Eine finstere Nacht war es gewesen. Donnern zerriss das Lärmen des wütenden Sturmes. Blitze erhellten die Nacht und ließen sie für einen Lidschlag zum Tage werden.
Verängstigt schmiegten sich die Kinder des Bauern Algorn Fuxentanz an ihn und seine Frau. Nur die selige Gemeinschaft des Hauses bot einem Trost und Schutz im Hause in dieser Nacht. Müde prasselte das Kaminfeuer und die Flammen verzehrten das letzte Stückchen Holz und labten sich daran mit einem schwachen roten Glühen.
Algorn schreckte hoch, als plötzlich ein Krachen aus der Dunkelheit außerhalb des Hauses das Stürmen übertönte. Aufgeregt blökten die Schafe in ihrem Stall. Algorn schluckte schwer und sah zu seinen Kindern und seinem Weibe. Langsam rutschte er von seinem Schlafstatt. Etwas Stroh glitt hinab, das unter seinem Betttuch aus groben Leinen hervorlugte. Hose und Wams zog er an. Während er seine leichten Lederschuhe anzog blickte er nochmals schwermütig zu seinen Kindern und seiner Frau.
Leicht nickte er und wand sich zur Türe, die ins Freie führte. Langsam trat er heraus und der kalte Wind wehte ihm entgegen. Durch den matschigen Boden watete er Richtung Stall. Müde rieb er sich seine steifen Schultern.
Donner auf Donner hallte durch die Nacht. Er kam dem Stall immer näher. Plötzlich riss er die Augen auf. Das Tor zum Stall war eingeschlagen und verängstigtes Blöcken war aus dem Inneren zu hören. Hastig rannte Algorn näher, doch im Tor blieb er abrupt stehen. Seine Augen verengten sich und schweiften, durch den schwach beleuchteten Raum. Ein paar verängstigte Schafe kamen ihm entgegen, doch da war noch etwas. Ein schmatzendes Geräusch war leise zu hören. Langsam tauchte er in die Dunkelheit ein.
Es dauerte nur wenige Herzschläge und seine Augen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt. Steif hat sich sein Blick auf den Schatten im Dunkeln gerichtet. Langsam schlich er sich zurück. Sein Herz blieb fast stehen, als er die Wand erreichte. Der Schatten erhob sich. Ein wütendes Knurren war zu vernehmen. Algorn zuckte zusammen und presste sich soweit er konnte gegen die Wand.
Langsam kam der Schatten auf ihn zu. Mehr und mehr konnte er mehr Konturen der Kreatur erfassen. Es war kein Mensch. Kein Ork. Auch kein Tier war es, aber es lief auf zwei Beinen. Es schoss ihm plötzlich durch den Kopf, was einst seine Großmutter erzählte: Kreaturen der Finsternis, weder Mensch noch Tier, doch aus Fleisch und Blut. Eine schwarze Seele, nur Töten im Sinn. Werwesen.
Im Geifer der Bestie, die seine Fänge benetzten, spiegelte sich das fahlre Mondlicht wieder, dass spärlich durch Ritzen und durch das Tor eindrang. Algorn öffnete panisch seine Augen, schluckte schwer. Sein Leben rann vor seinen geistigen Augen an ihm vorbei. Die Kreatur jedoch beugte sich über ihn. Den heißen Odem der Kreatur ließ ihn erschaudern.
Plötzlich spürte er etwas an seinen Händen. Etwas hartes. Langes. Algorn packte es und reißt es hervor gegen die Kreatur. Ein grausiges Aufheulen zerreißt selbst das Lärmen des Sturmes. Ein brennender Schmerz auf seiner Brust. Die Wucht des Gegenangriffs der Kreatur raubt Algorn den Atem. Eine selige Schwärze hüllt ihn ein und sein lebloser Leib geht zu Boden.
Licht. Wohlige Wärme. Eine ferne Stimme. Die Augen brennen. Langsam öffnet Algorn seine Augen. Er blinzelt. Seine Frau ist über ihn gebeugt und verbindet seine Wunde. Gequält sieht er sie an.
„Ich habe dich gestern so gefunden, Algorn. Was auch immer in der letzten Nacht bei uns war, du hast es verscheucht, aber du bist verwundet worden.“ Sorgenvoll wird ihr Blick. „Neben dir habe ich eine Art Klaue gefunden. Einschauriges Ding. Sie sah ähnlich aus wie eine Menschenhand, nur so . . . so schrecklich grausam. Blut war och dran. Du hast dem Vieh den halben Arm mit deiner Axt abgeschlagen. Ich bin froh, dass dir nichts passiert ist.“
Algorn staarte sie nur an. Es war morgen und der Sturm hatte aufgehört. Er erhob sich von seiner Ruhestätte trotz des Lärmens seiner Frau. Er musste diese Klaue sehen. Der Weg zum Stall gestaltete sich jedoch schwerer als er dachte. Alle seine Glieder taten ihm weh.
Ehrfürchtig näherte er sich dem Stall. Langsam, ja ängstlich trat er ein. Seine Blicke schweiften umher. Sein Blick wurde starr. Er sah keine Klaue, nein, eine Menschenhand war nur zu sehen. Ja fast zierlich schien sie zu sein. Eine Frauen Hand schien es zu sein. Algorn wandte sich sofort ab und übergab sich. Zitternd taumelte er zurück ins Haus und schilderte seiner Frau was vorgefallen war.
Wenig später brach seine Frau zum Dorfältesten des nahen Dorfes auf und erzählte ihm von dem Vorfall. Der Dorfälteste entsandt sogleich einen kleinen Trupp von gedungenen Kriegern und erfahrenen Jägern. Zwei Tage vergingen ehe der Trupp wieder zurückkam und alles was sie fanden, war der kalte, tote Leib einer Menschenfrau, mit Blut verschmierten Mund und Hand, doch vor allem fehlte ihr ein Arm.