand blieb sie stehen. So wie sie die Götter geschaffen hatten, abgesehen von ihrem Amulett und einer kleinen goldenen Kette um ihr linkes Fußgelenk, stand sie vor dem See und blickte in ihr Spiegelbild. Die aufsteigende Sonne verlieh ihrem Spiegelbild einen goldenen Schimmer und ließ sie beinahe aussehen als ob sie eine goldene Haut habe. Aus dem grünen Palmen und Farndickicht um sie herum begann es erst zögerlich dann aus vollen Lungen zu zwitschern und zu singen. Langsam begann die Insel zu erwachen. Mia schenkte ihrem Spiegelbild ein Lächeln und sprang dann aus dem Stand in das Wasser. Das Klatschen übertönte kurz das gleichmäßige und beruhigende Plätschern der Quelle, oder dem Wasserfall wie ihn Mia nannte seit sie diesen Ort zum ersten mal entdeckt hatte. Eine kleine Fee hatte sich vor gut einem Jahr nach dem Aufwachen auf Mias Bauch befunden mit geknickten Flügeln. Mia heilte sie und zum Dank wies ihr die Fee den Weg zu dieser Quelle.
Etwas Wasser auspustend kam Mia unter dem kleinen Quell-Wasserfall wieder zu Tage und genoss das massierende Kribbeln des Wasserstrahls auf ihrem Kopf. Mit geschlossenen Augen schwebte sie im Wasser und ließ die Freuden der durch das frische Wasser aufgekommenen Gänsehaut über sich ergehen. Als sie ihre Augen wieder öffnete wäre sie beinahe vor Schreck untergetaucht als sie eine durchsichtige Gestalt vor sich im Wasser sah. Instinktiv bedeckte sie sich mit ihren Händen. Als sie dabei auch das Amulett bedeckte verschwand die Siluette wieder. Mia verstand. Sie gab das Amulett wieder frei und die Gestalt erschien wieder. Sie zeigte einen alten Mann, vielleicht sechzig Jahre alt, mit einem Schnurrbart und nur noch wenig Haar auf seinem Kopf. Um genau zu sein war nur noch an den Kopfseiten Haar zu finden. Mit den buschigen Augenbraunen und dem kleinen Spitzbart sah er wie ein freundlicher alter Geschichtenerzähler aus. Soweit Mia es beurteilen konnte war die ebenfalls durchsichtige und nur siluettenhaft erkennbare Kleidung des Mannes besonderer Qualität und ließ auf einen höheren Stand zurückschließen. „Wer bist Du?“ fragte Mia die Erscheinung.
Als habe er die Frage verstanden lächelte der Mann und sprach mit einer sanften liebevoll klingenden Stimme die trotz des ernsten und zielstrebigen Untertones die ausstrahlende Freundlichkeit der Gestalt untermalte.
„Das ist zur Zeit unwichtig mein Kind. Ich brauche Deine Hilfe, die Geschöpfe dieser Welt brauchen deine Hilfe.“
Die Stimme setzte zu einer kleinen Pause an, gab Mia aber keine Gelegenheit etwas zu erwidern.
„Deine Bestimmung ist es das Land von seinem derzeitigen Übel zu erlösen. Habe keine Angst. Du erinnerst Dich doch sicher noch an dein Zusammentreffen mit dem Grafen. Deine Zeit war noch nicht gekommen, nur deswegen lebst Du noch. Einst hatten die Götter Dich zu etwas höherem berufen, solange Du nicht Deiner Bestimmung folgen wirst, wird Dich immer der Zweifel plagen was Deine Erfüllung sein wird. Lass mich Dir den Weg weisen. Er wird nicht leicht sein, aber Du wirst ihn auch nicht alleine meistern müssen. Heute Abend wird ein Schiff im Hafen anlegen, der Kapitän wird ein alter Bekannter von Dir sein. Ziehe mit ihm los zu den Gewässern von Arktica. Es sind sieben Jahre vergangen seit der Krieg der Götter begonnen hat. Und sieben Gefährten müsst ihr sein. Wir werden uns wiedersehen, Mia, sehr bald sogar.“
In den letzten Worten klang die Stimme des Mannes voller Trauer und doch auch voller Hoffnung. Kurz darauf verschwand die Erscheinung und ließ Mia allein zurück.
Nachdenklich verblieb sie noch eine ganze Weile im Wasser ehe sie sich auf den Weg zurück machte... .

Einige Wolken waren aufgekommen und strahlten förmlich im roten Schein der Abendsonne. Mia war in ein leichtes hellgrünes Kleid gehüllt und starrte vom gemauerten Hafenkai aus auf die See, auf der Suche nach dem besagten Schiff welches ankommen sollte. Plötzlich blitzte etwas helles am Horizont auf und näherte sich mit rasanter Geschwindigkeit. Wie als ob es eine unsichtbare Mauer aufhalten würde stoppte es haargenau eine Fußlänge vor Mia. Mit offenem Mund schaute sie in die Höhe. Vor ihr türmte sich der Bug der Silberfeder auf. Jenes berühmte Schiff welches so schnell wie keines die zwölf Meere durchkreuzt. Hoch wie vier Häuser und lang wie vierzig Pferde. Das gesamte Schiff war von Steuer- nach Backbord mit dicken Silberplatten verkleidet die ihm Schnelligkeit, Schutz und einen Gänsehaut erzeugenden Glanz verlieh. Vor einigen Jahren war Mia bereits einmal mit diesem Schiff unterwegs gewesen, damals verfolgten sie Tuvrok, den Meisterdieb, welcher ein heiliges Buch aus der Bibliothek von Moonglow entwendet hatte und,... Mia schob diese Gedanken beiseite und näherte sich der bereits heruntergelassenen Planke und ging über die silbernen Stufen an Bord. Auf dem Deck war ein reges Treiben. Etliche Matrosen, alle barfuss und in eine Kombi aus brauner Leinenhose, blau-weiß gestreiftem Hemd und einer lustigen, wie Mia fand, weißen Kappe bekleidet, liefen herum und bereiteten die Fracht für die Löschung vor, sicherten das Schiff mit Tauen und holten die Segel ein. Genau betrachtet waren die Segel durchsichtig. Angeblich waren sie aus dem Faden einer magischen Spinne genäht und sorgten dafür dass immer Wind herrschte, aber dass war wahrscheinlich nur Seemannsgarn.
Hinter Mia ertönte eine tiefe, raue Stimme: „ Ahaaharr! Mia Mia, meine Korallenblume! Wie schön Dich zu sehen...!“ Die Zauberin drehte sich um und sah die zur Stimme passende Person. Keine fünf Meter entfernt stand er, Morius- Kapitän der Silberfeder und wahrscheinlich der einzige Zwerg der das Wasser und die See mochte wie kein anderer. Mit einem Fuß fünfzig war er für einen Zwerg recht groß, und sein blondes Haar war ebenso ungewöhnlich. Doch trotz alledem hatte er die typischen Eigenschaften eines jeden Zwerges: sein meisterhaft verflochtener Bart, das ständige Tragen einer Rüstung (in Morius Fall natürlich eine silberne Ketten-Platten Kombination) und der Hang zum ständigen Betrinken mit Zwergenbier (oder sonstigem Bier- je stärker je besser).

Salzige Luft kribbelte in Mias Nase und sie wurde vom Niesen wach. Etwas schwindelig bemerkte sie dass die Silberfeder wieder auf hoher See war und Mia mit ihr. Schmerzend rieb sie sich den Kopf und bemerkte ebenfalls dass sie sich auf dem Ausgug des Schiffes befand und neben ihr einige Krüge Zwergenbieres lagen. „Verdammt..“ murmelte die Zauberin. Schemenhaft konnte sie sich noch daran erinnern dass sie mit Morius ihren „Auftrag“ durchgegangen war und irgendwie zu später Stunde noch etwas mit ihm getrunken hatte. Anscheinend den einen oder anderen Krug zuviel.
Die erste Hälfte des Tages verbrachte Mia damit ihre Gedanken wieder zu sammeln und die zweite Hälfte verbrachte sie dann mit den aufgetretenen Kopfschmerzen von der berauschenden Nacht.
Am nächsten Tag als Mia an Deck ging, spürte sie an der Kälte, die sie eine Gänsehaut bekommen ließ, dass sich das Schiff bereits hoch im Norden befand. Das vor wenigen Stunden noch blaue und leere Meer war in ein Mosaik aus vielen Schneeweißen Eisschollen gebrochen die von der Sonne angestrahlt funkelnd im Wasser vor sich her trieben.
Trotz des ruhigen Anblicks des Meeres, dachte Mia daran dass hier irgendwo die Eisinsel Arktica auf dem endlosen Grund der blauen See begraben lag. Ein eisiger Schauer lief Mia bei diesen Gedanken über den Rücken und ließ ihren Körper beben. Ohnehin zitterte sie schon am ganzen Leibe wie kleine Äste im Wind, trotz des Fells in welches sie sich gewickelt hatte. Ein eisiger Wind zischelte um die Stubsnase der Zauberin und ließ ihr Gesicht schnell erröten und das Gefühl in dicke Polster packen. Als ob das Schniefen der zitternden Zauberin ein geheimes Signal gewesen wäre, stoppte die Silberfeder, welche wegen der Panzerung keine Mühe hatte die Eisschollen beiseite zu drängen, und ließ die Segel einholen.
Neugierig lief Mia an der Reling entlang und entdeckte nach einigem Suchen den Grund des Anhaltes.
Auf der Steuerbord Seite schwamm ein hölzernes Schiff im Wasser. Im Vergleich zur Größe der Silberfeder schien das Schiff wie eine Nussschale. Die Besatzung machte sich gerade auf den Weg die Strickleiter hinauf zu Morias Schiff zu klettern. Trotz der Entfernung kam eine Person Mia sehr bekannt vor.




Einige Augenblicke später befand sich Mia unter Deck, mit dem Rücken zur Feuerstelle gewand die mollige Wärme verbreitete.
Morius brachte die Gäste hinein. Ihnen voran ging ein schlanker Mann in einer Grünen Robe, welche Mia schon aufgrund der nicht in diese Gefilde passenden Farbe aufgefallen ist. Sein schulterlanges bläuliches Haar verdeckte nur spärlich die spitzen Ohren des Elfen. Ohne Zweifel kam ihr diese Person bekannt vor, dennoch leicht verwirrt stammelte Mia fast ein wenig als sie sprach.
„Sano? Sano D’Alo? D..duu hier?!”
Dabei starrte die Zauberin ein wenig verstohlen auf die Arme des Elfen und dachte sich dass abgetrennte Teile von Elfen anscheinend wieder nachwachsen.
Freundlich lächelnd begrüßte der Elf Mia und erklärte ihr dann aber dass er keineswegs Sano sei sondern Mytho, der Bruder, ihm dieser aber schon einiges über Mia erzählt habe und er ihr Grüße von ihm ausrichten solle. Mytho fügte nach einer kurzen Pause mit einem leichten grinsenden Zucken im Mundwinkel hinzu dass Mia doch nicht etwa geglaubt hatte dass abgetrennte Arme bei Elfen wieder nachwachsen und klopfte sich dabei leicht auf seine eigenen Arme.
Mia konnte es zwar nur vermuten dass sie in diesem Augenblick puterrote Wangen bekommen hatte, war aber froh gerade für diesen Fall kurz davor einen Maskeradezauber aufgelegt hatte der jegliche ihrer Errötungen für andere unsichtbar machte.
Ein leichtes Rucken ging durch das Schiff als es wieder etwas an Fahrt aufnahm.
Mit Mytho waren noch fünf andere Personen mit an Bord gekommen. Der Reihe nach stellten sie sich der Zauberin vor. Da war ein junger Krieger, vielleicht in Mias Alter, Donovan Aghosto hieß er. Nur der Brustpanzer und der offene Helm war aus Stahl gefertigt, die restlichen Körperteile schützte er mit einer braunen Lederrüstung. Freundlich nickend trabte er zur Seite um den anderen auch die Möglichkeit einer Vorstellung zu geben, dabei wehte das unter dem Helm hervorlugende braune Haar leicht witzig, wie Mia fand, um seinen Kopf herum. Der nächste war ein gewisser Markus, Heiler von Berufung, eine nicht sehr große Person- vielleicht 160 wie Mia dachte, und anscheinend war er weltlichen Genüssen nicht gerade abgeneigt was die große Ausbeulung in seiner hellgrauen Robe vermuten ließ. Auffallend war neben der Glatze noch das goldene Ankh welches er an einer massiven Kette um seinen Hals baumeln ließ. Wahrscheinlich ein Arazelit kam der Zauberin in den Sinn. Und dann war da noch Halvar Ragnasson, der mit seinen fast zwei Fuß Körperlänge kaum im Raum stehen konnte. Wie üblich für einen Nordmann trug er eine beschlagene Lederkluft und einen mit Goldornamenten verzierten Helm der einen Augen und Nasenschutz bot, den Großteil der roten Haare und des Vollbartes schützte und ein Horn auf der Mitte hatte. Später erklärte der Nordmann Mia in umschweifenden Geschichten dass dies der Zahn eines Drachen sei den er besiegt habe. Neben dem Nordmann stand ein etwas edler gekleideter Mann von unschätzbarem Alter mit pechschwarzem langen Haar. Gegen den Hünen machte er einen vergleichsweise winzigen Eindruck, war aber in seinem Auftreten und seiner Handlung sehr von sich überzeugt. Als er Mia die Hand gab schauderte ihr. Sie spürte dass dieser Mann irgendetwas vor ihr verborgen hielt, und sie hoffte dies schnell heraus zu finden.
Lirav van Deik, so hieß er, machte nicht den Eindruck ein Magier zu sein, hatte aber, was Mia nach einer kurzen “Untersuchung” feststellte, ebenfalls einen Zauber aufgelegt der es ihr nicht ermöglichte zu sehen was das Geheimnis des Mannes war.

Später, als es bereits Abend war und alle gespeist hatten, erklärte ihr Sanos Bruder den Grund für dieses Zusammentreffen. Wie Mia es bereits erahnt hatte, man sich jedoch kurz nach der Begrüßung nicht näher unterhalten wollte da alle ziemlich durchgefroren waren, war auch den anderen der alte Mann erschienen und hatte sie zu diesem Ort bestellt. Keiner wusste genau was er von ihnen eigentlich wollte. Also entschloss man sich einfach noch einige Tage in den Gewässern zu kreuzen und falls sich nichts mehr ergeben sollte kehrt zu machen, in Richtung Heimat eines jeden.
Wie es aber kam, ergab es sich dass am dritten, und letzten Tag wie man beschlossen hatte, der Mann im Ausguck auf ein seltsames graues Gebilde welches einem Turm glich stieß.
Der Turm schien nicht sehr hoch zu sein und befand sich auf einem treibenden Eisberg, oder eher einem Überbleibsel des Gebirgsmassives der Eisinsel. Das kleine Grüppchen um Mia fuhren in einem kleinen Holzboot zur Insel um sich den Turm etwas genauer an zu sehen.
Auffallend war dass er zweifelsohne wie aus einem Stück gegossen schien. Keine Mauerfugen waren zu erkennen und auch keine Risse oder sonstige Schäden. Auch aus welchem Material er geformt war konnte man nicht erkennen. Bei genauerem Hinsehen fiel sogar auf dass es eigentlich kein Turm sein konnte da er anscheinend aus dem Boden kam und einfach endete. Auf der Rückseite dieses seltsamen Gebildes fand man eine Tür auf, zwar eindeutig aus Stahl doch sonderbar glatt und gut verarbeitet.
Ohne groß nachzudenken hob Halvar der Nordmann bereits seine große Axt und wollte sich gewaltvoll Zugang zum Inneren des Gebäudes verschaffen. Kurz bevor die Axt auf das Tor niedersauste öffnete es sich wie von Geisterhand und ließ die Axt auf den Boden treffen. Funken sprühten als Metal auf Stein traf und der Nordmann schnaufte wütend. Als er sich wutentbrannt der Öffnung näherte war sogar er verdutzt dass sich die Torflügel in der Mauer verschwunden waren.
Die Gruppe näherte sich der Öffnung und alle rochen die muffige und abgestandene Luft die ihnen aus dem Turm entgegen kam.
Der Eingang war finster und man konnte nicht erkennen was sich weiter hinten befand. Nur ein leisen seltsames Summen und Knistern drang hallend hervor.
Alle wichen erschrocken zurück und griffen zu ihren Waffen als ohne eine Vorwarnung plötzlich ein Mann in das Tageslicht trat. Er war eine große Erscheinung, aber etwas kleiner als der Nordmann und auch sehr viel dünner, wenn nicht gar hager. Er hatte Langes hellgraues Haar und einen langen Bart der ihm bis zur Brust reichte. Gekleidet war er in eine braune Robe die am Boden schliff. Auf seiner Nase saßen zwei runde Kristallscheiben verbunden mit einer Goldnadel und in seiner Hand hielt er einen knorrigen Stab mit einem grünen Kristall darauf.
Alles in allem erweckte der seltsame Kauz einen friedfertigen Eindruck, so dass die Gruppe zwar ihre Waffen bereit hielt jedoch nicht zog oder, da bis auf den Heiler der nur einen Langdolch besaß als Waffe und diese als einziger nicht schnell genug gezogen hatte, zurück in die Halterung schoben.
Mia, die sich nun als Anführerin der Gruppe fühlte, sprach den Mann an.
„Wer seid ihr und was tut ihr hier?“ sprach sie mit lauter Stimme.
Erst hustete dann röchelte der Mann etwas und begann dann leise und wie als ob er schon seit einer halben Ewigkeit kein Wort mehr über die Lippen gebracht hatte, an zu sprechen.
Er stellte sich als Gorden Wlasch vor, Hüter des grünen Kristalls, womit er wahrscheinlich den Stein auf seinem Stab meinte kam Mia in den Sinn.
Nach einiger Weile hatte sich die Stimme des Mannes gefangen und klang nun kräftig und ohne Furcht. Er erzählte von der Einsamkeit dort draußen und dem endlosen Warten in seinem „Bönga“ wie er den Turm nannte. Gorden erzählte mit flinker Zunge so dass keiner, so oft man auch versuchte einen Ansatz zu finden, zur Sprache kam. Erst nach einiger Zeit, mittlerweile waren bis auf den Nordmann der immer noch seine Axt in der Hand hielt, keiner mehr der Ansicht dass der Mann ihnen gefährlich werden könnte und hatten ihre Waffen beiseite gelegt und froren zuhörend vor sich hin, sprach er auf die Erscheinung des alten Mannes an. Auch ihm war sie erschienen. Jedoch wies sie ihm einen Weg. Er holte aus einer Tasche in seiner Robe einen vergilbten Zettel heraus auf denen Koordinaten standen. Morius als Seemann wusste sofort wohin sie der Weg führen würde, nachdem man ihm das Blatt gegeben hatte.
Als sie sich auf den Weg zurück zu ihrem Boot befanden, Gorden unterhielt sich unterdes lautstark mit Markus dem Heiler über Kräuter, fragte Mia im Flüsterton ihren Freund Morius wohin sie denn der Weg führen würde.
„..du warst so schweigsam eben als du den Zettel sahst.“
„Sa. Er führt uns tief in die wärmeren Gewässer zu einer Insel die als Insel des Feuers bekannt ist. Legenden nach hausen dort Feuerdämonen in ihrem Tempel. Hythlo lautet der Name der Insel.“ Flüsterte der Zwerg zurück, wobei er sich Mühe gab zu flüstern und nicht zu brüllen.
Mia schluckte kräftig und erwiderte ihm dann:
„Nun- dann auf ins Ungewisse, immerhin geht es hier um mehr als nur ein Abenteuer..“
Als Bestätigung dass sie richtig lag bekam Mia das stumme Nicken des Zwerges. Langsam aber sicher näherte sich das Boot mit flinken Paddelbewegungen der Silberfeder, die glänzend und selbst wie ein großer Eisberg im Meer von Arktica lag.

Verfasst: 1. Aug 2005, 19:00
von Onkel Geri
Kapitel Vierzehn (XIV)

Die Insel des Feuers und der Feuertöter

„Morius sag mal, wie gut kennst du die Zauberin eigentlich?“
Die Frage zerriss die soeben aufgebaute Gedankenwelt des Zwergen.
Morius der Kapitän der Silberfeder und Mytho, der Elf saßen mit dem Rücken an den großen Hauptmast gelehnt auf den kalten Planken des Schiffes.
Die schwarze Nacht die, die beiden umschloss war schon einige Stunden alt und es würde nicht mehr lange dauern bis die Sonne ihre warmen Strahlen über die ruhige See sowie über das Schiff ausbreiten würde.
„Naja, wie gut kann man eine Zauberin schon kennen? Bei denen weiß man ja nie so richtig, schau dir doch nur mal Lirav an. Ihm würde ich niemals etwas wichtiges anvertrauen aber für Mia würde ich schon mal mehr als nur eine Hand ins Feuer legen.“ erwiderte Morius etwas schwerfällig.
„Lässt du dich da nicht zu sehr von Weiblichkeit und Schönheit blenden?“ warf der Elf trocken ein.
„Natürlich kann meine Einschätzung dadurch geblendet werden, jedoch ist Mia mir eine gute Freundin, für die ich sehr viel auf mich nehmen würde“ antwortete der Zwerg energisch.
„Ich hoffe du bist dir in dieser Sache auch wirklich sicher. Die Mission ist zu wichtig um fehl zu schlagen und die Zauberin hat eine zu wichtige Rolle zu spielen, scheitert SIE scheitern ALLE“ grollend schlichen Mythos Worte über das wankende Schiff.

Warmes, rötliches Morgensonnenlicht flutete die Kabine der Zauberin, ein leicht silbern-rötlichfarbener Schein lag auf dem schönen Gesicht der Zauberin. Ruhig und weich lagen ihre Gesichtszüge, noch nicht überzogen von den bevorstehenden Anstrengungen des neuen Tages.
Ein halber Tag sollte noch vergehen, bis die Silberfeder ihr Ziel, die Feuerinsel Hythlo, erreichen würde.
Langsam erwachte das Leben auf dem großen, prunkvollen Schiff, ein duzend Seemänner liefen beschäftigt hektisch hin und her.
Unberührt von dem regen Treiben auf dem Schiffsdeck, saßen Morius, Mytho und Donovan Aghosto in der ruhigen Kabine des Zwergen.
Eine angeregte Unterhaltung fand zwischen den drei Personen statt, Thema ihrer Unterhaltung war das bevorstehende Abenteuer.
Aufgeschreckt in ihrer Unterhaltung von einem Klopfen an der Kabinentür, schauten die drei auf.
„Herein bitte“ rief der Zwerg.
Leicht aufgestoßen ging die Tür auf, Mia, die hübsche Zauberin trat in die Kabine. Dem jungen Krieger Donovan stieg sofort die Schammesröte bei Mias Anblick ins Gesicht, so schnell er konnte wandte er seinen Blick von der bezaubernden Frau ab. Er wagte es nicht länger zu schauen, obwohl er es allzu gerne getan hätte. Hatte er doch in der letzten Nacht von ihr geträumt, ihre Erscheinung war so beeindruckend gewesen, dass er sie sofort in einem Traum verarbeitete. Verträumt saß Donovan an diesem Morgen an dem gedeckten Tisch, immer und immer wieder dachte er an den wunderschönen Traum wobei er ab und zu einen vorsichtigen Blick hinüber zu der schönen Mia riskierte.
Morius hatte Mia mit einem breiten Lächeln an den Tisch gebeten, der Aufforderung folgend setzte sich Mia auf einen der freien Stühle an den Tisch. Im Gegensatz zu Morius hatte Mytho sie kaum beachtet und außer einem mürrischen „guten morgen“ wechselte er kein Wort mehr mit ihr.
Mia war sehr überrascht von dem Verhalten des Elfen. „Gestern war er doch noch so nett und freundlich und jetzt ist er so angespannt und abweisend zu mir, habe ich etwas falsch gemacht?“ dachte sie. Gerne hätte sie ihn daraufhin angesprochen, doch verflog der Gedanke schnell wieder als auch die anderen drei Mitglieder der Gruppe in der Kabine auftauchten.
Ohne weiteres wurden sofort die Pläne der Feuer-Insel auf den Tisch gepackt und die Missionsbesprechung begann.
Morius erhob als erstes seine Stimme: „Ich denke es wäre klug, wenn wir uns von der Nordseite her an die Insel heranarbeiten. Dort werden wir weniger mit den Strudeln zu kämpfen haben“. Ein einheitliches Nicken der Runde befürwortete den Vorschlag des Zwergen.
„Was wird uns dort erwarten?“ warf der Nordmann Halvar Ragnasson fragend ein. „Sehr viel Feuer mein Freund, sehr viel Feuer!“ beantwortete Mytho die Frage.
„Mytho hat recht, die unzähligen Vulkane und Feuerfontänen werden uns das Leben dort sehr schwer machen, also seit immer auf der Hut“ sagte Morius streng und mahnend.
Die weitere Besprechung fand in Grunde genommen nur noch unter Morius, Mytho, Halvar und teilweise auch noch unter Markus, dem Heiler statt.
Mia hielt sich gänzlich aus der Besprechung heraus, zwar vernahm sie jedes gesprochene Wort jedoch war sie damit beschäftigt sich ein eigenes virtuelles Bild der Insel und des Abenteuers zu machen.
Donovan war immer noch ganz wo anders und der Magier Lirav hatte ähnlich wie Mia stumm der Unterhaltung gelauscht wobei er nebenbei an seinem Tee nippte.

Geschwind ging der Morgen und die heiße Sonne deutete auf den Nachmittag.
Einsam stand der Elf Mytho am Buck des Schiffes, sein bläuliches Haar wehte mit dem Fahrtwind und sein Gesicht schien nachdenklich.
In der linken Hand des Elfen tanzte ein Stück Papier mit dem Wind, dieser Brief erreichte Mytho am Abend zuvor, sein Inhalt lies ihm die Mission in einem anderen Lichte erscheinen.
Aus seinen tiefen Gedanken gerissen, verspürte er plötzlich eine zärtlich warme Hand auf seiner Schulter.
„Was auch immer dieser Brief dir sagt, es sollte dich nicht von anderen wichtigen Dingen ablenken“ auf eine merkwürdige Art flossen zusammen mit den Worten neue Energien in den Körper des Elfen.
„Du hast wohl recht, doch scheint mir nichts mehr wichtiger zu sein als der Hintergrund dieses Briefes“ bei seinen Worten drehte sich Mytho langsam um.
Die türkisfarbenen Augen der Zauberin hatten einen ungewöhnlichen Glanz erhalten, voller Energie und Enthusiasmus strahlten sie.
„Verstehe dich selbst und du wirst die Mission verstehen!“ ihre Worte waren so klar und einleuchtend, der Brief löste sich aus der Hand des Elfen und flog tanzend aufs offene Meer hinaus.
„Sano hatte recht, du wirst die Welt retten, wie konnte ich zweifeln!“ sagte er wobei er sich rasch vom Buck entfernte ohne ihr die Chance zu geben etwas zu antworten.

Am Horizont stieg Rauch auf, das Schiff mit den sieben Gefährten hatte die Ausläufer der Feuerinsel erreicht.
Die Sonne stand senkrecht über der Insel, fast schien es so als würde die Sonne hier ihren Ursprung suchen, die Luft flimmerte und die Hitze legte ein stickigen Schleier über die Insel.
Alle sieben Gruppenmitglieder hatten den Weg an Deck gefunden um die Ankunft auf der sagenumwobenen Insel nicht zu verpassen.
Stöhnen und Keuchen ging von der Gruppe aus, der Nordmann Halvar schimpfte laut vor sich her: „Wieso tut man mir das an, ich bin ein Nordmann und kein Südländer. Diese Hitze bringt mich doch um!“.
„Halvar zügle dich, nicht nur dir ergehrt es so“ sagte Morius ebenso laut.
Langsam steuerte die Silberfeder in Richtung Insel, je näher man der Insel kam umso stärker wurde die Hitze und umso lauter wurden die Klagen aus der Gruppe.
Jedoch erschien es als würden nicht alle unter der Hitze zu kämpfen haben, die beiden Zauberer Lirav und Mia waren für die Anderen der Gruppe augenscheinlich immun gegen die starke Wärme.
Doch war es nur ein einfacher –Impranova- Fluch gewesen der die Beiden vor der Hitze schützte.
Ohne weiteres hatten sechs der sieben Gefährten nach der Ankunft das Schiff verlassen nur Lirav hatte sich freiwillig gemeldet, dass Schiff zu bewachen.
Karges Land erstreckte sich vor den sechs Helden, nur Sand und einige Felsformationen waren zu sehen.
Schwer schleppten sie sich über das Land, Morius hatte zur Eile gebeten, denn wenn die Nacht herein brechen sollte wären die Helden in sehr großer Gefahr. Nur Nachts erscheinen sie, die teuflischen Dämonen der Feuerinsel.
„Morius sag, wo führst du uns hin?“ klagend fragte der erschöpfte Donovan.
„Hab noch etwas Geduld, es ist nicht mehr weit“ versuchte der Zwerg den jungen Krieger zu ermuntern, doch wusste er selbst nicht wie lange und wie weit sie noch zu gehen hatten.
Plötzlich stockte der voran gegangene Mytho, „seht, dort drüben“ der Elf zeigte mit einem Finger auf den Horizont. Dort hatte sich eine riesige Feuerfontäne aufgebaut.
Die Gruppe kam aus dem Staunen nicht mehr raus, noch nie zuvor erblickten sie so etwas eindrucksvolles. Am schnellsten hatte sich Morius wieder gefangen und erkannte die Lage sofort: „Das wird unser Ziel sein, wenn die erste Fontäne erblickt wird sollte dies unser Weg sein“.
Stunden vergingen und die 6 Helden gingen umweglos auf den Horizont mit der Feuerfontäne zu, die unerträgliche Hitze hatte sich etwas gelegt.
Doch war dies kein Grund zur Freude, mit der leichten Kälte kaum auch die Nacht. Zunehmens erhöhte sich die Schrittfrequenz der Gefährten, auch der Zauberin Mia floss der Schweiß der Anstrengung den Körper hinunter. Keine Zeit für irgendeinen Zauber, keine Zeit für eine Pause, wenn die Nacht einbrechen sollte bevor sie ihr Ziel erreichen würden, wäre alles verloren.
Die Dämonen der Feuerinsel sind legendär gefürchtet, man erzählt sich: selbst die stärksten Krieger und Magier, die es wagten sich den Dämonen entgegen zu stellen, sie später vor diesen Geschöpfen vor Gnade auf die Knie gingen.
Wie gebannt schauten alle Mitglieder der Gruppe auf den westlichen Horizont, langsam ging die Sonne unter, wie als würde ebenso langsam ein stumpfer Dolch in den Körper eines jeden einzelnen eingeführt überzogen sich ihre Gesichter mit Angst und Furcht.
„Schnell, eilen wir dann können wir vielleicht doch noch unser Ziel rechtzeitig erreichen!“ schrie Markus mit zitternder Stimme.
„Nein Markus, das würde nichts bringen, sie werden uns so oder so kriegen“ ernüchterte Mytho die Gruppe.
„Also werden wir entweder tapfer Kämpfen oder uns abschlachten lassen wie feige Hühner?!“ Morius mächtige Streitaxt erhob sich in die Höhe.
„KAMPF, KAMPF, KAMPF“ nach und nach zogen fast alle Helden ihre Waffen, nur Mia und Markus konnten dem nicht allzu viel abgewinnen.
Markus war starr vor Furcht und Angst, doch lies er sich mitreißen und folgte der Gruppe langsam in Richtung einer Felsformation.
Mia die ebenfalls sehr viel Angst verspürte, hatte sich die Zeit genommen um ihre Gedanken zu sortieren, mächtige Todes- und Zerstörungszauber durchliefen ihren Kopf.
Zügig hatte die Gruppe die Felsformation erreicht, riesige Felsvorsprünge, Schluchten und Höhlen lagen vor ihnen.
Zusammengetrieben wie Schlachtvieh drängten sich die Helden in eine Höhle, gezückte Schwerter und Äxte, aufmerksame Ohren und Augen warteten auf die unvermeidliche Schlacht.
Eine unheimliche Stille trat auf, schnelles, rhythmisches Pochen von Herzen und schnelle Atemzüge halten leise in der Höhle.
Wenige Wimpernschläge sollten vergehen bis ES wie eine Explosion auf die Gruppe losbrechen sollte.
Es waren nur zwei jedoch reichte dies um ein Chaos anzurichten, zwei Faustgroße Feuerbälle krachten gegen die brüchige Felswand der Höhle.
Eine lodernde Feuerwand durchzog plötzlich die Höhle, hektisch verließ die Gruppe der Helden die Höhle und stellte sich der übermächtigen Gefahr.
Die zwei Feuerdämonen hatten sich bereits vor der Höhle aufgebaut und schauten die Gruppe bösartig an, ihre messerscharfen Klauenhände scharten drohend am felsigen Untergrund. Ihre schemenhaften, menschlichen Körper waren umrundet von flackerndem Feuer, Füße und Hände waren tödliche Schneidwerkzeuge und ihr schattenartigen Körper schienen unzerstörbar.
Ein fürchterliches Brüllen der Dämonen, zerstörte je den restlichen Mut der Gruppe, erstarrt standen die Mutlosen Körper der Helden vor ihren übermächtig scheinenden Feinden.
„Embasio“ ein hellblauer Schirm aus Licht schützte gerade noch die Gruppe vor einem heranfliegenden Feuerball.
Wie die Felswand der Höhle zuvor zerbarstete auch der hellblaue Lichtschirm, Entsetzen füllte die Augen der Zauberin, hatte sie doch so gehofft ihr Schirm würde ihre Freunde länger schützen können.
Wie wachgeschlagen reagierte die Gruppe auf Mias Zauber, Mytho und Morius waren die Ersten die ihre Waffen erhoben und auf die Feuerwesen zu stürmten.
Mit einen lauten Zischen durchstieß die mächtige, silberne Axt des Zwergen den Körper eines Feuerwesens, ein handbreiter Schnitt trennte Ober- und Unterkörper des Dämons.
Doch statt eines schmerzerfüllten Schreis lachte das Feuerwesen hämisch, sein Körper fügte sich langsam wieder zusammen.
Mytho, der das Szenario aus dem Augenwinkel heraus verfolgt hatte, stoppte in seiner Angriffsbewegung. Die Unbegreiflichkeit füllte sein Gesicht, zu lange zögerte der Elf, ein Feuerball traf ihn am Oberkörper. Mit einem lauten Krachen stürzte der Elf gegen eine Felswand, ohne Bewusstsein lag Mytho vor der Felswand, er blutete stark aus einer Wunde am Bauch und am rechten Arm.
Bevor Markus richtig erkannte, was so eben geschah, hörte er plötzlich Mias laute stimme in seinen Ohren klingeln: „Hilf dem Elfen, schnell!!“.
Markus reagierte sofort, er hastete zu dem verletzten Elfen, der nicht mehr bei Bewusstsein war. Vier Schritte trennten den Heiler und seinen Patienten noch voneinander,...noch drei,...noch zwei,... RUMS...Markus wurde von einem mächtigen Schlag getroffen nach hinten geschleudert.
Eine 1½ Fuß breite Feuerfontäne hatte sich soeben zwischen Markus und Mytho aus dem Boden gegraben um sofort wieder abzutauchen, ihre Wucht schleuderte den Heiler einige Meter weit zurück.
Wieder erstarrte die Gruppe, was sollte noch alles kommen, ihre Gesichter verrieten ihre Gedanken. Halvar und Morius versuchten trotz Alledem weiterhin die Feuerdämonen zu bekämpfen, doch war dieses Unterfangen äußerst schwer, immer wieder mussten sich vor heranfliegenden Feuerbällen in acht nehmen.
Markus erholte sich nur sehr langsam von dem Fontänenschock, schwerfällig richtete er sich auf und kroch auf allen vieren auf den verletzten Mytho zu. Donovan war eingeschüchtert von den Feuerbällen hinter einem großen Felsen in Deckung gegangen, Mia stand die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Die ständige Flucht vor den Feuerbällen machte ihr das Denken besonders schwer, ihr viel und viel kein passender Zauber ein, am liebsten wäre sie weinend davon gelaufen jedoch konnte sie ihre Freunde nicht ihm Stich lassen, nicht jetzt.
Wie von einer Tarantel gebissen, schreckte sie plötzlich hoch, „der Patronus!“ dachte sie hektisch,“ dieser Zauber könnte uns retten“.
„Incarnio Patronus“ schrie sie lauter als sie es gewollt hatte, doch war dies so eben nebensächlich.
Eine menschliche Gestallt baute sich vor Mia auf, ein hellblau glitzernder Schleier umhüllte ihn, im Schein des Schleiers erkannte man die Konturen eines Kopfes, zweier Arme und Beine und eines mächtigen Rumpfes.
„Zerstöre die Feuerdämonen, ich befehle es dir mein Feuertöter!“ sagte die Zauberin mit entschlossen starker Stimme, ohne dass sie Notiz davon nahm,
dass die Schlacht eine Kurze Pause machte als sie den Patronus herauf beschwor. Die Gruppe der Helden sowie die beiden Feuerdämonen starten den Feuertöter mit großen Augen an. Die Dämonen heulten plötzlich auf, sie ahnten was nun auf sie zukam und das dies ihr Ende sein würde.
So geschah es auch, der Patronus schwebte auf die beiden zu und umhüllte sie mit seinem hellblau glitzernden Schleier. Ein schriller Schrei aus zwei Kehlen ertönte, die beiden Feuerdämonen waren tot.
Der Feuertöter hinterlies zwei kleine Aschehäufchen als er von ihnen abließ, doch schien der Patronus keine Ruhe zu geben.
Eine beißende Kälte breite sich plötzlich um die Heldengruppe herum aus.
„Mia tu was, er wird uns auch töten“ kreischte Halvar hysterisch.
„Nein, das wird er nicht“ erklang ihre starke Stimme, „Exoma Patronus“.
Ein warmer, rötlicher Schleier umschloss den Patronus und löste ihn auf.
Eine seltsame Ruhe hatte sich ausgebreitet, keiner aus der Gruppe wagte es etwas zu sagen, erschöpfte Körper und bleiche ratlose Gesichter zeichnete die Gruppe. Erst als Donovan seinen Kopf hinter dem Felsen hervor streckte regte sich leben in der Gruppe. „Donovan du FEIGLING, du mieser FEIGLING!“ schrie Halvar den jungen Krieger an.
„Lass gut sein mein Freund, erst ist noch sehr jung und unerfahren, ich denke er tat genau das richtige!“ versuchte Morius den Nordmann zu beruhigen. Doch kochte es in ihm, sein Hals wies hervor gequollene Adern auf, die Wut der Tatenlosigkeit gegen die Dämonen kam jetzt zum forschein.
„Halvar verdammt, beruhige dich“ schrie Morius als sich der Riese vom Griff des Zwergen losreißen wollte. Wäre die Situation nicht so prekär gewesen, es wäre ein belustigender Anblick gewesen, wie der kleine Zwerg versuchte den riesigen Krieger festzuhalten.
Doch war die Situation nicht im geringsten belustigend, erst ein mächtiger Fausthieb des Zwergen in die Margengrube des Nordmannes beruhigte die Sache. Der Riese war mit einem stöhnen niedergegangen.
„Ist...schon gut...mein Freund“ sagte Halvar wobei er nach Luft schnappte.
Donovan schlich jetzt langsam hinter dem Felsen hervor, sehr bedacht näherte er sich der Gruppe. „Es tut mir leid ich konnte nicht kämpfen, mein Körper wollte einfach nicht, er wollte sich lieber verstecken“.
„Ist schon gut, wie ich schon sagte es war in Ordnung“ sagte Morius mit ruhiger Stimme.
„NEIN VERDAMMT, DASS WAR ES NICHT! -SEIN KÖRPER WOLLTE WAS ANDERES-, DASS ICH NICH LACHE!“ schrie Halvar hasserfüllt auf. Donovan schreckte zurück, sein Kopf hing jetzt unterwürfig nach unten, eingeschüchtert machte er einige Schritte zurück.
„So ein bekloppter Kinderkram“ überrascht blickten alle auf Mia. „Wir sollten uns lieber eine sicher Unterkunft für die Nacht suchen, ich will nicht noch mal gegen Feuerdämonen kämpfen müssen. Mias entschlossene Worte überraschte die Gruppe.
„Wieso dein Zauber war doch sehr effektiv, ist doch egal wie viel Dämonen noch kommen“ antwortete Halvar übermutig.
Mias Augen verengten sich, ihr Blick war missmutig. „Du einfältiger Troll, du hast doch keine Ahnung was es heißt solch ein Patronus aufzurufen“.
„HÖRT AUF!“ Morius laute Stimme hallte warnend zwischen den Felsen. „Mia hat recht wir sollten unser Glück nicht strapazieren und uns eine sicheres Versteck für die Nacht suchen“ sagte er jetzt wieder mit ruhiger Stimme.
Es dauerte nicht lange bis sie eine große Höhle, die in ein gewaltiges Felsmassiv geschlagen war, fanden. Markus hatte Mytho soweit wieder hergestellt, dass er alleine laufen konnte, Markus, der Elf und der Rest der Gruppe drängten sich in die Höhle. Ohne weiter Worte suchte sich jeder einzelne seinen Schlafplatz, Mia hatte sich allein in eine dunkle Ecke verzogen. Auch Donovan suchte nicht gerade die Nähe der Gruppe, er legte sich ein kleines Stückweit weg. Morius diskutierte noch eine Weile mit Halvar und Markus, Mytho war sofort eingeschlafen und lag zusammengekauert neben den drei.
Bald trat Ruhe in der Höhle ein, draußen war es jetzt sehr kühl geworden und die dunkle Nacht lag unschuldig über der Feuerinsel.

Verfasst: 2. Aug 2005, 13:09
von Onkel Geri
Kapitel Fünfzehn (XV)

Die Entscheidung

Die vergangene Nacht verlief ruhig. Nacheinander lösten sich die Gefährten
bei der Wache ab und keiner von ihnen erblickte noch einen weiteren Dämon.
Zwar war der Schlaf von allen eher kurz doch hat er allen neue Kräfte zurück gebracht. Als ohne Vorwarnung die Sonne über die Insel kam und der Tag anbrach stieg schlagartig wieder die Temperatur an und ließen allen die
Schweißperlen auf die Stirn treten. Die ganze Insel schien nun wieder von
Leben erfüllt zu sein, oder von Nichtleben. Über Nacht hatten die
Feuerfontänen geschwiegen und waren jetzt wieder zum Leben erwacht. Munter
stießen sie ihre tödliche Fracht in den Himmel und verpesteten das Land mit
einem ätzenden Schwefel Geruch.
Nach einigen Stunden Fußmarsch, die die Gruppe getan hatte, stieg die Hitze
merkbar an. Für alle war dies ein deutliches Zeichen dass sie sich ihrem
Ziel näherten.
Morius der mit Mia voran ging, erklomm gerade die Kante einer Steigung als er die Hand hob und aufgeregt alle zu sich rief. Was sich hinter der kleinen Erhöhung befand war kaum in Worte zu fassen:
etwa zwanzig Minuten Fußweg entfernt erstreckte sich ein etwa vierhundert
Fuß breiter See aus flüssiger kochender Lava über dessen Mitte ein
pechschwarzes Schloss mit vier Türmen schwebte. Eine, Mia schätzte sie auf
mindestens, zweihundert Fuß lange Hängebrücke verband das Schloss mit dem
Ufer des Lavasees. Gebannt starrten alle sechs zu dem schwebenden Gemäuer.
Nach einigen Augenblicken des Schweigens gab sich Mia einen Ruck. "Ich werde einmal nachsehen was uns dort erwarten wird. Morius? Pass auf meinen Körper auf solange ich weg bin." Der Zwerg nickte.
Langsam ließ sich die Zauberin auf den Boden gleiten, legte sich ihre
Umhängetasche unter den Kopf und schloss die Augen.
Um Mia herum wurde es dunkel. In ihrem Geist dachte sie an einige Formeln
und löste sich erst zögerlich und dann schneller von ihrem Körper.
Sie wurde zu einer rosa schimmernden Siluette ihrer selbst und schwebte in
der Finsternis.
Nach kurzer Flugzeit näherte sie sich einem Purpur schimmernden großen
Holztor. Davor stand ein drei Fuß großer Krieger in einer Giftgrün
strahlenden Rüstung. Seine Pranken stütze er auf ein Breitschwert das fast
so groß wie Mia war. Eine dröhnende Stimme erhob sich und ließ die Siluette
der Magierin vibrieren. "Ich bin Horax, der Wächter der Anderswelt. Was ist
dein Begehr?"
"Lass mich durch die Pforte- hinein in die Anderswelt!"
Der Wächter änderte seine Gestalt und war nun ihr Vater. Nicht ihr richtiger Vater, aber er sah so aus.
Sofort begann der alte Mann ihr Fragen zu stellen und ihr vergangene
Missetaten und Fehler auf zu zeigen. Mia verhielt sich tapfer und entgegnete allen Tücken mit derselben List. Nach einigen Augenblicken änderte sich die Gestalt in die ihrer verstorbenen Mutter und das Spiel begann von vorne.
Mia befand sich die ganze Zeit an ein und demselben Ort. Sie lag schlaff wie im Schlafe auf dem staubigen und trockenen Boden der Insel Hythlo, beschützt von ihren Gefährten, und rollte angestrengt mit den Augen. Alle magisch begabten Wesen konnten sich, freilich nach einer gewissen zeit der Übung, in einen Tranceartigen Zustand versetzen und ihren Geist vom Körper lösen. Der zurück gebliebene Körper war nun ohne Seele und auch eine leichte Beute für Angreifer. Hingegen war der Geist frei wie der Wind und schnell wie ein Blitz. Entfernungen für die man sonst Tage bräuchte konnte ein Magier nun in wenigen Minuten zurücklegen. Unsichtbar für alle nicht magisch Begabten konnte er sich überall unentdeckt aufhalten und auch die geheimsten Gespräche belauschen. Es gibt zwei Ebenen die man betreten kann. Eine leichte und eine schwere. Die leichte nennt sich Astralwelt. Hier löst sich der Geist wie in einem Traum vom Körper und schwebt als Siluette, ungesehen für alle anderen, auf der "normalen" Welt. Gestalten und Gegenstände ohne Leben sind in verschiedenen Grautönen gefasst, die Flora und Fauna strahlt meist leichte Grün Töne von sich. Lebewesen hingegen strahlen oft in en verschiedensten Farben. All dieses nennen die Magier und Zauberer die "Aura". Je Größer diese ist und so heller sie leuchtet umso reiner ist das Herz und umso mächtiger der Geist.
Die zweite Ebene die man betreten kann, ist die Anderswelt. Hier ist alles
genau das Gegenteil von dem was es in der realen Welt ist und noch viel
mehr. Nur wenig ist bekannt über diese Welt aber man munkelt dass sie die
Heimat aller Elemente, Geister und magischen Wesen sei. Diese Welt wird vor
dem unbefugten Zugang von Horax, dem Wächter, beschützt. Er versetzt sich in Menschen die demjenigen der versucht diese Welt zu betreten sehr nahe
stehen. Mit List und Tücke versucht er nun die Besucher so zu verunsichern
dass sie die Konzentration verlieren und somit wieder in ihren Körper zurück kehren.
Je mächtiger die Seele des Besuchers ist umso leichter gelingt ihm der
Zugang zur Anderswelt.
Mia gelang es sehr schnell. Mit einem leiser werdenden Fiepen löste sich
Horax auf und die beiden Torflügel öffneten sich und gaben den Weg frei.
Doch anstatt hinein zugehen, pfiff Mia dreimal lang und zweimal kurz. Nach
weniger als zwei Atemzügen näherten sich rasend schnell zwei Gestalten dem
Tor. Die eine war Blau und hatte einen weißen Turban um den Kopf
geschlungen, die andere war gräulich und hatte eine weiße Schärpe um die
Brust.
"Aquos, Blowtna, ich brauche euch." Begrüßte Mia die beiden Gestalten welche scheinbar weder männlich noch weiblich waren. Zugleich antworteten sie Mia mit einer monotonen Stimme: "Jawohl Herrin, wie ihr befiehlt." Die Zauberin nickte wohlwissend, schloss ihre Augen und wechselte in die Astralwelt über.
Sie schwebte nun über ihrem Körper. Ruhig lag er da, atmete sachte ein und
wieder aus. Morias wachte wie versprochen bei ihr. Seine Aura war die
hellste von allen, strahlend leuchtete die hell und gab die Reinheit seines
Herzens preis. Die anderen Gefährten hielten ebenfalls wachsam die Stellung.
In dem Augenblick als Mia zu Mytho blickte, trafen sich ihre Augen für einen Moment, ehe der Elf seinen Blick von ihr Abwand, als ob er bei etwas
unartigem erwischt worden wäre. Innerlich hatte Mia sich beinahe zu Tode
erschrocken. Keiner konnte sie sehen, nicht einmal Mytho- solange er sich in seinem Körper befand. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm, und Mia hoffte sie würde es noch frühzeitig herausfinden, denn Zufälle gab es nicht.

Mit einem kleinen Husten öffnete die Magierin ihre Augen und war wieder
vollkommen zurück.
"Und?" kam es trocken aus der Kehle des Nordmannes dem der Schweiß auf der
Stirn stand. "Was erwartet uns nun?"
"Wer weiß? Ich konnte nichts erkennen, das Schloss ist von einer magischen
Barriere umgeben die es mir nicht erlaubte hinein zu schauen. Aber sonst
droht uns keine Gefahr." Erwiderte Mia schroff.
Nachäffelnd wiederholte Halvar die Worte der Zauberin und fügte noch ein
"wunderbar" hinzu.
Morius funkelte den Hünen böse an und unterband somit alle weiteren
Anfeindungen. Leichten Schrittes machte sich die Gruppe daran den Rand
hinunter zu laufen, gerade auf die Brücke zu.
Nach staubigen und schweißtreibenden zwanzig Minuten, die allen wie Stunden
vorkamen, hatten sie die Brücke erreicht. Brühend warme Luft kitzelte an den Nasen und machte das Atmen zu einer Herausforderung. Um die Sechs herum
flimmerte die Luft wie verrückt. Markus hatte bereits fluchend seine
Kräutertasche wegwerfen müssen, da die trockenen Blätter sich bei der vom
Lavasee aufsteigenden heißen Luft entfacht hatten und einfach verbrannt
sind.
Keuchend stellte Donovan erschreckt fest, als er näher an die Brücke heran
gegangen war, dass diese aus Knochen bestand. Milchige, Kalkweiße, teils
angekokelte oder gerissene Knochen. Große und kleine, Menschliche und
seltsame.
Morius war der erste der seinen Fuß auf die Brücke setzte und langsam voran
schritt. Dabei wangte die Brücke leicht zu den Seiten, hielt aber. Immer in
Zweiergruppen setzen sie nacheinander auf die andere Seite über. Donovan
wäre dabei um ein Haar in den Lavasee gefallen. Als sich einige Meter
entfernt eine Feuerfontäne aus dem See in die Höhe ergoss, schreckte der
ohnehin schon ängstliche Krieger so zurück dass er den halt verlor und die
Brücke hinunter fiel. Wäre der Nordmann Halvar nicht geistesgegenwärtig und
schnell gewesen wäre von dem jungen Krieger nicht einmal ein Haufen Asche
zurück geblieben. Als alle die Brücke heil überstanden hatten, grübelte Mia
bereits um das nächste Problem.
Vor ihr war ein riesiges Schwarzes Tor mit Kupferbeschlägen dass sich nicht
öffnen lassen wollte.
Mia schob sich ihre Finger in den Mund und pfiff laut. Zum leichten
Erschrecken der anderen tauchte vom einen auf den anderen Moment eine vier
Fuß hohe Windsäule auf. "Keine Angst Freunde, das ist Blowtna, mein
Windelementar. Blowtna- beseitige das Tor." Sprach die junge Zauberin
zielsicher. Wie ihm befohlen bewegte sich der Elementar auf das Tor zu und
begann sich immer schneller zu drehen. Nach einigen Augenblicken hatte sich
die Windhose zu einem ausgewachsenen Sturm entwickelt dem die alten und
morschen Tore nur kurz stand halten konnten. Mit lautem Krachen zerborsten
sie und flogen in hohem Bogen in den Lavasee wo sie zischend verschlungen wurden. Auf ein Nicken Mias verschwand der Elementar wieder. "Ziemlich windig heute, meint ihr nicht auch?" fragte grinsend der Magus die Gefährten.

Vorsichtig und aufmerksam betrat die Gruppe das Innere des Schlosses. Kalte
modrige Luft wehte ihnen entgegen. Alle, bis auf Mia die keine Probleme mit
der Hitze hatte, atmeten erleichtert auf. Diese Abkühlung kam ihnen gelegen.
Jeder Schritt den sie auf den schwarzen Steinpflastern taten, hallte
mehrfach in dem langen Gang, in welchem sie sich befanden, wieder. Die Wände waren wie außen fast Pechschwarz, Mobiliar war keines vorhanden. Nach
wenigen Schritten gelangte man an ein weiteres Tor, dieses ließ sich jedoch
ohne weiteres öffnen. Mit einem leisen Knarzen ging das Tor auf und gab den
Blick auf eine riesige Vorhalle frei. Der Raum war rund, roch genauso modrig wie wahrscheinlich der Rest des Schlosses, hatte eine Decke die so hoch gesetzt war dass man sie nur schemenhaft wahrnehmen konnte und in der Mitte befand sich eine riesige Wendeltreppe aus schwarz glänzendem Marmor. Zu beiden Seiten des Treppenbeginns befanden sich zwei riesige Steindrachen die sich gegenseitig Feuer zu spuckten und mit den steinernen Feuern einen Bogen über die ersten Treppenstufen bildeten. Warmes rötliches Licht strömte durch die mehrere Meter hohen Fenster die sich überall an den Wänden befanden und versetzten dem Saal einen gewissen farblichen Tupfer auf.
Vorsichtig ging die Gruppe unter dem Drachenfeuerbogen die Treppe hinauf.
Nach einer Weile, das Ende der Treppe war noch nicht ab zusehen und schien
noch endlos entfernt, gabelte sich der Weg. Ein Treppenflügel ging nach
Links, ein anderer weiter nach Rechts. "Mir gefällt das nicht. Kein Gegner,
keine Fallen, irgendetwas stimmt hier doch nicht." Murrte Morius. "Finde ich auch. Hier ist irgendetwas faul, das kann ich riechen," stimmte ihm Markus zu und rieb sich unter der Nase.
"Hört auf. Wir trennen uns. Morius- Du gehst mit Mytho und Halvar nach
Rechts, Markus und Donovan gehen mit mir." Mytho nickte auf die Weisung Mias und die Gruppe trennte sich auf.
Nach kurzem Treppensteigen stand Mia mit ihren männlichen Begleitern vor
einer Holztüre. Vorsichtig schob die Zauberin sie auf, Donovan stand mit
gezogenem Schwert und gehobenem Schild neben ihr und betrat als erster, mit
einem leichten Zittern im Schwertarm, den Raum. Kühl und verstaubt wie die
anderen- fuhr es Markus durch den Geist, der als letzter den Raum betrat.
"Wir befinden uns in einem der Türme," stellte Donovan fest. Über ihnen ging der sternförmige Raum endlos in die Höhe und gab am Ende den Blick auf den blau-rötlichen Himmel Hyloths frei. In der Mitte befand sich eine kleine Säule mit einem Gegenstand darauf der von einem eingestaubten Samttuch verdeckt wurde.
"Das- das muss es sein was wir suchen!" rief Donovan aus. Ehe Mia ihn
aufhalten konnte stand er bereits bei der Säule und schob mit seinem Schwert das Tuch von dem Gegenstand.

Splitternd gab das Tor nach und fiel senkrecht auf den Boden. Vor ihnen
breitete sich ein großer Raum aus deren Wände mit etlichen Wandteppichen
behängt waren. Um eine art Nest in dem sich ein eiförmiger Diamant befand
der funkelnd das fahle Licht in alle Richtungen verteilte, waren unzählige
Schätze auf getürmt. Ketten, Ringe, Rüstungen, Kronleuchter, Münzen, Kronen
aus Gold, Silber besetzt mit Juwelen aller Art waren auf geschichtet. Mytho
rümpfte eine Augenbraue und flüsterte zu Halvar der sich herunterbeugte "Mir gefällt das Funkeln in den Augen des Zwerges nicht." Der Nordmann nickte nur stumm und warf Morius einen Blick zu. Wie von Sinnen hüpfte der Zwerg jauchzend durch die Schätze und konnte sich kaum einkriegen, schwamm schon beinahe in all dieser Pracht. Seinem Ziel, dem riesigen Diamanten, kam er immer näher. Morius setzte zu seinem Sprung an und flog mit offenen Armen dem Ei entgegen um schmerzlich gegen eine unsichtbare Wand die um das Ei aufgebaut war zu stürzen und fiel zu Boden. Mit schnellen Schritten eilten ihm die anderen beiden zu und brachten ihn wieder auf die Beine. Fluchend schüttelte er die Hände von sich und warf dem Diamanten einen bösen Blick zu. "Wir sollten besser gehen, ich spüre eine starke Magie in diesem Raum." Bemerkte der Magier.
"Ach was! Das ist MEIN Ei. Und wenn ich sage MEIN dann bekomme ich das
auch!!" sprudelte es nur so aus dem vom Gold eingenommenen Zwergen. Er hob
seine Axt und schlug sie mit voller Kraft gegen die unsichtbare Wand. Aber
anstatt zu zerspringen warf eine Energiewelle alle Drei mehrere Meter nach
hinten zurück wo sie klimpernd auf den Schätzen aus Gold und Silber
aufkamen.
"Jemand verletzt?" ächzte Mytho. "Noch nicht- aber gleich du verdammter
Wichtel!!" brüllte Halvar zornig den Zwerg an und im nächsten Augenblick
wetzten die beiden wutentbrannt ihre Klingen aufeinander die funkensprühend
aufeinander verweilten. Mytho wollte gerade etwas gegen die beiden
unternehmen um sie auseinander zu bringen als ihm ein Geräusch auffiel. "He- haltet ein- hört ihr das auch?!"
In ihrer Kampfhaltung versteinert lauschten alle Drei nach dem Geräusch. Ein schaben und schlurfen dass sich anhörte wie ein Humpelnder Krüppel mit einem Holzbein wurde immer lauter. Gebannt trafen sechs Augen auf die Toröffnung des Raumes. Erst schob sich ein rostiger Krummsäbel durch den Eingang, dann ein vermodertes Holzschild und dann ein weiß-graues Kalkgesicht mit einem stachelbesetzten Helm.
"SKELLETTE!" rief Morias aus.

Flatternd glitt das Tuch zu Boden und gab den Blick auf eine hell strahlende Kristallkugel frei.
Erstaunt trat Donovan einen Schritt näher und sah in die Kugel um im
nächsten Augenblick bewusstlos zu Boden zu fallen. Klirrend entglitt im das
Schwert. Markus und Mia waren so schnell sie konnten bei ihm. Sofort nahm
sich der Heiler Donovan an. "Sieht nicht gut aus. Irgendwie ist er nicht bei Kräften." Ratlos schaute Markus zu der Zauberin auf. "Dieser verdammte
Vogel. Das ist eine Zauberkugel, ich sehe mal ob ich etwas machen kann." Mia ging in die Knie und schloss ihre Augen. Ihre Hände fassten seine Schläfen an. Ein leichtes kribbeln verriet ihr dass er nicht tot war oder den Verstand verloren hatte. Langsam öffnete sie ihre Augen und blickte in das grübelnde Gesicht des Heilers. "Markus, sage mir - was weißt Du über ihn eigentlich alles? Wo kommt er her?"
"Nunja," stammelte der Heiler, "eigentlich weiß ich nicht viel über ihn. Ich habe ihn in einer Taverne nahe Britains kennen gelernt. Die Erscheinung die wir alle gesehen hatten führte mich dort hin. Eigentlich ist er ja ein ganz netter Kerl, aber noch zu jung und unerfahren.
Ach und, hm, man erzählt sich, so habe ich gehört, dass er.." Markus
schnalzte mit seiner Zunge "..einen sehr reichen und mächtigen Onkel haben
soll. Viel mehr weiß ich auch nicht- aber sein Onkel scheint sehr viel
Einfluss zu haben, er erwähnte im Hafen- als wir unser Schiff gesucht
hatten, einmal den Namen seines Onkels. Die Leute schienen große Angst vor
ihm zu haben. Als wir..." Mia unterbrach Markus schroff-" Wie heißt er?
Erinnere Dich!"
"Nun, nun ja äh Remba? Romba? Ich weiß auch nicht mehr ich....oh."
Markus Augen weiteten sich und sein Gesicht verlor an Farbe bis es ganz
bleich war. Ein gewaltiger Schatten schob sich über die drei. Was Mia in den Pupillen des Heilers sah ließ ihr eine Gänsehaut aufsteigen. In ihrem Rücken erschallte eine tiefe dumpfe Stimme deren Klang ihr Herz zum rasen brachte. "Sein Name ist Remiba."

Altes Holz und morsche Knochen zersplitterten unter der gewaltigen Wucht der Doppelklingenaxt des Wikingers. Blutlüstern, wobei das einzige Blut in
diesem Kampf das seiner selbst und seiner Gefährten sein würde,
zerschmetterte er mit jedem Schlag mehrere der Skelettkrieger. Diejenigen
Untoten Krieger welche sich den Axtschlägen entziehen konnten wurden
entweder von seinen Stachelbesetzten Stiefeln zerlegt oder mussten einem
brachialen Kopfstoß weichen.
Lauthals fluchend und brüllend hackte auch Morias der Zwerg auf die
Skelette, vorwiegend auf die Gegend im Beckenbereich seiner Gegner, ein und
hielt sich wacker. Der einzige der leichte Probleme mit den Herrschaaren
hatte war Mytho D'Alo. Da die Gegner zu zahlreich waren und sich zu schnell
der Gruppe genähert hatten konnte er nur wenig mit seinen Pfeilen gegen sie
ausrichten und musste sich seinem Scimitar annehmen. Jener Waffe die aus dem seltenen Gquel´ta angefertigt worden ist. Scharf wie keine andere Waffe und absolut tödlich. Jedoch schmerzte Mythos Waffenarm noch etwas von der
unsanften Begegnung der letzten Nacht, so dass er einige Schwierigkeiten
hatten die Waffe zu führen. Doch auch dieser Zustand war keine Verbesserung
für das weitere "Leben" der Skelette.
In die Enge gezwängt standen die Drei Rücken an Rücken und versuchten die
nicht auf zu hören scheinenden Angriffswellen der Skelette von sich ab zu
halten. Ein Angreifer nach dem anderen fiel den "tödlichen" Schlägen zum
Opfer und zersprang in seine Knochenteile. Insgeheim hoffte der Elf dass Mia ihnen zu Hilfe kommen würde, denn er wusste dass sie gegen eine solche Überm acht ohne magische Unterstützung nicht mehr lange standhalten könnten.

Knirschend schoben sich die glänzenden schwarzen Schuppen über den
Steinboden. In jeder einzelnen Schuppe konnte Mia sich reflektiert sehen.
Wartend klopften die langen Klauen rhythmisch auf den Boden. Ätzender Geruch wie von verfaultem Fleisch ging von dem etwa elf Fuß großen Ungetüm aus das ein Viertel des Raumes für sich beanspruchte. Die riesigen Schwingen flach an den massigen Körper angelegt sah der Drache beinahe noch "klein" aus. Auf dem gehörnten Kopf der Echse funkelten Mia und ihre Gefährten zwei grellgelbe Schlitzaugen an. Ohne das Maul zu öffnen erhallte wieder, auf magische Weise, die "Stimme" des Drachen.
"Ihr seid weit gekommen. Meine Feuerdämonen hätten euch eigentlich
vernichten müssen aber DU hast sie trotzdem besiegt. Aber ihr habt nicht
erwartet dass ich auf euch warten würde." Bei seinen letzten Worten stieß
der Drache von sich selbst überzeugt einen Feuerstoß aus seinen Nüstern in
die Höhe. Blitzschnell ausbreitende Hitze erschwerte es den Gefährten zu
atmen.
Höhnisch führte der Drache seinen Monolog fort, "aber Remiba ist nicht hier
und er wird auch nicht kommen um seinen Spross zu beschützen. Ihr seid ganz
auf euch allein gestellt. Aber ich gebe DIR, Mia, eine Chance. Sterben
werdet ihr alle, gleich, aber DU kannst Dich entscheiden. Stirbst du mit
deinen jämmerlichen "Freunden"", bei dem Wort ertönte ein schallendes Lachen aus der kehle des Drachen "oder du wirst mir dienen. Deine Macht ist
beachtlich, ich habe viele Pläne mit ihr." Schnell stieß die lange
gespaltene Zunge aus dem Maul des Drachen hervor und fuhr langsam an Mias
Brust hoch über ihr Gesicht. Feucht-warm und schleimig glitt das fleischrote Körperteil über die Haut der Zauberin und lockte einen leichten Würgereiz bei ihr hervor. Sie spuckte aus und schrie den Drachen selbstsicher an "NIEMALS! Lieber sterbe ich mit meinen Freunden als dass ich deine Sklavin werde!" Wütend schnaubend erhob sich der Drache auf seine Hinterbeine und breitete seine Schwingen aus.
Nun war sah er wirklich furchterregend aus und Markus der Heiler verabschiedete sich mit einem Stöhnen ins Land der Träume. Mia zitterten die Beine. Grollend ertönte die Stimme des Drachen:
"DU WAGST ES DICH MIR ZU WIDERSETZEN MENSCHENWEIB!? ES WIRD MIR EINE FREUDE
SEIN DICH UND DEN ANDEREN ABSCHAUM ZU VERSPEISEN-UND BEI DIR WERDE ICH MIR
BESONDERS VIEL ZEIT NEHMEN!" Langsam öffnete der Drache sein Maul und ein
schrecklicher Geruch nach Verwesung und Kloacke schwoll zwischen den
riesigen gelben Reißzähnen hervor.
Die junge Zauberin machte sich bereits zu sterben, aber sie würde nicht
kampflos untergehen. Zwar war sie sich sicher dass ihre Magie nicht gegen
die des Drachen ankommen würde aber er würde sich erst noch seine Schuppen
verbrennen ehe... doch weiter kam Mia mit ihrem Gedanken nicht mehr, da ein
ohrenbetäubendes Geräusch sie aufschrecken ließ.
Ein riesiges Loch tat sich auf der Turmmauer hinter dem Drachen auf. Schwere Steine flogen zerstört durch den Raum und ließen Mia in Deckung gehen.
Auch die schwarze Echse schien nicht damit gerechnet zu haben. Erstaunt fuhr sie um und ließ einen erschreckten Pfeifton los. Ein zweiter Drache, mehr als zweimal so groß Schob sich durch das Loch in der Wand und griff seinen schwarzen Kontrahenten an. Geblendet von dem goldenen Glanz der Schuppen des zweiten Drachen schützte Mia ihre Augen. Ihr Amulett, welches sie auf der Brust trug, begann zu leuchten. Gigantische Mengen an Manaenergie flossen in diesem Moment durch den Raum. Ihre Ohren zuhaltend wegen des Gebrülls der Flugechsen bekam Mia nur wenig mit. Einige mächtige Energieblitze flogen knisternd an ihr vorbei und hinterließen eine Spur der Verwüstung und brachten die Steine zum schmelzen. So plötzlich wie der Drache erschienen war so plötzlich war er auch wieder verschwunden. Langsam öffnete Mia ihre Augen und sah sich zuerst nach Makrus und Donovan um. Beide lagen bewusstlos auf dem Boden, schienen aber unverletzt.
Vorsichtig trat die Zauberin einige Schritte auf den Schwarzen Drachen zu.
Dunkles dickes Blut quoll aus unzähligen Verletzungen auf den Boden und
bildete einen kleinen See. Mit gebrochenen Schwingen und offenen Wunden lag
der Drache auf dem Rücken. Seine Augen waren geschlossen und die lange Zunge hing schlaff aus dem offenen Maul heraus. Warmer Wind wehte durch das Loch in der Wand und umflog Mias Haare.
"Wo ist der zweite Drache..." fragte sie sich flüsternd.
Als sich unbemerkt eine Hand von hinten auf ihre Schulter legte stockte ihr
der Atem.

"Was soll dass ihr feigen Söhne eines räudigen Ogers?!" fluchte der Zwerg.
Eben noch trugen sie Schild und Schwert um den Drei Kriegern die Köpfe ab zu trennen und im nächsten Moment gingen sie klappernd zu Boden und
hinterließen einen Teppich aus fahlen Knochen. Erschöpft wandte sich Mytho
an die anderen beiden- "Kommt schnell, wir müssen zu Mia, irgendetwas ist
geschehen und ich denke es war nichts Gutes." Während die Krieger den Weg
zurück liefen in Mias Richtung begann das Schloss zu rumoren und zu beben.
Vereinzelt fielen Steine von der Decke oder lösten sich Bodenplatten um den
Blick auf den Lavasee frei zu geben. Auf halben Weg kam ihnen Mia entgegen.
Mit ihr lief ein Mann mit einem zweifelsohne sehenswerten Körperbau.
Muskulös an allen Stellen und nur mit einem knappen goldenen Kettenhöschen
bekleidet schleppte der gut zwei Fuß große Blondschopf Markus und Donovan
auf seinen Schultern.
"Er ist ein Freund, kommt wir müssen schnell weg von hier, das Schloss
stürzt zusammen!" hauchte Mia außer Atem die verwunderten Drei an.
Nach einem turbulenten Abstieg fanden sie sich wieder in der, bereits halb
eingestürzten, Vorhalle wieder und rannten auf den Ausgang zu. Sobald sie
das Tor durchschritten hatte sie die heiße glühende Luft der Feuerinsel
wieder. "Verdammt-wo ist die Brücke!" brüllte Halvar aus. Scheinbar
verschwunden hingen nur noch einige Knochen an den Befestigungen der Brücke.
Mit den Schultern zuckend legte der Fremde Blondschopf die beiden Männer und sprang über den Abgrund.
"Ist der nicht mehr von Sinnen?!?!" brüllte Morias der Zauberin zu. "Lass
ihn nur machen.." erwiderte Mia trocken. Kurz darauf wurde die Gruppe von
einigen heftigen Windstößen gepackt. Vor ihnen erhob sich aus der Tiefe ein
riesiger Goldener Drache, gerade so weit dass sie auf seinen Rücken konnten.
Erst zögerte die Gruppe, bis auf Mia, dann aber - als das Schloss plötzlich
zu sinken begann, beeilten sie sich und stiegen auf.
Während sich der Drache mit seinen Reisegästen unter mächtigen
Flugbewegungen vom Lavasee entfernte, konnte die Gruppe gerade noch sehen
wie die Reste des Schlosses in der Glut der Lava verschwanden.
Leise flüsterte der Zwerg Mia zu: "Wer ist das bei Moradin?" Mia zuckte nur
mit den Schultern und sagte "Er hat Donovan, Markus und mich gerettet- er
sagte er wäre Eldoras, keine Ahnung." "Eldoras? Bei allen Göttern, das ist
ja fast unmöglich," schluckte der Zwerg trocken.
Die Besatzung der Silberfeder war nicht wenig erstaunt als ein riesiger
Drache ihren Kapitän und deren Freunde absetzte und danach wieder über den
Wolken verschwand.
Lirav musste sich erst einmal mit Donovan beschäftigen ehe er die ganze
Geschichte zu Ohren bekam. Als Markus von Halvar erfuhr dass sie auf einem
Drachen geflogen wären fiel er sofort wieder in Ohnmacht, zur Freude Morius
der darüber lauthals lachte.
Etwas abseits von diesem Trubel, als das Schiff bereits in die
hereinbrechende Nacht bewegte, stand Mia und blickte auf das kleiner
werdende leuchten am Horizont- Hythlo- und sah sich die kleine leuchtende
Kristallkugel in ihrer Hand an. Durch die Optik verzerrt schaute sie das
freundliche Gesicht des alten Mannes an. Leise vernahm sie seine Stimme.
"Ich bin stolz auf Euch. Ihr habt es beinahe geschafft. Um das Land vor dem
Untergang zu retten reist zurück nach Britain, ihr werdet dort bereits vom
König erwartet. Gebt ihm das was er benötigt um die Truppen des Bösen noch
einige Zeit auf zu halten." Ehe Mia etwas entgegnen konnte verblasste das
Gesicht und die Kristallkugel wurde undurchsichtig grau und bekam Sprünge.
Erschreckt ließ die Zauberin die Kugel auf die Schiffsplanken fallen wo sie
in klitzekleine Stücke zersprang. In ihrer ehemaligen Mitte lag ein kleiner, silberner Schlüssel. Mia bückte sich und hob ihn auf. "Also auf nach Britain... ."

Verfasst: 2. Aug 2005, 19:06
von Onkel Geri
Kapitel Sechszehn (XVI)

Eine unangenehme Unterbrechung

Ruhig schipperte die Silberfeder auf der offenen See, stolz flatterten ihre Segel im leichten Fahrtwind. Die sieben auserwählten Helden hatten sich für die Nacht in ihre Quartiere zurück gezogen, jeder für sich versuchte auf seine Art, das zurückliegende Abenteuer zu bewältigen. Sehr leicht schien es Morius zu fallen, seine Gedanken zu ordnen. Er saß über einem Bierkrug und studierte eine Seekarte, ein leichtes Grinsen lag auf seinem Gesicht, seine Gedanken waren weit entfernt von diesem Abenteuer.
Der Zwerg war der einzige, der noch auf war, der Rest der Gruppe schlief. Wie auch in den Nächten zuvor plackten auch in diese Nacht schlimme Abträume den Elfen Mytho. Wuchtig schlug sich Mytho von Bettkante zu Bettkante, seine Augen wiesen immer wieder nervöse Zuckungen auf.

Der Morgen graute und nach und nach trafen alle Mitglieder der Gruppe in der Kombüse des Kaptains ein. Als letzter trat Mytho in die Kabine, eine blasses Äußeres und dunkle Augenringe zeichneten den Elfen.
„Mytho?“ Morius blickte den Elfen sorgsam an, Mytho erwiderte nur eine kurzes Nicken und der Zwerg schien verstanden zu haben.
Morius versuchte schnellst möglichst von dem Elfen abzulenken und ergriff das Wort. „Wie ihre alle wohl mitbekommen habt, befinden wir uns auf dem Weg nach Britain. Wir werden vermutlich drei Tage lang unterwegs sein, wenn uns nichts aufhält. Ich möchte nun vorschlagen, dass wir die Zeit nutzen und etwas trainieren, ich denke schaden würde es nicht oder?“.
Die Gruppe zögerte, niemand schien den Vorschlag richtig ernst zu nehmen.
„Training?, pah, ich und Training?, bin doch stark genug!“ blaffte Halvar plötzlich den Zwergen an. „Gerade DU hast etwas Training nötig mein lieber, es wird Zeit, dass du “trainierst“ dich zu beherrschen!“ Morius Worte zeigten Wirkung, Halvar senkte mit einem Murren seinen Kopf.
„Und wie stellst du dir das Training vor, sollen wir alle Gegeneinander kämpfen?“. „Nein, nicht ganz verehrte Zauberin, ich habe gestern Abend einen Plan aufgestellt. Jeder einzelne von euch wird das üben, was er oder sie nicht kann“ antworte Morius energisch.
„Aber..“ mit einem Zischen unterband der Zwerg Donovans Zwischenruf.
„Lass mich bitte erst mal fortfahren. Ich habe zudem Zweierteams ausgewählt, die dann untereinander ihre Erfahrungen austauschen und erproben können“. Gespannt auf die Gruppenverteilung schauten alle den Zwergen an. „Also zum einem wäre da, die Gruppe Donovan und Halvar“, wieder musste Morius einen Zwischenlaut unterbinden, diesmal war es der Nordmann, der aufgebracht seinen Mund geöffnet hatte. „In euerer Gruppe möchte ich euch bitten Zurückhaltung und Mut zu trainieren, wer da welche Rolle zu spielen hat ist wohl eindeutig. Als nächstes sind da....Mytho und Mia“. Von beiden kam keine Regung.„Hier wird Mia den Schwertkampf lernen müssen und Mytho...“ Morius stockte. „Mytho... weiß was er lernen muss“ wieder tauchten Mytho und Morius einen kurzen Blick aus.
„Zu guter letzt blieben noch Lirav und Markus übrig, beide werden schon was finden, worüber sie sich austauschen können. Was mich betrifft ich werde bei jedem Paar mal vorbeischauen“. Eine kurze Denkpause trat nach Morius Worten auf, anschließend sammelten sich die Paare und verschwanden in verschiedene Richtungen.

Mytho und Mia hatten sich in die Kabine der Zauberin zurückgezogen, Mia war es nicht entgangen, dass der Elf nicht gut aus sah. „Mytho, möchtest du einen Tee, du siehst nicht allzu frisch aus?“.
„Nein danke, ich würde lieber sofort anfangen“ der Elf machte eine kurzen Schlenker zu einem Stuhl hin und ließ sich auf diesen schwerfällig nieder.
„Wenn es dich nicht stört möchte ich mich mit meiner Angelegenheit zu erst beschäftigen“ fuhr Mytho fort. „Natürlich, kein Problem“ antwortete die Zauberin knapp. „Der Zwerg hatte nicht viel zu meiner...“Sache“ erzählt, dass hatte auch seinen guten Grund“. Mia lauschte gespannt den Worten des Mannes.„Ich hielt es für klug, wenn nicht alle erfahren, welch ein Problem ich habe. Und deshalb hielt ich es für richtig zuerst nur Morius einzuweihen, doch er fand kein Rat und nun suche ich genau diesen bei dir!“.
Mia verstand sofort: „Heißt das, du steckst hinter der Trainingssache?“.
Mytho nickte, „Ja richtig, doch hatte Morius schon länger die Idee des Trainings, doch sollte dies in der ganzen Gruppe stattfinden. Nun brachte ich aber die Gruppenteilung ein um einen guten Grund zu haben, ungestört meine „Sache“ zu klären“. Eine kurze Stille füllte den Raum.
„Na gut, ungestört wären wir dann wohl, was heißt du kannst anfangen zu erzählen“, Mias Worte waren sehr direkt, was den Elfen etwas nervös werden ließ. „Versprich zu erst keinem zu erzählen, was wir besprochen haben“ Mytho schaute die Frau erwartungsvoll an. „Niemand wird je erfahren welche Worte hier gefallen sind“, ihre Worte stärkten den Elfen.
Mytho holte tief Luft und begann zu erzählen: „Nun ja, ich leide seit geraumer Zeit unter starken Abträumen, sie lassen mich nicht zur Ruhe kommen und stören so meinen Regenerationszyklus“. Mytho wartete vergeblich auf eine Reaktion der Zauberin. Sie schaute ihn nur weiterhin fragend an.
„Ich möchte dich nun bitten mir zu helfen meinen Träume für immer loszuwerden. Alles was du dabei machen sollst, ist meine Gedanken zu lesen wenn ich ein besonderes Ritual durchführe“. Jetzt hatte er Mia vollkommende Aufmerksamkeit geweckt. “Wie bitte, ich soll deine Gedanken lesen? Dir ist klar, dass dies nicht einfach werden kann, wenn du dabei eine Ritual vollziehst“. Die Augen des Elfen strahlten voller Tatendrang. „Mir ist die Gefahr bewusst, jedoch nehme ich sie in kauf, wenn ich dabei diesen Traum loswerde“. Mia verstand die Angelegenheit des Elfen nicht, sie sträubte sich gegen den Gedanken seine Gedanken lesen zu müssen. So eine Prozedur ist für beide Seiten äußerst unangenehm und zudem sehr Gefährlich. Bei letzten mal, als Mia die Gedanken eines anderen lass, wurde ihr sofort schlecht und sie konnte den ganzen folgenden Tag nicht mehr richtig klar denken. „Bitte überlege es dir noch mal, ich bin nicht sehr geübt im Gedankenlesen und ich habe es noch nie bei einem Elfen getan“. „Es wird nicht viel anders sein!“ versuchte Mytho die Zauberin zu beruhigen. „Du sollst doch nur einen gewissen Erinnerungspunkt bei mir finden, wenn das geschafft ist werde ich das Ritual vollziehen und alles ist vorbei“.
Mia schüttelte ihren Köpf. „Welchen Punkt soll ich suchen“ sagte sie mit gedrückter Stimme. Der Elf strahlte: „Du sollst einen Gedankenpunkt suchen, der mich zusammen mit einer bunt strahlenden Blume zeigt“.
Mias Stirn zog Falten. „Dieser Gedankenpunkt wird meine positive Erfahrung sein, die dann die negative Erfahrung des Albtraums ausgleicht“ versuchte er ihr diesen Punkt näher zu bringen. Eine kurze Pause trat ein, die aber schnell wieder von Mia beendet wurde: „Na gut, wenn du dich nicht davon abhalten lässt werde ich Wohl oder Übel mit machen müssen! Also lass uns keine Zeit verlieren“. Ihre Worte waren das Startsignal und der Elf hockte sich auf den Boden. Mia streckte ihre Hand aus und legte sie sanft an seine Schläfe. Sofort drang sie in seine Gedanken ein, zuerst war da nur eine schwarze Leere, die sollte jedoch plötzlich und stoßartig von Millionen von Gedankenbildern überflutet werden. Mit dem Auftreten der Bilder überkam sie das Gefühl der Übelkeit, ihr Margen drehte sich gefühlsmäßig des öfteren um. Ihre Augen wanderten in den Höhlen ruckartig hin und her, die Anstrengung war an ihrem Körper deutlich zu sehen. Schweißperlen hatten sich auf ihrem Körper gebildet, ihre Hand war zu einer Faust geballt und ihr Herz raste mit einer unnormalen Geschwindigkeit.
Plötzlich stoppte das Wandern ihrer Augen und ihr Puls normalisierte sich.
Sie löste ihre Hand von des Elfen Kopf und sagte leise: „Ich habe das Bild gefunden, du kannst jetzt weiter machen“. Die Zauberin versuchte aus ihrer Kabine zu gehen, sie musste sich an der Wand festhalten um nicht umzufallen. Torkelnd stieß sie die Tür auf um sich dann weiter in Richtung Reling vorzuarbeiten. Dort angekommen übergab sie sich mit einem Stöhnen. Leicht erholt sank sie nieder, sie legte ihren Köpf in den Nacken und schloss die Augen.

Der Abend war schon wieder angebrochen als Mia wieder zu sich kam. Sie erinnerte sich nur noch Bruchstückhaft an den zurückliegenden Tag. Als sie an der Reling nach dem Gedankenlesen saß, war sie eingeschlafen und von Irgendjemanden wieder in ihre Kabine gebracht worden, wo sie jetzt wieder aufgewacht war.
KLONG...KLONG, ein lautes Klopfen an der Holztür ihrer Kabine lies sie aufschrecken. „Ja“ rief sie mit schwacher Stimme.
Mytho trat sehr bedacht in ihre Kabine, er schaute vorsichtig in den nur schwach beleuchtete Raum. „Wie geht’s dir? Es tut mir leid, es war nicht meine Absicht dir so zu zusetzten“ sagte er mit einer Stimme, die Mia noch nicht an ihm kannte. Seine Stimme hatte etwas sorgsames, zugleich sagte sie ihr jedoch, dass er nichts bereute.
„Mir geht es gut! Ich wäre jetzt aber lieber ungestört!“ sie versuchte ebenso gleichgültig zu klingen wie er.
„Verstanden“ antwortete er knapp und verschwand geräuschlos aus ihrer Kabine.

Am nächsten Morgen war Mia, die erste, die auf war. Sie hatte sich einen dunkelgrünen Mantel übergeworfen und war auf Schiffsdeck hinaus gegangen.
An diesem Tag war der Wind besonders stark, die Segel waren weit gespannt und das Schiff hatte enorm an Fahrt zu genommen.
Mia traf niemanden an Deck vor, die Ruhe und der salzige Wind entspannte die Zauberin. Langsam schlenderte sie über das breite Schiffsdeck, erst jetzt viel ihr auf, wie groß doch dieses Schiff war. Der starke Seewind spielte mit ihren rotbraunen Haaren, das Brechen der Wellen am Buck des Schiffes und das Pfeifen des Windes durch die Segel erzeugten, wie Mia fand einen wunderschönen Ton, es schien so als würde der Wind mit ihr reden.
„Verweile doch, Moment, verweile “ flüsterte sie leise in den Wind hinein.
Doch ihr Wunsch fand kein Gehör, nicht mal eine Minute verging bis die angenehme Ruhe ein jähes Ende fand. „Bei so einem Wind sollte man sich lieber nicht zu lange an Deck aufhalten, man könnte sich erkälten“ sagte eine Stimme, die Mia nur sehr selten zu hören bekam.
Lirav stand hinter ihr, obwohl er in einen dicken Mantel gehüllt war schien er zu frieren. „Danke für den Rat, aber ich denke ich kann ganz gut selbst auf mich aufpassen“ kühl antwortete sie dem Magier.
„Natürlich, wie sie meinen“, Lirav drehte sich um und ging rasch wieder unter Deck. Mia kam sich schäbig vor, hatte er es doch nur gut gemeint und sie dagegen entgegnete ihm mit einer Eiseskälte. Sie dachte daran, dem Magier unter Deck zu folgen, jedoch sträubte sie sich, diesen harmonischen Ort zu verlassen.
Mia stand noch eine Weile an der Reling des Schiffs und blickte aufs offene Meer hinaus, erst als ein paar Seemänner mit ihren Arbeiten an Deck begannen, beschloss sie, Mytho aufzusuchen und mit der Nahkampflektion zu beginnen.

Mia fand den Elfen in seiner Kabine vor, er wollte das Nahkampftraining auf dem Schiffsdeck machen, Mia stimmte zu und beide schritten hinaus auf Deck.
Das Paar suchte sich eine ruhige Ecke auf dem Schiffsdeck, als sie sehr nah am Buck des Schiffes einen geeigneten Platz fanden, der genug Raum zum Training bot, zog Mytho zwei kleine Schwerter hervor und das Training konnte beginnen. „Zu Beginn ist es wichtig, dass du die richtige Schwerthaltung lernst, nur wenn du das Schwert richtig greifst kannst du es auch gut führen“ sagte er und drückte ihr eins der Schwerter in die Hand.
Das Schwert war leichter als es aussah, es war ein elbisches Schwert, Schriftzeichen ihres Volkes zierten es. Gebannt schaute Mia auf das Schwert, sie konnte nur schwerfällig die Schriftzeichen entziffern, es schienen ältere Zeichen zu sein. –Führe es in Ehre, jedoch sei dir bewusst, wer ein Schwert führt sollte entscheiden können, was recht und unrecht ist- so oder so ähnlich stand es auf dem Schwert geschrieben. Mia war zu vertieft in den Schriftzeichen um zu bemerken, dass Mytho sich hinter sie gestellt hatte und nun ihre Hände fest hielt. Die Zauberin drehte ihren Kopf überrascht zu dem Elfen hin um, ihre beiden Köpfe waren sehr nah beieinander und dies schien den Elfen zu beunruhigen. Schnell drückte er ihre Hände auf den Griff des Schwertes etwas fester und verschob sie ein wenig. „Du musst dieses Schwert immer mit zwei Händen führen, dabei greift deine rechte oben und die linke Hand unten am Griff“ bei seinen Worten drückte er ihre Hände noch fester an den Knauf des Schwertes. Erst als die Handstellung perfekt schien, lies er von ihr ab. „Nun versuche doch bitte ein paar Hiebe gegen mein Schwert zu führen, doch beachte immer die Griffhaltung“. Mytho erhob sein Schwert und forderte Mia mit einem Wink zu einem Hieb heraus. Die Frau zögerte nicht lange und mit einem Schwung krachte ihr Schwert gegen das des Elfen. Mia konnte die Wucht des klirrenden Aufpralls nicht abfedern und ihr Schwert glitt ihr aus der Hand und bohrte sich mit einem krachen in die Schiffsplanke. Mit einem leisen, genervten Murren zog Mytho das Schwert aus dem Holz und drückte es ihr abermals in die Hand. „Versuche das nächste mal, den Schwung auszugleichen, indem du deinen Körper mit dem Schwert im Einklang bewegst“. Mia versuchte sofort den Rat umzusetzen und führte erneut einen Streich gegen den Elfen, diesmal entglitt ihr das Schwert nicht und sie konnte sich ein Erfolgsgrinsen nicht verkneifen. Mit einem Nicken unterstrich er ihren Fortschritt.
Im Laufe des Mittags und des folgenden Abend machte Mia zunehmendst Fortschritte, am Abend konnte sie sogar schon ein paar Angriffszüge führen und auch ein paar Paraden gelangen ihr. Am späten Abend hielten es beide für klug ihre Quartiere aufzusuchen und sich für den folgenden Tag auszuruhen.

Am nächsten Morgen war die See ebenso unruhig wie am Tag zuvor, der Wind hatte nicht nachgelassen, eher schien es so als würde er stärker werden.
Der starke Wind lies das Schiff hin und her schaukeln, von der tosenden See und dem starken Schwanken des Schiffes aufgeweckt, hatten sich Morius und Donovan an Deck begeben. Die beiden Männer schauten gerade angespannt auf die offene See hinaus, als plötzlich ein dumpfer Stoß das Schiff ruckartig wackeln lies. Soeben waren drei große Galeeren am Heck der Silberfeder aufgetaucht, ihre Steuermänner versuchten vergebens eine günstige Position für ein Andockmanöver neben der Silberfeder zu bekommen. Die stürmische See schlug die vier Schiffe immer wieder aneinander, erst als Morius den Befehl für die Fahrtverlangsamung aussprach, konnten die drei Galeeren neben der Silberfeder andocken. Die dumpfen Schläge auf ihr Schiff, hatte auch den Rest der Gruppe aus ihren Kabinen an Deck geloggt. Eher müde als wach standen Mia, Mytho, Halvar, Markus und Lirav neben dem großen Hauptmast und schauten verträumt auf das, was sich gerade vor ihnen abspielte.
Morius stand dicht an die Reling gelehnt und gestikulierte wild mit den Seemännern, die von der großen Galeere, die jetzt direkt neben der Silberfeder lag, verdutzt rüber schauten. „Was ist hier los, wieso fahren wir nicht weiter?“ fragte Markus in die Runde. „Wir können nicht weiter fahren, drei Galeeren haben uns gestoppt. Sie sagen wir haben Regeln verletzt oder so!“ schrie Donovan zu der Gruppe um Markus hinüber.
In der Gruppe um Markus und Mia entstand ein willkürliches Gebrabbel.
Abseits davon hatte sich Morius mit den Seemännern irgendwie verständlich gemacht und darauf beharrt, dass ihr Kaptain doch nun mal auftauchen sollte. Es dauerte nicht lange, bis der Kaptain der Galeere vor dem Zwergen auftauchte. Ein Mann in einer schicken weißen Uniform hatte sich mit zwei Seemännern auf die Silberfeder begeben. Ein großes, goldenes Schwert schaukelte am Gürtel des Kaptain, ein Hut mit Federnbüscheln hatte Platzt auf dem runden Kopf des Mannes gefunden und sein kleiner, brauner Schnauzbart kräuselte sich im Wind. „Guten Tag, ich bin Leutnant Farense, Oberst der unabhängigen Königlichen Flotte“ sagte der Mann mit mürrischer Stimme. „Guten Tag. Ich bin Morius, Käptain der Silberfeder und Mitglied der Gruppe, die die Welt retten wird“. „Grhm“ er räusperte sich“ ..ach so sie werden die Welt retten... ähm vor wem denn?“ die beiden Seemännern, die den Leutnant begleitet hatten kicherten leise. „Vielleicht ja auch vor ihnen, Leutnant!“ das Kichern stoppte abrupt nach Morius Worten.
Mia, die sich nun näher an die vier Personen gestellt hatte, bekam jedes gesprochene Wort mit und reagierte sofort. Noch bevor Morius seine Kontenance verlieren konnte schritt die Frau an seine Seite und legte ihre Hand auf seine Schulter. „Was der Käptain eigentlich sagen möchte ist, dass wir so schnell wie möglich nach Britain müssen um dort Jemanden zu treffen“ bei ihren Worten sah sie im Augenwinkel den Blick des Zwergen, es war ein bitter böser Blick. Mia konzentrierte sich nicht auf den Zwergen, sie wollte eine Schlacht verhindern und mit ein bisschen weiblichen Geschick, könnte dies funktionieren. Der Leutnant musterte die Frau, die sich soeben einmischte, argwöhnisch, doch im gefiel was er sah. „Wer sind sie denn?“ fragte er obwohl im die Antwort nicht viel bedeutete. „Ich bin Mia, Zauberin des Hohen Rats von Moonglow und ebenfalls Mitglied dieser Gruppe“ antwortete sie. „Nett, sehr nett“, ein gierige Blick des Leutnants fiel auf die Frau. „Wir könnten vielleicht eine Übereinkunft treffen, die uns beiden gefallen könnte!“ sagte er mit lüsterner Stimme.
Morius Kopf lief rot an vor Zorn, doch bevor er dem Mann an die Gurgel gehen konnte hielt ihn Mytho, der gerade ebenfalls die Gruppe verlassen hatte und nun an der Seite des Zwergen stand, zurück.
„So eine Übereinkunft sollten wir aber nicht hier aushandeln, wie wäre es wenn wir uns ein gemütliches Plätzen auf ihrem Schiff suchen würden?“ ihre Worte ließen seine Augen größer werden und seine Gedanken spielten die schönsten Phantasien ab. Mit einer wilden, Undeutsamen Geste machte er seinen Seemännern klar, dass sie die Beiden aufs Schiff begleiten sollten.
Mia folgte den beiden Seemännern auf die Galeere, sie hatte Morius und Mytho sowie dem Rest der Gruppe keinen Blick gewidmet. Die beiden Männer führten die Zauberin unter Deck, dort gingen sie schnurrgerade auf eine große Tür zu. Aufgestoßen erblickte Mia eine prunkvoll eingerichtete Kabine, ihre Größe war beträchtlich, sofort überkam sie der Gedanke: wie wenig Platz wohl der Rest der Mannschaft haben müsste, wenn dieser Raum doch so sehr viel Platz in Anspruch nahm.
Mia trat in die Kabine, neben ihr tauchte der Leutnant auf, er schickte die beiden Männer sofort mit eine Handbewegung weg. „Darf ich ihnen vielleicht etwas anbieten, etwas Doreen-Wein vielleicht?“ natürlich war seine Absicht nicht ganz uneigensinnig, „Wein hat schon so manche Menschen gefügig gemacht!“ dachte er schmunzelnd. Doch konnte er vor lauter Lüsterei und Gafferei nicht erkennen, dass er schon längst in der Falle der Zauberin saß. „Ah, Doreen-Wein, so einen edlen Tropfen hat nicht jeder. Ich hätte sehr gerne was von diesem Wein“. Hastig schritt Farense zu einem kleinen Tisch, auf dem einige Weine und Gläser standen. Unbeholfen kippte er zwei Gläser voll, er verschippte fast die Hälfte des Glases, als er es ihr reichte. Mia wischte über den Rand des Glases um fallenden Tropfen vorzubeugen. Die Zauberin verfolge ihr Ziel sehr gewissenhaft, genau bemerkte sie die Blicke des Leutnants und seine ansteigende Erregtheit.
Um die Sache zu beschleunigen, glitt sie langsam zu dem Mann hin, sehr nah stand sie ihm jetzt gegenüber. Ein sanftes Streicheln ihrer Hand über seinen Oberkörper lies ihren Plan zur Vollendung kommen. Der Mann stand jetzt kurz vor der Erektion, er versuchte stümperhaft seine Hände auf ihre Wangen zu legen, dabei hätte er ihr fast mit seinem Daumen ein Auge ausgestochen. „Sag mir, was hat mein Team verbrochen, dass es jetzt nicht weiter fahren kann?“ hauchte sie dem Leutnant fragend ins Ohr.
„Oh...euer Schiff darf die Seegrenze zu Britain nicht überqueren...,dass ist verboten!“ stammelte er. „Für uns kannst du doch eine Ausnahme machen, es werden bestimmt noch mehr Schiffe kommen, die du aufhalten kannst“. Sie hatte sich ihres Mantels entledigt, nun war ihr markeloser Körper nur noch von einem dunkelroten, leichten Nachtkleid umhüllt.
Ein leichter Sabberfluss hatte sich bei Farense gebildet, seine Augen zogen die Frau imaginär aus. Mia hatte genug, als der Mann sie nun zu begrabbeln versuchte:“ Es reicht, wenn du es so willst....“Crucio“.
Der Leutnant stoppte abrupt in seiner Bewegung, er stand jetzt wie versteinert vor der Zauberin, sein Blick war glasig und leer.
„Nun, höre mir gut zu! Du wirst die Silberfeder ziehen lassen, du wirst sie nicht verfolgen und du wirst sagen, wir sind zu eine Übereinkunft gekommen, klar!“ ihre Stimme halte in der Kabine. Der Mann nickte und ging aus der Kabine, Mia ließ er zurück. Die Zauberin warf sich ihren Mantel wieder um und folgte dem Mann aus der Kabine.
An Deck hörte sie noch, wie Leutnant Farense einige Befehle rief und wieder unter Deck verschwand. Mia hingegen schritt schnellen Schrittes auf die Silberfeder zu und mit einem Satz war sie wieder an Deck der Silberfeder.
„Wie können weiter, ich habe die Sache geregelt!“ sagte sie zu dem verdutz guckenden Morius und verschwand unter Deck.
Es dauerte ein bisschen bis Morius handelte, er rief seiner Mannschaft den Befehl zur Weiterfahrt zu um dann schnellen Schrittes der Zauberin zu folgen. Er konnte Mia noch abfangen, bevor sie ihre Kabinentür schließen konnte. „Was ist dort drüben passiert?“ sagte er laut. Mia schaute als würde sie seine Worte nicht verstehen. „Ich habe eine Übereinkunft getroffen, das war alles!“ erwidere sie lässig.
„WIE SAH DIE AUS!“ die Stimme des Zwergen wurde noch lauter. „Das ist jetzt nicht wichtig, wir können weiterfahren ohne ein Blutvergießen. Und nun lass bitte die Tür los, ich möchte mich umziehen und mich frisch machen“ ihre Stimme war so gelassen wie zuvor, sie musste den Zwergen im Dunkel lassen, obwohl es ihr nicht gefiel, aber sie musste es. Mit einem leisen Klick schloss sich die Kabinentür vor Morius Nase. Ihr war bewusst, was sie soeben getan hatte. Ein verbotener Zauberspruch hatte ihre Lippen verlassen, nie zuvor verspürte sie stärkere Angst, man würde sie zur Rechenschaft ziehen, es ist verboten die Gedanken anderer mutwillig zu manipulieren.
Sauer stampfte er wieder an Deck, der erste auf den Morius traf war Mytho. Der Elf hatte natürlich mit seinen guten Ohren jedes Wort mitbekommen, die Morius und Mia gewechselten hatten. „Sie wird uns bestimmt noch erzählen, was dort drüben passiert ist!“ sagte Mytho zu dem vorbeigehenden Morius. „Mich interessiert es nicht die Bohne, was sie dort drüben getan hat, die Hauptsache ist, wir können weiter“ der Elf bemerkte sofort, dass der Zwerg tief gekränkt war.

Die Silberfeder hatte sich wieder von den drei Galeeren getrennt und war wieder auf dem Weg nach Britain. Eine Tag sollte noch vergehen bis das Schiff und die Gruppe der sieben Helden das Festland erreichen sollte.
Britain war nun sehr nah, näher als es zuvor war....

Verfasst: 2. Aug 2005, 22:45
von Onkel Geri
Kapitel Siebzehn (XVII)

Kätzchen und anderes Getier

"Ich vermisse dich- so sehr. Wärst du doch nur hier, bei mir und würdest
mich in deine Arme nehmen."
"Was?" entfuhr es dem Zwergen Kapitän, der sich unbemerkt Mia genähert
hatte, die am Bug stand und in den tiefen Nebel Löcher hinein starrte.
Die Zauberin entgegnete Morius nur beiläufig mit einem neutralen "Hm?" und
tat so als ob weder sie noch der Zwerg etwas gesagt hätten. Schon lange
kannten sich die beiden und wussten so einiges über den anderen. Morius
konnte nur vermuten dass Mia an ihre erste große Liebe dachte. Vor einigen
Jahren, Mia und Morius waren mit einigen Kriegern daran die Überlebenden
einer überfallenen Insel vor Cove zu retten, trafen sie auf einen scheinbar
unwichtigen Mann der ihnen jedoch das Leben retten sollte. Dieser Mann hieß
Kraîmag und war eine einzigartige Erscheinung, ihm konnte Magie nichts
anhaben. Er war quasi für Magier unsichtbar und eine längere Berührung
konnte einen Zauberer für alle Zeit die Lebenskerze auslöschen. Nach der
erfolgreichen Rettung der Überlebenden und der Flucht, schloss sich der
Antimagier einige Zeit der kleinen Gruppe an. Mia und er verliebten sich in
einander und mussten doch schlussendlich feststellen dass dies ein Ding der
Unmöglichkeit war. Niemals würden sie ihrer Liebe ganz nachgeben können,
brannte doch jeder Kuss, jede Berührung und ließ unendliche Schmerzen bei der jungen Magierin frei. Nach einigen Monaten entschloss sich Kraîmag dazu
weiter zu ziehen und sein Glück woanders zu finden. So schmerzhaft der
Abschied auch gewesen sein muss und so sehr beide doch darauf beharrten dass man eben doch nicht ganz zu einander passen würde, so sehr sah der Zwerg es auch beiden an dass bei weitem die Flammen der Liebe in ihren Herzen noch nicht erloschen waren.
Der durchdringende Ton eines Nebelhorns ließ den Kapitän aus seinen Gedanken aufwachen. Ehe er sich umdrehte und auf die Brücke ging um Mia allein mit ihren Tagträumen zu lassen, pfiff er noch kess in den Nebel und fuhr diesen rau an: "Tja alter Freund, hast du uns doch nicht davon abhalten können Britain zu erreichen, was?"

Zwischenspiel

Umschlossen von der vollkommenen Schwärze der Dunkelheit, schwebte in mitten eines gleißenden Lichtstrahls eine kleine gläserne Kugel.
Ein kurzer Blitz durchzog das durchsichtige Gebilde und zeigte daraufhin das Gesicht eines Mannes im mittleren Alter mit unzähligen Narben auf der Stirn und den Wangen, was darauf vermuten ließ dass er wohl schon einige Kämpfe in seinem Leben erlebt und überlebt hatte, was nur für ihn sprach.
Leicht verzögert hallte eine raue Stimme in der Schwärze als das Gesicht in
der Kugel seinen Mund öffnete.
"Herr, mein Späher meldet dass sich die Silberfeder dem Hafen von Britain
nähert. Gegen Abend müsste sie den Nebel den ihr, Herr, schufet durchquert
haben. Was befiehlt ihr nun?"
Der Krieger zuckte, nachdem er seinen Satz beendete, nervös mit seinen
Nasenflügeln und schien sich keineswegs sicher zu fühlen.
Thomass saß auf einem schäbigen Holzschemel in einem schäbigen vermoderten
Raum in einem Haus dessen Zustand so schlimm war dass selbst die Ratten sich dort nicht aufhielten aus Angst vom Morschen Gehölz begraben zu werden. Um sich ein wenig Sicherheit zu geben, hielt der Söldner mit beiden Händen den Griff seines Schwertes fest und drückte dieses gegen den harten Brustpanzer aus Leder. Wäre das Holz des Raumes nicht schon schimmlig schwarz gefärbt, würde er wahrscheinlich mit dem ehemals braunen Hintergrund aufgrund seiner braunen Lederrüstung zu einer Einheit verschmelzen. Einzig der unbeharrte Kopf und seine fast bleiche Haut würden sich unwiderlich erkennbar davon abtrennen. Aber der Anführer der kleinen Söldnerbande, den alle einfach nur Thomass nannten- wieso dass weiß keiner so genau, aber man munkelt er hätte sich den Namen selbst gegeben, besaß doch genügend Erfahrung seiner Angst nicht die Kontrolle über sein Handeln zu geben. Weniger fürchtete er dass ihn die knarzenden Holzbalken erschlagen würden, mehr hingegen den, oder besser "das", mit welchem er gerade über eine magische Glaskugel sprach.
Gerade als das Schweigen und die Stille welche die ausbleibende Antwort mit
sich brachte Thomass ohnehin angespanntes Nervenkostüm beinahe zum Platzen
gebracht hätte, bekam er seine Aufgaben. Eisig überzog eine Gänsehaut seinen Rücken als die trockene Stimme erhallte die selbst einem Tauben Angst eingejagt hätte.
"Den Nebel...durchqueren...nicht werden sei das....nur ihr Schiff
allein...ihr wisst was zu tun ist...versagt ihr finde ich andere
Wege....ohne euch."
Mit der Stimme schwamm eine Boshaftigkeit in die Ohren von Thomass, so dass
sich kleine Schweißperlen auf seiner Glatze bildeten die im fahlen Schein
einer Kerze, die in irgendeiner Ecke des sonst leeren Raumes stand,
aufblitzten. "Jawohl Herr, wie ihr befiehlt. Seid gewiss dass wir nicht
versagen werden," entgegnete er seinem Auftraggeber.
Dieser Quittierte diese als Antwort mit einem röchelnden Gelächter, ehe die
Schwärze in der Kugel verblasste und sie wieder durchsichtig wurde. Leicht
zittrig lockerte der Anführer den Griff um sein Schwert und zog ein
fleckiges Stofftuch aus einer kleinen Tasche um sich den Schweiß vom Kopf zu wischen. Gerade für einen weiteren Atemzug verweilte er noch auf seinem
Platz und stand in einer schnellen Bewegung auf und stieß die Tür des Zimmers auf um in ein weiteres zu gehen in welchem "seine Leute" auf ihn warteten. Allesamt trugen sie lederne Masken über ihren Gesichter die farblich zu den gräulichen Lederrüstungen passten. Von der Statur her sahen die sechs weiteren Söldner Thomass sehr ähnlich: groß gewachsen, etwa 1 Fuß 80,makelloser Körperbau und ein gefühlsloser bohrender Blick der durch die zwei Löcher in den Masken starrte. Bewaffnet war der kleine Trupp ebenso wie Thomass mit Schwertern und kleinen Armbrüsten bewaffnet- bis auf einen von ihnen bei welchem der Lederschutz an den Armen fehlte und welcher einen
riesigen Morgenstern führte den er lässig über seine Schulter baumeln ließ.
Er war der zweite Mann nach Thomass und hieß auch so. "Zwei". Als sich der
Trupp zusammengerauft hatte gab man sich einfach Nummern. "Zwei" fragte
Thomass respektvoll nach ihrer Aufgabe.
"Wird nicht leicht werden, sollen die Mannschaft eines Schiffes dass draußen im Nebel liegt töten. Sie haben eine Magierin bei sich. Zwei- du und Drei und Vier bildet eine Gruppe, Fünf und Sechs kommen mit mir. Auf auf- kalt ist die Nacht für die Söldner!" brüllte der Anführer laut entschlossen die letzten Worte und versuchte damit von seiner eigenen Nervosität ab zu lenken. "KALT IST DIE NACHT!" fielen die anderen im Chor brüllend mit ein, ehe sie sich dicke Roben überzogen und einer nach dem anderen das Haus verließen.

Leise und ruhig glitt das große silberne Schiff durch das Wasser und den
Nebel. Der fehlende Wind hatte dem Schiff rasch an Fahrt genommen als es in
die unausweichliche Nebelbank einfuhr. Hoch über dem Nebel könnte man die
leuchtende Sichel des Mondes sehen wie er langsam abnahm und in einigen
Tagen komplett verschwunden sein würde. Auch auf dem Schiff war es zur Ruhe
gekommen, nur einige wenige Matrosen hielten an Deck Wache sowie der erste
Steuermann der mit dem Schlaf rang und sich immer wieder einen Schlag in den Nacken verpasste um nicht ein zu schlafen. Keiner bemerkte wie sich bei
leisem Plätschern das kleine Boot von Steuerbord her dem Ozeanriesen
näherte. Wäre der Steuermann nicht so müde gewesen, wäre ihm vielleicht
aufgefallen dass ein Lichtlein nach dem anderen auf Deck verschwand und mit
ihm je ein Matrose über Bord ging. Nur einmal wunderte er sich noch, ein
letztes mal in seinem Leben und dass war als er zu einem weiteren
Nackenschlag ausholte und ihn der Schlag traf bevor seine Hand den Nacken
berührt hatte.
Unter Deck, im großen Speisesaal, hingegen feierte das Leben. Zusammen bei
Tisch saß der erst kürzlich unter seltsamen Umständen zusammen geschaufelte
Haufen und unterhielt sich bei Speis und Trank über die kommenden Tage in
der Hauptstadt des letzten freien Menschenkönigreiches.
Mia Donovan und Markus saßen Mytho Halvar und Morius gegenüber, einzig Lirav hatte sich ein wenig abseits dazu gesellt und stocherte nachdenklich mit einem Dolch in seinem Stück Schweinekeule herum. Unter lautem Gelächter
stießen der Zwerg und der Nordmann ihre Krüge zusammen, spülten das bitter
schmeckende Gebräu der Zwerge, auch als Batok Cerva bekannt, in ihre Kehlen
und ließen die Krüge laut auf den langen hölzernen Tisch, vor dem alle auf
kleinen Bänken saßen, krachen so dass der durchaus massive Tisch wackelte
und die auf ihm stehenden Kerzen welche für eine helle Beleuchtung sorgten
bedrohlich flackerten. Morius griff nach dem nächsten kleinen Faß und musste entsetzt feststellen dass es leer war. "Heey- Lirav alter Träumer, mach dich einmal nützlich und hol uns doch noch ein kleines Faß von dem Bier ehe du dein Stück Fleisch zum zweiten mal tötest!" gröhlte der Zwerg begleitet von einem lauthalsen Lachen Halvars.
Ein wenig unsicher lächelte der junge Donovan mit, unterließ dies jedoch
sofort als ihn der harte Blick von Lirav traf. "Von mir aus, besauft euch
nur, ihr werdet ja den schweren Kopf haben." Brummelte dieser vor sich hin
und erhob sich gekünstelt langsam von seinem Stück der Bank und ging in
Richtung Tür. Seine Hand drückte die Klinge hinunter und seine hand zog die
Tür nach innen. In dem Moment wusste er dass etwas nicht stimmte und er es
mit Schmerzen bezahlen würde. Er schluckte schwer als der Kühle Stahl sein
leichtes Gewand wie Luft durchstieß und langsam schmatzend seine Haut
berührte, vorbei an Leber und Milz glitt und auf seinem Rücken wieder
austrat. Der Schmerz kam so plötzlich dass er ihn kaum wahrnahm und nur die
Wärme spürte die langsam an seinen Beinen hinunterglitt. Halvar und Morius
waren die ersten die reagierten und zu ihren Waffen griffen während sie sich zu Boden warfen, dies aber auch nur weil sie nicht wie die anderen mit dem Rücken zur Tür saßen. Mia konnte sich gerade noch rechtzeitig umdrehen um zu sehen wie ein Schwall kleiner Pfeile in ihre Richtung zischte. Instinktiv errichtete sie im zu Boden schmeißen eine schwache Manabarriere die gerade ausreichte um die Pfeile die sie treffen sollten zu kleinen Häufchen Asche zu verbrennen. Weniger flink war Donovan der sich erst Sorgen machte als er etwas gegen den Rundschild der zu seinem Glück auf seinem Rücken hing pochte und um Einlass erbat.
Thomass zog sein Schwert aus dem Mann mit dem entsetzten Blick und stieß ihn ohne weitere Beachtung zu Boden und schoß mit der kleinen Viererarmbrust sechs Pfeile auf den Mann in der grauen Robe welcher zweifellos der Magier sein musste. Schreiend ging dieser zu Boden und kroch geschwind mit drei Pfeilen im rechten Arm hinter den von Halvar umgeworfenen Tisch. "Auf den Magus!" wies der Anführer seine sich schnell im Raum verteilenden Männer an.
"Vier" lief an und sprang in die Höhe über den Tisch um dem magischen den
Gnadenstoß zu geben. Dummerweise tauchten in diesem Moment gerade ein Riese
und ein Zwerg hinter dem Tisch auf und gaben dem Söldner den Gnadenstoß und
das gleich zweimal. Krackend zerfetzten die beiden blitzenden Äxte den Leib
des Kriegers in drei ungleiche Teile und bliesen ihm das Lebenslicht aus.
Der zweite Söldner der sich dem vermeidlichen Magier annehmen wollte
erkannte dass ihm Fortuna anscheinend nicht hold sein würde und versuchte
auf der Stelle kehrt zu machen, kam dabei ins Straucheln und rutschte auf
einem am Boden liegenden Kelch aus. Der dumpfe Aufschlag seines Kopfes auf
dem Boden raubte ihm für einige Augenblicke die Sicht. Als die kleinen
krisselnden Sterne sich den Platz mit der Schwärze tauschten sah er gerade
noch zwei spitze Ohren und eine noch spitzere Klinge die sich rasend schnell näherte. Mytho war wie immer froh ein Elf zu sein und konnte gerade noch rechtzeitig den herannahenden Pfeilen mit einem geschickten Sprung hinter einige Fässer entkommen. Alles übernehmende Wut trat in "Zwei" auf als er seinen Kameraden mit durchtrennter Kehle am Boden liegen sah und begann seinen Morgenstern zu schwingen. Sein Gegner schien noch nicht sehr erfahren zu sein und so büßte er bei "Zweis" erstem Schlag die Waffe ein. Eine zweite Umdrehung des Stachelbesetzten Sternes an der Schmiedeeisernen Kette ließ den Schild zerbersten und die dritte Umdrehung traf dann auch.
Laut aufschreiend wurde Donovan von der Wucht des Aufschlages gegen die Wand geschleudert. Entsetzt spürte er wie sich einige Glieder seines eisernen Schuppenpanzerhemdes gelöst hatten oder in seiner schmerzenden Brust steckten. Bewusstlos ging er zu Boden und ließ seinen Kopf schlaff zur Seite hängen. Das laute Lachend von "Zwei" bekam er nicht mehr mit. Gerade als er zum letzten Schlag auf den Kopf seines Opfers ausholen wollte, sah er in den Augenwinkeln wie "Drei" urplötzlich zu einer lebenden Fackel mutierte und kreischend vor Schmerzen begann sich auf dem Boden zu wälzen, jedoch ohne größere Resultate. Hoffnungslos gab er den Kampf gegen die verschlingenden Feuerzungen auf und hauchte sein Leben mit der aufsteigenden Rauchwolke aus verbranntem Fleisch aus.

Tatenlos musste Mia von ihrer Position neben der umgekippten Bank mit
ansehen wie Donovan schwer an der Brust getroffen wurde und zu Boden ging.
Breitbeinig stellte sich das Kugelschwingende Monstrum von einem Menschen
über Donovan und ließ lachend den Morgenstern um seinen Kopf schwingen um zu einem Schlag aus zu holen. Mia wusste dass selbst sie den jungen Krieger
nicht mehr retten können würde wenn erst sein Kopf einer von einer Kutsche
überfahrenen Kürbis glich. So schnell wie es ging sammelte Mia genügend Mana und ging in die Hocke um einen Zauber wirken zu lassen den sie selbst
entwickelt hatte. Zufrieden spürte sie wie sich das Mana zu einem
kribbelnden Band fasste und erste Feuerzungen aus ihren Handflächen
spritzten. Gerade noch rechtzeitig konnte sie sehen wie sich einer der
maskierten Söldner auf sie stürzen wollte. Schnell stieß sie sich zur Seite
ab und ließ während ihres kurzen Fluges den Zauber los. "In Flam Por!"
hauchte Mia und zischend flossen die Feuerzungen aus ihren Händen heraus wie ein Wind auf den Angreifer hinzu, schlängelten sich um seine Beine,
umhüllten ihn komplett und ließen erst das Leder verpuffen und brachten dann sein Schwert zum glühen. Fast schon tat der Mann ihr leid als sie ihn
schreien hörte und sah wie er verzweifelt versuchte dass sich in seine
Handschuhe fressende Metall von sich zu schütteln. Aber er hat nichts
besseres verdient als den Tod, schließlich wollte er auch den unseren,
schoss es Mia durch den Kopf.

Verwirrt von dem brennenden Bündel aus ehemals lebendem Gewebe wehrte "Zwei" nur durch puren Zufall die erste heranfliegende Axt ab. Funken sprühend prallte sie von dem Morgenstern ab. Adrenalin wurde durch den Körper des Söldners gepumpt als ihm bewusst wurde dass sie diesen Kampf verloren hatten. Noch versuchte er sich zu ducken als die nächsten zwei Äxte heranflogen. Die eine streifte nur seine rechte Flanke während er zur Seite sprang. "Zwei" landete hinter einem großen Fass und griff mit seiner rechten Hand zu der Wunde an seiner Seite als er bemerkte dass die Hand nicht mehr an ihrem rechten Platz war. Ein schneller Blick an seinen letzten Standpunkt ließ ihn sehen was ihm wie ein Albtraum vorkam. Seine Hand lag, immer noch den Griff des Morgensternes fest umschlossen, in einer sich ausbreitenden Pfütze aus rotem Blut. Seinem Blut. Der große Verlust des lebensnotwenigen Saftes ließ ihn nur noch am Rande mitbekommen wie das Fass vor ihm zu kleinen Stücken zerbarst und sich der klebrige Inhalt aus gesalzenem Fisch sich über ihm ergoss. "Fahr zu Morgoth du Wurm!" hörte er eine raue Stimme die einem der drei nur noch schleierhaft vor seinem Auge tanzenden Gestalten.

Thomass schoss noch einmal seine Armbrust ab in der Hoffnung wenigstens
einen der Mörder von "Zwei" mit ihm zu schicken. Doch scheinbar waren ihm
die Götter nicht hold, alle drei sprangen rechtzeitig zur Seite so dass die
Pfeile den ohnehin schon toten Kameraden in die Brust trafen und ihn nun wie eine ausgequetschte und mit Nelken besetzte Orange zur Winterzeit aussehen ließen. Winter. Draußen hielt er bereits Einzug in das Land, der Anführer einer nicht mehr existierenden Gruppe fragte sich ob er den Winter noch erleben würde. Doch in diesem Augenblick konnte er sich keineswegs dem
Gedanken hingeben zu sterben, egal wie hoffnungslos die Lage war. Auf dem
Stiefelabsatz machte er kehrt um durch die Tür zu flüchten. Er rannte in die Finsternis des dahinter liegenden Ganges und merkte wie etwas
unwahrscheinlich schweres ihn von der Seite traf und etwas Krallenartiges
sich knirschend durch das Leder tief in seine Eingeweide grub.
Augenblicklich ließ er sein Schwert fallen und versuchte den unsichtbaren
Gegner mit seiner Armbrust zu treffen. Schreiend quittierte er die Belohnung für diesen halbherzigen Versuch indem ihm seine Hand zu einem roten Stummel zerfetzt wurde. Laut pochte Thomass Herz und versuchte den Blutverlust, ohne Erfolg, aus zu gleichen. In Lethargie verfallen nahm der Krieger es einfach zur Kenntnis dass ihn irgendetwas in den Nacken biss, obgleich so zärtlich dass ihm sein Kopf nicht abgetrennt wurde, und wieder zurück in den hellen Raum des Kampfes zog.

"Ihm nach!" rief Mia den anderen zu, als sie sah wie der letzte Söldner aus
dem Speisesaal eilte. Rechtzeitig stoppten sie alle vier vor der Tür als sie erschreckt sahen wie ein riesiger Panther mit einem Fell schwarz wie die Nacht den Söldner im Nacken gepackt hatte und in den Raum schliff. Zitternd und mit dem Tode bereits ringend versuchte der Mann sich seine scheinbar von dem Raubtier zerfetzte Hand zu halten, doch das Blut fand trotzdem seinen
Weg hinaus und nahm mit jedem Tropfen ein Stück Lebensenergie mit. Unsicher
und verängstigt hoben die drei Krieger ihre Waffen, bereit die Katze in eine warme Mahlzeit zu verarbeiten falls sie die falsche Bewegung machen würde. Langsam umringte das Raubtier seine Beute, bleckte die scharfen Eckzähne den Zuschauern entgegen und fauchte heiser. Mit einem Ruck blieb der Panther stehen und funkelte Mia mit seinen gelben Katzenaugen an. Was dann geschah konnte keiner so recht fassen. Vor ihren Augen bäumte sich das Tier auf. Langsam schwand das schwarze Fell so als ob es in der darunter freiwerden Haut versank. Die breiten Schultern verkleinerten sich, der lange buschige Schwanz zog sich zusammen und nach einigen Augenblicken hockte erst, dann stand er vor ihnen. Eine sich gerade verschließende Wunde auf dem Bauch und vollkommen nackt - Lirav.
Fassungslos schluckte Halvar schwer- "Was soll das?!"
"Er ist ein Bagheera, ein Werpanther. Das sind, mein guter Freund, Wesen
halb Mensch halb Tier. Sie sind erstaunlich schnell und verfügen über
wahrhaftig wundersame Heilkräfte und sind mächtige Gegner. Aber sagt, Lirav, weshalb wusstet ihr denn nicht vorher dass uns diese Männer angreifen würden, oder warntet ihr uns absichtlich nicht?" erklärte Mytho dem Nordmann und wandte sich bei seinem letzten Satz mit schrägem Kopf dem nackten Lirav zu.
"Pah," entfuhr es diesem, "Wegen eures Lärms und dem überlagernden Geruch
des Biers konnte ich diesen Abschaum nicht orten. Und nun starrt mich nicht
so an und gebt mir etwas an zu ziehen, wir sind in der Gegenwart einer Dame
ihr.." weiter kam Lirav nicht mehr da Mia ihm schmunzelnd ihr Cape
zugeworfen hatte, welches es auffing und mit einem Nicken als Dank um seine
Lenden wickelte. Mia wurde ein wenig rot als sie bemerkte dass es ihm
aufgefallen war dass sie die ganze Zeit auf sein bestes Stück gestarrt
hatte. Sie konnte es sich nicht nehmen lassen selbst Vermutungen auf zu
stellen was wohl aus dem buschigen Raubtierschwanz geworden war.
Zurück in die Gegenwart wurde sie durch das Röcheln des Sterbenden Thomass
gebracht.
"Ihr...wir werden alle-...tot...sterben, er kommt....wird kommen...*äkch*
huuhuh..." brachte der bereits im Delirium stehende Söldner hervor. Mytho
formte seine Lippen gerade zu einem "Wer..?" als zuckende Blitze aus den
Augen des Söldners hervortraten und alle schützend die Hände vor ihr Gesicht schlugen um nicht blind zu werden. Nach einem Atemzug wich das Leuchten und als die Gruppe ihre Hände vom Gesicht nahm, war der Mann vor ihnen tot. Er sah aus wie eine Statue aus Stein. "Stopp- nicht!" versuchte Mia den voreiligen Zwerg zu warnen als dieser den Leichnahm berührte. Erschrocken, jedoch einen Augenblick zu spät, zuckte Morius mit seinem Finger zurück, doch die kurze Berührung ließ das Bild des Söldners Risse bekommen und die Leiche zu einem Haufen Asche zusammen sacken. Unwohl registrierte die Zauberin das unangenehme kribbeln auf ihrer Haut, ein eindeutiges Zeichen dafür dass irgendjemand sehr mächtiges einen starken Zauber gewirkt haben musste, obgleich er dafür nicht in der Nähe gewesen sein musste. "Aber wieso hat er dann Söldner geschickt um uns zu töten?" murmelte Mia vor sich hin.
"Hee- haben wir es bald? Kann mir einmal jemand helfen?" die laute Stimme
von Markus ließ alle aus ihren Gedanken auffahren und zu ihm blicken.
Anscheinend hatte er die Zeit des Kampfes dafür genutzt seine eigenen Wunden zu heilen und war gerade dabei die letzten Splitter des Schuppenhemdes aus dem immer noch bewusstlosen Donovan zu ziehen. "Schon fertig, brauchst nicht mehr helfen Mia, schone deine Kräfte lieber. Aber du kannst mir beim Tragen helfen Halvar." Sprudelte es nur so aus dem Heiler hervor. Er hatte wahrlich ganze Arbeit geleistet. Von Morius war bereits nichts mehr zu sehen, er hatte sich schleunigst davon geeilt und nach seiner Mannschaft gesehen. Mia selbst brauchte frische Luft. Als sie dass Deck betrat konnte sie sich gerade noch an einem herunterhängenden Seil festhalten. Erst jetzt bemerkte sie, als ihr die Beine nachgaben, dass sie klitschnass geschwitzt war. Ihr kleines Herz pochte schnell wie ein Reh auf der Flucht vor einem Jäger.
Kleine Sternchen kamen in ihrem Sichtfeld auf. Sie merkte wie ihre Hände
langsam von dem rauen Seil glitten und sie einer Ohnmacht nahe war. Kurz
bevor sie die Besinnung verlor erhaschte sie ein kühler Luftzug der sie
wegen der feuchten Kleidung zittern ließ, ihr die Frische aber auch die
Kraft und die Sinne zurückbrachte. Wieder kribbelte ihre Haut, dieses mal
schien der Zauber den irgendjemand anderes mächtiges wirken ließ jedoch
guter Natur zu sein. Einen Blick in den Astralraum wagte sie in ihrer leicht angeschlagenen Situation nicht. Ich schlafe zu wenig. Kam es ihr in den Sinn. Flatternd bekamen die Segel wieder Wind und in kürzester Zeit war der Nebel wie weggeblasen und gab die Sicht auf einen wunderhaft schönen Anblick frei. Einige Meilen vor ihnen hatte der Nebel Britain freigelegt. Die Stadt funkelte wie ein Diamant im Sonnenlicht umgeben von tiefster Dunkelheit. Mit dem aufgekommenen Wind näherte sich die Stadt schnell und Mia brachte vor lauter Staunen, immer noch am rauen Seil festhaltend, nur leise ein "Oh wie wunderschön.." hervor.

Hinter ihrem Rücken wechselten gerade der Mond und die aufkommende Sonne
ihre Plätze und ließen die goldenen Spitzen der Königsburg wie Kerzendochte
aufflammen.
"Oh wie wunderschön."

Verfasst: 3. Aug 2005, 12:34
von Onkel Geri
Kapitel Achtzehn (XIIX)

Verwirrungen in Britain

Sanft glitt die Silberfeder mit der Morgenröte der aufgehenden Sonne in den Hafen von Britain.
Der Duft von Kakao, Tee und Rosmarin lag in der Luft, hektisch arbeiten Seeleute an Verladung und Verschiffung. So unberührt von den tobenden Kriegen warte der Alltag in Britain, das rötliche und frische Morgenlicht malte die Stadt der Geborgenheit und Gelassenheit.
Verführerisch war jener Morgen, unbelastet und frei waren die Gedanken der sieben Helden. Jedoch sollten an jenem Morgen Beziehungen verändert, Schicksale geschmiedet und Leben auf immer verändert werden.

„Unbeschreiblich“
„Unglaublich“
„Bezaubernd“
„Träumer, verliert eure Gedanken nicht in Unwichtigem“ ernüchterte Morius, seine Freunde Mytho und Halvar.
Die drei Standen am Buck der Silberfeder, sie ließen sich von der Pracht der Stadt und ihrer Königsburg berauschen.
Auch wenn Morius es nicht zugab, diese Stadt war das wunderschönste was er je gesehen hatte. Jedoch musste und wollte er seine Rolle als Anführer weiter konsequent ausfüllen und seine Freunde wachrütteln.
Lirav und Mia hatten sich in ihre Quartiere zurückgezogen um sich auf die Ankunft vorzubereiten. Markus war noch mit Donovan und seinen Wunden beschäftigt.
Mit einem leichten Stoß legte die Silberfeder, an einem der etlichen Stege von Britains Hafen an. Jetzt tauchten auch Lirav, Mia, Donovan und Markus an Deck auf. Auch sie staunten über den Anblick solcher Schönheit, doch auch ihnen lies Morius keine Chance. „Last uns kurz, bevor wir die Stadt betreten, ein paar Aufgaben verteilen. Wir benötigen unbedingt Vorräte und frisches Wasser, zudem müsste ich zusätzliches Personal anheuern“.
„Ich müsste auch noch etwas anderes besorgen, mir ist das Verbandszeug und die Salben ausgegangen“ warf Markus ein.
„Auch ich hätte was persönliches zu erledigen“ alle schauten fragend auf die Zauberin. „Hmm...dann...werden Markus und Donovan das Verbandszeug und die Salben besorgen, Mia geht ihren eigenen Weg und Mytho, Halvar und Ich werden neue Vorräte und frisches Wasser sowie neues Personal besorgen“ verteilte der Zwerg die Aufgaben. Rasch nach Morius Worten verließen alle außer Lirav, der sich keiner Aufgabe zuteilen lies, das Schiff.
Mia trennte sich schnell von ihren Freunden, ein schwerer Weg lag vor ihr.
Hier in Britain, musste sie sich nun einer Aufgabe stellen, die zu den schwersten zählen sollte, die sie je angegangen war.
Ihr Weg sollte sie zum Zauberrat von Britain führen, hier musste sie sich ihrer Tat verantworten, der Tat, die sie eins auf dem Schiff des Kaiptain Farense überkam.
Besonders schwer fiel ihr jeder Schritt an jenem Morgen, wie als würde sie ihrem Ende näher und näher treten, trottete sie in Gedanken versunken durch die Gasen von Britain.

Unterdessen waren Morius, Mytho und Halvar in der großen Stadt unterwegs und suchten geignette Läden für ihr Einkäufe.
Als die drei an der Schänke „zum Dreihornkalb“ vorbei kamen, stoppten sie.
„Wir sollten dort hinein, vielleicht finden wir dort geignette Seemänner für die Silberfeder!“ sagte Morius, woraufhin Myhto und Halvar mit einem Nicken zustimmten.
Der gewöhnliche Duft von angebratenem Fleisch und Alkohol drang den dreien entgegen als sie das Haus betraten.
Die Schenke war nur spärlich beleuchtet, einige Kerzen und schwache Tischlichter beleuchteten den Raum. Die drei Gestallten, die soeben die Schenke betraten wurden sofort von etlichen Augenpaaren beobachtet.
Die unangenehme Stille, die bei der Ankunft des ungleichen Trios auftrat verflog schnell wieder in den Geräuschen der Gasthauskulisse.
Schnellen Schrittes traten Morius, Mytho und Halvar an die Theke, hinter ihr schaute ein dünner, sehr unsicher wirkender Mann die drei unsicher an.
„Was wollt ihr? ...wenn ihr Ärger wollt, seit ihr hier Falsch, die Stadtwachen sind neuerdings sehr schnell hier wenn es zu Keilereien kommt“ sagte er übermutig.
„Nein, Ärger wollen wir nicht machen. Wir suchen neue Rekruten für unser Schiff!“ antwortete Morius kühl.
„Oh...ach so...wenn das so ist, solltet ihr mit Jason, dort drüben sprechen“ der Wirt zeigte auf einen Mann, der neben dem Eingang allein an einem Tisch saß. Morius drehte sich postwendend um und ging auf den Mann zu, angekommen setzte er sich auf einen der freien Stühle am Tisch des Mannes. Überrascht schaute Jason auf als es die drei Personen sah, die sich gerade unaufgefordert an seinen Tisch setzten.
„Entschuldigen sie die Störung, der Wirt erzählte mir, sie könnten bei meiner Suche nach neuer Besatzung für mein Schiff behilflich sein!“ sprach Morius den erstaunten Mann an.
„Recht hat er...ich kann euch behilflich sein. Zufällig habe ich gerade ein paar sehr tüchtige Seemänner getroffen, die ich an euch vermitteln könnte“ antwortete Jason.
„Das hört sich gut an, wann könnte ich diese Leute treffen?“.
„Sie sind also interessiert, verehrter Zwerg. Na gut, wir treffen uns am Abend hier in der Schenke, dann werden die Seemänner auch da sein“ sagte der Mann und reichte Morius die rechte Hand. Was Morius erblickte lies ihn kurz zögern, eine lange, dicke Narbe erstreckte sich auf dem Handrücken vom Fingeransatz bis zum Handgelenk. Der Zwerg erwiderte den Handschlag zögernd. „Bis heute Abend dann“ sagte Morius zum Abschied und schritt mit seinen Begleitern aus der Schenke hinaus.

Die hübsche Zauberin stieß eine dicke, schwere Holztür auf, ihre Schritte halten in der großen, leeren Halle.
„Miss Mia, wie schön sie zu sehen. Wir haben ihre Ankunft etwas früher erwartet...aber bitte folgen sie mir doch“. Ein Diener des Zauberrates empfing Mia und brachte sie in einen Raum, der mit Ausnahme eines großen, runden Tisch ohne sonstige Möbel war.
An dem Tisch saßen sieben Männer und eine Frau, sie alle schauten gebannt auf die Zauberin als diese den Raum berat.
Mia nahm platzt auf dem letzten freien Stuhl an dem Tisch, ihr Herz schlug kräftig und schnell, sie spürte wie das Gefühl der Angst in sie führ.
„Ich spüre deine Furcht Zauberin...das ist gut, sie wird dir helfen zu verstehen was du zu lernen hast!“ ein vollbärtiger, alter Mann mit weißem Haar und müden Blick hatte die Runde des Rates begonnen.
„Ich weiß warum ich hier bin und ich weiß, dass was ich getan habe war falsch. Jedoch bitte versteht meine Lage, die Welt geht unter wenn die Gruppe, in der ich diene nicht schnellst möglich handeln kann und...“schweig“ die Frau die rechts von ihr saß unterbrach sie unsanft. Wir wollen keine Ausreden hören, du hast den Crucio-Zauber benutzt, jener Zauber ist verboten. Nur wenn eine Zauberer oder eine Zauberin in hoher Gefahr schwebt, darf der Fluch angewandt werden. Du hast ihn mutwillig und vorsätzlich ausgesprochen, das kannst du nicht leugnen!“.
Mia wurde zunehmend nervöser, ihr Herz schlug immer schneller und lauter.
„Nein ich kann nicht leugnen was geschehen ist, was ich tat geschah aber aus dem Willen heraus gutes zu tun und meiner Gruppe zu helfen. Ich müsst mich verstehen, die Aufgabe der Gruppe ist wichtig...wichtiger als alles andere“. Ihre Worte beruhten sie, sie mussten sie einfach verstehen.
„Was die Aufgabe der Gruppe betrifft, wir stimmen mit deiner Auffassung nicht überein! Die Welt durchlebt einen Wandel, dies ist normal und keinesfalls beunruhigend. Was geschehen wird...wird geschehen!“ sagte ein Mann zu ihrer linken.
„Wie können sie das annehmen, die Welt wird untergehen, dass ist mehr als nur ein...Wandel. Wie könnt ihr nur so naiv sein und denken dies wäre...“Ghrm“...wieder unterbrach sie die Frau. „Hütte deine Zunge, du magst mächtig und talentiert sein jedoch bist du noch jung und unerfahren.
Niemand spricht so mit den Hohen Rat von Britain, selbst du nicht Mia, Zauberin von Moonglow“.
„Bevor wir uns in unendlichen Diskussionen verstricken, höre nun unser Urteil. Wir haben beschlossen, dich nicht deiner Kraft zu berauben, jedoch wirst du uns dein Amulett überlassen!“ die Worte des alten Mannes kamen überraschend.
Mias Herz hatte einen Aussetzer, sie griff sich an ihren Hals und zog das Amulett heraus. Es Schimmerte leicht orange. „Mein Amulett...nein nicht mein Amulett“ dachte sie panisch. „Bitte gib uns jetzt dein Amulett“ von weit her schienen diese Worte zu kommen.
„Nein“ sagte Mia ruhig und kühl, “das werde ich nicht, ich müsstet es schon aus meinen kalten, toten Händen nehmen, wenn ihr es wollt“.
Plötzlich sprangen alle, einschließlich Mia auf.
„DAS REICHT JETZT“ donnerte es plötzlich in der Halle, sie bebte leicht.
Ein Mann in einer dunkelblauen Kutte hatte den Raum betreten, die Kapuze verdeckte sein Gesicht. „Hier wird nicht gekämpft, dieser Ort ist heilig und friedlich und das soll er auch bleiben“.
„Entschuldigen sie Meister...Entschuldigen Sie“ der Rat sprach wie aus einer Kehle zu dem Mann in der Kutte.
Der Mann drehte sich zu Mia, er schien sie zu betrachten.
„Was dich betrifft Mia, du darfst jetzt diesen Ort verlassen. Versuche dich aber ein bisschen mehr zu beherrschen, es wird dir nichts nutzen, wenn du mit dem Kopf du die Wand gehst. Fehlt dir die Tür in der Wand, baue dir eine...du kannst es!“ ruhig sprach er, vertraut kam ihr plötzlich jene Stimme vor. Langsam ging sie in Richtung Ausgang, vorbei an den Leuten des Rates und an dem Mann in der Kutte. Plötzlich blieb sie ein kurzes Stück hinter dem Mann stehen. „Wir werden uns wieder sehen!“. „Ja Mia, das werden wir! antwortete er ihr.

Markus und Donovan waren schon wieder an Bord der Silberfeder, sie hatte zahlreiche neue Verbände und Salben besorgt. Donovan schien es vom Minute zu Minute besser zu gehen, er strahlte übers ganze Gesicht als er die Silberfeder betrat. Doch verschwand seine Heiterkeit als er Lirav sah, seine Erscheinung als schwarzer Panther beängstigte ihn.
Lirav erkannte sofort die Furcht in den Augen des jungen Kriegers und machte schlagartig kehrt.
„Donovan du Idiot, wenn du Lirav zeigst, dass du Angst hast wird er dich als erstes verspeisen!“ sagte Markus ironisch ernst. Donovan war entsetzt: „Was? Meinst du wirklich er würde uns angreifen wenn er zu einem Panther wird?“.
„Haahhaaa...“ Markus lachte. „Du bist echt ulkig, hätte er uns nicht schon längst töten können, wenn er es gewollt hätte. Überleg mal!“.
„Du hast recht. Ich war dumm, er ist ein Freund und er ist auf unserer Seite!“ sagte Donovan freudig. Markus Gesicht versog sich, seine Gedanken verrieten ihn: „Auf unserer Seite? Naja...eher nicht, eher auf keiner Seite“.

„Wie kommt eine so bezaubernde junge Dame nach Britain und das ohne Begleitung. Ihr seit neu hier, euere Schönheit wäre mir sonst aufgefallen“.
Mia hatte eigentlich vor die Worte und den dazugehörigen Mann, wortlos stehen zu lassen, jedoch blieb ihr Blick an der langen Narbe kleben.
„Ich bin Jason, ich denke ihr habt von mir gehört oder? Ich bin Stadtbekannt“ sagte er. „Ich kenne euch, ihr seit nicht Jason. Euer Name ist Joken. Wir trafen uns einst in Vesper, ihr erinnert euch?“.
Ihre Worte trafen ihn wie ein Blitz. „Woher weiß sie von meiner Anwesenheit in Vesper?“ dachte er panisch. „Ich helfe dir gerne auf die Sprünge Joken, Krieg war in Vesper, damals irrte ich planlos in den Trümmern von Vesper herum, bis ich euch traf, ihr halft mir den Weg zu finden. Doch damals ward ihr in der Rüstung eines Dragonlords gekleidet, was geschah, ich dachte alle Krieger des Drachen seien damals gefallen?“. Wieder zuckte der Mann zusammen. „Äh...ich konnte entkommen, aber das ist eine laaange Geschichte. Ich müsste dann auch weiter!“. Geschockt bog Joken in die nächste Gasse ein. Als er unsanft eine alte Frau anrempelte, erwachte er aus seiner Trance. „Ist sie etwa die junge Dame, der ich half den Weg zu finden. Sie könnte alles kaputt machen. Ach nein...was soll sie denn schon machen können, meine Geschichte ist ja einleuchtend...oder?“ er versang abermals in Gedanken.

Morius, Mytho und Halvar waren noch immer in der Stadt unterwegs und kauften Verpflegung. Es dämmerte schon und es wurde für die drei Zeit sich auf den Weg zur Schänke “zum Dreihornkalb“ zu machen.
Doch sollten die drei vorher noch Bekanntschaft mit einer Person machen, die so einiges durcheinander wirbeln sollte.
Der Zwerg, der Elf und der Nordmann schlenderten gerade die große Hauptstraße entlang, als plötzlich Jemand mit einem lauten Klong vor ihnen auf der Straße landete. Diese Person war soeben buchstäblich aus der Tür geflogen, die jetzt nur noch aus kaputtem Holz bestand. Lauthals fluchend stand die Person auf, ohne auf die drei Zuschauer zu achten kickte diese gegen die Reste der Tür um dann ohne Weiteres fortzugehen.
Mit einem Schmunzeln hatte das Trio auf dieses Szenario geschaut, sie wollten schon weiter gehen als noch eine Person auf die Straße flog.
Aufmerksam gemacht schauten die drei jetzt in das Haus mit der kaputten Tür, überrascht sahen sie wie eine Frau gerade dabei war zwei Männer von einer Ecke des Hauses in die andere zu jagen und sie mit Tritten und Faustschlägen immer wieder niederstreckte. Erst als auch diese Männer den unfreiwilligen Weg nach draußen fanden kehrte Ruhe ein.
Noch immer schauten Morius, Mytho und Halvar auf die Frau, diese erwiderte den Blick und ging auf die drei zu. Sie war sehr ansehnlich, lange blonde Haare, kleine blaue Augen und einen wohlgeformten Körper, der mit einem dunkelgrünen Hosenanzug bedeckt war. „Das ist nicht euer Haus oder? Fragte sie. „Äh...nee“ antwortete Halvar. „Sehr gut, ich hab keine Lust mehr zu kämpfen. Wer seit ihr den, bestimmt Touristen oder?“ fragte die Frau weiter. „Richtig wir kommen nicht von hier, wir sind heute Morgen mit unserem Schiff hier vor Anker gegangen um unsere Vorräte aufzufrischen“ sagte Halvar ungewöhnlich kleinlaut. „Erzähle ihr doch gleich deine Lebensgeschichte“ flüsterte Mytho zornig, doch der Nordmann ignorierte ihn.
„Verehrte Dame, darf ich fragen was hier eben passiert ist“ mischte sich Morius ein. „Ach Kaptain, ist doch klar diese Personen haben diese bezaubernde Frau belästigt und sie hat sich einfach gewährt und das nicht gerade schlecht, wenn ich das sagen darf“ Halvars versuch der Schmeichelei war nicht so recht geglückt, die Frau zeigte keinen entsprechenden Gegenzug.
Eine Weile plauderten die drei noch mit dieser Frau, Halvar versuchte immer wieder einen guten Eindruck zu machen jedoch war dies eher schlecht als recht. Zum Schluss war es Morius, der ihr anbot, sich der kleinen Männergruppe anzuschließen und mit ihnen in die Schänke zu kommen.

Mia hatte ging die lange, schmale Seitengase in Richtung Hafen entlang, ein seltsames Gefühl des Unbehagen zog sich durch ihren Körper. Dies Gase war außergewöhnlich schmal und dunkel, ein hellblauer Ring aus Mana umschloss ihre rechte Hand. Das Gefühl des Unbehagen regte sie an vorsichtig zu sein.
Doch sollte dies vergebens sein. Unbemerkt waren zwei dunkle, kräftige Gestallten hinter Mia vom Dach runter in die Gase geklettert, die Gestallten nährten sich ihr rasch. Mit einem dumpfen, harten Schlag streckte eine der Gestallten die Zauberin nieder. Bevor Mia erkannte was geschah, spürte sie schon den harten Schlag einer Holzkeule an ihrem Kopf, sofort umschloss sie die Dunkelheit, sie spürte noch wie sie hart auf dem Steinboden aufschlug und sich der Manaring in irgendeine Richtung verabschiedete.

Das vierer Gespann, welches aus Morius, Mytho, Halvar und der fremden, schönen Frau bestand trat in die Schänke “zum Dreihornkalb“ ein. Die Schenke war zu dieser abendlichen Zeit stark besucht, es dauerte eine Weile bis sie Jason bzw. Joken an einem der Tische bemerkten. Es saß nicht alleine an diesem Tisch, um ihn herum saßen sieben Seemänner, sie alle machten einen sehr starken körperlichen Eindruck. „Hallo Herr Zwerg, darf ich ihnen meine Besatzung vorstellen. Alle sieben sind sehr gut geschult und äußerst tüchtig“ sagte Jason zu der Gruppe um Morius. Noch bevor sich die vier Ankömmlinge setzten bemerkte Mytho etwas merkwürdiges, Jason und die fremde Frau tauschten einen mysteriösen Blick aus. Es schien fast so als würden sie sich kennen, jedoch wollte Mytho nicht weiter darüber nachdenken und widmete sich der Unterhaltung, die soeben zwischen Jason und Morius begonnen hatte.
„Ich bin zufrieden. Die Männer scheinen wirklich tüchtig zu sein und Muskelkraft scheinen sie auch zu haben. Ich würde sie für einen angemessen Preis anheuern!“ sprach Morius und schaute gespannt aus Jason.
„Über den Preis werden wir uns bestimmt einig, meine Leute sind nicht sehr auf die Bezahlung aus, sie wollen nur arbeiten und auf hoher See sein“ antwortete Jason. Das Gespräch zog sich bis in die späten Abendstunden hin, bei Speis und Trank wurden so einige Erfahrungen ausgetauscht.
Mytho hatte sich von der geselligen Runde entfernt, er war aus der Schänke hinaus getreten um frische Luft zu atmen. Als er sich etwas in der nun dunklen und schaurigen Umgebung umsah, erblickte er die fremde Frau, die ihnen in die Schänke gefolgt war. Sie stand nur einige Meter neben Mytho hinter einer Steinerden Säule, unbemerkt hatte sie sich ebenfalls von der Gruppe getrennt. Der Schatten verlieh ihrem Gesicht eine solche Schönheit, sie zog den Elfen förmlich an. „Entschuldige bitte, ich weiß es ist etwas spät aber ich heiße übrigens Mytho!“ stellte der Elf sich höflich der Dame vor. „Ich war doch ebenfalls so unhöflich, mein Name ist Liona. Nett dich kenne zulernen Mytho, du bist ein Elf oder, hier in Britain trifft man nicht viele nichtmenschliche Wesen“ sagte sie ebenso höflich.
„Nett auch dich kennen zulernen Liona, ich muss zugeben, man trifft auch nicht sehr oft solche Frauen wie dich...“was soll das heißen“ unterbrach sie ihn mit aufgebrachter Stimme. „Das sollte nicht abwertend klingen, entschuldige. Ich wollte damit nur sagen, dass ich eine solche kraftvolle und gleichzeitig hübsche Frau sehr bewundere“. „Oh...ach so...äh...Danke, ich musste hart arbeiten um mich so verteidigen zu können. Wenn man so auf Männer wirkt wie ich, muss man sich verteidigen können“ erwiderte Liona etwas zögernd. Mytho wollte mehr über die Frau erfahren, sie hatte etwas an sich, was faszinierend war. Doch kam der Elf nicht dazu weitere Fragen zu stellen, Halvar war plötzlich neben den beiden aufgetauscht, er sah aufgebracht aus und seine Augen hatten sich schlitzartig zusammen gezogen.
„Mytho, wir müssen reden!“ sagte der Nordmann und schliff den Elfen hinter die Schänke. „Liona gehört mir ist das klar, ich will nicht, dass du mit ihr redest. SIE GEHÖRT MIR“. Halvars Stimme war zornerfüllt und ungewöhnlich entschlossen. „Halvar, sie ist kein Gegenstand! Ich weiß nicht was mit dir los ist, aber es überrascht ich mich sehr!“ versuchte der Elf den aufgebrachten Nordmann zu beruhigen. Doch Halvar war in dieser Situation nicht zu beruhigen. „Deine Meinung interessiert mich nicht Elf, Liona gehört zu mir, sie ist die Frau von der ich mein Leben lang träumte“.
„Nein Halvar, sie ist nicht dein Eigentum und wenn du denkst sie würde sich mit dir abgeben, denkst du falsch“. Seine Worte überraschten ihn sehr, doch empfand der Elf er es als richtig und angemessen.
Hätte Mytho vorher gewusst, wie die Antwort Halvars aussehen würde, hätte er sich vermutlich etwas zurückgehalten. Man konnte ansehen wie der Hass in Halvar aufstieg, er war nicht mehr Herr seiner Sinne und der Hass übermannte ihn. Von einer fremden Macht gesteuert schnellte sein rechter Arm vor und die geballte Faust des Arms traf den Elfen mit einer enormen Wucht am Kopf. Mytho wusste nicht wie ihm geschah, er sackte schwer angeschlagen nieder, aus der Nase des Elfen tropfte Blut. Ein kurzer Moment verging bis sich Mytho aufraffte, er sah mitgenommen und schockiert aus, mit seiner Hand wischte er sich über sein Gesicht. Die lange Blutspur auf seinem Handrücken war wie ein hässlich, lachendes Gesicht welches ihm sagte: er sollte jetzt Rache nehmen und Gleichem mit Gleichem vergelten.
Der Elf erhob sich, seine rechte Hand formte eine Faust, sie war bereit zu tun was zu tun war, jedoch erblickte sein Herr die Frau. Ihr Erscheinung löste die Faust und Mytho wusste jetzt wie er Halvar mehr zusetzten könnte ohne viel Aufwand betreiben zu müssen. Er schritt an Halvar vorbei in Richtung Liona, sie blickte fragend. Angekommen umschloss der Elf ihre zarte Hand und führte die Frau weg. Der Nordmann schaute verdutzt den beiden hinter her, erst als sie in der Dunkelheit verschwanden, bemerkte er was er gerade getan hatte. Er schlug seinen besten Freund und nun hatte er vermutlich nicht nur ihn verloren sondern seine heimliche Liebe gleich mit.

Ihr Kopf pochte schmerzend, eine leicht blutende Wunde zierte ihre Stirn. Mia war in einem verliesartigen Zimmer eingesperrt, kalter Stein und feuchte Pfützen vom hereinregnendem Regen umgab sie. Sie fror, ihr Körper zitterte wie Espenlaub und immer wieder leckte etwas Blut von ihrer Stirn runter in ihr Gesicht. Sie hatte sich in ein Ecke zurückgezogen, in der es weiniger kalt und nass war, ein vergittertes Fenster zeigte ihr an das es derweilen Nacht war. Wäre sie nicht so von der Kälte, dem Nass oder ihrer Wunde am Kopf abgelenkt, wäre ihr vermutlich ein Zauber eingefallen, der sie aus dieser Lage hätte befreien können. Doch viel jeder Gedanke schwer, wäre es doch nur wärmer und trocken, es wäre ein leichtes gewesen zu entkommen.
Zeitlos hockte Mia in diesem Verlies, die Nacht machte langsam Platzt für den Tag. Ein sanfter, schwacher Sonnenstrahl schien in den Raum. Mit der Sonne erwärmte sich der Raum, das Gesicht der sonst so schönen Zauberin war blass und durch die Wunde an der Stirn entstehlt. Völlig zerzaust und schmutzig hockte Mia noch immer in der Ecke des Raumes. Sie hatte keinen Schlaf gefunden, ihre Augen waren mit dunklen Ringen umhüllt. Ein seltsame Aura umgab diesen Raum, jeder Gedanke an jeglichem Wiederstand verflog sofort, bei jedem Versuch an einen Zauberspruch zu denken, schweiften ihre Gedanken sofort ab. Gedankenverloren kauerte die hilflose, schmächtig wirkende Frau in der Ecke, auch als plötzlich die eisenbeschlagene Tür aufging kam keine Regung von ihr. Erst als sie registrierte wer soeben eingetreten war, schaute sie hoch. Ihr schmutzig blasse Gesicht mit den müden Augen fixierte die Gestallt aufmerksam. Es dauerte eine Weile bis sie erkannte wer diese Person war, sie war ihr nicht fremd, sie kannte diese Person sogar sehr gut. Vielleicht waren es die Erinnerungen an jene Person die, die Frau aus ihrem Zustand befreite, was es auch war, es war heftig. Wie ein schlag traf Mia der Anblick dieser Person: „Oh Gott...du?...aber wie kann das sein?...“. Tränen fühlten ihre dunklen Augen...

Verfasst: 3. Aug 2005, 17:58
von Onkel Geri
Kapitel Neunzehn (XIX)

Zwei Monde

Hastig schritt der junge Bote im weißen Gewand die Treppen den Keller hinab.
Biegung um Biegung der Wendeltreppe sah gleich aus: kalt, feucht und alt,
spärlich erhellt von einigen Fackeln. Keuchend erreichte er das Ende der
Treppe. Vor ihm standen zwei Hünen in güldenen Plattenrüstungen die zu ihren Seiten Mannshohe Turmschilder trugen und zu ihrer Mitte einen mächtigen Speer der jeweils den anderen kreuzte und den Weg zur dahinter liegenden Türe versperrte. Nur die Augen waren durch die Topfhelme hindurch zu erkennen wie sie aufmerksam den Boten musterten. Ein kurzes Nicken fuhr
durch die stocksteifen Wachleute und die Speere huschten zurück und gaben
den Weg frei. Vorsichtig schritt der Bote an den Wachleuten vorbei und
achtete darauf nicht auf die Blutroten Umhänge zu treten- er wollte keinen
unnötigen Ärger, sein Herr würde zornig genug sein bei dieser Nachricht.
Auf einen unsichtbaren Befehl hin öffnete sich die schwere beschlagene
Eichentür nach innen hin. Der Bote trat in ein weniger feucht wirkenden Raum der oval zu sein schien und zu allen Seiten hin mit prunkvollen
Wandteppichen, Gemälden und Waffen geschmückt zu sein schien. Am Ende des
Raumes, direkt gegenüber der Türe saß sein Herr hinter einem großen
marmornen Tisch der mit all seinen Verzierungen und Fresken schon einem
Altar glich. Ein neugieriges Augenpaar warf seine Blicke dem Neuankömmling
zu. Sie gehörten Franz von Tiefenfels, einem Mann in den besten- aber
ausklingenden Jahren eines Kriegers. Auf dem schulterlangen blonden Haar,
durchzogen mit grauen Strähnen, saß ein blutrotes Barett mit dem Abzeichen
eines Korporals darauf. Von Tiefenfels erhob sich und ließ dem Boten einen
eisigen Schauer über den Rücken laufen als er beinahe so hoch wie der Raum
war als er stand. Der lange rote Umhang und die Schärpe über den güldenen
Kettenpanzer rückte der Offizier mit zwei, drei Bewegungen geschickt
zurecht, legte drohend seine hand auf den Knauf seines Breitschwertes zur
Rechten und deutete mit einer Handbewegung der Linken dem Boten an näher zu
kommen. Eilig kam der Diener dieser Geste nach und ließ sich die üblichen
zwei Schritte vor seinem Herr auf die Knie sinken und bemerkte dabei erst
dass der Rum mit einem weichen Teppich gesümt war. Unterwürfig senkte der
Bote sein Haupt gen Boden.
"Herr, ich bringe euch schlechte Nachrichten von euren Spähern."
Einem Donnern gleich ertönte die tiefe Stimme des Korporals: "Sprecht!"
"Herr, die Späher berichten die Gruppe der Sieben sei allen Fallen auf einem Male in die Fänge geraten und befindet sich in höchster Gefahr. Unsere Spione konnten den Aufenthaltsort der Magierin bislang noch nicht aus..."von einem schneidenden Brüllen des Offiziers unterbrochen verstummte der Bote auf der Stelle und bangte um seine Gesundheit.
"IHR HABT WAS? SIE VERLOREN?! BEI ALLEN GÖTTERN WOZU WERDET IHR EIGENTLICH
BEZAHLT!!? AUS MEINEN AUGEN DU RÄUDIGER HUND UND ÜBERBRINGE DEN SPIONEN DASS SIE ZWEI STUNDEN HABEN DIE MAGIERIN ZU FINDEN ANSONSTEN" eine kurze Pause entstand, wirkte aber wie die Zeit von Stunden in dem von Emotionen
angeheizten Raum. Der Korporal schien sich etwas gefangen zu haben und
sprach den nächsten Satz mit einer Ruhe wie vor die vor einem Unwetter aus
"Ansonsten, sind ihre Tage auf diesen Kontinenten gezählt.
UND NUN AUS MEINEN AUGEN!!!"
Die feuchte Aussprache auf dem Nacken spürend erhob sich der Bote, verneigte sich und schritt dann vor die Türe, sichtlich mit wackeligen Beinen.
Kaum dass die Türe sich geschlossen hatte fegte von Tiefenfels zornig
aufbrausend einige Becher und Karten von seinem Tisch auf den Boden und
schlug mit beiden Fäusten hart auf eben diesen. Leichte Risse zeigten sich
an den Stellen wo sie auftraten und ließen den harten Stein Sprünge
bekommen. Heftig schnaufend drehte er sich um und betrachtete das
Wappenschild hinter sich.
Auf dem goldenen Dreiecksschild befanden sich mehrere fein eingravierte
Zeichen. Der Innenbereich war viergeteilt, in der Mitte befand sich ein
schlafender Drache hinter dem sich ein Schwert mit einer Spitzhacke
kreuzten. Durch die beiden hindurch war ein Pfeil der als unteres Ende statt der Federn eine Öse besaß. Erstaunliche Ähnlichkeit mit Zahnrädern besaßen die Nieten am verstärkten Rand des Schildes. Nachdenklich kamen dem
altgesottenen Kämpfer die Bilder vergangener Tage ins innere Auge. Wie lange diente er schon diesem Wappen, zwanzig- bald dreißig Jahre und er fühlte sich müde so unendlich müde. Der Verfall des menschlichen Reiches hatte erst zu dieser Krise geführt. Doch er wusste sie würde bald ein Ende finden, nur wäre es eines mit Morgen oder ewiger Nacht?
"Wache!!"
In seinem Rücken konnte er das Öffnen der Türe hören und am Geklapper
erkannte er dass die Wache gerade salutiert hatte. "Sire?" kam es dumpf und
blechern aus dem Helm hervor.
"Wache, lasst nach Xorlosch' Bruder Xarlosch rufen und stellt unsere Truppe
unter Waffen. Die Zeit des Wartens ist hiermit vorrüber. Konsultiert unseren Herren über die Ereignisse und lasst dem König das von unserem Herren vorbereitete Schreiben zukommen. Unsere letzten Tage haben begonnen."
Traurig klangen die letzten Worte des Offiziers, doch die Wache, kurz
salutierend und dann von dannen eilend, ließ sich davon nichts anmerken.
Ehe die Türe geschlossen wurde huschten mehrere Diener in grau-weißen langen Gewändern hinein und brachten die prunkvolle Rüstung des Korporals mit.
Dieser stellte sich in der Mitte des Raumes auf und breitete seine Arme und
Beine aus. Flink nahmen ihm die Diener Umhang, Schärpe, Schwert und Barett
ab, stülpten ihm den verzierten Brustpanzer, die Arm und Beinstulpen über,
schnurrten die Lederriemen fest zusammen, stülpten erst die gepanzerten
Handschuhe über, ließen ihren Herren kurz sitzen, und wechselten dann noch
die Lederstiefel gegen die gepanzerten Stahlstiefel mit den Sporen an den
hacken aus. Zu guter letzt befestigten die Diener die Schulterschützer
welche solch große Ausmaßen hatten dass sie zur linken und rechten Seite dem Korporal zwar die meiste Sicht nahmen, seine Kopfflanken aber gegen alle möglichen Waffen schützen würden solange er sich in gerader Haltung befand.
Ehe sich der Krieger wieder erhob wurde der Sitz der Rüstung noch einmal
überprüft, die Oberschenkelschützer in Form von untereinander befestigten
Panzerscheiben am unteren Rand des Brustpanzers befestigt, der blutrote
Umhang an den dafür vorgesehenen Ösen befestigt sowie der mit blutrotem Samt besetzte Waffengurt welcher einmal um die Hüfte und quer über die Brust verlief angebracht, das mächtige Schwert eingehackt und dem Krieger sein über einen Meter hohes Dreiecksschild sowie den reich verzierten Helm
welcher dem eines Halbkopfhelmes mit hehrunterklappbarem Visir aber fehlendem Kinnschutz glich und einen in der Mitte zum Nacken gehenden blutroten Federstrich besaß.
Fast leise erhob sich der Korporal, Franz von Tiefenfels. Zwei weitere
Diener betraten den Raum und trugen einen großen Spiegel mit sich in dem
sich der Krieger kurz betrachtete. Er wusste dass dies sein letztes Gewand
sein würde. Mit einem Nicken wies er einen Diener an seinen Orden zu holen
den er eins in einer bedeutenden Schlacht erhalten hatte zusammen mit seinem Schlag zum Ritter.
Wenn ich sterben soll dann mit Würde und Stolz dachte er stumm vor sich hin. Kurz nachdem der Orden an der Schärpe befestigt wurde und die letzten Diener den Raum verlassen hatten, kaum merkbar waren mehrere Stunden ins Land verstrichen, trat ein Mann in schwerer beschlagener Lederrüstung mit
goldenem Farbstich in die Türöffnung. Ein langes dünnes Schwert baumelte an
seiner Seite, befestigt am Gürtel, dessen Ende sich im weiten roten Umhang
verbarg. "Sieg und Ehre Eldoras, Korporal." Floss es im steifen
militärischem Ton aus dem Mund des Mannes mit den braunen buschigen
Augenbrauen. Während er dies sagte schlug er sich erst die flach
ausgestreckte rechte Hand quer zum Kopf an die güldene Kettenhaube und
klopfte dann, die Hand zur Faust geformt, auf seine Brust. "Eure Truppen
stehen bereit, Herr." Wartenden Blickes in seiner Haltung erstarrt wartete
der Mann auf die Befehle.
"Gut Sergant. Habt ihr die Magierin ausfindig machen können?"
Ein Nicken des Serganten.
"Gut. Den Xarlosch auch erreicht und auf den Weg geschickt?"
Ein weiteres Nicken.
"Exzellent. Zu den Pferden- wir brechen auf."
"Jawohl Herr!" erwiderte der rangniedrigere Offizier und folgte dann steifen Schrittes seinem Herren in drei Schritt Entfernung.

Leise schluchzend kauerte Mia in der Ecke des Raumes und blickte mit
Entsetzen auf die Person vor ihr. Vielleicht Einsfünfundsechzig groß, in
eine leichte braune Lederkluft gekleidet und die braunen langen Haare zu
einem kurzen Pferdeschwanz zusammengebunden - Kraîmag.
Tief in Mias Innerem zerbrach ihr Herz zu einem großen Haufen Scherben,
dessen spitzen Kanten ihrer Seele schmerzenden Schaden zufügte und sie
bluten ließ. Das konnte nicht sein, nicht er, nicht der Mann in den sie sich einst verliebt hatte. Langsam verblassten die Erinnerungen und ihre Gedanken kamen zum Stillstand. Lähmende Leere breitete sich in Mias Kopf aus. Stumm rannen ihre Tränen die Wangen hinunter und die dicken Tropfen plumpsten auf den staubigen Boden auf dem sie kauerte.
Die einst sanfte Stimme des Antimagiers glich nun der eines krächzenden
Rabens.
"Weine nicht, Mia. Zeiten ändern sich, Menschen auch. Das weißt DU. Überlege gut und höre zu was Dir MEIN Herr an zu bieten hat. Du und deine
schwächlichen Freunde- ihr kämpft für eine verlorene Sache, ihr seid Blind
vor lauter Hoffnung etwas Gutes zu vollbringen und seht doch nicht die
Wahrheit hinter all diesem ihr..."
Forsch unterbrach Mia den schleimigen Wortlaut des ihr nicht mehr bekannten
Mannes. "SCHWEIG!" Mia hatte ihre Fassung wiedererlangt und wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln während sie sich erhob und auf den Boden vor Kraîmags Füße spie.
"Deine Worte sind wie Gift dass meine Ohren durchströmt. Hast du kein Herz
mehr? Zu was bist du geworden dass du dunklen Mächten den Diener spielst?
Behalte deine Worte für dich und sag deinem", Mia sprach das kommende Wort
voller Verachtung aus "Herrn er kann so viele töten und vernichten wie er
will doch gegen das Licht wird er letztendlich verlieren und sein Schatten
wird sich auflösen."
Laut und schnell pochte Mias wieder zusammengesetztes Herz während ihr das
Adrenalin durch die Adern gepumpt wurde wie tausend Reiter die durch einen
Bach ritten. Kraîmag senkte seinen Kopf etwas schief und lächelte Mia an, er stand vor ihr- keine zwei Schritt entfernt und lächelte sie mit einem
eisigen boshaften Blick an. Er öffnete seinen Mund um etwas zu sagen, doch
ehe er dazu kam wurde die Zellentür hinter ihm aufgestoßen. Jason stand mit
dem Schwert in der Rechten und zwei weiteren Männern deren Gesichter wie ihr Körper unter einem schwarzblauem Robenähnlichen Kleidungsstück verborgen waren. Jeder von ihnen trug eine Waffe die einem Speer glich von der Länge, vom Aussehen jedoch einem Schwert da bis auf zwei Griffe der gesamte "Speer" eine Klinge besaß.
Aufgeregt schnaubte Jason "Schnell Herr, wir müssen fort- sie haben uns
gefunden. Tötet sie und dann.." "SCHWEIG! Sie nehmen wir mit." Der
Antimagier richtete seinen Blick wieder auf Mia. "Sie wird KEINE
Schwierigkeiten bereiten."
Ein lautes Brechen von Holz klang durch die offene Tür hinein, Nicht allzu
weit entfernt, höchstens 30 Fuß, vielleicht ein Gang mutmaßte Mia.
Nervös zuckten die beiden Wachen zusammen. Nun drang metallisches Klirren
wie dass wenn zwei Schwerter aufeinander treffen in den Raum und lautes
Gebrüll welches angsterfüllt und mitunter schmerzerfülltem Schreien glich.
Unüblich für einen Untergebenen ergriff Jason wieder das Wort. "NEIN! Du
tötest sie und zwar SOFORT!"
Mia missachtend drehte sich Kraîmag zu Jason um und ging einige Schritte auf ihn zu, brüllte ihn an.
"WAS GLAUBST DU HUND WER DU ZU SEIN MAGST?! I C H BIN HIER DEIN HERR UND
I C H GEBE DIR DEINE BEFEHLE ALSO GEH..." der Satz des Antimagiers ging in
ein nach Luft ringendes Röcheln über als er von Jason am Hals gepackt in die Höhe gestemmt wurde. Panisch hielt sich Kraîmag an dem würgenden Arm fest und ein leichter Blitz erhellte den Raum für den Bruchteil eines Atemzuges, kaum genug um die Augen zu schließen. Mia sah einige Sterne vor ihren Augen blitzen und hatte gespürt dass die Art dieses Blitzes magischer Natur war.
Ihr Blick richtete sich auf den über dem Boden strampelten Antimagus. Als ob ein Schleier von seinen Augen gefallen wäre schrie er voller Panik auf und stammelte unverständliche Wortbrocken vor sich hin. "NEIN....du...nein lass ab...nicht du....ich will nicht....lass mich argh..."
Geistesgegenwärtig wechselte die Zauberin ihren Blick auf die astrale Ebene.
Mit einem sofortigen Stillstand ihres Herzens hatte die Zauberin noch nie
gerechnet, aber dass was sie auf der anderen Ebene sah ließ ihr sogar das
Blut in den Adern zu Stein werden. Kraîmag war wie immer nicht zu sehen,
jedoch Jason oder Joken - oder wie immer er hieß, sah keineswegs wie ein
einfacher Mensch aus. Ein beißender Geruch von Pech und Schwefel drang zu
Mia hinüber und ließ ihre Haut brennen. Keine fünf Schritt entfernt von ihr
stand eine Kreatur welche von der Unterwelt ausgespieen sein worden muss.
Rissige lederne Haut die einem ausgetrockneten Flussbett glich zog sich an
dem vierbeinigen Wesen entlang. Die Krallenbesetzten Klauen hielten einmal
nichts, also den Antimagier, und einmal ein magisch glühendes Schwert in der Hand. Gerade als sich Mias Blick über den stachelbesetzten Brustkorb des in einer Wolke aus brennender Luft stehenden Wesens näherte sah er Mia.
Dornenbesetzte Augenlieder und giftgelb funkelte Augenschlitze trafen ihren
Blick. Fauchend öffnete sich der spitz zulaufende Mund der an die Form eines Vogelschnabels erinnerte. Eine donnernde Stimme erklang, so laut dass Mia sich ihre Ohren zuhielt und dem Druck des manifestierten Bösen in dieser Stimme kaum ihre Konzentration zu halten konnte.
Hallend erklang die Stimme in ihrem Kopf "Wass machsst du? Du hasst meinen
Zssauber zssersstört. Nun isst er keinen Pfifferling mehr wert, Du hasst
ssein Leben zssersstört und nun endet auch deiness, Tochter der Hekate!
Sspüre die Macht dess Kor!"
Hinter dem Rücken des Dämonoiden kam ein stachelbesetzter Schwanz hervor
geschnellt und zuckt mit rasender Geschwindigkeit auf Mia zu. Voller
Entsetzen sah sie wie die Stacheln immer näher kamen, kurz vor ihrem Bauch
verharrte die tödliche Waffe und ein schrilles Kreischen brachte Mia an den
Rand einer Ohnmacht.
"AARSSSS! NEEEEEIN!! Verssswinde von hier!! Ssstell dich nicht der Macht
Korsss entgegen Lunuxsssianer!!" Aus dem beschränkten Blick herraus sah Mia
wie hinter ihr ein blendendes gleißendes Licht erschienen war. Die
Mächtigkeit der Aura des grauenvollen Wesens vor ihr war bereits
erschütternd, doch die Macht welche sich hinter ihrem Rücken befand ließ Mia schwer auf die Knie sacken. Ihr Körper in der "normalen" Welt tat ihr dies gleich. Anstatt einer Antwort des Wesens hinter Mia glitten dünne
Lichtstrahlen an ihr vorbei und trafen unter Rauch und Feuer auf die Haut
des Jason welcher hell aufschrie und unter einer großen Rauchwolke die
Flucht ergriff ohne Mia die Worte "Du kannsst unss nicht aufhalten!" in den
Kopf brannte.
Langsam schwand ihr Blick und sie bemerkte wie ihre Muskeln aufgaben und sie zu Boden stürzen würde. Kurz bevor sie geschwächt nach vorne kippte hielt sie eine Hand zurück. Eine warme, gut bekannte Männerstimme erklang "Nimm dies, es wird dir helfen bei deiner Aufgabe. Wir werden bald aufeinander treffen mein Kind."
Eine unbeschreiblich starker Manafluss durchströmte den Körper der Zauberin
und ließ ihn erzittern. Mia spürte wie sich ihre Kräfte auffüllten und die
"Töpfe und Krüge" überliefen. In dem Moment als das Licht verschwand merkte
Mia auch wie etwas vertrautes verschwand. Ängstlich schloss sie die Augen
und als sie sie wieder öffnete befand sie sich wieder in der "normalen"
Welt. Das warme glühen ihres Anhängers zwischen ihren Brüsten ließ sie
wissen dass das übergelaufene Mana sich in ihrem Fokus konzentriert hatte.
Dichter Rauch umgab sie und hatte sich in dem Raum niedergelegt.
"Kal hur des" murmelte Mia und ein leichter Windhauch erhob sich in dem Raum und blies den Rauch hinaus. "nein" flüsterte die Zauberin. Vor ihr lag mit durchtrennter Kehle, tot Kraîmag. Das Blut war bereits geronnen und der Rest des Antimagus war von Flammen geschwärzt worden wie auch die offene
Zellentür. Eine Träne rann ihre Wange hinunter. Hatte sie ihn erst verloren
und dann wiedergewonnen und letztendlich doch verloren. Sein Geist starb in
Freiheit. Ein schwacher Trost.
"Wir werden uns wiedersehen" hauchte sie ihrer verblassten Liebe ins Ohr und sprach einen Flammenzauber während sie sich erhob und auf den Gang, an den beiden ebenfalls verbrannten Leichnahmen der Wachen vorbei. Hinter ihr
entzündete sich die menschliche Hülle des Kraîmag und verwandelte sich in
rasender Geschwindigkeit zu einem Haufen Asche. Keiner sollte seine tote
Hülle bekommen.

Morius saß mit Markus Donovan und Lirav zusammen auf der Terasse einer
Schänke am Hafen und unterhielten sich dürftig. "Sagt einmal werter Zwerg,
wo sind eigentlich der Nordmann und der Elf geblieben? Seit dem gestrigen
tage habe ich sie nicht mehr erblickt." Richtete Lirav das Gespräch an
Morius. Dieser erzählte in kurzen Worten was sich zugetragen hatte als er
mitten im Wort unterbrochen wurde von Lirav. "Wie sah die Frau aus? Nein
schweigt- langes blondes Haar, Augen so blau und tief wie das Meer und immer noch in dunkelgrünes Gewand gekleidet?" Morius sowie auch die anderen beiden Gefährten blickten Lirav überrascht und ratlos an. "Jason sagtest du hieß der Mann von dem ihr....DU NARR!" Lirav sprang nervös auf und stieß dabei seinen Stuhl nach hinten um. Im selben Moment, ehe die anderen begriffen was geschehen war, hörte man mehrere laute dumpfe Explosionen aus dem Hafen. Kurz darauf regnete es Splitter und Gegenstände herab und eine große schwarze Rauchsäule erhob sich am Himmel über den Häusern. Fluchend die Männer und ängstlich schreiend die Frauen, leerte sich schnell die Terrasse und die Straßen. Auch die anderen Drei waren mittlerweile aufgestanden und schauten ungläubig die Rauchsäule am Himmel an. In dem Virtel in welchem sie sich befanden war der Hafen nah und deswegen die Gebäude auch nicht höher als zwei Stock, so dass der blaue leicht bewölkte Himmel noch zu sehen war.
Schon sahen sie einen Trupp in den grün-grauen Farben der Britainer
Stadtwache klappernd mit Schild und Speer bewehrt in Richtung Kai über die
Pflastersteine klappern.
Rechtzeitig bemerkten die Vier Gefährten, Lirav als erster, den größer
werdenden Schatten und sprangen zur Seite. Mit einem lauten Brechen schlug
das Stück von Silber ummantelte Holz in den eben noch gedeckten Tisch der
Schänke und hinterließ ein kleines Chaos. Morius erkannte entsetzt was dort
vor ihm lag und fasste sich an seinen Kopf und hüpfte auf.
"VERDAMMT! MEIN SCHIFF!!!"
Ohne auf die anderen zu warten rannte der Zwerg die Straße hinunter,
überholte dabei sogar die Stadtwachen und kam halb stolpernd am Kai an, stob sich durch die Menschenmenge hindurch und konnte gerade noch erhaschen wie der in den Himmel guckende Bug der Silberfeder unter dichtem Rauch und
blubbern im Hafenwasser unterging.
"NEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEIN !!! MEIN SCHIFF !!"
Das war selbst für einen Zwerg zuviel. Kraftlos sackte er auf die Knie und
blickte fassungslos auf die Überreste seines Schiffes, dem Stolz der
Weltmeere und seinen Überresten. Er hatte alles verloren.
Langsam näherten sich seine Freunde durch die von den Stadtwachen
verscheuchenden Menschenmenge. Lirav legte schützend seine Hand auf die
Schulter des Zwerges und beugte sich zu seinem Ohr um ihm zu zuflüstern:
"Vergesst das Materielle. Unsere beiden Freunde schweben in einer viel
höheren Gefahr, falls sie noch leben. Um Rache und Trauer könnt ihr euch
später immer noch weit kümmern, Morius. Ersinnt euch eurer Herkunft, ihr
seid der letzte eures Hauses, wollt ihr wirklich den Ruhm eures Clans mit
Trauer und Fassungslosigkeit beschmutzen?"
Die letzten Worte ließen tief in dem Zwerg drin einen Vulkan zum Ausbruch
bringen. Morius fühlte dass ihm mit seinen 498 Jahren keine Bürde erspart
blieb und Lirav, dieses anscheinend sehr alte Werwesen recht hatte. Auch
wenn er ihn nicht kannte wusste er viel, viel zu viel über ihn. Aber er
hatte Recht. Das Blut meiner Ahnen fließt in mir und ich werde diese Sache
zu ende bringen, wenn es mein Leben kosten soll dann ist dies der Wille
Moradins!
Forsch schob er die Hand Liravs von seiner Schulter und richtete seinen
Blick und die Arme gen Himmel und brüllte ihn an.
"Oh großer Moradin, Beschützer aller Zwerge, gib mir die Kraft meine letzte
Aufgabe zu meistern und dein Name wird wieder verbreitet werden in diesen
Gottlosen Zeiten!!"
Wie auf einen Fingerzeig hin schlug krachend kaum einen Meter neben dem
Zwerg eine große Silberne Kiste, die über und über mit Algen besetzt war,
auf und grub sich halb durch die zerbrochenen Steinplatten in den Kaiboden
und öffnete sich knarrend.
Verwundert blickte Morius auf die Truhe. In ihr glänzte vom Sonnenlicht
lachend eine volle Kampfausrüstung aus Kettenkleid, zwei Äxten aus Mytrhil,
dem heiligen Metall der Zwerge, entgegen.
Fassungslos schlurfte der Zwerg zu der Truhe, griff hinein und holte eine
große zweischneidige rot-orange glühende Axt heraus. "Meine Batok-Cla´gil.
Das ist meine Truhe die ich vor Jahrzehnten auf hoher See verlor!" stammelte Morius fassungslos und sprach dann ein Stoß-Dank-Gebet gen Himmel.
Lirav schüttelte nur leicht seinen Kopf und nahm nicht an der Verwunderung
seiner Gefährten Anteil. Solch ein Geschenk von den Göttern hatte er lange
nicht gesehen.. .

Vorsichtig folgte Mia dem dunklen nur teilweise von Fackeln beleuchteten
Gang und näherte sich langsam dem Kampfgeschehen, wie sie von den Geräuschen her erahnen konnte. Bereit für das schlimmste hatte sie bereits einige Kampfzauber aufgeladen. Erschreckend fand sie nur dass der Gang mit Leichen von den vermummten Wachen gesäumt war. Über und über zerfetzt und zerrissen waren ihre Körper, Mia wat quasi auf einem Teppich aus Blut. Angewidert merkte sie je weiter sie kam dass das Blut hier noch frischer war und schmatzende Geräusche von ihren Füßen zu vernehmen waren. Langsam erhöhte die Zauberin ihre Schrittgeschwindigkeit da sich aufsteigende Übelkeit, auch von dem stechenden eisenhaltigen Geruch in der Luft, bemerkbar machte. Als sie vorsichtig um eine weitere Biegung schaute, sah sie wie der Gangendlich endete- in Form einer blutverschmierten Holztür. Alle ihre Sinne waren bis aufs Höchste gereizt und so wäre ihr beinahe ein Zauber entglitten als sie auf die Tür zutrat und diese gefolgt von einem dumpfen Knall sich öffnete und eine sterbende, noch röchelnde Wache blutspritzend in den Gang fiel.
Mias Herz schlug ihr bis zum Hals und ihre Muskeln spannten sich. Langsam
stieg sie an dem Toten vorbei und wagte einen Blick in den Raum. Überall
lagen Tote oder Sterbende herum unter, auf oder in zerbrochenen Tischen,
Stühlen- einer lag, besser: brannte, im Kamin vor sich hin. In der Mitte
dieses Intermezzos stand oder drehte sich mit rasender Geschwindigkeit eine
metallisch-matt glänzende Kugel und fegte die letzten vier Wachleute
entstellt in alle Himmelsrichtungen. Gerade als Mia ihre Hand hob und einen
Zauber sprechen wollte kam die Kugel zum Stillstand und der Anblick dessen
was vor ihr stand war unbeschreiblich.
Eine gut 1,45 Fuß kleine üppige Person stand in einer Vollpanzerrüstung aus
diesem matten metallischem Metall. Waffen oder dergleichen konnte die
Zauberin nicht erkennen, dafür war jeder Zentimeter der Rüstung mit Klingen, Stacheln, Dornen und ähnlichem gesäumt. Das Blut der letzten Opfer schien sich nicht an dem seltsamen Metall halten zu wollen und glitt die Wasser hinunter um auf den Boden zu tropfen.
Quietschend öffnete die kleine Gestalt das Visier des Helmes, ein
rotbärtiges Pausbacken Gesicht, eindeutig dem eines Zwerges zu zuordnen,
schaute sie aus funkelnden Augen heraus an.
"Saa´Yo Mia, Zauberin von Moonglow. Mein Namen ist Xarlosch, Schlachtenwüter im Dienste seines Herren. Ich bin hier um euch zu befreien. Mein Herr erwartet euch bereits, kommt wir haben keine Zeit zu verlieren, es drängt - das Land wird dem Übel nicht mehr lange wiederstehen können." Röhrte es aus der rauen Kehle und begleitet vom Schnaufen des Zwerges. Ohne eine Antwort ab zuwarten, schloss er sein Visier wieder und schritt auf die letzte verschlossene Tür zu. Ohne zu wissen wie er es fertig brachte drehte er sich so schnell im Kreis dass er wieder zu dieser Art Kugel wurde und die Tür in tausend Splitter zerbarsten ließ.
Nichts zu verlieren folgte Mia dem Zwerg hinaus in das Licht.
Kurz geblendet hielt sie sich schützend die Hand vor ihr Gesicht ehe sich
die Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten. Vom Zwerg war keine Spur mehr zu sehen, dafür sah sie etwa fünfzig Mann zu Pferd vor ihr. Sie trugen alle
schwere Plattenpanzer und Lanzen in den Händen. Blendend glänzten die
goldenen Rüstungen im hellen Tageslicht so dass die roten Umhänge und
Federbüschel auf einigen Helmen- anscheinend Offizieren vorbehalten- schwer
zu erkennen waren.
Anscheinend befand sich die Zauberin nicht mehr in der Stadt, was ihr das
zwitschern der Vögel verriet. Sie befand sich auf einer breiten Lichtung
irgendwo auf einem Hügel, zur rechten war eine Klippe hinter dieser in
einiger Entfernung -überschattet von einer langsam verflüchtenden
Rauchwolke- Britain, zur linken tiefer Wald. Ein kurzer Blick zurück
bestätigte ihr den Eindruck den sie gehabt hatte: der Eingang zu dem
Unterschlupf dieses Dämonoiden war halb in den Boden eingelassen und in
mitten der Ruine eines verfallenen Fachwerkhauses erbaut worden.
Ein Mann in Lederrüstung mit einer güldenen Kettenhaube trat auf sie zu. Er
salutierte.
"Lady Mia, Sergant Turm. Unser Herr und Meister sendet euch seine Eskorte
damit ihr sicher euer Ziel erreicht."
Ein wenig misstrauisch beäugelte Mia erst das seltsame Wappen mit dem
Drachen auf dem Lederbrustpanzer des Soldaten und fragte ihn dann "Soso, und wo ist unser Ziel, Sergant Turm?"
Seine Antwort wurde von einer lauten Explosion unterbrochen. Wiehern von
Pferden der Soldaten war zu hören und die Blicke von Turm und ihr richteten
sich zur Stadt. Eine gleißende Feuersäule erhob sich kurz außerhalb der
Stadt in einem der Vordörfer in den Himmel.

Es hatte einige Zeit zwar gedauert ehe die kleine Gruppe dank Liravs Hilfe
die Fährte aufgenommen hatte nach ihren Freunden, doch Lirav betonte immer
wieder dass es viel zu auffälig für diese "Person" wie er die Frau nannte,
wäre und sie mit einer Falle rechnen müssten. Die Sonne stand gerade kurz
nach dem Zenit als sie eines der Vordörfer der Großstadt erreichten. Sie
näherten sich, bis auf Markus alle gerüstet, mit gezogenen Waffen einer
Scheune und betraten diese durch die Hauptpforte da laut Lirav ihre Zeit
knapp wurde.
Kaum dass die Tür sich geöffnet hatte wurden die Vier überrascht und von
seltsamen Schlingpflanzen gepackt, umschlossen und in die Scheune gezogen.
Das Licht wurde etwas dämmriger als sich das Tor wieder schloss. Lirav war
diese Prozedur anscheinend bekannt, er versuchte sich nicht zu winden als er unsanft über den staubigen Lehmboden geschliffen wurde. Donovan und Markus hingegen schrieen und wanden sich und schrieen danach noch lauter da sich die Faustdicken, dunkelgrünen Pflanzenstränge noch fester um die Brustkörbe der Zwei drückten und ihnen die Luft nahmen so dass sie bald schlaff und nur flach atmend, die Waffen verkrampft festhaltend, im Würgegriff der Pflanzen hingen. Sich zwar klugerweise nicht windend dafür um so lauter fluchend hielt sich der Zwerg.
Mit einem Ruck kamen die Vier zum stillstand und wurden von den
Würgesträngen senkrecht aufgerichtet und schwebten in fester Umklammerung
einen Meter über dem Boden und blickten in das Gesicht einer jungen hübschen Frau die mit einer riesigen Pflanze verschmolzen zu sein schien. Unter einigen Blättern am Boden heraus reichten sechs mächtige, Tentakelartige, grüne Stränge. Morius hörte auf zu fluchen und folgte den anderen beiden Ranken und sah erschreckt vier Meter über dem Boden, knapp unter dem Dach der Scheune Halvar und Mytho hängen. Halvar schien bewusstlos, Mytho schenkte dem Zwerg jedoch einen schwachen, erschöpften Blick.
"Hahahahahahaa." Erschallte es aus dem Mund der Frau.
"Ein wenig Blütenstaub und die Männer liegen mir wie Fliegen zu den Füßen.
Wie dumm euch hier her zu wagen, aber ich wusste dass ihr kommen würdet."
Lirav ergriff das Wort. "So. Schön dich wieder zu sehen Dorianna. Was willst du von uns und unseren Freunden? Seit wann mischt du dich denn in die Angelegenheiten der Götter ein?"
Das Werwesen merkte wie sich der Griff um seinen Körper etwas steigerte.
"Hahahaa Lirav....du alte Katze, noch am Leben? Ich nenne mich nicht mehr
Dorianna- ich heiße nun Liona. Und was mir die Götter geben?" wieder ertönte ein Schallendes Gelächter. Seinen Instinkten folgend bemerkte Lirav als einziger, zum Glück denn wenn es seine Freunde merken würden hätte es das vor langer Zeit von seiner Art verstoßene Pflanzenwesen auch bemerkt, wie
einige Gestalten auf dem flachen Dach der Scheune herumschlichen.
"Nun, da ihr gleich euren letzten Atemzug nehmen werdet und dann euch die
Gewächse von unten - HAHAHAHHAAAA- ansehen werdet: sobald Morgoth und Kor
die Welt unterworfen haben werden sie mir die Macht über die Natur geben,
dann kann ich Gaia vernichten und Rache an meinen Verwandten nehmen. Und
nun...lebt wohl ihr ekliges Gewächs- euer Anblick und Geruch stört meine
Augen."
Morius und Lirav stöhnten laut auf als sie merkten wie sich die Drücke auf
ihre Körper erhöhten und sie langsam zerquetscht werden würden. Noch hielt
die stabile Rüstung des Zwergen stand und Liravs widerstandsfähige Muskeln
ebenfalls, aber dies würde nicht lange andauern. Im Angesicht mit dem Tode
hörte man deutlich ein zischen vom Dach. Platten wurden durchstoßen und
brennendes Öl ergoss sich auf Liona. Unter lautem Schreien ließ sie alle
ihre "Opfer" zu Boden fallen. Hurtig schnappten sich Morius und Lirav
Donovan, Markus, Mytho und Halvar. Lirav übernahm die größeren Beiden. So
schnell sie konnten rannten sie in Richtung des Tores welches sich bereits
öffnete. Ihnen entgegen rannten brüllend mehrere Männer in goldenen
Rüstungen. Lirav drehte sich kurz vor dem Tor noch einmal um und konnte
gerade noch sehen wie die ersten beiden Krieger von zwei brennenden
Pflanzensträngen umfasst wurden und unter lauten geknirsche mitsamt ihren
Rüstungen zusammengequetscht worden und spritzend ihre Flüssigkeit auf den
Boden ergossen wurde.
Morius wurde von einem Hünen in einer prunkvollen Rüstung aufgehalten.
"Beeilt euch, nehmt die Pferde und reitet gegen Süden, meine Mannen werden
auf euch warten. Ihr habt noch zwei Monde zeit, dann wird es an euch liegen
ob es einen Morgen geben wird oder nicht. Beeilt euch!"
Mit diesen Worten stürmte der Krieger mit gezogenem Schwert in die Scheune
hinein. Geschwind und ohne Zeit verlieren zu wollen, wurde jeder auf ein
Pferd gesetzt oder gelegt und festgebunden damit er nicht zu Boden stürzt.
Lirav übernahm die Zügel des Leitpferdes und im leichten Galopp entfernten
sie sich schnell von der Scheune, die hinter ihren Köpfen zu einer
gleißendem Feuerstrahl in den Himmel schoss.

Verfasst: 3. Aug 2005, 23:16
von Onkel Geri
Kapitel Zwanzig (XX)

Die Nacht vor dem neuen Mond

Die restlichen, dunkelroten Sonnenstrahlen der Abendsonne drangen in das geräumige Turmzimmer. Mia ging auf und ab, ungeduldig schritt sie zwischen Tür und Fenster hin und her. Jedes Mal wenn sie das Fenster erreichte schaute sie argwöhnisch nach draußen, unreal war der schöne Sonnenuntergang. Sie war sich der Situation bewusst, es würde nicht mehr lange dauern bis der finale Kampf statt finden würde.
„Madame, der Herr erwartet sie jetzt“ die Zauberin wurde aus ihren Gedanken gerissen. Ein junger Mann, stand in der Tür, er schien nervös zu sein, sein Blick war ängstlich und angespannt. Mia schritt auf ihn zu, sie legte sanft ihre Hand auf seine Schulter als sie neben ihm in der Tür stand, sie spürte seine Angst. „Keine Angst, bald ist es vorbei. Was passiert, passiert, kein Grund sich Gedanken zu machen“ sagte sie mit ruhiger Stimme. Wortlos führte er die Frau den Turm runter, über den Burghof, hinauf in den Thronsaal des Hauptgebäudes.
Angespannt schritt Mia an den Wachen vorbei in den großen Thronsaal, Franz von Tiefenfels erhob sich augenblicklich aus seinem Thron als er Mia erblickte. „Wie es mich mit Freude erfühl sie zu sehen verehrte Zauberin. Das Gerücht ihres wunderschönen Antlitz flog ihnen voraus, jedoch verblassen alle gesprochenen Worte beim wahren Anblick“.
Mia fühlte sich sehr geschmeichelt doch wusste sie, dass es nicht der richtige Zeitpunkt für so etwas war. „Welchen Grund hatten sie, mich hierher bringen zu lassen?“ fragte sie unbequem direkt.
„Direkt und Entschlossen, das gefällt mir. Doch sie haben recht ich sollte ihnen erklären warum sie hier sind. Wie sie vermutlich schon wissen stehen wir unmittelbar vor dem totalem Chaos, der Krieg der bis vor kurzem noch vor unseren Stadtgrenzen tobte, hat selbige nun überquert. Dieser Krieg wird uns hart und zerstörerisch treffen, wir können unmöglich gleichzeitig gegen Kor und Morgoth bestehen. Wie von Gotteshand geleitet seit ihr jedoch, deine Freunde und du zu uns gestoßen, ich weiß nicht was euch hierher führt aber ihr seit hier und es ist vermutlich wirklich ein göttliches Zeichen, denn nur ihr habt die Macht uns und der gesamten Welt vor dem Untergang zu bewahren“.
Eine Pause trat ein, draußen hörte man Vogelgezwitscher, der Wind pfiff durch das offene Fenster und mit ihm wehten die Gardienen.
„Wir wissen von dieser Bedrohung. Darum sind wir hier, wir werden diesem Krieg ein Ende machen. Wie er aber ausgehen wird vermögen wir nicht zu entscheiden, doch können wir den Anstoß für ein gutes Ende geben“.
„Mich erfreuen diese Worte, sie werden mir und meinen Kriegern Mut machen. Ich hoffe nur, dass wir stark und entschlossenen genug sein werden, um an euerer Seite ebenwürdig mit kämpfen zu können“ tief und bedrückt war die Stimme des Franz von Tiefenfels.
Noch bevor die beiden ihre Unterhaltung fortsetzen konnten sprang die dicke, metallbeschlagene Tür des Thronsaals auf. 6 Gestallten zwängten sich gleichzeitig durch die breite Tür, hätte Mia die 6 nicht sofort erkannt, sie hätte sie für Landstreicher und Bettler gehalten. Schmutzig, zerzaust und mit bleichen Gesichtern, Morius, Mytho, Halvar, Donovan, Markus und Lirav waren soeben in den Thronsaal getreten.
Angespannt schaute sie auf die Gruppe, sie kam sich plötzlich schäbig vor, ihre Freunde hatten vermutlich einen anstrengenden Kampf hinter sich und sie machte es sich gemütlich. Doch verflog der Gedanke schnell wieder als sie Morius Gesicht sah, seine freundlicher Ausdruck war zwar total unpassend aber er machte ihr Mut.
Mia lächelte ihren sechs Freunden zu als sie näher traten, zuerst schauten alle außer Morius, der ihr Lächeln wie ein Spiegel erwiderte, etwas verdutzt, doch irgendwie lächelten sie dann doch, selbst Lirav hatte ein leichtes Lächeln im Gesicht.
„Schön dich wiederzusehen Mia“ sagte Mytho für die Gruppe.
Mia hätte am liebsten vor Freude gelacht, jedoch sagte sie nur mit einem dicken Lächeln im Gesicht: „Ich freu mich auch, euch alle wiederzusehen!“.
„Wie schon dieser Anblick der Eintracht, die Gruppe der Sieben ist jetzt vollständig. Ihr alle werdet uns retten, da bin ich sicher, nichts kann uns jetzt noch den Sieg nehmen“ platzte Herr von Tiefenfels in das Wiedersehen hinein.
„Oh...verehrter von Tiefenfels, ich denke ich feiert vorschnell. Wir sind keine Messias oder so, einfaches Kämpfen ist unser Geschick, jedoch können wir keinen Krieg alleine gewinnen“ Morius versuchte die Erwartungen an die Gruppe zu senken jedoch hatte das wenig Sinn.
„Bevor wir von dem morgigen Tag sprechen, sollte uns eine Pause gegönnt werden!“ alle stimmten den Worten des Elfen Mytho zu.
„Gewiss möchte ich euch eine Pause gönnen, ich habe jedem ein Zimmer im Südturm fertig machen lassen. Ich könnt natürlich jeder Zeit die dienste meines Personals in Anspruch nehmen und ich habe natürlich eine Party für euch arrangiert. Hierbei könnten wir uns ausgelassen über den morgigen Tag unterhalten“ mit einem Nicken machten sich die Mitglieder der Gruppe auf in den Südturm.
Jeder einzelne hatte dort ein Zimmer für sich, Mia hatte ihr Zimmer ja schon kennen gelernt. Sie entschlossen sich eine kurze Pause zu nehmen, so verschwand jeder für sich in sein Zimmer.
Und so war sie wieder in diesem Turmzimmer, es war derweil dunkel Draußen, einige Kerzen waren jetzt im Zimmer verteilt sie legten das Zimmer in ein schwaches Licht.
„Und so sehen wir uns wieder Mia“!
Erschrocken fuhr Mia rum, ihre Augen suchten nervös in dem dunklen Zimmer. „CRUSH“ rief sie, ein Lichtblitz raste durch Zimmer.
„STOPPOS“ der Blitz verschwand augenblicklich.
Sie erblickte einen dunklen Schatten in dem großen Sessel am anderen Ende des Zimmers.
„Entschuldige bitte mein Eindringen. Doch ist es an der Zeit, dich deiner Bestimmung ein Stück weit voranzutreiben“.
Der Schatten erhob sich aus dem Sessel und trat ins Licht. Die dunkelblaue Kutte verdeckte zwar Gesicht und Körper jedoch erkannte Mia jene Person sofort. „Der Meister des Magierordens“ flüsterte sie.
„Ja Mia richtig, aber bin ich das nun nicht mehr. Meine Arbeit ist dort beendet und nun bin ich in meiner letzten Mission unterwegs“.
„Ich fürchte ich verstehe nicht ganz“ nutzte Mia die Redepause des Mannes.
Er grinste leicht: „Natürlich nicht, vermutlich wirst du das nie. Aber ich werde versuchen dir das ganze leichter zu machen“. Der Magier schluckte bevor er abermals zu einer Rede ansetzte: „Also wie fange ich an besten an?“ eine kurze Pause trat ein “Ja sehr gut, das ist gut“ murmelte er vor sich hin. „Ich werde damit anfangen dir von einem Lebensabschnitt von mir zu erzählen, damals war ich in der Magierlehre. Ich war dort einer der begabtesten Schüle und ich lernte schnell, jedoch war ich immer nur der zweit beste Schüler. Immer wieder überbot mich eine Person, ein Mädchen, sie war besonders schlau und gewieft, doch war sie ein ganz besonders, sie war besonders schön. So schön wie du es jetzt bist Mia!“. Der Mann wendete sich von Mia ab und wandte sich dem Fenster zu, er sah nicht wie Mia bei seinen Worten ihre Stirn in falten legte. „Ja Mia, sie war so schön wie du, das alles kommt natürlich nicht von irgendwoher, sie war deine Mutter Mia...“. „Was du kanntest meine Mutter?“ unterbrach sie den Mann, doch ging er nicht auf sie ein. „Wie gesagt überbot mich deine Mutter immer wieder, ehrlich gesagt haste ich sie damals, sie war so perfekt, oberflächlich arrogant und zickig. Doch war sie das ganz und gar nicht, eines Abends besuchte ich sie in ihrem Zimmer, eigentlich wollte ich nur hinter ihr Geheimnis kommen, jedoch fand ich am jenem Abend den waren Charakter dieses Mädchens. Als ich damals in ihr Zimmer trat weinte sie leise vor sich hin, ich fragte sie sofort welchen Grund sie dafür hatte, doch wies sie mich ab. Doch lies ich nicht locker, und irgendwann erführ ich von ihr warum sie jede Nacht weinte. Dein Mutter Mia, sie...sie weinte weil sie von ihren Eltern damals gegen ihren Willen in diese Lehre geschickt wurde und damals alle Personen verlassen musste, die sie liebte. Freunde, ihr geliebtes Zuhause und ihre Eltern durfte sie nicht wiedersehen. Sie schwur sich damals, so mächtig in der Magie zu werden um jenes Schicksal welches sie hatte von jedem anderen Kind abwenden zu können. Sie wollte die Freude und Liebe in der ganzen Welt verbreiten, kein Leid sollte mehr auf der Welt sein. Auch wenn dieser Wunsch naiv und dumm war, war er ihr besonderer Antrieb. Hekate wusste immer genau was sie tat und sie verlor nie ihr Ziel aus den Augen, sie wurde das personifizierte Schicksal. Sie wurde immer mächtiger und mächtiger und eines Tages verlies sie die Lehre und besuchte die Welt. Dort wo sie auftauchte veränderte sich alles, ins gute so wie ins schlechte. Und dann war es an mir sie zu stoppen, den du musst wissen damals war sie so mächtig, dass es nicht viele Zauberer gab, die sie hätten aufhalten können. Und sie musste um jeden Preis aufgehalten werden, auch wenn sie nur gutes tun wollte, konnte sie nicht alle gleich behandeln. Sie veränderte den symbiotischen Kreis des Lebens, es gibt nur dann Freude wenn es Leid gibt und es gibt nur Liebe wenn es auch Hass gibt. Existiert eins nicht existiert beides nicht und die Welt gerät aus dem Gleichgewicht.
Nun war es also meine Aufgabe deine Mutter zu finden und zur Vernunft zu bringen, als ich sie fand forderte ich sie tatsächlich zu einem Duell auf. Sie aber tat seltsames, statt eines Duells zeigte sie mir jene Personen, die durch ihre Hilfe die Freude und Liebe gefunden hatten. Ich war anfangs sehr überrascht von ihrem Verhalten, ich hielt es für eine Provokation jedoch verstand ich nach einer Weile was sie damit bezweckte. Sie zeigte mir im Prinzip nicht nur jene Leute die glücklich waren, sie zeigte mir auch ihre Gefühlslage damit. Und ich begriff, dass sie glücklich damit war, was sie tat, auch wenn es falsch war, sie war glücklich. Und mit ihrer Freude riss sie mich mit, ich vergas meine eigentliche Mission und half ihr sogar ein paar mal bei ihrer Arbeit.
Dies war die schönste Zeit meines Lebens Mia.“ Er drehte sich wieder zu der Zauberin hin um, Mia konnte ein Grinsen auf seinen Lippen erkennen. „Er muss wirklich glücklich gewesen sein“ dachte sie.
„Was ich jetzt aber damit sagen will ist folgendes, damals handelten wir nicht...wie sagt man...nach reinem Gewissen. Wir handelten nach unserem Gewissen, was uns stark und glücklich werden lies. Also handle in den folgenden Tagen nicht nach Moral und anstand, zeige Jedem hier, was dir das Land wert ist, sei es auch mit Mittel die eher anders sind“. Der Mann in der blauen Kutte schaute erwartungsvoll auf Mia, wie als würde er auf ihr Fragenbombardement warten. Sie erwiderte den Blick des Magiers und sprach: „Auch wenn ich das jetzt nicht genau verstanden habe, scheinen mir deine Worte wahr zu sein. Mich interessiert jedoch jetzt nicht wie ich zu handeln habe an den kommenden Tagen, vielmehr interessiert mich meine Mutter. Wie gut kanntest du sie, war sie wirklich so besessen wie du erzählst und warum erzählst du mir jetzt von ihr?“.
Der Mann neigte seinen Kopf. „Hekate wahr nicht besessen oder so, sie hatte ein Ziel. Ein Ziel welches du auch haben solltest Mia, wer ohne Perspektive umher irrt ist verloren, doch wer ein festes Ziel hat ist unschlagbar“.
Seine Stimme war voller Energie und Engagement.
„Und warum ich dir von ihr erzähle! Sie sollte dir ein solches Vorbild sein wie sie mir eins war!
Mia war immer noch nicht zufrieden, auch wenn sie vieles über ihrer Mutter erfahren hatte blieb jedoch noch so einiges im Dunklen, das spürte sie deutlich.
„Meine Mutter ist nicht da, wie soll sie mir da ein Vorbild sein?!“ sagte sie plötzlich mit lauter, energischer Stimme.
Wie als würde der Mann genau diese Frage erwartet haben schmunzelte er.
„Du Irrst dich Mia“ erwiderte er ihr.
„WAS?“ sagte sie empört laut.
Wieder schmunzelte er. „Deine Mutter ist immer bei dir, seit einiger Zeit sogar mehr als zuvor“.
Mia schaute sofort reflexartig auf ihr Amulett. „Ja genau, sie ist immer bei dir“.
Mia verstand sofort, sie spürte von je her eine bekannte Macht, die von diesem Amulett ausging jedoch vermochte sie nicht zu erraten das ihre Mutter ihr diese Kraft verlieh. Tränen rollten über ihre Wangen, sie spürte jetzt die Anwesenheit ihre Mutter, wie ein Bild sah sie vor sich das schöne Gesicht ihrer Mutter, es lächelte ihr sanft zu.
„Kurz bevor Hekate starb, schloss sie ihre Macht in dieses Amulett ein. Mit einem starken Zauber versiegelte sie jedoch ihre Macht in diesem Amulett. Nur wer auserwählt ist diese Macht zu benutzen und wer ihres Blutes ist kann die Macht des Schicksals nutzen. Nun ist es klar das nur eine Person diese Macht erhalten kann...Du Mia, du bist ihres Blutes und auserwählt bist du schon seit deiner Geburt!“ sagte der Zauberer zufrieden.
„Wie aber kann ich diese Macht nutzen?“ fragte Mia angespannt.
„OH, keine Sorge...wenn die Zeit gekommen ist wirst du wissen wie!“ antwortete er.
Unbefriedigt ging die Zauberin in ihrem Turmzimmer auf und ab.
„Mia macht dir keine Gedanken, ich weiß was du jetzt erfahren hast war sehr viel und es macht dich vielleicht sogar unsicher jedoch solltest du der Zeit eine Chance geben und nicht zu ungeduldig sein. Deine Mutter hat dir die Macht des Schicksals vermacht...du kannst nicht zu wenig oder zu viel Zeit haben, die Zeit wird dir deinen Weg offenbaren“. Eine kurze Pause trat ein.
„Ich denke wir sollten aber jetzt zu deinen Freunden gehen, sie haben bestimmt schon mit der Party angefangen. Ich will noch mal...wie sagt man...auf den Putz hauen bevor wir in den Kampf ziehen. Oh... ich vergas ich werde übrigens an deiner Seite kämpfen, dass habe ich deiner Mutter versprochen. Man kann ja seiner ersten und wahren Liebe keinen Wunsch abschlagen“.
Überrascht, konnte Mia nur verlegen Grinsen, sie nickte kurz und beide gingen Seite an Seite aus dem Zimmer.

Als sie den großen Thronsaal betraten staunten sie nicht schlecht, der vorher eher kahle Saal war nun festlich geschmückt. Ein großes Banner über dem Thron zeigte allen um was es eigentlich geht: Zeit zum Feiern ist Heute, Morgen wird Triumphiert.
Mia und der Zauberer waren mit die letzten, die den Saal betraten, es schien als würde die ganze Armee von Britain anwesend sein, so überfühlt war der Saal. Es dauerte ein wenig bis Sie ihre Freunde erblickte, die sechs saßen an einem langen Tisch, vor ihnen türmten sich Essensberge.
„(Schmatz)Hier(Schmatz) her“ rief Markus als er Mia erblickte, sein Mund war noch mit einem Hühnerschenkel beschäftigt.
Als die Zauberin bei ihren Freunden ankam, schauten alle auf ihren Begleiter. „Oh...das hier ist...“„Tyren“ ergänzte er sie schnell und hob seine Kapuze vom Kopf.
Mia schaute erstaunt auf den Magier, er war um einiges junger als sie dachte, er wiedersprach so jeder Vorstellung, die Mia zuvor hatte.
Er hatte das Gesicht eines jungen, gutaussehenden Mannes, unter seiner Kapuze trug er kurzes, braunes Stoppelhaar und seine grünen Augen glänzten verführerisch.
Erst als Franz von Tiefenfels seine Stimme kurze Zeit später über den Saal erhob, wandte sich ihr Blick von Tyren ab.
„Meine lieben Mitstreiter, Morgen nun ist der Zeitpunkt gekommen um sich dem Bösen zu stellen. Auch wenn nicht alle hier den Tag überstehen werden, sollten wir mit der Gewissheit kämpfen unser Bestes getan zu haben. Also lasst uns nun die letzten Stunden feiern, lasset uns heute feiern und Morgen triumphieren“. Ein lautes Gejohle und Beifallklatschen folgte den lauten Worten des Franz von Tiefenfels.
Die Gruppe der acht Helden schaute sich argwöhnisch um, jeder hatte den selben Gedanken: Miese Ansprache und zuviel Zuversicht bei der Bevölkerung Britains. Doch sagte keiner ein Wort, keiner der acht wollte die Euphorie im Keim ersticken.
Die Feier zog sich noch lange hin, erst als schon der Morgen graute verließen nach und nach alle die große Halle. Zum Schluss saßen dann nur noch Morius, Mia, der König und Lirav an dem langem, breiten Tisch verlassen in der großen Halle.
„Hey Mia, sag mal woher kommt dieser Tyren eigentlich? Ich hatte irgendwie keine Gelegenheit mit ihm zu sprächen“ fragte Morius, der sich gerade noch einen Krug Bier genehmigte.
„Wo er herkommt weiß ich nicht, was ich weiß ist, das er jetzt hier in Britain den Orden der Magier betreut und früher mit meiner Mutter die gleiche Magierlehre besucht hat!“ antwortete sie, sofort dachte sie wieder an sein junges Äußeres.
„Wie? Er war in der gleichen Lehre wie deine Mutter, aber dann..“. Mia unterbrach ihn:“...ja er müsste sehr viel älter sein, ich weiß! Leider vergas ich ihn zu fragen, oder ich verdrängte es, eins von beiden“.
„Grhm“ Franz von Tiefenfels räusperte sich: „Da bannt sich wohl was an wah? Ein netter Kerl dieser Tyren, schaut gut aus und ein Gentleman ist er auch. Hat mir gesagt er würde dich um jeden Preis beschützen wollen!“.
Lirav, Morius und Mia schauten argwöhnisch ironisch auf den König, der schon kräftig angetrunken war.
„Tyren, so mysteriös er auch ist, hat eine gute Aura. Er wird uns sehr helfen können und wenn ich mich nicht irre, wird er noch eine bedeutende Rolle spielen“ sagte Lirav in seiner bekannt ruhigen Stimme.
„Ich stimme dir zu, Tyren ist ein guter Mann, er wird uns sicher sehr helfen können“ sagte sie und schenkte sich den Rest Wein, der noch in der Flasche war ein.
Kurze Zeit später machten sich die verbliebenen Vier auf ins Bett zu gehen.
Jeder ging mit der angespannten Erwartung des nächsten Tages auf sein Zimmer.

Lautes Krachen und Geschrei weckte Mia auf, sie rieb sich verschlafen ihre Augen und streckte ihre Arme von sich weg.
Erschrocken schreckte sie plötzlich auf, sie wusste schlagartig, was das Getöse draußen zu bedeuten hatte. „Der Kampf muss begonnen haben“ dachte sie panisch.
Rasch stieg sie aus dem Bett, hastig griff sie nach der Kleidung, die sie Heute vorhatte zu tragen. Ein dunkelgrünes, mit Silberfäden gepanzertes, knielanges Kleid, braune, knielange Stiefel und einen pechschwarzen Gürtel trug sie in nu. Sie hängte sich ihr Amulett um den Hals und legte es auf ihre nackte Haut ihres Dekolletes unter ihre Kleidung. Ein kurzes, silbern funkelndes Einhandschwert fand an ihrem Gürtel platz und ihre braunen, langen Haare waren zu einem Zopf geflochten.
Fertig gekleidet holte sie nochmals tief Luft bevor sie die Tür ihres Zimmers aufstieß. Mia musste einem Soldaten Britains ausweichen, der gerade vorbei rannte, als sie aus ihrem Zimmer trat.
„Mia, komm sie warten schon auf uns“ Neben ihr stand plötzlich Tyren, er trug wieder seine dunkelblaue Kutte.
Ohne sinnlos Zeit zu verschwänden, ging sie schnellen Schrittes wortlos hinter ihm her in Richtung Hof.
Auf dem Hof standen unzählige Soldaten, viele von ihnen saßen auf ihren gepanzerten Schlachtrössern. Unter den Soldaten machten sie ihre Freunde aus, Morius stand vollgepanzert und bis auf die Zähne bewaffnet neben den Pferden von Mytho, Markus und Donovan, Halvar und Lirav bevorzugten es zu laufen. Mit einem aufmunterndem Nicken begrüßten sie die beiden Magier, rasch wurden auch ihnen Pferde gebracht.
Ross und Soldat waren gleichermaßen Nervös, im Gleichklang trabten sie von einem Bein auf das andere.
Die Nervosität war ansteckend, Mia spürte ihren rasenden Puls genau, fest griff sie nach den Zügeln ihres Pferdes.
Von irgendwoher kam ein Schrei, auf den sich die Herrschar in Bewegung setzte. Mia ritt im Pulk ihrer Freunde, Morius schritt vor ihr, Mytho ritt zu ihrer linken und Tyren zu ihrer rechten, hinter ihr ging Halvar.
So von ihren Freunden umschlossen beruhigte sich ihr Puls, mit der Gewissheit, ihre Freunde um sich zu haben wich die starke Nervosität. Sie führte ihre rechte Hand hinüber zu Tyren, sie griff nach seiner Hand und umschloss sie fest.
„Bleib bei mir“ flüsterte sie ihm leise zu.
„Das werde ich“ erwiderte er ebenso leise.
Schnell brachten sie das Schloss hinter sich und schon bald sahen sie den dunklen Rauch des Kampfes vor sich, entschlossen zum Sieg trugen alle ihre Köpfe hoch, noch war keinem Bewusste welche Kreaturen auf sie warteten, Kreaturen, die so schrecklich waren...so unvorstellbar schrecklich...

Verfasst: 4. Aug 2005, 11:07
von Onkel Geri
Kapitel Einundzwanzig (XXI)

Neumond

Vorbei an kargen Feldern, hinaus aus der Königsstadt zog sich ein kaum enden wollender Strom von berüstetet und wagemutigen Kriegern gen Osten zu den Schlachtfeldern. Alle Beteiligten wussten dass sie heute große Taten vollbringen würden und gleichzeitig wurde ihnen beim Anblick der Massen an Verwundeten Entgegenkommenden bewusst, dass es auch gleichzeitig ihre letzte Schlacht sein könnte.
An der Spitze der sich von Britain entfernenden Armee befand sich König von
Tiefenfels, gerüstet in seine in der aufgehenden Sonne hell strahlenden goldenen Rüstung mit dem tiefblauen Umhang der seinem Schlachtross bis zu den Knien ging.
Schützend wurde er zu seinen Flanken von den Paladinen Arazels begleitet die allesamt eine stumme und ernsthafte Mine aufgesetzt hatten. Denen folgend die Schar der königlichen Ritter in ihren schweren Reiterrüstungen. Bevor eine gut zehntausend Mann starke Reiterfront folgte, bestückt mit den Fahnen und Flaggen des Königreiches, der Provinzen und der Gilden, reihten sich die höchsten Vertreter und Anführer der einzelnen Gilden um den König. Wie sie da alle hießen und teilnahmen, waren es eifrigen Anhänger des Arazels oder nur die einfachen und kleineren Gildenzusammenschlüsse- alle waren sie tateneifrig dabei und wollten einen Teil des, erhofften, Ruhmes durch einen Sieg gegen die Finsternis erhaschen. Nahmen die einen Teil wegen der Aussicht auf Ruhm, so die anderen des Goldes wegen oder eines Adeltitels, nur die wenigsten waren gekommen um für den wahren Grund zu kämpfen: das Überleben aller.
Etwas weiter hinten, nach den Reiterscharen und den gut fünfzig Kampfmagiern, ritten stumm die 8 Gefährten, eingekeilt zwischen etwas weniger als fünftausend Bogenschützend und der großen masse vom einfachen Fußvolk, welches sich deutlich unterscheiden ließ in erfahrene und gut gerüstete Soldaten und einfache schlecht bewaffnete Abenteurer.
Leicht zittrig in ihrem Griff um den Knauf des Sattels, saß Mia auf ihrem Pferd. Gerade als sie ansetzen wollte zu einem Wort um die bedrückende Stille welche sich gefunden hatte unter den Gefährten zu brechen, glitt ihr Blick zur Seite ab.
Drei leichte Reiter mit den königlichen Bannern, bestehend aus einer Blau-Gold geteilten Fahne mit der in strahlendem Weiß gehaltenen Königsburg um die herum sternförmig die Wappen der Provinzen und königstreuen Gilden standen, ritten an der Gruppe vorbei an die Spitze, vermutlich zu ihrem König. Am Anblick der erschöpften Pferde sah sich die junge Zauberin einmal näher um. Kaum einer, ihrer Freunde eingeschlossen, der sich dieser Streitmacht angeschlossen hatte schien wirklich ausgeruht und bei Kräften zu sein. Scheinbar schienen trotz des dauerhaften Kampfeinsatzes die Soldaten der verschiedenen Bünde besser erholt als das einfache Kriegsvolk. Ich schweife ab, unterbrach sich Mia selbst in ihrem Gedankengang.
Lautes Husten drang aus Tyrens Mund. Die Sicht wurde rapide schlechter und alle wurden in dunklen Rauch eingehüllt der die Sonne beinahe verdeckte. Es roh widerlich nach verbranntem Fleisch mit einer Prise des unverkennlichen Geruches des Todes. Langsam endete der nun gut einstündige Galopp und die ersten Häuser traten an den Seiten durch die giftgelblich angehauchten Rauchschwaden. Erst als den Reitern das Geräusch von Hufen auf Steinen ins Ohr huschte bemerkten sie dass sich der Trupp bereits in den Gassen und Straßen der reichen und mächtige, doch aber unabhängigen Handelsstadt Hildesia befanden. Hildesia war vor gut tausend Jahren als kleine Siedlung um eine Mine herum an den Ausläufern des Despice Gebirges entsprungen. Einige Bergleute fanden schier endlose Schätze in den Mienen und schnell wuchs die Stadt zu einer wahrlichen Metropole an. In der vergleichbar kurzen Geschichte der Stadt kam es mehrmals zu
einzelnen Kriegen zwischen der Stadt und Provinzen welche sich der Stadt, also deren Reichtum und Einfluss, bemächtigen wollten. Doch entweder waren es die Stadtherren oder die nah angesiedelten Dragon Lords die durchweg für die Unabhängigkeit der Stadt sorgten so dass es sich eingelebt hatte und die letzten vierhundert Jahre ereignislos blieben und die Stadt ihre Ressourcen auf den Ausbau und die Verschönerung verwenden konnten.
Wer kennt nicht das Sprichwort: Wer Gold sucht muss nur die Straßen von Hildesia finden.
Und genau diese Stadt lag nun mitten im Kampfgebiet, war die letzte Bastion der Menschen gegen die annahende Übermacht der Finsternis.
Vorbei an reich aussehenden Fachwerkhäusern und Marmorbauten folgten Mia und ihre Gefährten dem Strom an Kriegern. Sie durchquerten ein riesiges Tor welches sich aus dem dichten Rauch auftat und kamen durch einen anscheinend zerstörten Teil der Stadt. Zu beiden Seiten brannten in hellen rot und gelb Tönen die Häuser nieder und sorgten für den herzhaft in Aug und Lunge stechenden Rauch.
Von vorne, oder hinten- Mia konnte es nicht genau einschätzen, ertönte der helle Klang von Fanfaren.
Ein kurzer Blick von ihr zur Seite und ein ruckiges Zucken mit dem Hals besagte ihren Freunden mit ihr zu kommen. Sie ritten vorbei an den anderen und durchquerten mit einem male überraschend das Ende des Rauches. Vor ihnen erstreckte sich eine weite Ebene die mit zerstörten und bis auf die Grundmauern heruntergebrannten Häuserruinen bestückt war. Schwer schluckte die Zauberin und konnte aufgrund ihrer magischen Begabung förmlich spüren wie sich die Seelen der Gefallenen immer noch rastlos umherirrend hier befanden. Eine kalte Schweißperle formte sich in ihrem Nacken und rann ihr kitzelnd den Rücken entlang, doch ihr war keineswegs des Lachens zumute.
Im leichten Galopp zwängte sich die Gruppe etwas abseits des Hauptweges durch die Ruinen und wich dabei immer wieder Trümmern und Steinen aus, bis sie bereits die hohen Wallanlagen näherkommen sehen konnten. „Dort müssen wir entlang.“ Fuhr es Mia heraus gerade als wieder die Fanfaren ertönten, dieses mal eindeutig aus der Richtung in die sie ritten. Ihr Weg führte statt durch den großen Doppeltorbogen durch ein großes Loch, anscheinend von einem Steinbrocken erzeugt, in der Wallanlage und sie befanden sich in einer anderen Welt.
Scheinbar anderen Welt. Mia konnte die anderen aufatmen hören und auch sie
spürte und genoß den erfrischenden, leicht feuchten, Geruch der in der Luft lag. Vor ihnen erstreckte sich ein scheinbar endloses Areal das durchsetzt war von einzelnen Nebelbänken- die Sümpfe von Hildesia und des Nördlichen Territoriums (wie die Gegend auf der anderen Seite des Moors gerne genannt wurde).Rings um die Wallanlagen befanden sich riesige Felsklumpen in den weichen Morast gebohrt, sofern sie nicht bereits versunken waren. Scheinbar war der Feind sehr nahe. Wie nahe merkten alle als sich ein großer Schatten über sie hinwegbewegte und lautstark in einiger Entfernung hinter ihnen in der Stadt verschwand.
Angespannt richteten sich acht Augenpaare auf den Sumpf vor ihnen. Keiner konnte etwas sehen, weder den Feind noch die Kriegsmaschinen die für den Abschuss dieser Steine verantwortlich waren. Ein kurzer Blick zu Tyren von Mia und ein leichter Pfiff dazu und er verstand und nickte knapp. Beide hoben, begleitet von neugierigen Blicken der anderen, ihre Hände in die Luft und murmelten etwas das „In Vas Hur“ ähnelte. Da aber keiner außer den beiden Magiern wusste was dies bedeutete, war die Überraschung der anderen umso größer als sich in der weiten Ferne die Nebelbänke wie von Geisterhand auflösten. Ein leichtes Würgegrunzen erklang von Donovan. Hinter den Nebelbänken befand sich eine Wand die sich über die gesamte Breite des Sumpfes erstreckte. Noch schlimmer war: die Wand bewegte sich, und noch sehr viel schlimmer war dass diese Wand keine Wand im
eigentlichen Sinne war, sondern aus den schwarz funkelnden Rüstungen des Feindes bestand. War das Schweigen der Gruppe vorhin in der Stadt noch bedrückend so war es nun erschlagend.
„Quack,“ ein kleiner Frosch hüpfte hinter einem Sumpfgrasbüschel hervor und
hoppelte um das Büschel herum und verschwand wieder quackent dahinter. „Hihi,“ ein leises Kichern von Markus durchbrach die Stille.
„Und nun? Wie sollen wir denn gegen die dort gewinnen mit so wenigen wie wir sind?!“ platze es Mytho heraus. „Naja mein Onkel...“ „Dein Onkel? Wir sind verloren, schau dir das doch einmal an- das sind Tausende, Hunderttausende!“ unterbrach der Elf Donovan.
„Naaaaananana- he die schaffen wir doch mit verbundenen Augen!“ „Na aber sicher und sogar mit verbundenen Händen!“ schoben sich Halvar und Morius das Paket Mut gemischt mit einer Priese Hoffnung und Galgenhumor zu und ernteten einen entnervten Blick des Elfen.
„Lasst das! Folgt mir lieber nach vorne und lasst gefälligst Donovan in Ruhe.“
Fuhr Mia dazwischen und setzte mit einem leichten Schubs ihr Pferd in Richtung Kampfspitze in Bewegung.
„Tala...“ murmelte Mytho abfällig, folgte dann den anderen- jedoch mit einigem Abstand als letzter.
Nach einem kurzen Ritt quer durch die Ausläufer des Moors gelang die Gruppe bei König Tiefenfels an. Dieser war gerade damit beschäftigt den Rittern und Gildenanführern die Befehle für ihre Koordination zu erteilen und die lose Menge an Kriegern im Rücken der kleinen Versammlung nahm auch bereits sichtbar an Formationen an. Als der König die herangenahten Gefährten erblickte, lichtete sich sein Gesicht auf und er drang sich sogar zu einem knappen, aber scheinbar ehrlich gemeinten, Lächeln durch und ging auf das Reitergrüppchen zu, als eine markerschütternde Stimme aus der Richtung des Gegners erschallte. „EEEEEEEEEEEEEEEH! Pack!“
Das Klappern und Klirren der Menschen verstummte nach und nach.
„Flieht doch ihr Narren- wenn ihr könnt. Oder tötet euch gleich lieber selbst, denn wir werden euch finden, überall und jederzeit. Ihr könnt nur verlieren. Uns wird es einen Heidenspaß machen eure Eingeweide euch aus zu saugen und dann zu zusehen ob ihr daran oder an anderen Spielereien von uns zugrunde gehen werden.“
Schallendes Gelächter ertönte über dem Sumpf.
Mia wechselte auf die Astralebene. Sie merkte wie ihr Geist den Körper verließ und sich die Farben der Welt änderten. Zu ihrer Linken sah sie viele abertausend einzelne zu einer großen zusammengeschmolzenen Aura der Menschen. Eindeutig war große Angst in ihr zu erkennen. Zwar waren hier und dort auch einige helle Punkte im Grau zu entdecken, doch diese gehörten meist Paladinen oder erfahrenen Veteranen die mehr als einen Krieg erlebt hatten. Auf der anderen Seite hingegen flackerte das pure Böse. Lange konnte Mia diesem Blick nicht standhalten und blickte stattdessen in den Himmel. Voller Erschrecken musste sie feststellen dass der Feind scheinbar überall war. Über ihren Köpfen flackerten Hunderte von
maskierten Auren die scheinbar mächtigen, nichtmenschlichen Wesen gehörten. In der Mitte jedoch befand sich eine scheinbar menschliche Aura. Und diese Aura befand sich ebenfalls auf der Astralebene- es war Isorn Trestolt, der Erste Paladin Morgoth der dort über ihnen schwebte und lautstark seine
Einschücht-Parolen von sich gab.
Als er Mia erblickte warf er ihr ein bitteres Lächeln zu welches für eine
mehrfache Gänsehaut bei der jungen Zauberin führte die sie sogar im astralen Zustand spüren konnte. Kurz darauf verschwand er und kehrte, anscheinend, in seinen eigenen Körper zurück. Nach und nach gereihten sich weitere Auren zu Mia, die Kampfmagier askenten anscheinend ebenfalls die Umgebung nach möglichen Fallen. Lautstark unterhielten sich einige und deuteten auf die maskierten Auren welche sich über den Köpfen der Anderen befanden. Seufzend kehrte Mia auf ihre normale Sichtweise zurück. „Sagt, eure Majestät, was könnt ihr gegen Dämonen oder dergleichen anrichten?“
„Ähm öh Dä Dämonen?!“ stotterte der König nur leicht und auch sehr langsam und wurde sichtbar bleich. Eine von Macht und Stetigkeit berauschte Stimme erklang in Mias Rücken. „Darum, kümmern WIR uns. Dafür sind wir gekommen. Kümmert IHR euch lieber um das Fußvolk dieser Landplage!“
Beinahe gleichzeitig drehten sich alle Anwesenden herum und blickten auf eine gut zwei Fuß hohe Gestalt in einer blendend Himmelsblauen Rüstung welche auf einem gleichfarbigen gepanzerten Ross saß. „Paladin Falkur de Light, für diejenigen die noch nicht von mir gehört haben, aber ich denke da sollten wenige unter euch sein.“ Jetzt schon wusste Mia dass sie nicht viel anfangen würden könnte mit dieser scheinbaren „Abart“ eines von sich selbst am meisten überzeugten Paladins. „Nun denn, dann kümmert euch darum.“ Fuhr Mia ihm schnippisch entgegen. Ohne darauf zu reagieren, schwenkte Falkur sein Pferd herum und ritt in Richtung seines Gefolges welches sich etwas Abseits platziert hatte. „Vorsicht! Passt Auf! Bei den Göttern! Du lieber Himmel!“ Hektisches
Gebrüll entstand in der nun formierten Menge als von mehreren Wurfmaschinen des Gegners abgefeuerte Dinge auf die Masse niederregnetten. Halvar konnte gerade noch sein Schild schützend vor sein Gesicht stemmen ehe etwas platschend gegen dieses prallte und auf den Boden rollte. Voller Entsetzen sah der König was ihm dort vor die Füße rollte: ein Kopf.
„Was...?“ „-Köpfe, Sire. Sie haben Köpfe von getöteten Soldaten auf unsere
Krieger abgefeuert, Sire. Der Feind nutzt diese Taktik um...“ „Genug! Schweige er!“ unterbrach der König einen seiner Militärberater. „Informiert die Gruppenführer, lasst zum Kampf blasen.“
Ein nahestehender Soldat in einer prunkvollen Rüstung salutierte blechern und gab den Befehl an Boten weiter die sich in Windeseile davon machten. Keine zehn Atemzüge später ertönten die Posaunen und Fanfaren. Rasselnd kam die große Menge in Bewegung und näherte sich dem Rand des Sumpfes. Auf der anderen Seite des Sumpfes ertönte ein lautes Grollen untermischt von Trommelaskapaden welche schnell näher kamen. Ohne es zu wollen fanden sich die acht Gefährten plötzlich mit an der Spitze des Reitertrupps. Seine Macht demonstrierend hob der König sein Langschwert in die Höhe und ritt los in Richtung des Feindes. Ihm folgten laut grölend die Reiterscharen und Bogenschützen welche allesamt beritten waren.
Mit einigem Abstand folgte dann das gemeine Fußvolk, zu einer breiten glänzenden Masse aus Sperr und Hellebardenspitzen verschmolzen. Einzig die Magier blieben etwas zurück und befanden sich dem den Lanzenträgern bei den Baliesten. Berauscht vom Gejohle der Masse und dem betäubenden Lärm der Pferde ließen sich sogar leichte Hasenfüße wie Donovan manchmal, und in diesen Tagen war er einer, zu sein schien mitreißen und ihrer selbst vergessen. Mit die einzigen welche eher gelassen und voller Vorfreude auf das kommende Gemetzel in den Kampf ritten waren Morius und Halvar. Auch waren sie solch lustige Leut’, dass sie sich erst noch ein, zwei Ampullen besten Zwergenbieres in sich hineinschütteten ehe sie zu ihren Waffen griffen, dies dann aber mit einem herzhaft lautstarken Gebrüll
taten. Irgendwo in der Menge von Fahnen, Sperren und Allerlei ertönten immer wieder, scheinbar in bester Perfektion aufeinander abgestimmt, die Fanfaren und Posaunen um den Männern Mut ein zu flößen.
Auf der entgegengesetzten Seite bahnte sich mit jedem Schritt den die andere Seite tat ein genaueres Bild des Feindes ab. Mehr als sechzig Reihen schwarz berüsteter Krieger stürmten auf ihren ebenfalls schwarzen Rössern auf die Gegenseite zu. Gerade als sich die beiden Kriegsparteien vielleicht nur mehr fünf Atemzüge entfernt waren, flogen von beiden Seiten aus dichte Wolken gen Himmel die als Pfeilhagel wieder herunter prasselten und zahllose Reiter stürzen ließen.
In dem Moment als sich Mias Pferd aufbäumte und für einen Augenblick während des Sprunges in der Luft befand, kam es ihr so vor als würde die Zeit beginnen zu stocken und der Lärm verblasste.

„Vier, Fünf, Sechs-Sieben-uhaaaaaaAcht..“ mit geschickten Bewegungen und
Kraftvollen Schlägen holte der stämmige Nordmann Halvar einen Gegner nach dem Anderen, mal mit mal ohne Kopf, vom Pferd und lachte schallend über jeden Gefallenen. Noch mehr im Blutrausch war nur Morius. Zwar war dieser bereits nach dem zweiten Gegner vom Pferd gefallen und fluchte seither lautstark, vor allem auch da er immer zwei Gegner im Rückstand zu Halvar hatte, jedoch legte der Zwerg mehr Wert auf Feinheiten. Weshalb den Gegner schnell töten mit einem Schlag wenn es doch auch mit zweien geht? Wie dem auch sei, beide hatten ihren Spaß und waren auch dementsprechend schnell in einen leicht oder stark blutig-roten Farbhauch getaucht. Schwerer taten es sich da schon der Elf Mytho und Lirav- welcher in seiner Tiergestalt durch die Massen von Gegnern hetzte und blutdürstig eine Kehle nach der anderen durchbiss, teilweise den stählernen Halsschutz gleich dazu. Auch wenn Lirav ziemlich unverwundbar war, so schmerzten auf Dauer doch die zahlreichen Einstiche, obgleich sie binnen weniger Sekunden wieder verschlossen waren. Was erschwerend hinzu kam war, dass Lirav sich oft vor den Rücken des Elfen werfen musste um diesen vor Verletzungen zu bewahren. Mytho war zwar nur gering langsamer in seiner Reaktion, dafür aber umso stärker verletzbar und glücklicherweise hatte es die beiden gerade in die Ecke der Schlacht verschlagen in der auch Untote skelettartige Krieger mitmischten. Zum Entsetzen der Beiden sahen sie in einiger Entfernung des Königs Rücken und wie ein riesiges Skelett, scheinbar eines welches mal ein Oger gewesen sein mag, sich aufbäumte und die Axt zum Schlag ausholte.
Stille. Die Zeit schien still zu stehen und das Kampfgeschehen sah aus als ob es sich gefestigt hatte.

MIA/TYREN

Mia war von ihrem Pferd gestürzt als sich der Pfeilhagel über ihr entlud,
noch etwas benommen tastete sie instinktiv ihren Körper ab, augenscheinlich hatte kein Pfeil sie getroffen. Doch verspürte sie schlagartig einen starken dumpfen Schmerz in ihrem rechten Bein, mühsam raffte sie sich hoch, ihr Bein schmerzte stark. Sie zog ein kleines Stück ihres Kleides hoch und erblickte den dicken, grünblauen Fleck auf ihrem Oberschenkel.
Jetzt erkannte sie, dass unter ihr ein Felsbrocken gelegen hatte auf dem sie dummerweise gelandet war.
Sie versuchte den Schmerz zu verdrängen in dem sie sich wieder dem Kampfgeschehen zuwandte.
Sie bemerkte die plötzliche Unruhe in den Reihen der verbündeten Kämpfer, irgendetwas musste geschehen sein.
Rasch ging sie zu ihrem Pferd, welches auf dem Boden lag, ein hässlicher, schwarzer Pfeil steckte in der Flanke des Pferdes. Mit einem Ruck zog Mia den Pfeil heraus, ihr Pferd wieherte vor Schmerz auf. Etwas zögerlich und schwerfällig erhob sich das Pferd, es humpelte jetzt genau so wie Mia.
Sie konnte unmöglich ihrem Pferd den Kampf weiter zumuten, sie beschloss es nach Hause zu schicken, mit einem Klaps auf das Hinterteil trabte das Pferd schwerfällig in Richtung Heimat.
Mia musste jetzt vorerst ohne Pferd auskommen, ihr Bein schmerzte jetzt noch stärker als zuvor, sie spürte wie ihr Bein immer mehr an Kraft verlor und sie zunehmend behinderte. Zum Glück war sie in Mitten ihrer Gefolgsleute ansonsten wäre sie ein leichtes Ziel für einen Angriff.
Angespannt schaute sie sich um, tapfer kämpften alle, jedoch vermisste sie Tyren an ihrer Seite, wo mochte er sein. Noch bevor sie ihren Gedanken beenden konnte erkannte sie die Gefahr.
Noch gerade so eben wich sie einem Lanzenstoß aus, vor ihr hatte sich plötzlich eine Lücke in den Reihen ihrer Verbündeten gebildet.
Ein schwarzer Reiter hatte sie knapp mit seiner Lanze verfehlt, doch drehte der Reiter um und ritt erneut eine Attacke.
Mia hob ihr Schwert, ihr Bein schmerzte fürchterlich, wieder entging sie knapp dem Lanzenstoß, mit ihrem Schwert gelang es ihr gerade noch den Stoß abzuwehren. Mia bemerkte plötzlich die Unsicherheit ihres Gegenübers, nervös und unerfahren agierte der Schwarze Reiter.
„Lemarik“ sagte Mia leise, sie stellte dem Reiter eine Falle, wenn er wirklich so unerfahren war würde er in die Falle tappen.
Und genau dies geschah, wieder ritt er auf Mia zu, zu spät erkannte er die Falle, auf dem Boden vor Mia leuchtete ein hellroter Kreis auf.
Der schwarze Reiter stand nun genau in diesem Kreis, sein Pferd konnte kein Schritt mehr machen. Mia schaute in die blauen Augen, die durch die Helmnische zu sehen waren. Angst, sehr starke Angst zeichnete sich in diesen Augen ab. Zögernd rief Mia: „Faru“.
Der hellrote Kreis fühlte sich mit gleißendem hellen Licht, das Licht entlud sich und bildete eine mächtige Lichtsäule. Der schwarze Reiter, schrie vor Schmerz auf und flog im hohen Bogen vom Pferd.
Als die Säule erlosch lag der Reiter schwer verletzt neben seinem toten Pferd. Mia näherte sich dem Reiter, langsam bückte sie sich zu ihm herunter und nahm vorsichtig seinen Helm ab. Ihr Herz setzte aus, ein Junge, ein nicht mal volljähriger Junge lag vor ihr auf dem Boden.
Tränen füllten ihre Augen.
„Es...tut mir...leid“ sagte der Junge schwerfällig bevor er starb.
Mia schloss seine Augen und drehte sich schwer betroffen von dem Jungen ab.
Der ganze Kampf entwickelte sich ganz anders als sie dachte, sie hatte ein Kind getötet, ein Kind!
Mia wandelte gedankenverloren, zwischen den Kämpfern beider Seiten, sie merkte ihr Bein nicht mehr, sie merkte noch nicht mal, dass sie etlichen Schwerthieben und Lanzenstößen entging.
„MIA, MIA...hier bist du ja, ist suchte dich verzweifelt“ rief ihr Tyren zu, der jetzt vor ihr auf seinem Ross saß.
Mia blickte hoch zu Tyren, ihre Augen waren noch immer von Tränen gefüllt.
„Oh Gott Mia, bist du verletzt?“ Tyren sprang von seinem Pferd ab und schaute besorgt ihren Körper herunter.
„Nein mir geht’s gut alles halb so wild“ log sie.
„Ich lebe noch, ich lebe, ja ich darf leben...“ heulend fiel sie in seine Arme.
„Mia was ist passiert, sprich rasch“ redete er auf sie ein.
„Ich habe ihn getötet!“
„Wenn hast du getötet“
„Einen Jungen...einen Jungen“
„Ich habe ein Kind getötet“
Tyren drückte sie fest an sich.
„Ich weiß so etwas ist hart, doch ist es nicht deine Schuld, der Krieg ist es. Der Junge wusste was er tat, er kannte die Risiken“ versuchte er sie zu beruhigen.
Mia löste sich von ihm und schaute tief in seine Augen, sie rieb sich die restlichen Tränen aus ihren Augen.
„Du hast vermutlich recht, doch sitzt der Schmerz tief, sehr tief“ sagte sie verzweifelt.
Tyren erwiderte ihren Blick.
„Ja, so etwas schmerzt, jedoch würde der Schmerz unerträglich wenn ich diesen Kampf und dich verlieren würde“.
Das Kampfgeschehen stand still, ein Standbild des Kampfes um die beiden herum.
Mias Wangen röteten sich, so etwas hatte sie jetzt nicht erwartet, ein seltsames Gefühl überkam sie, ihr Herz schlug schneller.
„Mia, du bedeutetst mir sehr viel, du bist deiner Mutter so ähnlich, so dass ich meine Gefühle zu dir nicht ignorieren kann“.
Mia schluckte. „Tyren ich weißt nicht...“ „Das musst du auch nicht“ unterbrach er sie abrupt.
„Wir sollten zusehen, dass wir wieder auf die Beine kommen“ sagte er bestimmend.
Ohne weitere Worte zogen beide wieder in den Kampf.
Stumm ritten sie gemeinsam in das Schlachtgetöse, Mia hatte sich ein herrenloses Pferd genommen.
Die Schlacht verlief nicht günstig das bemerkten sie.
„Wir müssen zur Ostflanke, dort scheint sich die Schlacht zu wenden“. Was Tyren und Mia noch nicht wussten war, dass genau an dieser Flanke soeben ihr König gefallen war.
Sehr beschwerlich erwies sich ihr Weg, jede Menge Untote stellten sich ihnen in den Weg. Immer wieder mussten sie listig reiten um dem Tot zu entgehen.
Doch plötzlich verlies das Glück sie, ein riesiger untoter Bergtroll schleuderte plötzlich ein riesigen Felsbrocken auf die beiden. Mia und Tyren konnten gerade noch ihre Rösser rumreisen um nicht frontal von dem Felsen getroffen zu werden, doch war der matschige Untergrund so seifig das beide Pferde wegrutschten und ihre Reiter abwarfen.
Tyren raffte sich schnell wieder auf, Mia dagegen war wieder auf ihr Bein gefallen, dass jetzt gänzlich streikte. Mia konnte nicht aufstehen und der Untote Riese näherte sich den beiden bedrohlich.
Tyren erkannte Mias Lage und warf sich sofort auf den Untoten, Mia konnte nur hilflos zusehen wie Tyren versuchte den Untoten von ihr abzulenken.
Es war wie David gegen Goliat, Tyren hatte keine Chance im Nahkampf gegen diesen Koloss zu bestehen. Geschickt konnte er immer wieder den harten Schwerthieben seines Gegners ausweichen, nach und nach verlies ihn aber die Kraft und immer langsamer wurden seine Bewegungen.
Der Untote schien dagegen keine Kraft zu verlieren, wie in Rage schlug er immer wieder in die Richtung des Magiers.
„CRU...“
Tyren hatte vergeblich versucht einen Lichtblitz zuzaubern, der Lichtblitz blieb ihm buchstäblich ihm Halse stecken.
Der kühne Magier sank schwerfällig zu Boden, ein Pfeil hatte sich in seinen Rücken gebohrt. Der untote Troll stand jetzt genau vor ihm, ein breites Grinsen erfüllte sein Gesicht. Tyren sah das blutverschmierte Schwert in der Hand des Trolls genau an, er folge seiner Bewegung, leicht wie eine Feder erhob es sich in die Luft bereit dafür ihn zu töten. Tyren schloss die Augen, er sah vor sich jene die er nie vergessen würde wollen, Mias schönes Gesicht strahlte ihn an, umhüllt von Licht deutete sie auf ein neues Leben.
„NEIN..“ Tyren öffnete seine Augen. Mia war soeben mit einem Satz vor ihn gesprungen und hatte den Untoten ihr Schwert in die Brust gerammt. Ungläubig schaute der überraschte Bergtroll auf Mia. „CRUSH“ der Blitz löste den Untoten gänzlich auf, allein ihr Schwert viel als Überrest zu Boden.
Erschöpft sank sie zu Boden, vor ihr kniete Tyren er kämpfte mit den Schmerzen.
„Mia“ Sie schaute hoch direkt in seine Augen.
„Mia verzeih mir, ich kann nicht mehr an deiner Seite sein“ sprach er mit schwacher Stimme und wieder blieb die Welt stehen.
„Hör auf, wir werden noch lange Seite an Seite sein“ redete sie sich ein.
„Nein Mia, ich denke meine Zeit ist jetzt gekommen. Es heißt ja, wenn man etwas verliert weiß man es am meisten zu schätzen. Es scheint zu stimmen, ich verliere dich und es schmerzt sehr“.
„Sag das nicht. Ich bin bei dir für immer...hörst du für immer“
Bei ihren Worten beugte sie sich zu Tyren rüber, ihre Hand strich über seine Wangen. Tyren griff nach ihrer Hand, sie fühlte sich kalt an doch spürte sie seine innere Wärme, sie spürte seinen Manafluss.
Mia wurde jetzt schlagartig klar, dass sie ihn verlieren würde.
„Mia...bitte..“ Mia legte ihren Zeigefinger über seine Lippen.
„Nein sprich jetzt nicht“. Mia wusste was sie tun wollte.
Ihre Lippen legten sich sanft über seine. Eine angenehme Wärme durchströmte beide Körper, Mia spürte ihren und seine Herzschlag, sie genoss diesen Moment, dieser Moment der so kurz und zugleich ewig war.


Des Königs Fall

Schlag für Schlag, Hieb für Hieb fuhr das Schwert des Königs von Britain durch die angreifende Menge von Untoten und Skeletten. Mit jedem Schlag verteilten sich die abgetrennten verfaulten Stücke der Gegner auf dem Boden und schon schnell war das große glänzende Schwert von Franz von Tiefenfels über und über mit einer grünlichen schleimigen Flüssigkeit befleckt die zäh an der Klinge hinablief.
Heißer Schweiß rann dem König über seine Stirn, schwer japste er mit jedem Atemzug, schon zu alt war er, und doch trat er unerschrocken dem Feind gegenüber. Die besten Schmiede des Landes hatten die Rüstung des Königs geschmiedet und sie war ein Meisterstück in sich, prunkvoll verziert, sehr leicht und dabei stabil und fest wie kaum eine andere Rüstung. Doch einen einzigen Nachteil hatte sie, beziehungsweise besaß der Helm des Königs: er gab ihm wenig Sehfreiheit. Nur durch einen kleinen, nach unten hin spitz zulaufenden kleinen Schlitz, musste sein Träger versuchen die außerhalb bestehende Umgebung zu erkennen. So kam es wie es kommen musste, wie in jedem Märchen dass die Großmütter ihren Enkeln erzählten: der König übersah etwas.
Mutig stand auch das gepanzerte Ross des Königs den Feinden entgegen. Seltsame Laute von sich gebend standen zwei untote Orken zur linken Flanke des Königs. Mit einem brachialen Schlag seines Schwertes hieb er den ersten Angreifer in zwei. Wütend grunzend hieb der zweite Ork nach dem König. Nur mit Glück konnte von Tiefenfels dem Schlag entgehen. Weit über seinen kopf hob der König sein Schwert, bereit einen Schlag auszuführen, und sah nicht wie sich hinter ihm ein riesiger untoter Skelettkrieger auftat und seine rostige Kriegsgabel hob.
Ein zerreißendes Geräusch klang durch den Brustkorb des Königs als Metall seinesgleichen traf und durchstach. Drei wie zornige Krallen aussehende Metallstachel traten ihm aus der Brust und starrten ihn an. Dem König stockte der Atem.
„Das...war es,“ schoss es ihm durch seinen Kopf. Kraftlos ließ er sein Schwert aus der Hand gleiten und es zu Boden fallen. Sein ihm im Rücken stehender Gegner zog die Forke aus dem dahinsiechenden König hinaus. Löcher die so groß waren wie drei Finger zusammen zierten den Brustpanzer. Schmerzen machten sich im Körper des Königs breit. Fassungslos starrte er auf seine Verletzungen und wartete so als ob noch etwas passieren müsste. Ein, Zwei Sekunden vergangen, dann quoll dunkles Blut aus den Drei löchern. Schwer ächzte der König, doch kein Schrei trat über seine ausgetrocknete Zunge, noch zu groß war sein Erstaunen.
Laut wiehernd kippte sein Pferd urplötzlich zur Seite und riss von Tiefenfels mit ihm auf den Boden. Ein unglücklicher Sturz, der König konnte seine Knochen brechen spüren als das schwere Pferd ihn zur Hälfte unter sich begrub. Ein eiserner Geschmack breitete sich in Tiefenfels Mund aus. Er spuckte etwas Blut auf den schlammigen Boden. Noch immer verwirrt von den sich schnell vorranhetzenden Ereignissen bekam er kaum mehr mit wie sich treue Gefolgsleute auf den Skelettkrieger und den untoten Orken gestürzt hatten, welcher das Pferd mit zwei geschickten Hieben unter die Panzerung zu Fall gebracht hatte.
„Der König ist gefallen! Wir sind alle verloren!!“ „Schützt den König! Schützt den König!“ Tönte es schallend in Tiefenfels Ohren.
Mit einem mal empfand Tiefenfels sein Schicksal nicht mehr als dunkle Zukunft, er fühlte sich irgendwie zufrieden, zwar sehr müde aber zufrieden. Dass er seine Beine nicht mehr spüren konnte und auch schwerlich Luft bekam störten ihn zu seinem eigenen Erschrecken nicht einmal. Träge schwank er seinen Blick durch das Visier des Helmes noch einmal auf das Schlachtfeld. Jede Bewegung, ob von Mensch oder Untotem, zog sich quälend lang wie ein Stein Spuren hinterlässt wenn er über das Wasser gelupft wird. Eisiger Wind kroch dem König über seinen Rücken und er konnte kaum noch etwas wahrnehmen. „Nun dann, noch viel Erfolg euch... .“ dachte er und wollte gerade seine Augen schließen, als ihm jemand den Helm abnahm und er noch einmal die frische Luft roch. Nun sie roch mehr nach Schweiß und Blut, war aber frischer als der Dampf unter des Königs Helm. Irgendwie kam ihm das Gesicht doch bekannt vor welches ihn da anstarrte- doch vorrher war es nicht so verzerrt und verschwommen gewesen.
„Mytho...?“ hauchte der König leicht belustigt... .

Neue Kräfte

Dicke Tränen rollten über das schmutzige Gesicht der Zauberin. Vor Mia schwebte Tyren ungefähr ein Meter über dem Boden. Ein Schwebezauber lies den schwerverletzten und bewusstlosen Magier leicht wie Luft werden.
Durch die kämpfenden Massen bahnte sich Mia ihren Weg zum Lazarett, sie wollte stark sein, stark wie es die Krieger der Krone waren.
Sie konnte sich jetzt nicht erlauben schwach zu werden, nicht jetzt da es schlecht stand um ihre Gefolgsleute. Doch wie konnte sie stark sein, sie verlor etwas was sie gerade gewonnen hatte, nie zuvor fühlte sie solch starkes Gefühl. Sie liebte ihn doch wie konnte er jetzt von ihr gehen.
„Nein...du bist stark, entschlossen und...allein!“.
Mia schlurfte weiter, sie wollte doch, jedoch konnte sie nicht, der Kampf um sie herum verlagerte sich. Es wurden immer weniger Krieger, die verbissen gegen die übermächtige Schar der Untoten und Skelette antrat.
Auf ihrem Weg in Richtung „heilende Heimat“ sah Mia in ebenso trostlose und verschlissene Gesichter wie sie selbst eins trug. Mia schloss sich der Truppe der Verlierer an, Tyren schwebte noch immer bewusstlos vor ihr her, würde er doch endlich aufwachen und ein Zeichen des Lebens von sich geben.
Als sie am Lazarettzelt ankamen standen wie in Reih und Glied die Verwundeten an und warteten darauf verarztet zu werden.
„Die Zauberin kommt, lasst sie durch“ hörte sie entfernt eine Stimme rufen, unbeteiligt ging sie weiter, ohne Hoffnung und Mut.
Jetzt ging alles rasend schnell noch bevor Mia etwas sagen musste, nahm man sich ihr und Tyren an. Mia jedoch stieß den jungen Knappen, der sie von Tyren weg führen wollte Weg. „Nichts trennt mich von ihm, NICHTS“ sagte sie etwas sehr robust. „Aber...“ der Knappe senkte voller Erfurcht seinen Kopf als er ihren blitzenden Blick sah.
Tyren wurde von einer sehr geschickten Heilerin behandelt. Mia stand neben dem Schauspiel und konnte nur teilnahmslos zuschauen. Wieder rollten dicke Tränen über ihr schönes Gesicht. Sie merkte wie der Blick der Heilerin immer dunkler und hoffnungsloser wurde. „Sie werden ihm helfen können oder? Das werden sie doch?“ fragte Mia in der Hoffnung ihre Gesichtszüge falsch gedeutet zu haben. Die Frau schaute hoch und erwiderte einen Blick der Mia innerlich zerbrechen lies. Ihr Atem wurde immer schwerer, sie konnte jetzt nur noch nach Luft japsen. Ihr Körper zitterte und ihr Herz klopfte in einer Frequenz die sie nie zuvor erlebt hatte.
„Madame..“ Die Heilerin wollte die total abwesende Mia ansprechen.
„Madame..“ Mia schaute sie an, oder besser gesagt sie versuchte es, sie konnte ihren Blick nicht auf einen Punkt fixieren.
„Madame, ihr Freund hier wird...so leid es mir auch tut nicht überleben. Sie sollten jetzt dicht an seiner Seite sein, er ist wach und er fragte nach ihnen“ sagte sie und ging fort.
So halb Mia ihre Worte nur aufgenommen hatte, so fest klammerte sie sich an die Tatsache das er wach war, er war wach und am Leben.
Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und ging dicht an die Pritsche mit Tyren darauf heran.
„Mia...liebste Mia.“ Tyren flüsterte mit schwacher Stimme.
Mia bückte sich zu ihm herunter, ihre Hand strich über sein Gesicht. Sie konnte jetzt nichts sagen, zu schwer fiel ihr es zu akzeptieren das er sterben wird. „Mia bitte versprich mir, das du weiter kämpfen wirst!“ sagte er jetzt gestärkt von seinen eigenen Worten.
Mia nickte nur, sie kämpfte noch immer ihren eigenen Kampf.
„Mia...hör mir jetzt gut zu, ich werde jetzt bald gehen müssen...“ bei seinen Worten rollten wieder dicke Tränen über ihr Gesicht.
„Doch werde ich immer bei dir sein, verstehst du, immer. Ich werde in dein Amulett übergehen und dir die Kraft geben damit du für die kämpfen kannst die es verdient haben zu gewinnen. Du musste jetzt die Kontrolle übernehmen, du allein bist jetzt in der Lage die Geschicke zum guten zu wenden, hörst du, nur du allein“. Mias Kampf setzte aus, was hatte er gesagt sie sollte die Geschicke leiten aber wieso? Mia war doch nur eine Zauberin, nur eine Zauberin. Leiten können nur Könige und Generäle, allein sie haben die Kontrolle über das Schlachtfeld.
„Mia bitte sei jetzt bei mir!“ seine Stimme war jetzt kaum noch zu hören.
Wie ein Gewitter grollte und blitze es jetzt in Mia, der Kampf war gewonnen, ein siegreicher Streich über die Trauer.
Sie hockte sich vor die Pritsche und küsste Tyren auf seine trockenen, blutigen Lippen. Es tat so gut ihn noch mal zu spüren, zu spüren wie der Manafluss in ihm noch intakt floss.
„Tyren...ich...werde siegen, wir werden siegen“ hauchten ihre weichen Lippen. Sie legte jetzt ihre beiden Hände auf seinen Bauch und schloss die Augen. Sie füllte beide Herzschläge, die sich jetzt aneinander anglichen. Langsam drang Tyrens Manafluss in sie ein, wie nach einem Schluck heißem Tees, breitete sich die Wärme des Manas in ihr aus. Als sich der Fluss an ihrer Brust sammelte, flammte ihr Amulett auf und schloss das Mana ein.
Es war getan, Tyrens gesamte Macht war in das Amulett übergegangen, so wie eins die Macht ihrer Mutter in dieses Amulett verschlossen wurde.
Mia spürte was sich verändert hatte, sie spürte die grenzenlose Macht, mächtig und entschlossen küsste sie Tyren noch ein letztes Mal und richtete sich auf. Es war Zeit zu handeln, Zeit für den Sieg.
Ein fürchterliches Getose riss sie plötzlich aus ihren Gedanken.
Als sie sich umdrehte sah sie den König leblos auf einer Trage liegen, die gerade an ihr vorbei geführt wurde.
„Mia...“ rief plötzlich eine bekannte Stimme nach ihr.



Licht ins Dunkel

Hart traf der Streitkolben auf das große Breitschwert von Halvar, Funken zogen sich durch die Luft. Schwer atmete der großgewachsene Nordmann. Schon mehrere Stunden währte die Schlacht vor den Toren Hildesias und es war noch kein Ende in Sicht. Rund um den Nordmann befanden sich zahlreiche leblose, davon abgesehen dass sie keineswegs zuvor lebend waren, Körper vom Feind. Scheinbar endlos waren die Heerscharen des Feindes, kaum war eine Reihe geschlachtet schon trat die nächste Reihe vor. Ohne Angst, ohne Schlaf, Durst und Hunger, ohne Gefühle. Nur ihr innerer Antrieb zu töten und die Befehle ihres dunklen Anführers, der Gottheit Morgoth, folgend, trieb sie an. Halvar schwang sein Schwert mit zwar schwindender aber immer noch genügend Kraft über seinen Kopf hinweg, parierte mit einem „Dachs“ den Angriff des Untoten und schwang sich geschickt über die Flanke seines Gegners um ihm dann den tödlichen Stoß in den Brustkorb zu geben. Kraftlos sank der Angreifer zu Boden. „347!“ Rief Halvar.
„348, du Halbstarker!“ brüllte eine raue Stimme zurück. Morius der kleine Zwerg stand keine zehn Schritte von seinem neuen Waffenbruder entfernt und schwang fleißig seine beiden Äxte welche aus Skull, dem Stahl der Zwerge gefertigt waren und tödliche Schärfe besaßen. Sie durchtrennten so gut wie alles- vom Schwert über den Brustpanzer bis hin zu Knochen und Fleisch- ob nun tot oder untot.
Ein Bauer mit einer blutverschmierten Axt rannte an den beiden Kriegern vorbei in Richtung Stadt. Nichts ungewöhnliches, viele Kämpfer auf der Seite der Lebenden waren unerfahren.
Noch mehrere Bauern rannten panisch in Richtung der trügerisch schützenden Heimat, gefolgt von Reitern und gepanzerten Soldaten. Morius und Halvar stockten, immer mehr Kämpfer traten den Rückzug an. Ein prüfender gegenseitiger Blick verriet beiden dass keiner von ihnen die Posaunen zum Rückzug gehört hatte. Fluchend hielt Halvar dem nächsten flüchtenden bauern welcher an ihm vorbeirennen wollte die flache Seite seines Schwertes auf Brusthöhe entgegn. Stöhnend prallte der Bauer gegen das Schwert und fiel zu Boden. Der hohe Körper des Nordmannes beugte sich über den Bauern.
„Weshalb flüchtet ihr?!“ raunte er ihn an.
„D..der König ist gefallen! Wir sind verlorern wir sind verloren!! Lass mich- AHHH!!“ schreiend rappelte sich der Bauer auf und rannte die Arme wild über seinem Kopf fuchtelnd weiter Landeinwärts.
Entsetzt blickte Halvar den Zwerg an, der neben ihm gestanden hatte. Auch er war entsetzt. „Die Ostfront ist gefallen! Rückzug-Rückzug!!“ brüllte jemand.
Einen Augenblick später setzten schallend die Posaunen ein und blasen zum Rückzug.
„Verdammt!“ fluchte Morius. Hastig traten die beiden Krieger den Rückzug an- in nicht allzu weiter ferne konnten sie bereits sehen wie berittene OdM-Truppen und Skelettkrieger über die Flüchtenden herfielen und ihnen den Tod brachten. Schwer keuchten beiden als sie begannen zu rennen.
Vorbei an gefallenen Menschen und durch blutige Pfützen. „Moriuuuusss..!“
Rief Halvar noch, doch dann rammte er mit einem Krachen gegen ein totes gefallenes Pferd. Irgendwo war er gestolpert und lag nun am Boden. Hastig drehte er sich um und blickte in das Angesicht eines Reiters in schwarzer Rüstung der seine blitzende Lanze auf ihn richtete. Die Schmerzen in seiner Brust ignorierte er angesichts seines Todes.
Bei Odin- wo ist mein Schwert!! Schoss es Halvar durch den Kopf, doch er konnte es nicht sehen, genauso wenig wie Morius.
Ein schallendes, gemeines Lachen ertönte aus dem Helm des Reiters als dieser seine Lanze anhob- und dieses Lachen, so gemein und hasserfüllt es auch war, musste trotzdem verstummen und konnte nichts mehr gegen den vier fuß hohen Felsbrocken unternehmen welcher den Reiter samt seines Pferdes in einen Haufen Mus verwandelte und noch mehrere Gegner hinter ihm erdrückte während er durch den Schlamm rollte.
Halvar war verwirrt und stieß ein „ODIN“ gen Himmel.

Entmutigt über die schweren Verluste befahl der oberste General des Königs den Rückzug. Kurz nachdem die Posaunen verstummt waren, und der General den Untergang der Menschheit bereits vor Augen hatte, ertönten wieder die Posaunen. Erstaunt warf er einen Blick auf die königlichen Posaunenträger. Keiner von ihnen blies. Hoch oben auf einem der Aussichtstürme von Hildesia befand sich der General, hastig lief er ans andere Ende der Zinnen und blickte nach Süden, dort wo die Posaunen herkamen- und dort wo die Dragon Lords das Land für sich beanstandeten.

Etwa auf der Höhe von vierzig Fuß, hoch oben auf den sandsteinfarbigen Mauern der Festung bei Eldoria, dem Hauptsitz der Britannischen Dragon Lords, waren zwölf goldene und zehn Meter lange geschwungene Posaunen befestigt. Aus diesen Posaunen traten seit mehr als hundert Jahren zum ersten mal wieder Töne. Töne die sich weit über die Grenzen des Dragon Lord Landes hinaus schütteten und selbst noch im weit entfernten Trinsic zu hören waren. Töne die das Glas in den Scheiben der Fenster und die Becher in den Schränken zum zittern brachten. Die schweren, meterhohen Haupttore der Feste waren geöffnet worden und schütteten scharenweise Soldaten aus die in ihren goldenen Rüstungen bis nach Britain hin als leichtes Glänzen am Himmel zu erkennen waren.
Laut hallte der zackige Marschschritt bis nach Hildesia, obwohl dies fast eine Tagesreise entfernt war.

„Diese Narren! Wieso mussten sie so lange warten?! Sie werden niemals rechtzeitig hier sein, Hildesia wird nicht mehr stehen wenn es morgen ist!“
fluchte der General lautstark von den Zinnen des Turms.
Irgendjemand zog an seinem Umhang. Wütend drehte sich der General um und wollte bereits losschreien als er erkannte was man ihm sagen wollte.
Scheinbar hatten Magier der Dragon Lords ein Portal geöffnet und der Ausgang befand sich kurz vor den Toren Hildesias.
„Bei allen Göttern... .“hauchte der General.

Verwundert blickte sich Halvar um. Hinter ihm stand Morius und blickte ebenfalls gerade hinter sich. Ein riesiges blau-violett flackerndes Portal hatte sich geöffnet. Aus ihm heraus traten ohne dass ein Ende absehbar waren zehnreihige Fußtruppenverbände mit großen Lanzen. Hie rund dort konnte man hohe wehende Flaggen mit dem Symbol der Dragon Lords erkennen.
Morius und Halvar stockte der Atem, sie verharrten für mehrere Sekunden stockend in ihrer Position, genauso wie viele der anderen Flüchtenden.
Barsche Befehle hallten durch die Reihen und wurden im hundertfachen Echo zurückgegeben. Schon längst hatten die goldenen Reiter die letzten Flüchtenden überholt und eine riesige Schneise zwischen den Feind geschlagen indem sie ihn einfach überrannten.
Halvar zählte Tausende, nein Abertausende Lanzenträger, Schwertkämpfer und Bogenschützen, die vorbeihetzenden Reiter nicht mitgerechnet. Sein Herz begann vor Erfurcht zu pochen und es erfüllte ihn mit mehr Mut.
„AAAAHHHHHHH!!!!“ schreiend sprang Halvar auf und alle Schmerzen waren wie weggefegt. Während er rannte, zog er das nächstbeste Schwert welches er greifen konnte aus einem Untoten heraus und rannte wieder zurück an die Front. Zu seinem Erstaunen war es sein eigenes Schwert welches er wieder in seinen Händen hielt- Odin musste ihm wirklich wohlgesonnen sein!
Ebenfalls schreiend und brüllend liefen nicht nur Morius sondern auch alle anderen vorher geflüchteten Krieger zurück an die Front, erfüllt mit neuer Kraft und neuem Mut.

Hoch über den Wolken ergab die neue Wende der Schlacht ein seltsames Bild welches wohl genau den Krieg wiedergab welcher auch über den Wolken seinen Einzug gehalten hatte.
Ein Augenpaar verfolgte den Schlachtenverlauf.
Zum Westen war die Stadt Hildesia, teils in Trümmern und Rauch liegend. Im Osten der Sumpf, ebenfalls teils in dichten Rauch eingehüllt. Die Truppen der Menschen hatten von hier oben einen silbrig bis weißen glänzenden Farbton der nun stark mit einem goldenen vermischt worden ist. Die truppen der Untoten hingegen schimmern eher Matt Schwarz bis Braun.
Wütend über die goldene Farbmischung verengte sich das Augenpaar, als eine laute aber freundliche Stimme von irgendwoher sprach: „Morgoth, Bruder...“


In der Ferne

„Alverte“ rief die hübsche Zauberin.
In nu stand sie neben Donovan und Markus. Überrascht staunten die beiden über die Erscheinung, beide hatten sich schnell aus dem Kampf beim ersten Anzeichen des Todes zurückgezogen.
Mia fand die beiden im Schlossturm wieder, wo sie gerade am Essen und diskutieren waren.
„Folgt mir“ sagte sie streng auffordernd. Markus und Donovan folgten ohne ein Murren, sie wagten es nicht der Zauberin wiederstand zu leisten, denn auch sie spürten die Veränderung in ihr.
„Alverte“
Jetzt standen die drei vor dem Lazarettzelt bei Mytho. Auch er folgte ohne Worte.
„Alverte“
Die Gefährten waren wieder beisammen, Morius, Halvar und Lirav waren gerade im stande wieder den Kampf auf zunehmen als Mia sie mit den drei anderen aufsuchte. Überrascht aber zu gleich erfreut vernahmen sie ihre Ankunft.
Morius schaute in das Gesicht der Zauberin, es war anders als zuvor etwas war mit ihr geschehen. „Was ist? Der Sieg ist jetzt möglich, wir sollten nicht zögern“ sagte Halvar vom rausch des Kampfes übermannt.
„Schweig du Narr“ zischte Lirav. Er hatte schneller als alle anderen erkannt, was los war. Mia nickte Lirav mit nichts sagendem Blick zu.
Das Amulett an Mias Brust glühte in heller Farbe, alle schauten auf das Amulett, es zeigte jene Entschlossenheit, die jetzt von Nöten war.
„Der Kampf muss jetzt weiter gehen, wir dürfen den Dragon Lords nicht die ganze Arbeit überlassen. Es ist unser Land welches wir zu verteidigen haben. Unsere Streitkräfte sollen sich wieder sammeln und an unserer Seite den Krieg beenden“. Ihre Stimme rollte wie ein Donnern über den Sumpf und die Steppe Hildesias. Der Mut der mit den Dragon Lords kam, stieg ins unermessliche, schnell bauten sich Hildesias Truppen um Mia und ihren Gefährten herum auf. Die Kontrolle war übernommen.
„Wartet!“ rief sie ihren Kriegern zu die ungeduldig den Kampf wieder auf nehmen wollten. „Wir folgen dem goldenem Licht in die Schlacht“. Niemand verstand was sie damit sagen wollte. Bis ein gleißendes Licht durch die Wolken trat. „Jetzt“. Ihre Stimme hallte zusammen mit dem donnernden Gebrüll des Lichtes aus den Wolken.
Denn Kriegern fegte es fast die Füße weg als sie Eldoras anmutige Gestallt aus den Wolken schießen sahen.
„Eldoras ist mit uns“
„JA, der Sieg ist unser“
„Für Hildesia“
Angestachelt von dem göttlichen Segen, stürmten die Krieger der Krone gegen die Übermacht der Untoten.
„Das ist für dich“ Mia umschloss ihr Amulett und ritt mit wehenden Haaren vor ihren Truppen, Seite an Seite mit ihren Gefährten.
Während die neu formierten Truppen dem goldenen Licht folgten, sahen sie zum ersten mal Eldoras, den Goldenen Urdrachen, wie er durch eine dichte Wolke schwebte und der goldene Strahl seiner Aura Gut wie Böse blendete. Mit seinen dreißig Metern Länge und einer Spannweite der Schwingen von etwa den doppelten Ausmaßen ließ er zudem vielen das Blut förmlich in den Adern stocken.
Mia führte die Spitze der Truppen an und ritt direkt auf die Spitze der Dragon Lord Truppen zu. Als sie auf etwa der gleichen Höhe wie deren Anführer ritt blickte sie zu ihrer rechten Seite und sah ins Gesicht des Mannes auf dem golden gepanzerten Pferd. Auch er drehte sich ihr zu und schob das schwere Visier seines Helmes hoch. Mia erschrak sich. Ihr gegenüber saß der eine alte Mann welcher ihr damals beim morgendlichen Bad erschienen war. Und er lächelte ihr zu. Seine Lippen bewegten sich nicht aber sie konnte in ihrem Kopf deutlich seine Worte hören. „Es ist deine Schlacht, dein Sieg, viel Erfolg!“
Mit diesen Worten wandelte er sich ohne dass Mia es nachvollziehen konnte und nahm ebenfalls die Gestalt eines Drachen an, nicht ganz so pompös wie Eldoras, aber keinesfalls recht weniger mächtig aussehend und schwang sich in die Lüfte um sich neben seinem Herren am Himmel zu postieren.
Nach und nach erschienen immer mehr Drachen neben Eldoras, auch wenn sie alle weit kleiner waren als er und der zweite andere Drache, waren sie doch wohl die mächtigsten Waffen welche das Herr der Lebenden nun mit sich führte.
Als die beiden Armeen aufeinander trafen, erhellte das Feuer der Drachen das Schlachtfeld und spendete über die hereinbrechende Nacht das Licht ins Dunkel.

Hoch über den Wolken konnte man klar sehen wie das Schwarz und Braun langsam wich und bald komplett verschwunden war.

Unten auf der Erde, inmitten der Sümpfe vor Hildesia, kam langsam Ruhe ein- Ruhe vom Kampf und vom Tod und wich dem Freudengeschrei des Siegers. Wiedereinmal war die Dunkelheit kurz vor dem alles gewinnenden Sieg und wurden dann doch in letzter Not mit einem großen Aufbäumen des Lichts zurückgeschlagen.
Den Truppenverbänden der Untoten und der Anhängerschafft des Morgoth standen ein verbündetes Heer von den verschiedensten Menschenrassen und Gilden, Zwergen und zu guter letzt noch den Elfen, welche zu später Stunde kurz nach Eintreffens Eldoras doch noch kamen, entgegen.
Viele geschlagene Rassen wie die Dunkelelfen und Orken hielten sich im Hintergrund und bleckten ihre Wunden. Niemals hätten sie ihren Erzfeinden geholfen, auch wenn deren Untergang ihr eigenes Schicksal geworden wäre.
In den nächsten zehn Jahren wurden die meisten Städte wieder aufgebaut, die Felder neu bestellt und das Leben ging langsam wieder seine gewohnten Bahnen, auch die Orküberfälle stellten sich wieder wie früher ein.
Dennoch, gerade in den ersten Jahren machten sich viele Geplagte mit Schiffen auf in den Süden, in ein verheisnissvolles, neues Land, um dort den dauerhaften Frieden zu finden.
Doch all dieses ist eine andere Geschichte, genauso wie es eine andere Geschichte sein wird um die neu gefundene Freundschaft zwischen den Gefährten.

Überall auf dem Schlachtfeld und auch im nahen Hildesia wurden Freudenfeuer entzündet. Auf einer kleinen Anhöhe, auf welcher sich frisches unbeflecktes Gras befand, saßen Mia, Morius, Halvar, Lirav, Mytho, Markus und Donovan auf zwei Baumstämmen um ein kleines Feuer herum und schweigten. Jeder von ihnen hatte große und kleine Opfer geben müssen derer sie nun gedachten.
Ein leichter Wind kam auf und der von pechschwarzen Wolken verhüllte Himmel tat sich langsam auf und gab einen berauschenden blick auf den dunklen Himmel auf mit all seinen Sternen die an diesem Abend heller zu leuchten schienen als sonst.
Mia umfasste ihr Amulett und konnte zum ersten mal seit langem ein ehrliches Lächeln hervorbringen und fühlte sich, umgeben von ihren Freunden, geborgen. Sie blickte nach oben in den Himmel und sah den großen hell leuchtenden Himmelskörper an der seit jeher den Nachthimmel beherrscht hatte und flüsterte leise zu sich selbst: „Heute ist Neumond.“
E N D E

"Impressum"

Verfasst: 4. Aug 2005, 15:34
von Onkel Geri
Text/Idee: Fenna Weichelt
Matthias Dominik Haase

Basierend auf Ultima Online – Mystical Islands und Fallen Lands (Matthias) sowie einer eigenen Fantasie Welt (Fenna)

Entstanden im Juli 2003 nach bestandenem Abschluss des Abiturs auf Initiative von Matthias um die „Zwischenzeit“ ein wenig zu versüßen.
Gewachsen zu einem Fantasie Projekt was beide Autoren nicht gedacht hätten was für Freude und Spaß sie dabei hatten und
Beendet über ein Jahr später am Sonntag den 8. August 2004 um 00:23 Uhr.

Zusammenstellung im Word 2k: Matthias Dominik Haase

Archivierung der einzelnen Texte: Fenna Weichelt

Entstehungsorte/Autor: Kapitel 1,3,5,7,9,11,13,15,17,19 bei und von Matthias Dominik Haase
Kapitel 2,4,6,8,10,12,14,16,18,20 bei und von Fenna Weichelt
Kapitel 21 – erster Teil bei Matthias Dominik Haase, von : Beiden
Kapitel 21 – restlicher Teil bei Fenna Weichelt, von : Beiden

Lektorat: wurde gestrichen da wir stolz auf unsere Rechtschreibfehler und Grammatik sind
(außerdem werden all die Fehler und „verbalen“ Schnitzer uns später ein Lächeln auf unsere Lippen zaubern!)

Personen/Charaktere: Alle Personen sind frei erfunden und stehen in keinem Zusammenhang mit
lebenden oder bereits verstorbenen Personen.
Ausgenommen einiger Charaktere die Namentlich und teilweise in deren Funktion
von den Ultima Online Free Shards Mystical Islands und Fallen Lands übernommen
worden, jedoch deren Verhaltensweisen frei erfunden worden sind. Mögen
sich diejenigen Personen denen ihren Charakteren einmal „Leben“ eingehaucht haben
über die Erwähnung freuen und sich an gute alte Zeiten erinnern.

Rechte: Die Rechte an der Fantasie Geschichte „Neumond 21“ liegen bei
Fenna Weichelt
und
Matthias Dominik Haase.

Kontakt: Bei Fragen, Anregungen und Sonstigem (z.B. Autogramme..) bitte Postalisch an:
Matthias Haase
Lindenallee 10
22869 Schenefeld
oder per Email an:
matthiasdhaase@gvanb.de

Bezugsquellen: www.m-d-h.de / www.gvanb.de